Mittelohrentzündung: Behandlung, Heilmittel und Dauer

Behandlung der Mittelohrentzündung

Die Behandlung der Mittelohrentzündung hängt von der Schwere der Symptome und der vorhandenen Läsionen ab.

INHALT


Die American Academy of Pediatrics und die Amerikanische Akademie der Hausärzte empfehlen einen Beobachtungszeitraum von 72 Stunden (3 Tage) ab dem Auftreten der ersten Symptome.
Für diese Zeit verordnen Ärzte keine Antibiotika, um die Entwicklung der Mittelohrentzündung zu beobachten. Es können jedoch Entzündungshemmer oder Naturheilmittel empfohlen werden.
Bessern sich die Symptome innerhalb weniger Tage, handelt es sich um eine virusbedingte Mittelohrentzündung und eine antibiotische Behandlung ist nicht erforderlich.

Diese Regel ist besonders angezeigt für:

  • Kinder von 6 bis 23 Monaten mit leichten Ohrenschmerzen, die weniger als 48 Stunden andauern und bei denen keine anderweitigen Symptome vorliegen.
  • Kinder über 24 Monate mit leichten Ohrenschmerzen und fehlenden schweren Symptomen.

Die Methode der Beobachtung ist nicht geeignet für Kinder:

  • Die ein Cochlea-Implantat haben,
  • Die unter wiederholten Mittelohrentzündungen leiden,
  • Mit Fehlbildungen (zum Beispiel Gaumenspalte).

 

Antibiotika bei akuter Mittelohrentzündung

Nach den Leitlinien der American Academy of Family Physicians kann der Arzt bei Ohreninfektion in folgenden Situationen eine antibiotische Therapie empfehlen:

  • Kinder über 6 Monate mit Sekretabsonderungen, mäßigen bis starken Schmerz in einem oder beiden Ohren für mindestens 48 Stunden oder Fieber von mindestens 39°.
  • Kinder von 6 bis 23 Monaten mit beidseitiger Ohrenentzündung, auch wenn die Symptome leicht sind,
  • Kinder von 6 bis 23 Monaten mit einseitiger Ohrenentzündung und mit entsprechenden Symptomen,
  • Kinder über 24 Monate mit starken Schmerzen in beiden Ohren über mindestens 48 Stunden.

Auch nach Besserung der Symptome muss das Antibiotikum wie vom Arzt verschrieben eingenommen werden (gewöhnlich über 5 oder 10 Tage), anderenfalls können sich entwickeln:

  • Wiederkehrende Infektionen der Ohren,
  • Auftreten von resistenten Bakterien auf antibiotische Medikamente.

 

Operation bei Mittelohrentzündung

Der Arzt kann einen Eingriff zur Ableitung der Flüssigkeit aus dem Mittelohr anordnen, wenn das Kind:

  • Eine wiederkehrende Mittelohrentzündung hat, d.h. drei Episoden in sechs Monaten oder vier Episoden in einem Jahr, mit mindestens einer Episode innerhalb der letzten sechs Monate.
  • Eine chronische seröse Mittelohrentzündung mit Sekretabsonderung hat, die sich im Mittelohr anstaut.

Die Drainage wird ambulant mittels eines chirurgischen Eingriffs angelegt und wird Parazentese genannt.

Parazentese
Der Chirurg:

  • Macht einen mikroskopisch kleinen Schnitt im Trommelfell,
  • Setzt einen kleinen Drainageschlauch in das Mittelohr ein, um Flüssigkeitsansammlung zu verhindern,
  • Die Operation dauert etwa 10 Minuten und der Patient wird noch am selben Tag entlassen (Tagesklinik),
  • Einige dieser Schläuche sind für einen Verbleib von sechs Monaten vorgesehen, um dann spontan aus dem Trommelfell wieder auszutreten.

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.

Operation bei chronischer Ohrenentzündung
Bei einer Trommelfellperforation mit deutlichem Hörverlust kann der Chirurg empfehlen:

Einfache Tympanoplastik
Diese Operation erfolgt, um ein verletztes Trommelfell wieder instand zu setzen, wenn nicht vorliegt:

  • Eine Infektion des Mittelohrs,
  • Eine Degeneration der Kette der Gehörknöchelchen.

