Schmerzen im Unterleib

Schmerzen im Unterleib oder Unterbauch sind häufige Beschwerden, die mittig oder auf der linken bzw. rechten Seite auftreten können.
Sie haben mitunter harmlose Ursachen, die rasch wieder vorübergehen, dürfen aber keinesfalls unterschätzt werden, denn zuweilen verbergen sich ernsthafte Erkrankungen dahinter.

Lesen Sie alles Wichtige zu den häufigsten Ursachen, die für die Schmerzen im Unterleib verantwortlich sind.

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Ursachen für Unterleibsschmerzen

Ursachen für Unterleibsschmerzen bei Erwachsenen:

  • Reizdarmsyndrom – bei dieser Funktionsstörung des Darms neigt die Darmmuskulatur zu Verkrampfungen; der Gang zur Toilette führt häufig zu einer Linderung der Schmerzen.
  • Morbus Crohn – bei dieser chronischen Erkrankung entzündet sich die Innenwand des Verdauungstraktes.
  • Wiederkehrende Harnwegsinfektion (beim Wasserlassen ist meist ein Brennen zu spüren)
  • Verstopfung.
  • Regelschmerzen – schmerzhafte Muskelkrämpfe, die viele Frauen vor und während der Periode spüren.

 

Die häufigsten Ursachen bei Kindern:

  • Verstopfung
  • wiederkehrende Harnwegsinfektion
  • Angst und Sorgen

 

Diagnose von Unterleibsschmerzen

Art des Schmerzes und Begleitsymptome

Die Krankengeschichte des Patienten gibt dem Arzt bereits wichtige Informationen auf die möglichen Ursachen der Unterbauchschmerzen:

Beginn der Schmerzen
Setzen die Bauchschmerzen plötzlich ein, kann das ein unerwartetes Ereignis bedeuten, wie ein Durchblutungsausfall (Ischämie) des Kolon oder der Verschluss des Gallengangs durch einen Gallenstein (Gallenkolik).
Der Begriff akuter Bauch oder akutes Abdomen bezeichnet eine meist akut einsetzende Symptomatik bei vielfach lebensbedrohlichen Erkrankungen im Bauchraum.

Bestimmung der Schmerzstelle
Eine Blinddarmentzündung ruft in der Regel Schmerzen in der mittleren Bauchregion hervor, die dann in den rechten Unterleib ziehen, wo die anatomische Position des Blinddarms liegt.
Eine Divertikulitis verursacht Schmerzen im linken Unterbauch, wo vermehrt Schleimhautausstülpungen (Divertikel) anzutreffen sind.

Art des Schmerzes
Ein Darmverschluss verursacht zunächst wellenartig auftretende, schmerzhafte Bauchkrämpfe, die durch die Kontraktion und Entspannung der Darmmuskulatur hervorgerufen werden.
Der krampfartige Schmerz lässt annehmen, dass es sich um sehr kräftige Kontraktionen handelt.

Der im Darm entstehende Schmerz kann weit ausstrahlen und sich bis in die Gesäßmuskeln, Leistengegend, Oberschenkel bis hin zum Knie fortsetzen.

Dauer des Schmerzes
Beim Reizdarmsyndrom treten die Schmerzen häufig wechselhaft auf, sie kommen und gehen und können Jahre oder Jahrzehnte andauern.
Eine Gallenkolik dauert nur ein paar Stunden.
Bei Erkrankungen, bei denen Magensäure eine Rolle spielt, wie die Refluxkrankheit oder Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, gibt es ganz unterschiedliche Schmerzphasen: wochen- oder monatelang sind die Beschwerden sehr stark, dann folgt eine Zeit eher leichter Schmerzen.

Auch funktionelle Schmerzen können wechselhaft sein.

 

Was verschlimmert den Schmerz?

Entzündungsbedingter Schmerz (Blinddarmentzündung, Divertikulitis) wird durch Niesen, Husten oder andere Bewegungen, die das Zusammenziehen der Bauchmuskeln bedeutet, verstärkt.

 

Was lindert den Schmerz?

Schmerzen, die durch Reizdarmsyndrom und Verstopfung verursacht werden, erfahren eine zeitweilige Linderung durch Stuhlgang und stehen in Zusammenhang mit Veränderungen in den Stuhlgewohnheiten.
Wenn der Patient nachts durch die Schmerzen aufwacht, sind diese vermutlich nicht funktioneller Natur.

 

Unterleibsschmerzen bei Männern

Drei Funktionssysteme können Auslöser für Schmerzen im männlichen Unterleib sein:
Der Magen-Darm-Trakt ist bei Männern und Frauen in etwa derselbe, seine Strukturen liegen im Unterbauch und umfassen Dünndarm, Dickdarm, Blinddarm und Rektum.
Das Harnsystem besteht aus Nieren, Harnleitern und Harnblase.
Zum männlichen Fortpflanzungssystem gehören Prostata und Bläschendrüsen.

