Gehörgangsentzündung oder Otitis externa – Symptome und Ursachen

„Otitis externa“ bedeutet eine Entzündung des Ohrs im Bereich des äußeren Gehörgangs, die sich nicht über das Trommelfell hinaus erstreckt.

INHALT


Normalerweise wird diese Entzündung durch eine Infektion verursacht.

Äußerer Gehörgang
Das Ohr empfängt die Schallwellen und wandelt sie in elektrische Signale um, die durch die Nerven an das Gehirn geleitet werden.
Der leicht kurvig verlaufende äußere Gehörgang (Meatus acusticus externus) beginnt außen am Ohr an der Ohrmuschel und reicht bis zum Trommelfell.
Die Wand des Gehörgangs wird im äußeren Drittel durch Knorpel geformt, die innen liegenden zwei Drittel werden dagegen aus Knochen gebildet.
Der Gang ist etwa 2,5 cm lang und ist mit Haut ausgekleidet, die bis zum Trommelfell reicht.
Auf diesem Epithel befinden sich:

  1. Haare, die nach außen gerichtet sind;
  2. Drüsen, die das Ohrenschmalz produzieren (Ceruminaldrüsen).

Am meisten sind Kinder und Säuglinge betroffen, aber auch Erwachsenen können daran erkranken.
Selten tritt die Erkrankung beidseitig auf.

Die Otitis media ist eine andere Form der Ohrenentzündung, die den anatomischen Bereich des Mittelohres betrifft; dieses umfasst:

  • Trommelfell,
  • Gehörknöchelchenkette (Hammer, Amboss und Steigbügel).

Eine Gehörgangsentzündung ist nicht ansteckend.

 

Klassifizierung der Gehörgangsentzündung

Die Otitis externa kann verschiedene Formen annehmen:

  • Furunkulös, wenn sie lokalisiert auftritt.
  • Generalisiert, wenn sie diffus verläuft und sich im gesamten Gehörgang ausbreitet.

Otitis externa maligna
In manchen Fällen breitet sich die Gehörgangsentzündung bis in die äußere Ohrmuschel und in das umliegende Gewebe aus, wie Kiefernknochen und Gesichtsbereich.
Diese besonders schwere Form der Gehörgangsentzündung wird als Otitis externa maligna oder progredient nekrotisierende Otitis bezeichnet.
Die Otitis externa maligna wird durch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa verursacht.
Diese aggressive Infektion trifft vor allem Patienten mit einem schwachen Abwehrsystem, wie:

  • ältere Menschen,
  • Diabetiker,
  • Menschen mit Immunschwäche.

Der Terminus „maligna“ bezieht sich nicht auf eine tumoröse Erkrankung.
Wird diese Infektion des Ohres nicht behandelt, kann sie zum Tod führen.


Ursachen der Gehörgangsentzündung

 

Es gibt verschiedene Ursachen der Otitis externa, wie auch verschiedene Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit für ihr Auftreten erhöhen.

Häufige Ursachen

  • Bakterielle Infektion – meist durch Bakterien: Pseudomonas aeruginosa oder Staphylokokkus aureus. Sie tritt häufig im Sommer auf, weil die Menschen ans Meer fahren, ins Schwimmbad gehen, mehr schwitzen oder häufiger duschen; die Folge ist das Eintreten von Wasser in den Gehörgang, wodurch eine ideale Umgebung für die Vermehrung von Bakterien entsteht.
  • Seborrhoische Dermatitis – eine häufige Hauterkrankung, charakterisiert durch Schuppung, Rötung und Krustenbildung, die manchmal auch die Ohren betreffen kann.
  • Infektion des Mittelohrs oder Otitis media – Die Mittelohrentzündung kann sich auch über das Trommelfell hinaus ausbreiten und eine Gehörgangsentzündung hervorrufen.
  • Pilz- oder Hefeinfektion – Pilzinfektionen kommen weniger häufig vor und werden durch verschiedene Spezies von Aspergillus oder Candida albicans verursacht. Zuweilen lassen sie diese nachweisen (Aspergillus beispielsweise verursacht eine schwarze Absonderung), während es in anderen Fällen nicht möglich ist, den Schuldigen zu finden. Wattestäbchen können Pilze übertragen, außerdem kann die Verwendung von Wattestäbchen die Haut im äußeren Gehörgang verletzen und die Entwicklung einer Infektion begünstigen.
  • Reizung oder allergische Reaktion – Die Otitis externa entsteht aufgrund einer Entzündungsreaktion auf Dinge, die ins Ohr gelangen, wie Arzneimittel, Ohrstöpsel oder Shampoo.

Die Otitis externa kann auch nach einer vorausgegangenen Therapie rezidivieren, wenn die Behandlung nicht vollständig und wirksam zu Ende geführt wurde.