Dieser Eingriff verschließt auf natürliche Weise das Mittelohr und kann die Hörfähigkeit verbessern.
Die Operation erfolgt in Lokal- oder Vollnarkose.
Der Chirurg verwendet ein Gewebetransplantat, das der temporalen Muskelfaszie entnommen wird, um den Defekt zu beheben.
Der Patient:

  1. Muss möglicherweise über Nacht im Krankenhaus bleiben,
  2. Kann nach einer Woche zu seiner Arbeit zurückkehren.

In der Regel betrügt die Genesungszeit etwa acht Wochen.

Tympanoplastik mit Ossikuloplastik
Die Operation erfolgt zur:

  • Beseitigung der Infektion,
  • Wiederherstellung des Trommelfells,
  • Rekonstruktion der Knöchelchenkette (Hammer, Amboss und Steigbügel) unter Verwendung eines Knorpeltransplantats.

Diese Operation kann das Hörvermögen verbessern.
Der Eingriff kann erfolgen:

  1. In einer Tagesklinik,
  2. Stationär über Nacht in einer Klinik.

Die Anästhesie erfolgt lokal oder allgemein.
Der Chirurg macht einen Schnitt hinter dem Ohr oder operiert direkt über den Gehörgang.

Mastoidektomie
Der Processus mastoideus ist ein knöcherner Fortsatz, der direkt mit dem Mittelohr verbunden ist.
Im Innern des Mastoids oder des angrenzenden Knochens gibt es wichtige Strukturen, wie:

  1. Gehirn,
  2. Innenohr,
  3. Fazialisnerv.

Infektionen an diesem Knochen (Mastoid) sind daher gefährlich, ebenso wie ein chirurgischer Eingriff.
Eine Infektion des Mittelohrs und eine chronisch-eitrige Entzündung des Mittelohrs können sich bis in das Mastoid ausbreiten.
Die Mastoidektomie ist ein operativer Eingriff, der der „Reinigung“ des Mastoidknochens gilt, der Chirurg muss:

  • Den Eiter entfernen,
  • Infizierte Knochenteile ausräumen.

Gewöhnlich erfolgt dies zusammen mit einer Tympanoplastik.
Um zu dem Knochen zu gelangen, macht der Chirurg einen Schnitt hinter dem Ohr.

Genesung:

  • Der Patient kann am Tag der Operation oder am Tag danach entlassen werden,
  • Die gesamte Genesungszeit beträgt 3 Wochen.

Radikale Mastoidektomie
Der Zweck der Operation ist die Beseitigung der Infektion, ohne Erwartung einer Hörverbesserung.
Sie ist bei Patienten angezeigt, die eine stark resistente Infektion haben.
In manchen Fällen kann zur Verbesserung der Heilung eine Transplantation erforderlich sein von:

  • Fettgewebe,
  • Muskel,
  • Knochen.

Die radikale Mastoidektomie wird in Vollnarkose durchgeführt, der Patient verbleibt eine Nacht stationär im Krankenhaus.
Die Genesungszeiten dauern etwa ein oder zwei Wochen.
Die Zeitdauer bis zur vollkommenen Genesung kann bis zu vier Monate betragen.

Therapie der eitrigen chronischen Mittelohrentzündung
Oftmals tritt diese chronische Infektion zusammen mit einer Trommelfellperforation auf, die in der Folge sehr schwierig zu behandeln ist. Sie wird oftmals behandelt mit:

  • Reinigung des Ohrs: Die Flüssigkeit muss gründlich aus dem Gehörgang abgesaugt und drainiert werden.
  • Nach jeder Reinigung und am Abend vor dem Schlafengehen wird mit Antibiotikatropfen behandelt.

 

Behandlung der Ohrenentzündung in der Schwangerschaft

Bei einer schweren bakteriellen Otitis können die Ärzte einige Antibiotika verschreiben, um die Symptome einer Infektion des Mittelohrs oder einer Infektion des Innenohrs während der Schwangerschaft zu lindern.
Der Arzt, der diese Medikamente verschreibt, prüft, ob dies für eine Frau in der Schwangerschaft unbedenklich ist.

Antibiotika bei Mittelohrentzündung in der Schwangerschaft

Amoxicillin
Amoxicillin ist ein Antibiotikum, das der Arzt zur Behandlung von Ohreninfektionen auch bei schwangeren Frauen häufig verschreibt.
Amoxicillin (Augmentin) ist eine Art von Penicillin und wird oftmals zusammen mit Clavulansäure angewendet.
Ärzte können andere Antibiotika verschreiben bei:

  • Patienten mit Penicillinallergie,
  • Bei penicillinresistenten Bakterien.