Im Unterbauch liegen außerdem Nerven und Blutgefäße wie die Bauchaorta. Auch Organe, die nicht im Unterleib liegen, können dort Schmerzen hervorrufen, weil sie übertragen werden.
Die Bauchmuskulatur kann beschädigt sein und Unterleibskrämpfe verursachen.

Ursachen für Unterleibschmerzen bei Männern
Erkrankungen, die vermehrt bei Männern auftreten:

  • Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie)
  • Blasenkrebs
  • Nieren- und Blasensteine
  • Bauchaneurysma

In der Regel besteht ein durchschnittlich hohes Risiko für Blindarmentzündung, Darmverschluss, Gastroenteritis, Reizdarmsyndrom und Infektionen des oberen Harntraktes.
Eine Entzündung im kleinen Becken und Blaseninfektionen betreffen Männer nicht.
Bei akut und heftig einsetzten Unterleibsschmerzen bei Männern können ein  Leistenbruch oder eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung dahinter stecken.

 

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Behandlung von Unterleibsschmerzen beim Mann
Zunächst muss die Ursache der Beschwerden im Unterbauch festgestellt werden, bevor die Behandlung beginnen kann.
Probleme wie Blähungen oder Darmreizung lassen sich leicht mit den richtigen Medikamenten und durch Ersetzen der verlorenen Flüssigkeit behandeln.
Bei einer Infektion helfen Antibiotika.
Ernsthafte Krankheiten wie Blinddarmentzündung, abdominales Aneurysma, Nierensteine, Hernien und Prostatavergrößerung bedürfen einer sofortigen ärztlichen Behandlung.

Unterleibsschmerzen bei Frauen

Die meisten Frauen leiden hin und wieder unter Unterleibsschmerzen. Regelschmerzen treten mit dem Einsetzen der Periode auf.
Die häufigsten Ursachen für Unterbauchschmerzen sind Erkrankungen und Störungen im Harnsystem (Blase oder Nieren), im Darmtrakt oder Fortpflanzungssystem (Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke).

Harnsystem
Harnwegsinfektionen kommen häufig vor und verursachen ein Brennen beim Wasserlassen und häufigen Harndrang.
Die Infektion kann sich auf die Nieren ausweiten (Nierenbeckenentzündung oder Pyelonephritis) und ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber und Rückenschmerzen hervorrufen.
Für sehr starke Schmerzen, die vom Rücken nach unten bis in die Leistengegend ziehen, sind möglicherweise Nierensteine verantwortlich.

Tumoren im Harnsystem kommen nicht häufig vor und der Arzt wird berücksichtigen, wie lange die Beschwerden bereits andauern.

Verdauungsapparat
Verstopfung und Durchfall können kolikartige Schmerzen hervorrufen; das bedeutet, sie steigen wellenförmig an und lassen dann nach.

Völlegefühl ist ein anderes häufiges Symptom, das durch eine Darmstörung verursacht wird.
Viele Menschen leiden an einem Reizdarmsyndrom (RDS), das Durchfall, Verstopfung und Völlegefühl mit sich bringen kann.

Geschlechtsorgane
Die Schmerzen können in der Gebärmutter, den Eileitern oder Eierstöcken entstehen.
Durch einen Eierstock verursachte Schmerzen treten typischerweise einseitig auf.
Gebärmutterbedingte Schmerzen nehmen meistens während der Monatsblutung zu und werden als Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe) bezeichnet.
Achtung: Regelschmerzen kommen zwar äußerst häufig vor, stellen aber dennoch keinen Standard dar: eine gesunde Frau sollte keine Schmerzen haben.
Manche Erkrankungen, die das Fortpflanzungssystem betreffen, können auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehrt (Dyspareunie) verursachen.

Schmerzen nach dem Eisprung
Beim Eisprung können leichte Schmerzen rechts oder links im Unterleib auftreten; das ist ein Zeichen dafür, dass der Eierstock eine Eizelle abgeben hat. Der Schmerz ist erträglich und bedarf meist keiner Behandlung.

 

Schwangerschaft

Welche ernsthaften Probleme können Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft bedeuten?

Eileiterschwangerschaft
Eine ektope Schwangerschaft (Extrauteringravität) liegt dann vor, wenn sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutterhöhle einnistet, in der Regel geschieht das in einem Eileiter. Das kann zu Krämpfen und anderen Beschwerden zu Beginn der Schwangerschaft führen.
Bei Nichtbehandlung kann eine ektope Schwangerschaft gefährlich werden. Es sollte sofort ein Arzt verständigt werden, wenn eines der folgenden Symptome auftritt: Schmerzen in der Bauch- oder Beckenregion, vaginale Blutung (diese kann rot oder bräunlich, heftig oder schwach, dauerhaft oder wechselhaft sein), Schmerzen, die bei körperlicher Aktivität, beim Stuhlgang oder Husten zunehmen.

Fehlgeburt
Eine Fehlgeburt erfolgt innerhalb der ersten 20 Schwangerschaftswochen (SSW). Spotting oder vaginale Blutungen sind in der Regel das erste Symptom, gefolgt von Bauchschmerzen, die sich Stunden oder Tage später bemerkbar machen.
Die Blutung kann gering oder heftig sein. Die Schmerzen können andauern oder krampfartig auftreten, schwach oder stark sein und in der Lendenregion oder als Druckgefühl in der Beckengegend vorkommen.

