Glaukom: die Symptome dieser Augenerkrankung

Das Glaukom (oder Grüner Star) ist eine Augenerkrankung, bei der der Sehnerv geschädigt wird und die häufig zu Blindheit führt.

Dieser Nerv befindet sich am Augenhintergrund.
In den meisten Fällen wird die Schädigung des Sehnervs durch eine Erhöhung des
Augeninnendrucks verursacht.

 

Wie entwickelt sich ein Glaukom? Warum erhöht sich der Augendruck?

Das Auge besteht aus zwei Teilen:

  1. Dem hinteren Bereich zwischen Augenlinse und optischer Scheibe
  2. Dem vorderen Bereich, der sich zwischen Linse und Hornhaut befindet und der unterteilt ist in:
    • Vordere Kammer, die die Regenbogenhaut, Pupille und Hornhaut umfasst
    • Hintere Kammer, bestehend aus Ziliarkörper und Linse.

Anatomie-des-Auges.

Das Kammerwasser ist eine vom Ziliarkörper produzierte Flüssigkeit, die dazu dient:

  1. Dem Auge Form und Volumen zu geben,
  2. Das Auge mit Nährstoffen zu versorgen.

Das Kammerwasser fließt aus dem Ziliarkörper zur Pupille.
Daraufhin zirkuliert es zwischen Iris und Hornhaut (vordere Kammer) bis zu einem Trabekelgerüst, das für das Kammerwasser wie ein Filter wirkt.
Diese Flüssigkeit muss das Auge über den Schlemm’schen Kanal wieder verlassen, den zu den Venen der Skleren leitet.
Das Gleichgewicht zwischen Kammerwasser, das aus dem Ziliarkörper fließt und dem, das wieder abfließt, ermöglicht es, einen Druck zwischen 10 und 21 mmHg aufrecht zu erhalten.

 

Glaukomarten


Offenwinkelglaukom

Beim chronischen Offenwinkelglaukom (auch chronisches Glaukom oder primäres Offenwinkelglaukom genannt) besteht eine partielle Blockade (Sperre) in Höhe des cornea-skleralen Trabekelwerks (Resorptionskanal des Kammerwassers).
Der Grund, warum das Trabekelwerk verstopft ist und die Zirkulation des Kammerwassers nicht ermöglicht, ist nicht vollständig geklärt.
Das Kammerwasser staut sich, wenn der Abfluss zu gering ist, und die überschüssige Flüssigkeit erhöht den Augeninnendruck.
Zwischen Iris und Hornhaut besteht ein normaler Winkel.

Glaukom

Die Druckerhöhung im Auge kann folgende Strukturen schädigen:

  • Den Nervus opticus (den Hauptnerv für das Sehen)
  • Nervenfasern, die von der Netzhaut zu diesem Nerv verlaufen

Die Netzhaut enthält Zellen, die Lichtreize empfangen und in Nervensignale umwandeln, die zum Gehirn gesendet werden.
Sie befindet sich im hinteren Teil des Auges.
Die geschädigten Teile der Retina und des Nervs verursachen:

In manchen Fällen kann es zu völliger Erblindung kommen.
Der Nerv leidet unter dem auf ihn einwirkenden Druck und in fortgeschrittenen Stadien wird die Sehnervpapille atrophisch und nimmt die Form einer „Ausbuchtung“ an.

Das Offenwinkelglaukom ist der am häufigsten auftretende Typ.
Es entwickelt sich langsam, mögliche Schäden am Sehnerv und der Verlust des Sehvermögens erfolgen allmählich.


Engwinkelglaukom

Beim Engwinkelglaukom:

  • Der Winkel zwischen Iris und Hornhaut ist verkleinert (weniger als 20°)
  • Der Raum für das Kammerwasser ist zu eng, somit staut sich Flüssigkeit in der Vorderkammer
  • Die Iris kann gegen die Linse gedrückt werden
  • Das chronische Engwinkelglaukom führt zu einer plötzlichen Erhöhung des Augeninnendrucks
  • Das Auge wird sehr schnell rot und schmerzt

Das sekundäre Glaukom wird durch verschiedene Pathologien verursacht, die zur Erhöhung des Augendrucks führen.
Zum Beispiel kann es als Komplikation auftreten bei:

  • Manchen Augenverletzungen
  • Der Einnahme von Kortikosteroiden

Das kongenitale Glaukom ist eine von Geburt an bestehende Erkrankung.


Das neovaskuläre Glaukom ist gekennzeichnet durch die Bildung von fibrösem Gewebe und neuen Blutgefäßen im Bereich des Kammerwinkels und des Trabekelwerkes.
Führt ein Augenproblem zu einer Durchblutungsverminderung, bildet die Hornhaut neue Blutgefäße, um den Zelltod der Netzhaut zu verhindern.

Gewöhnlich wird dieser Typ des Glaukoms verursacht durch:

Die Folge ist ein verminderter Abfluss des Kammerwassers zu den Venen der Skleren.

Das Pigmentglaukom ist gekennzeichnet durch einen Abrieb des Irisgewebes, das ein Pigment (Farbstoff) enthält, um übermäßiges Licht zu absorbieren.
Die Folge ist eine Verlagerung von Irisfragmenten, die zum Trabekelwerk gelangen und dieses verstopfen können.
Bei dem Pigmentglaukom ist das Trabekelwerk pigmentiert.