Zu den Antibiotika, die bei Mittelohrentzündung bei Erwachsenen und Kindern angezeigt sind, gehören auch:

  • Makrolide: Azithromycin (Zithromax).
  • Cephalosporine, zum Beispiel Cefuroxim (Elobact).

Andere Medikamente
Gegen Ohrenschmerzen kann der Arzt entzündungshemmende Tropfen verschreiben, zum Beispiel Phenazon (Otalgan).

 

Naturheilmittel bei Mittelohrentzündung

Diese Heilmittel sind sehr wirksam und helfen bei leichteren Ohrenentzündungen.
Hier einige dieser Hausmittel:

Nasenspülung
Dieses Hausmittel ist unverzichtbar zur Reinigung der Nase bei Katarrh. Auf diese Weise verhindert man die Verlagerung des Schleims aus der Nase ins Ohr.
Bei Kindern ist erforderlich:

  • Eine Spritze ohne Injektionsnadel,
  • Eine Tasse lauwarmes oder erwärmtes Wasser,
  • Ein Teelöffel grobes Salz.

Vorgehensweise:

  • Das Salz im Wasser auflösen,
  • Die Spritze mit dieser Lösung füllen,
  • Den Kopf des Kindes auf eine Seite neigen,
  • Die Salzlösung mit der Spritze in das obere Nasenloch träufeln,
  • Warten, bis das Wasser aus dem unteren Nasenloch herausläuft.

Wärme
Eine Wärmflasche mit warmem Wasser oder ein warmes Salzsäckchen an das Ohr legen.

Teebaumöl
Teebaumöl hat antibakterielle Eigenschaften, kann aber eventuell die Haut reizen.
Aus diesem Grund sollte man es mischen mit:

  • 3 Teelöffeln Teebaumöl,
  • 2 Teelöffeln Olivenöl,
  • 1 Teelöffel Apfelessig.

Wie erfolgt die Anwendung?

  • Den Kopf mit dem kranken Ohr nach oben auf ein Handtuch legen,
  • Einige Tropfen der Mischung ins Ohr träufeln,
  • 5 Minuten einwirken lassen,
  • Den Kopf drehen, um die Mischung ausfließen zu lassen,
  • 2 Tage lang 2-3 Mal täglich wiederholen.

Dieses ätherische Öl hilft, leichte bakterielle Entzündungen des Ohres zu lindern.

Knoblauch
Der Saft des Knoblauchs ist ein Heilmittel, das bei der Behandlung von mikrobiellen Infektionen des Ohres hilft.

Es genügt:

  • 2-3 Knoblauchzehen 5 Minuten in Wasser kochen,
  • Knoblauch zerdrücken und eine Prise Salz hinzugeben,
  • Die Mischung durch ein Tuch filtern und das Tuch gut ausdrücken, um den Saft zu erhalten,
  • 2 oder 3 Tropfen des Knoblauchsaftes in das entzündete Ohr geben,
  • Danach sollte man sich auf eine Seite legen, damit der Knoblauchsaft tief ins Ohr fließt und den Ort der Infektion leichter erreichen kann.

 

Wie lange dauert eine Mittelohrentzündung? Prognose

Heutzutage ist der Tod durch eine Komplikation der akuten Mittelohrentzündung selten.
Mit einer wirksamen antibiotischen Therapie beträgt die Zeit bis zur Besserung etwa 48 Stunden.
Im Allgemeinen erholen sich Patienten von einer Gehörminderung durch akute Mittelohrentzündung wieder.
Sekretionen aus dem Mittelohr und Hörverlust können während der ganzen Behandlungszeit bestehen bleiben, dies hängt von der Behandlungsart ab:

  • Bis zu 70 % der Kinder können 14 Tage nach Behandlungsende Sekretionen aus dem Mittelohr haben,
  • 50 % der Kinder können noch 1 Monat nach der Behandlung ein laufendes Ohr haben,
  • 20 % über 2 Monate,
  • 10 % nach 3 Monaten.

Kinder haben eine 3 Mal größere Wahrscheinlichkeit, mit einem einzelnen Zyklus von Antibiotika zu gesunden, wenn:

  • Sie weniger als 3 Episoden einer Mittelohrentzündung hatten,
  • Sie eine akute Mittelohrentzündung außerhalb der Wintermonate entwickeln.