Niedriges Hämoglobin

Niedriges Hämoglobin

Niedriges Hämoglobin kann durch verschiedene Krankheiten verursacht sein, einige davon sind schwerwiegend.

Hämoglobin spielt eine wichtige Rolle beim Sauerstofftransport in die Gewebe und Rücktransport von Kohlendioxid zu den Lungen, über die es aus dem Körper ausgeatmet wird.

Der Sauerstoff, der eingeatmet wird, wird durch das Blut in den Körper befördert.

Dazu bindet sich das Hämoglobin an Sauerstoffmoleküle und transportiert diese zu den Organen und in die Gewebe, die sie benötigen.

Ist der Hämoglobinwert zu stark erniedrigt, kann sich dieser Prozess verändern und den Sauerstoffgehalt im Körper senken (Hypoxie).

 

Normale und erniedrigte Werte

Die normalen Hämoglobinwerte variieren je nach Alter und Geschlecht (männlich oder weiblich) eines Menschen.

Die weitläufig akzeptierten Werte variieren je nach Altersgruppe der Personen und sind im Folgenden aufgeführt.

Werte – g/dl
Neugeborene 17-22
Kinder 11-13
Männer 14-18
Frauen 12-16
Ältere Männer

12.4-14,9

Ältere Frauen 11,7-13,8

 

Frühgeborene leiden unter Anämie.

Sind die Werte leicht erniedrigt, braucht man sich keine Sorgen zu machen, doch sollte die Blutuntersuchung wiederholt werden, um den Verlauf zu verfolgen.

 

Hämoglobin

Ursachen für erniedrigtes Hämoglobin

Es gibt viele Arten von Anämien, die verschiedene Ursachen haben können:

Sideropenische Anämie (durch Eisenmangel)

Dies ist die häufigste Form. Ursache ist ein Mangel an Eisen, das dem Knochenmark zur Produktion der roten Blutkörperchen dient.

Ist die Eisenkonzentration unzureichend, ist der Körper nicht in der Lage, rote Blutkörperchen zu bilden.

Gewöhnlich bereitet der Organismus das in den roten Blutkörperchen enthaltene Eisen nach deren Zelltod zur Produktion erneuter Blutzellen wieder auf.

Verliert ein Mensch Blut, verliert er auch Eisen.

Risikogefährdet sind:

  1. Frauen in der Schwangerschaft oder bei starken Menstruationsblutungen,
  2. Menschen mit chronischem und langsamem Blutverlust im Körper (zum Beispiel bei einem peptischem Magenulkus).

Eine eisenarme Ernährung führt durch Mangel an diesem Mineral zur Anämie.

Konsequenzen sind Mikrozythämie (rote Blutkörperchen mit geringem Volumen) und ein erniedrigter Hämatokrit.

Anämie durch Vitaminmangel

Neben Eisen benötigt der Körper Vitamin B12 und Folsäure, um eine ausreichende Anzahl an gesunden Blutzellen zu bilden. Fehlen diese Vitamine in der Ernährung, kann das die Abnahme der Blutzellen begünstigen.

Menschen mit Darmstörungen, die die Absorption von Nährstoffen beeinflussen, sind für diesen Typ der Anämie anfällig.

Diese Anämien fallen unter die Kategorie der Megaloblastenanämie, bei der das Knochenmark zu große rote Blutkörperchen produziert.

Anämie durch chronische Erkrankungen

Chronische Erkrankungen wie Krebs (Leukämie oder Lymphom), rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus Erythematodes, Morbus Crohn und andere entzündliche Erkrankungen beeinträchtigen die Bildung roter Blutkörperchen und verursachen eine chronische Anämie.

Eine andere Ursache der Anämie kann eine Niereninsuffizienz sein: die Nieren bilden das Hormon Erythropoetin, welches das Knochenmark zur Produktion von roten Blutkörperchen stimuliert.

Der Mangel an Erythropoetin kann zu einer Verringerung der roten Blutkörperchen führen.

Aplastische Anämie

Sie wird durch die Unfähigkeit des Knochenmarks verursacht, die drei Arten von Blutzellen zu bilden:

  1. Die roten Blutkörperchen,
  2. Die weißen Blutkörperchen,
  3. Die Blutplättchen.

Manchmal ist die Ursache einer aplastischen Anämie unbekannt, doch oftmals handelt es sich um Autoimmunerkrankungen.