 

Risikofaktoren für eine Gehörgangsentzündung

Gehörgangsentzündung oder Otitis externa

Gehörgangsentzündung oder Otitis externa

Die folgenden Faktoren sind keine direkten Ursachen für eine Otitis externa, können aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, diese Erkrankung zu entwickeln.

Wasser und Feuchtigkeit im Gehörgang – Das Risiko einer Otitis externa kann sich erhöhen:

  • beim Schwimmen (vor allem in schmutzigen oder verunreinigten Gewässern),
  • aufgrund übermäßigen Schwitzens,
  • in feuchter Umgebung.

Die Flüssigkeit im Gehörgang ist eine ideale Umgebung für Bakterien und Pilze.

Wind und Kälte sind keine Risikofaktoren einer Otitis externa.

Läsionen im Ohr – Der Gehörgang ist sehr empfindlich und leicht verletzbar durch:

  • Kratzen,
  • heftiges Reinigen, vor allem mit Wattestäbchen,
  • Hörgeräte.

Chemische Produkte – Das Risiko für eine Otitis externa erhöt sich, wenn in der Nähe des Ohres reizende Produkte benutzt werden, wie:

  • Seife,
  • Haarspray,
  • Haarfärbemittel.

Verstopfung des Gehörgangs – Die Verstopfung kann hergerufen sein durch:

  • Ohrenschmalzpfropf,
  • Talgzyste (Atherom),
  • Anomalien in der Ohranatomie, beispielsweise ein enger Gehörgang oder ein Knochenwucherung.

Eine Gehörgangverstopfung begünstigt die Entzündung der Haut und eine Wasseranstauung im Ohr.

Entzündliche Hauterkrankungen – können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, eine Gehörgangsentzündung zu entwickeln, beispielsweise:

Geschwächtes Immunsystem – Konditionen, die das Immunsystem schwächen wie Diabetes, AIDS und chemotherapeutische Behandlungen erhöhen das Risiko für eine Otitis externa und verlängern die Heilungszeiten.

 

Symptome einer Gehörgangsentzündung

  • Erhebliche Schwellung des äußeren Gehörgangs.
  • Vorübergehender Hörverlust oder Hypakusis.
  • Gefühl von verstopften Ohren.
  • Juckreiz; dieser kann sehr intensiv sein, weshalb sich der Patient kratzt und Hautverletzungen verursacht.
  • Ohrenschmerzen; sie verschlimmern sich bei Berührung und bei Kieferbewegungen. Die Ohrenschmerzen sind stark, weil das Außenohr auch aus Knorpel und Knorpelhaut besteht und eine Entzündung dieser Gewebe sehr schmerzhaft ist.

Bakterielle Form

  • Fieber.
  • Lymphknotenvergrößerung in der Umgebung des Ohrs.
  • Gewöhnlich sind Sekretionen gering, schleimig und weiß, können aber auch eitrig (voller Eiter) sein.
  • Bei vorhandenem Granulationsgewebe bei chronischer Infektion sind die Absonderungen blutig.

Mykotische Form (Pilzbefall)

  • Absonderung von weißlichem oder flaumigem Sekret; andere mögliche Farben des Sekrets sind:
    • schwarz,
    • grau,
    • blaugrün,
    • gelb.
  • Tinnitus oder ein Klingeln in den Ohren.

Form in Verbindung mit seborrhoischer Dermatitis
Typischerweise kommt es zu einer umfassenden Hautbeteiligung, meist sind betroffen:

  • Ohr mitsamt der Ohrmuschel,
  • Nacken,
  • Gesicht,
  • Hals.

Die durch seborrhoische Dermatitis verursachte Gehörgangsentzündung charakterisiert sich durch:

  • intensiven Juckreiz, der zu starkem Kratzen verleiten kann;
  • Hautrötung, Verdickung und zahlreiche gelbliche und fettig aussehende Verkrustungen.


Psoriatische Form
Bei Gehörgangsentzündung durch Psoriasis ist häufig auch die Kopfhaut mit einbezogen, seltener das Gesicht.
Bei Menschen mit Psoriasis im Gehörgang erscheint eine dicke rote Läsion mit silbrig-weißen Schuppen.
Oft jucken die Verletzungen.

Form in Verbindung mit allergischer Kontaktdermatitis
Es handelt sich um eine allergische Reaktion auf Allergene in:

  • Nickel enthaltenden Ohrringen,
  • Substanzen, die in Haarpflegeprodukten enthalten sind.

Sie kann plötzlich auftreten.

Es erscheinen:

  • Rötung,
  • rissige Haut und Schrunden (Rhagaden),
  • Schwellung,
  • transparente Absonderungen,
  • Juckreiz.

Der äußere Gehörgang kann auf die Allergene reagieren, auch wenn sie an anderer Stelle keine allergische Reaktion
hervorrufen.
Ohrmuschel und Ohrläppchen können betroffen sein.

 

Bibliografie

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