Frühgeburt
Von einer Frühgeburt spricht man, wenn sich der Muttermund durch Wehen vor der  37. SSW öffnet.
Es muss sofort ein Arzt oder eine Hebamme kontaktiert werden, wenn im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel (vor der 37. SSW) die folgenden Symptome auftreten:
1. erhöhte Scheidensekretion oder veränderter Ausfluss (wässrig, schleimartig oder blutig – auch eine leicht rosa oder blutige Färbung),
2. Bauchschmerzen,
3. Krämpfe mit mindestens 4 Kontraktionen pro Stunde (auch wenn sie nicht schmerzhaft sind),
4. erhöhter Druck in der Beckenregion,
5. Rückenschmerzen, vor allem wenn die Frau gewöhnlich nicht daran leidet.

Plazentaablösung
Die vorzeitige Ablösung der Plazenta ist eine gefährlich Erkrankung, bei der die Plazenta sich ganz oder teilweise von der Gebärmutter löst, bevor das Kind geboren ist.
Die Symptome sind unterschiedlich.
Die Plazentaablösung kann eine plötzliche und deutliche Blutung auslösen, in anderen Fällen ist die Blutmenge eher gering.
Wenn die Fruchtblase platzt, tritt eine blutige Flüssigkeit aus.
Es können leichte Beschwerden der Gebärmutter, Rückenschmerzen oder häufige Kontraktionen auftreten, oder aber die Gebärmutter zieht sich zusammen und bleibt hart – wie ein Krampf oder eine Wehe, die nicht vorübergeht.
Man kann auch eine verminderte Kindesaktivität bemerken.

Präeklampsie
Die Präeklampsie bezeichnet eine schwere Erkrankung in der Schwangerschaft, die eine Störung der Blutgefäße bewirkt und verschiedene Organe betreffen kann, wie Leber, Nieren, Gehirn und Plazenta.
Charakterisiert wird die Präeklampsie durch Bluthochdruck, Eiweiß im Urin, geschwollenes Gesicht und geschwollene Hände nach der 20. SSW.
Die Symptome sind Schwellung im Gesicht, Augenränder, leicht geschwollene Hände und starkes oder plötzlich auftretendes Ödem (Wassereinlagerung) an Fußknöcheln oder Füßen.
Bei einer schweren Präeklampsie können intensive Oberbauchschmerzen, starke Kopfschmerzen, Sehstörungen (z.B. verschwommener Blick), Übelkeit und Erbrechen dazu kommen.

Harnwegsinfekte
Eine Schwangerschaft begünstigt das Auftreten jeder Art von Harnwegsinfektionen, einschließlich Niereninfektionen.
Zu den Symptomen einer Blasenentzündung gehören:

  • Schmerzen,
  • Brennen beim Wasserlassen,
  • Beschwerden im Beckenbereich oder Schmerzen im Unterbauch (direkt über dem Schambein),
  • unkontrollierbarer und häufiger Harndrang, auch wenn nur sehr wenig Urin in der Blase enthalten ist,
  • trüber, übel riechender oder blutiger Urin.

Achtung: eine nicht behandelte Blasenentzündung kann zu einer Niereninfektion führen und eine Frühgeburt bewirken.
Anzeichen dafür, dass sich die Infektion auf die Nieren ausgeweitet hat und eine sofortige Behandlung notwendig ist, sind:

  • hohes Fieber,
  • Schüttelfrost oder Schweißausbrüche,
  • Schmerzen in der unteren Rückenregion oder auf der Seite (ein- oder beidseitig) direkt unter den Rippen, eventuell auch in der Bauchmitte,
  • Übelkeit und Erbrechen; möglicherweise Eiter oder Blut im Urin.

 

Bauchkrämpfe

Bauchkrämpfe wegen Blähungen
Bauchkrämpfe werden häufig durch Blähungen und Völlegefühl hervorgerufen.
Dieses häufig anzutreffende Problem kann zwar sehr unangenehm sein, lässt sich aber leicht medikamentös behandeln, z.B. mit Buscopan oder Duspatal.

Plötzliche Koliken mit Durchfall
Plötzliche Magenkrämpfe, die zusammen mit Durchfall auftreten, werden vermutlich durch einen Darmvirus hervorgerufen.
Das bedeutet eine Virus- oder Bakterieninfektion im Magen und Darm.
Auch ohne Behandlung sollten die Beschwerden in wenigen Tagen von selbst verschwinden.

Schweren Magenkrämpfen und Durchfall (mit Fieber oder Schüttelfrost) könnte eine ernsthaftere Infektion zugrunde liegen, wie eine Lebensmittelvergiftung.

Wenn Magenkrämpfe und Durchfall über lange Zeit andauern, steckt wohlmöglich eine chronische Krankheit dahinter, wie das Reizdarmsyndrom (RDS).