Einige für diese Art der Anämie verantwortliche Faktoren sind:

  1. Chemotherapie,
  2. Strahlentherapie,
  3. Umweltgifte,
  4. Lupus,
  5. Schwangerschaft.

Anämie durch Knochenmarkerkrankungen

Krankheiten wie Leukämie und Myelodysplasie (Präleukämie) können Anämie verursachen, weil sie die Blutproduktion im Knochenmark stören.

Diese Arten von Krebs reichen von einer leichten Veränderung in der Blutzellenproduktion bis zu einer kompletten Blockade des Bildungsprozesses der Blutzellen.

So kann Leukämie auch zu erniedrigten Blutplättchen führen.

Hämolytische Anämie

Sie ist durch die schnellere Zerstörung der roten Blutkörperchen gekennzeichnet, die schneller erfolgt, als diese im Knochenmark erzeugt werden.

Die vermehrte Zerstörung roter Blutkörperchen kann zu bestimmten Blutkrankheiten führen.

Auch Medikamente wie Antibiotika oder eine Autoimmunkrankheit können zur Zerstörung roter Blutzellen führen.

Zu den Folgen der hämolytischen Anämie zählen:

  1. Ikterus,
  2. Milzvergrößerung,
  3. Erhöhtes Bilirubin.

Sichelzellanämie

Sie ist eine schwer verlaufende und erbliche Form, die Menschen folgender Herkunft betrifft:

  1. Afrikaner,
  2. Araber.

Diese Anämie wird durch einen Defekt des Hämoglobins verursacht, der den roten Blutkörperchen die abnorme Form einer Mondsichel gibt.

Die Anämie tritt aufgrund des Absterbens von unregelmäßig geformten roten Blutkörperchen auf.

Außerdem blockieren diese sichelförmigen roten Blutkörperchen den Blutfluss in den kleinen Gefäßen und dies kann zu Schmerzen in den Gelenken und Organen führen.

Andere Anämien

Es gibt noch andere Formen der Anämie, wie die Thalassämie.

Zöliakie

Die Zöliakie ist eine durch Intoleranz auf Gluten gekennzeichnete Erkrankung.

Diese Störung führt zu Verdauungsstörungen und Veränderungen der Blutwerte für Mineralsalze, Vitamine und Proteine.

Die Zöliakie führt zur Erniedrigung von:

  1. Hämoglobin,
  2. Eisen,
  3. Folsäure/B12
  4. Vitamin A, D, E, K
  5. Natrium,
  6. Kalium,
  7. Chlor,
  8. Magnesium,
  9. Zink,
  10. Phosphor.

Andere Ursachen für erniedrigtes Hämoglobin:

  1. Metastasen oder Knochenmarkstumore (wie Leukämie oder das multiple Myelom) können zu einer unzureichenden Produktion roter Blutkörperchen im Knochenmark und in der Folge zu einer Anämie führen.
  2. Die Chemotherapie gegen einen Tumor kann Knochenmarkschäden verursachen und zur Verminderung der Produktion roter Blutkörperchen mit der Folge einer Anämie führen.
  3. Reichliche Blutverluste im Menstruationszyklus können den Ausbruch dieser Erkrankung und Sauerstoffmangel im Körper verursachen.
  4. Leberzirrhose,
  5. Hypothyreose,
  6. Hämorrhagie – da sie Blutverlust verursacht.

Symptome erniedrigten Hämoglobins

  1. Gefühl von Müdigkeit;
  2. Kopfschmerzen;
  3. Schwindel durch Sauerstoffmangel im Gehirn;
  4. Erschöpfung;
  5. Konzentrationsmangel;
  6. Schneller Herzschlag;
  7. Blasse Nägel, Haut und Zahnfleisch.

Erniedrigtes Hämoglobin ist die Hauptursache der Anämie.

Leicht unter der Norm liegende Hämoglobinwerte können asymptomatisch sein.

Eine Anämie weist auf erniedrigte Sauerstoffwerte im Blut hin, die oftmals zu Atemnot führen.

Um den Sauerstoffmangel im Blut zu kompensieren, versucht der Körper die Herzfrequenz und die Herzpumpleistung zu erhöhen.

