Akute und chronische Mittelohrentzündung

Die Otitis media ist eine Entzündung des Mittelohrs: das Mittelohr ist ein Hohlraum zwischen dem Trommelfell (das es vom äußeren Gehörgang abgrenzt) und dem Innenohr.

Sie entsteht oft, wenn eine Infektion (wie eine Erkältung) zu einer Verschleimung im Mittelohr führt, denn damit verändert sich die Funktion der Eustachischen Röhre (Ohrtrompete), die zugeschwollen oder verstopft ist.


Die Ohrtrompete ist eine dünne Röhre, die vom hinteren Nasenraum zum Mittelohr verläuft und für den normalen Luftdruck im Innenohr sorgt, zudem dient sie dem Abfluss von Schleim und anderer Abbauprodukte aus dem Mittelohr.
Schwillt diese Röhre an oder ist blockiert, kann der Schleim nicht ordnungsgemäß aus dem Mittelohr abfließen, somit breitet sich leicht eine Infektion in diesem anatomischen Bereich aus.
Meist sind Kinder von einer Mittelohrentzündung betroffen und in diesem Falle oft beidseits, sie kann aber auch bei Erwachsenen auftreten.
Die Otitis media ist nicht ansteckend.

 

Welches sind die verschiedenen Arten der Mittelohrentzündung?

Akute Mittelohrentzündung – Infektion des Mittelohrs, die plötzlich auftritt und zu Schwellung und Rötung führt.

Die Otitis media acuta kann sich wie folgt charakterisieren:

  • Verschleimend, wenn Flüssigkeit und Schleim hinter dem Trommelfell eingeschlossen sind (ein leichter Fall, der spontan ausheilt).
  • Eitrig, gekennzeichnet durch eine Infektion, die zu Eiteransammlung hinter dem Trommelfell führt. Symptome und mögliche Komplikationen bei Kindern sind Fieber, Ohrenschmerzen, Gehörverlust und Trommelfellperforation.
  • Hämorrhagisch bullös, wenn sich Blasen auf dem Trommelfell bilden, die platzen und eine Hämorrhagie aus dem Gehörgang verursachen können.
  • Barotraumatisch, wenn sie aufgrund einer plötzlichen atmosphärischen Druckveränderung auftritt, zum Beispiel während des Tauchens oder Fliegens.

Chronische Mittelohrentzündung – ist eine chronische Infektionserkrankung des Mittelohrs (das heißt eine fortbestehende Ohreninfektion, die mindestens drei Monate andauert), die zu erheblichen Schäden an Mittelohr und Trommelfell und einer Minderung des Gehörs führen kann. Diese Infektion kann purulent (mit Eiterbildung) oder nichtpurulent (ohne Eiterbildung) einhergehen.

  1. Bei der nichtpurulenten chronischen Mittelohrentzündung (auch als seröse, sero-muköse oder durch Erguss gekennzeichnete Form bekannt) sammeln sich Flüssigkeit und Schleim fortgesetzt im Mittelohr an, ausgehend von einer Infektion, die sich mit der Zeit abschwächt. Das Kind kann das Gefühl von einem gefüllten Ohr oder einer Hörminderung haben.
  2. Bei der purulenten Mittelohrentzündung (aus dem Ohr „läuft“ eiterähnliches Material), kann das Kind unter wiederholten Infektionen leiden, die ein großes bleibendes Loch im Trommelfell entstehen lassen. Gewöhnlich stößt das Ohr das eitriges Material durch das Loch, das sich im Trommelfell gebildet hat, nach außen ab, dann trocknet es aus und entlädt sich erneut; es bildet sich somit ein Teufelskreis, der anhält, solange das Loch im Trommelfell offen ist.

 

Bildung eines Cholesteatoms

Ein Cholesteatom entsteht aufgrund einer nicht ausreichenden Funktionsfähigkeit der Eustachischen Röhre, zum Beispiel durch eine Infektion des Mittelohrs.
Normalerweise wird die Luft über die Eustachische Röhre aus dem hinteren Nasenraum zum Mittelohr geleitet, um den atmosphärischen Luftdruck an den beiden Seiten des Trommelfells auszugleichen.
Ist die Funktionstüchtigkeit der Eustachischen Röhre beeinträchtigt (vielleicht aufgrund einer Allergie, durch eine Erkältung oder Sinusitis), gelangt die Luft nicht entsprechend zum Mittelohr und in der Folge entwickelt sich ein Unterdruck im Mittelohr. Der Unterdruck „saugt“ am Trommelfell, zieht es nach innen, besonders die durch die vorausgegangene Infektion geschwächten Bereiche.