Das kann führen zu:

  1. Herzrasen,
  2. Brustschmerzen.

Niedrige Hämoglobinwerte können bereits bestehende Herzprobleme verstärken.

 

Niedriges Hämatokrit und Hämoglobin

Menschen, die erniedrigte Werte von Hämoglobin und Hämatokrit haben, müssen daran denken, dass ein hohes Risiko für eine Anämie besteht.

Hämoglobin- und Hämatokritwerte hängen von der Menge der roten Blutkörperchen im Körper ab.

Der Hämatokrit bezeichnet den Volumenanteil der roten Blutkörperchen in einer bestimmten Blutmenge einer Person.

Zur Berechnung des Hämatokritspiegels nutzt man das mittlere korpuskuläre Volumen (MCV) und die Verteilungsbreite der Erythrozyten (RDW).

Diese Blutuntersuchungen helfen den Ärzten, erniedrigte Hämoglobin- und Hämatokritwerte zu bestimmen.

  1. Das MCV gibt die effektive Größe der Blutzellen an.
  2. Die RDW-Werte geben die Unterschiede in den Größen der roten Blutkörperchen an.

Weist ein Mensch in seinen Blutuntersuchungen ein niedriges MCV und hohes RDW auf, wird die Anämie durch einen chronischen Eisenmangel hervorgerufen.

Menschen, die eine größere Wahrscheinlichkeit für erniedrigtes Hämoglobin und Hämatokrit haben, sind:

  1. Kinder, die zu wenige Eisen über ihre Ernährung aufnehmen;
  2. Kinder, die einen plötzlichen Wachstumsschub erfahren, weshalb das im Körper vorhandene Eisen zu gering ist;
  3. Frauen in der Schwangerschaft nach dem 4. Monat;
  4. Eine Hämorrhagie kann nach einer Operation auftreten;
  5. Frauen, die erst kürzlich entbunden haben;
  6. Frauen, die einen Abort hatten;
  7. Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen.

 

Symptome bei erniedrigtem Hämoglobin in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sind erniedrigtes Hämoglobin oder Anämie ein häufiges Problem.

Schwangere Frauen müssen die Eisenbedürfnisse des Kindes erfüllen.

Die Blutmenge muss sich erhöhen, um den Fötus zu ernähren, der im Mutterleib heranwächst.

Manchmal übersteigt der Bedarf die im Körper gespeicherte Eisenmenge und kann zu erniedrigtem Eisen führen, was die häufigste Form der Anämie während der Schwangerschaft darstellt.

Die Anämie kann asymptomatisch verlaufen.

Allerdings können einige Symptome durch erniedrigtes Hämoglobin auftreten:

  • Ermüdung und Schwäche;
  • Leistungsminderung vor allem bei Ausdauersportarten wie Radfahren und Laufen;
  • Blasse Haut;
  • Immer wiederkehrende leichte oder starke Kopfschmerzen;
  • Schwindel und Unfähigkeit, sich der Arbeit zu widmen;
  • Taubheitsgefühl,
  • Kalte Hände und Füße;
  • Tachykardie;
  • Erniedrigung der Körpertemperatur;
  • Leichte Brustschmerzen;
  • Erschwerte Atmung,
  • Reizbarkeit;
  • Ungewöhnliche Esslust auf seltsame Dinge wie Ton, Farbe, Schlamm und manchmal auch Eisstücke;
  • Gefühl von Kribbeln an Händen und Füßen.

Risikofaktoren für niedriges Hämoglobin in der Schwangerschaft

  1. Morgendliche Übelkeit, die zum Erbrechen führt;
  2. Mehrlingsschwangerschaft;
  3. Starke Regelblutung vor der Schwangerschaft;
  4. Nährstoffarme und eisenreiche Ernährung.
Niedriges Hämoglobin

Niedriges Hämoglobin

Was sind die Folgen niedrigen Hämoglobins?

Zu den Risiken und Folgen erniedrigten Hämoglobins zählt auch der Infarkt.

Das Herz ist zu stärkerer Arbeit gezwungen, um den Hämoglobinmangel zu kompensieren. Es können sich daher kardial eine Hypertrophie und Herzinsuffizienz entwickeln, die zu einem Herzinfarkt führen können.

Naturheilmittel bei erniedrigtem Hämoglobin

Brennnessel

Die Brennnessel ist eine sehr hilfreiche Pflanze, um den Hämoglobinspiegel anzuheben.

Sie ist eine gute Quelle für Eisen, Vitamine der B-Gruppe, Vitamin C und andere Vitamine, die den Hämoglobinspiegel aufbessern können.

  1. 2 Teelöffel getrocknete Brennnesseln in eine Tasse mit heißem Wasser geben,
  2. 10 Minuten warten.
  3. Abseihen und etwas Honig hinzugeben.
  4. Diesen Tee zweimal am Tag trinken.

Bewegung

Es wird empfohlen, mit einem regelmäßigen körperlichen Training zu beginnen.

Bei dem Training erzeugt der Körper mehr Hämoglobin, um auf den Sauerstoffverbrauch des Körpers zu reagieren.

  1. Aerobe Aktivitäten (geringe Intensität und lange Dauer) sind von grundsätzlicher Bedeutung.
  2. Empfohlen sind Kräftigungsübungen, um die Muskelmasse zu erhöhen und die Ermüdung zu bekämpfen.

Eisenreiche oder mit diesem Mineral angereicherte Nahrungsmittel dienen der Erhöhung des Hämoglobins im Blut.

Werden eisenhaltige Ergänzungsmittel verwendet, sollte man ihre Nebenwirkungen kennen.

Diese Tabletten müssen genau in der angegebenen Dosis eingenommen werden.

 

Was sollte man essen? Diät und Ernährung bei erniedrigtem Hämoglobin

Um die Hämoglobinwerte zu erhöhen, sollte man auf eisenhaltige Speisen zurückgreifen.

Dazu gehören:

  • Eigelb;
  • Vollkorn-Zerealien;
  • Austern;
  • Venusmuscheln;
  • Jakobsmuscheln;
  • Sardinen;
  • Garnelen;
  • Rotes Fleisch;
  • Leber;
  • Rindfleisch;
  • Huhn;
  • Spinat;
  • Brokkoli;
  • Grünkohl;
  • Kopfsalat;
  • Bohnen;
  • Linsen;
  • Kichererbsen;
  • Getrocknete Erbsen;
  • Mit Eisen angereicherte Zerealien;
  • Getrocknete Aprikosen;
  • Feigen;
  • Mandeln;
  • Getrocknete Pflaumen;
  • Rosinen.

Man sollte den Verzehr von Tee, Kaffee und Sojaprodukten verringern, da sie den Absorptionsprozess von Eisen behindern können.

Vegetarier riskieren keine Anämie.

Therapie bei erniedrigtem Hämoglobin

Die beste Art, eine Anämie zu behandeln, ist die Erhöhung des Eisens in der Ernährung.

Eisen erhöht Hämoglobinwerte im Blut und behandelt somit die Ursache.

Die Dosierung von Eisen muss vom Arzt festgelegt werden, der:

  1. Die entsprechende Dosis anordnet,
  2. Die Einnahmedauer bestimmt.

Eine übertrieben eisenhaltige Ernährung kann negative Auswirkungen haben. Man sollte also sehr vorsichtig damit umgehen.

In manchen Fällen kann ein Medikament die Produktion des Hämoglobins und der roten Blutkörperchen stören.

Man muss das erkennen und dann den Gebrauch dieses Medikaments abbrechen.

Tritt die Anämie zusammen mit einem Magengeschwür oder Darmtumor auf, muss eine Therapie erfolgen.

Diese Krankheiten:

  1. Verursachen einen unnatürlichen Verlust von roten Blutkörperchen,
  2. Müssen vor Beginn der Therapie wegen erniedrigten Hämoglobins behandelt werden.

In schwerwiegenden Fällen ist die einzige Lösung eine sofortige Bluttransfusion.

Wer ein erniedrigtes Hämoglobin mit Hausmitteln behandeln möchte, sollte zuvor mit seinem Arzt sprechen.

 

Prognose für Patienten mit erniedrigtem Hämoglobin

Gewöhnlich ist die Prognose gut und viele Anämiearten können geheilt werden.

Die Gesamtprognose hängt von der Ursache der Anämie, ihrer Schwere und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.

Die Genesungszeit nach einer (nicht massiven) Blutung beträgt wenige Tage, um dem Körper Zeit zur Neubildung der Blutzellen zu geben.