Normalerweise hat das Epithel, das den Gehörgang bekleidet, einen Zellumsatz, oder besser, die jüngeren Epithelzellen ersetzen die älteren, doch in diesem Zustand entsteht eine ungewöhnliche Ansammlung der älteren Plattenepithelzellen des Mittelohrs, die Cholesteatom oder Perlgeschwulst genannt wird.

In der Regel hat es die Form einer Zyste oder eines kleinen perlweißen Knötchens, das zwiebelförmig angeordnete Hautschuppen enthält.

Der Name „Cholesteatom“ ließe an einen malignen Tumor denken, doch muss darauf hingewiesen werden, dass es keinen kanzerogenen Ursprung hat.

 

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Ursachen der Mittelohrentzündung

Die meisten Entzündungen des Mittelohrs werden durch eine virale oder bakterielle Infektion hervorgerufen, die sich im Mittelohr ausbreitet.

Die Otitis media kann verursacht sein durch:

  • Erkältung
  • Halsschmerzen
  • Infektion der Atemwege

Risikofaktoren sind:

  • Schwimmen im Meer oder Schwimmbad
  • Kälte
  • Wind

 

Welches sind die Symptome der Otitis media?

Jedes Kind kann die Symptome auf verschiedene Weise verspüren, die häufigsten bei einer Mittelohrentzündung sind:

  • ungewöhnliche Reizbarkeit,
  • Schlaf- und Durchschlafstörungen,
  • Ohrenschmerzen an einem oder beiden Ohren,
  • Fieber,
  • Tinnitus (Pfeifen und Klingen im Ohr),
  • Flüssigkeitsaustritt aus dem Ohr,
  • Gleichgewichtsverlust,
  • Hörschwierigkeiten,
  • Gefühl von verstopften Ohren,
  • Sekretionen, die aus dem Ohr kommen, können Juckreiz verursachen, doch dieses Symptom wird meist durch eine Otitis externa verursacht.

 


Anzeichen und Symptome einer akuten Mittelohrentzündung

Obwohl der Verlauf der akuten Otitis media je nach Alter variiert, zeigt sich eine Reihe charakteristischer Eigenschaften in verschiedenen Altersgruppen:

  • Säuglinge – Reizbarkeit oder Essstörungen können der einzige Hinweis auf einen entzündlichen Herd sein.
  • Ältere Kinder – Diese Altersgruppe zeigt Fieber und eine Otalgie (Ohrenschmerzen), wobei sich die Kinder am Ohr ziehen.

Die Labyrinthitis ist eine Entzündung der Bogengänge im Innenohr, sie kann eine Komplikation der Otitis media sein.

Cholesteatom,Otitis media,OhrSymptome eines Cholesteatoms
Zu Beginn können intermittierende Sekretionen mit einem charakteristischen üblen Geruch auftreten, die von dem Cholesteatom aus dem betroffenen Ohr stammen. Danach, wenn sich der Knoten oder der Inhalt des Cholesteatoms im Innern des Mittelohrs vergrößert, kann dies ein Gefühl von Fülle oder Druck im Ohr zusammen mit Hörverlust verursachen.
Schwindel tritt durch das Einbeziehen der Gleichgewichtsorgane desselben Ohres, wo sich das Cholesteatom befindet, auf. Nach der Diagnoseerhebung muss eine schnelle Begutachtung durch einen Facharzt, also einen Hals-Nasen-Ohrenarzt, erfolgen.

 

Untersuchung und Diagnose der Mittelohrentzündung

Der Arzt kann eine Infektion des Ohrs aufgrund der Symptome und klinischen Untersuchung stellen.
Um das Ohr zu beurteilen, benutzt der Arzt ein Otoskop, ein Instrument, das die Feststellung ermöglicht, wie viel Flüssigkeit sich im Bereich des Trommelfells befindet.
Unter Sicht mit dem Otoskop bläst man Luft gegen das Trommelfell. Bewegt sich diese Struktur nicht, bedeutet das, dass Flüssigkeit dahinter vorhanden ist.
In der Folge hört der Arzt die Atemgeräusche des Patienten mit dem Stethoskop ab.
Zu den Untersuchungen, die gewöhnlich durchgeführt werden, gehört die Tympanometrie zur Messung des Luftdrucks im Innern des Gehörgangs.

Behandlung der Otitis media

Die Symptome der Ohrinfektion bessern sich in der Regel in den ersten beiden Tagen, der größte Teil der Infektionen heilt spontan in ein oder zwei Wochen ohne weitere Therapie.
Die American Academy of Pediatrics und die American Academy of Family Physicians empfehlen ein „Abwarten und Beobachten“, besonders bei:

  • Kindern von 6 bis 23 Monaten mit leichten Schmerzen im Innern nur eines Ohres, die weniger als 48 Stunden anhalten und bei denen das Fieber unter 39 °C bleibt.
  • Kindern über 24 Monate mit leichten Schmerzen im Innern eines oder beider Ohren, die weniger als 48 Stunden anhalten und bei denen das Fieber unter 39 °C bleibt.

Antibiotikatherapie
Der Arzt kann eine antibiotische Therapie bei einer Ohreninfektion in folgenden Situationen empfehlen:

  • Kinder über 6 Monate mit moderaten bis starken Schmerzen in einem oder beiden Ohren über mindestens 48 Stunden und bei Fieber von mindestens 39° C.
  • Kinder über 24 Monate mit starken inneren Ohrenschmerzen in einem oder beiden Ohren, die weniger als 48 Stunden anhalten und bei denen das Fieber unter 39 °C bleibt.

Nachdem sich die Symptome gebessert haben, müssen in jedem Falle die Antibiotika nach Angaben des Arztes weiter eingenommen werden, anderenfalls können rezidivierende Ohreninfektionen auftreten und eine bakterielle Resistenz auf die antibiotischen Medikamente entstehen.

Akute und chronische Mittelohrentzündung
Akute und chronische Mittelohrentzündung

Chirurgische Therapie

Wenn ein Kind eine rezidivierende Otitis media hat – drei Episoden in sechs Monaten oder vier Episoden in einem Jahr, mit mindestens einer Episode, die sich in den letzten sechs Monaten ereignete – oder eine Otitis media mit einer Sekretion, dann kann der Arzt ein Verfahren zur Ableitung der Flüssigkeit aus dem Mittelohr empfehlen.

Bei einem ambulanten chirurgischen Verfahren, das Myringotomie genannt wird, macht der Chirurg ein kleines Loch ins Trommelfell, das ein Absaugen der Flüssigkeit aus dem Mittelohr ermöglicht. Bei der Tympanotomie erfolgt ein Einschnitt in das Trommelfell, durch den ein kleines Röhrchen zur Drainage des Mittelohrs eingelegt wird, um einer Flüssigkeitsansammlung vorzubeugen.

Einige dieser Röhrchen sind dafür vorgesehen, sechs Monate bis zu einem Jahr zu verbleiben, danach verlassen sie das Trommelfell spontan wieder.

Therapie der eitrigen chronischen Otitis media
Diese chronische Infektion führt zur Perforation des Trommelfells, folglich ist sie sehr schwer zu behandeln. Sie wird oft mit Antibiotikatropfen behandelt; vor der Verabreichung ist es notwendig, die Flüssigkeit aus dem Gehörgang korrekt abzusaugen und abzuleiten.

Therapie der Ohreninfektionen bei Frauen in der Schwangerschaft
Bei einer schweren bakteriellen Otitis können die Ärzte einige Antibiotika verschreiben, um die Symptome einer Infektion des Mittelohrs oder einer Infektion des Innenohrs während der Schwangerschaft zu lindern.
Der Arzt, der eines dieser Medikamente verschreibt, muss sicherstellen, dass es für eine schwangere Frau ungefährlich ist. Die mögliche Verordnung eines Antibiotikums für eine Patientin während der Schwangerschaft hängt von der Kategorie ab, in der dieses Pharmakon von der FDA (Food and Drug Administration) gelistet wird. Diese Medikamente werden nach dem Risiko klassifiziert, das ihre Verwendung für den Fötus darstellen kann.


Welche Antibiotika werden bei Otitis media eingenommen?
Amoxicillin ist ein Antibiotikum, das der Arzt häufig Schwangeren zur Therapie von Ohreninfektionen verschreibt, und gehört zur Kategorie B.
Obwohl einige Studien gezeigt haben, dass Antibiotika der Kategorie A sicherer sind, da sie dem Fötus nicht schaden, kommen die meist verwendeten Antibiotika aus der Kategorie B.
Zu den Antibiotika, die bei Otitis media für Erwachsene und Kinder angezeigt sind, zählt auch Azithromycin (Zithromax).

Andere Medikamente
Gegen Ohrenschmerzen kann der Arzt entzündungshemmende Tropfen verschreiben, zum Beispiel Phenazon (Otalgan).

 

Naturheilmittel bei einer Mittelohrentzündung

Vor Einführung der Antibiotika wendeten die Menschen einige Hausmittel an, um Ohreninfektionen zu behandeln.
Die meisten dieser Mittel sind ausreichend wirksam und helfen bei der Behandlung von leichtgradigen Ohrenentzündungen.
Hier einige dieser Hausmittel:
Eine Flasche mit warmem Wasser oder ein warmes Salzsäckchen gegen das Ohr drücken, um die Ohrenschmerzen zu lindern.
Einige Tropfen Teebaumöl ins Ohr träufeln. Es hat antibakterielle Eigenschaften, auch wenn es die Haut reizen kann.
Dieses ätherische Öl hilft zur Behandlung leichter bakterieller Infektionen im Ohr.
Der Saft von Knoblauch ist ein uraltes Heilmittel, das die Heilung mikrobieller Infektionen des Ohrs unterstützt.
2 oder 3 Tropfen Knoblauchsaft in das entzündete Ohr geben und sich einen Moment auf die Seite legen, um dem Knoblauchsaft das Eindringen bis tief ins Ohr zu erleichtern und den Infektionsherd leichter zu erreichen.

Es gibt noch andere für alle zugängliche Heilmittel, um diese Art von Ohrenerkrankung zu verhindern:

  • Regelmäßiges Waschen von Händen und Ohren
  • Erhöhe Zinkaufnahme über die Ernährung, um Ohreninfektionen zu verringern
  • Die tägliche Einnahme von Vitamin C erhöhen, um das Immunsystem zu stärken und Infektionen zu bekämpfen
  • Gesunde Ernährung mit reichlich Calcium
  • Nicht im Meer oder Schwimmbad baden, bis die Symptome vergangen sind
  • Verarbeitete Lebensmittel und gehärtete Fette vermeiden

 

Wie lange dauert eine Mittelohrentzündung? Prognose

Heute ist der Tod aufgrund einer akuten Otitis media selten.
Mit einer wirksamen antibiotischen Therapie beträgt die Genesungszeit etwa 48 Stunden.

Im Allgemeinen genesen die Patienten am Ende von der Schwerhörigkeit (Hypakusis), die durch die akute Otitis media verursacht wurde.
Sekretionen aus dem Mittelohr und der Verlust der Hörfähigkeit können etwas länger andauern, als die Therapie: bis zu 70 % der Kinder könnten noch 14 Tage nach einer Therapie Ausfluss aus dem Ohr aufweisen, 50 % der Kinder können Ohrausfluss (Otorrhö) bis zu einem Monat nach der Therapie haben, 20 % bis 2 Monate und 10 % noch nach 3 Monaten, unabhängig von der Art der Therapie.

Kinder, die weniger als 3 Rezidive einer Mittelohrentzündung hatten, haben eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, die Mittelohrentzündung mit einem einzigen Zyklus von Antibiotika erfolgreich zu behandeln, genau wie Kinder, die eine akute Otitis media nicht in den Wintermonaten entwickeln.

In den meisten Fällen können persistierende Sekretionen aus dem Mittelohr nur bei nicht erfolgter antimikrobieller Therapie beobachtet werden. Ein zweiter Antibiotikazyklus oder ein Medikament mit einem anderen Wirkmechanismus können gerechtfertigt sein, um einen Rückfall noch vor der völligen Ausheilung der Episode zu verhindern.

Eine nicht behandelte akute Otitis kann chronisch werden.