Das Pseudoexfoliationsglaukom ist eine besonders schwere Art des Offenwinkelglaukoms.
Es ist durch Erosionen an der Vorderfläche der Linse gekennzeichnet, die durch Reibung mit der Regenbogenhaut verursacht werden.
Das dabei von der Linse abgestoßene Material kann das Trabekelwerk verstopfen.

Das Glaukom kann beide Augen betreffen (bilateral). Jedoch schreitet es in einem Auge schneller voran als im anderen.

 

Was ist der Unterschied zwischen Erhöhung des Augendrucks und Glaukom?

Glaukom

Glaukom bedeutet, dass ein Teil des Sehnervs durch die Erhöhung des Augendrucks geschädigt ist.
Jedoch haben etwa 20% der Menschen mit Glaukom einen normalen Augendruck.

In diesem Fall spricht man von einem Normaldruckglaukom, der Sehnerv kann auch bei einem relativ niedrigen Druck geschädigt werden.
Andere Faktoren, wie zum Beispiel ein verminderter Blutabfluss, können zur Atrophie des Nervengewebes führen.

Im Gegensatz dazu haben einige Menschen einen erhöhten Augendruck, aber kein Glaukom und auch keinen Verlust des Sehvermögens.
Ist der Augendruck jedoch erhöht, besteht ein sehr viel höheres Risiko, ein Glaukom und damit einen Verlust des Sehvermögens zu entwickeln.

 

Wer ist von einem chronischen Offenwinkelglaukom betroffen?

Etwa 2% der Menschen über 40 Jahre haben ein Glaukom.
Bei Menschen über 75 Jahre steigt dieser Wert auf etwa 1 von 10 Personen.
Nur selten haben junge Menschen unter 35 Jahre ein Glaukom.

Risikofaktoren sind:

  • Familiäre Häufung von Glaukom
  • Diabetes
  • Ethnische Zugehörigkeit, da Menschen afrikanischen oder afro-karibischen Ursprungs stärker betroffen sind, weil sie eine etwas andere Form der Augenstruktur haben
  • Myopie und Hypermetropie, in diesem Fall ist die vordere Augenkammer flacher
  • Katarakt, weil die Linse das Volumen erhöhen und den Fluss des Kammerwassers behindern kann
  • Einnahme von Kortikosteroiden

 

Was sind die Symptome beim chronischen Offenwinkelglaukom?

In der Regel gibt es in den ersten Phasen der Erkrankung keine Symptome.
Die meisten Menschen mit Glaukom bemerken keine Probleme, bis sich ein geringer Sehverlust einstellt.

  1. Das erste Teil, an dem der Sehverlust auftritt, ist der äußere Bereich (peripher) des Gesichtsfelds.
  2. Das zentrale Sehen, das bei der Konzentration auf einen Gegenstand wie zum Beispiel beim Lesen angewendet wird, bleibt bis zu einer fortgeschrittenen Phase der Erkrankung erhalten.

Blindheit kann verhindert werden. Wenn das Glaukom frühzeitig erkannt und behandelt wird.

 

Symptome beim Engwinkelglaukom

  • Augenschmerzen – ein wichtiges Symptom für die Diagnose. Ein Patient, der sich beim ärztlichen Notdienst mit Augenschmerzen einfindet, muss den Verdacht auf ein Glaukom erwecken
  • Kopfschmerzen
  • Gerötete Augen
  • Übelkeit und Erbrechen (aus diesem Grund denkt man manchmal, es handele sich um eine Verdauungsstörung)
  • Eingeschränktes Sichtfeld (Tunnelblick), bei dem zentrale Teile des Gesichtsfelds klar, doch Randbereiche schwarz sind
  • Auftreten von Halos um Lichtquellen
  • Mydriasis (Pupillenerweiterung).

 

Diagnose des Glaukoms und Untersuchungen

Der Arzt muss wie folgt vorgehen:

  • Erhebung der Krankengeschichte
  • Die Augenuntersuchung beinhaltet in der Regel eine detaillierte Untersuchung mit einem Instrument, der sogenannten Spaltlampe
  • Untersuchung des Augenhintergrundes – der hintere Teil des Auges, an dem der Sehnerv (die sog. Papille) austritt, wird untersucht
  • Es bestehen bestimmte Veränderungen, die in diesem Bereich gesehen werden können, wenn jemand an einem Glaukom erkrankt ist
  • Tonometrie – um auch den Druck im Auge zu messen (Augeninnendruck)
  • Pachymetrie – Messung der Hornhautdicke
  • Dieser Wert ist wichtig, weil die Dicke der Hornhaut einen Einfluss auf die Genauigkeit der Augeninnendruckmessung hat
  • Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, ein Glaukom zu entwickeln, bei Menschen mit einer dünneren Hornhaut höher
  • Gonioskopie – eine spezielle Linse kann dazu benutzt werden, den Bereich der Drainage (oder des Trabekelwerkes) des Auges zu untersuchen
  • Gesichtsfelduntersuchung. Diese Untersuchung ist wichtig, um das Gesichtsfeld zu bestimmen, während man geradeaus blickt
  • Beim Glaukom im Anfangsstadium ist meist die Peripherie (Außenbereich) des Gesichtsfelds betroffen
  • OCT (optische Kohärenztomographie) – ein innovatives Gerät zur Untersuchung von Netzhaut und Makula.

 

Wer sollte sich auf ein Glaukom untersuchen lassen?

Alle Menschen über 35-40 Jahre sollten ihre Augen alle fünf Jahre von einem Augenarzt untersuchen lassen.
Eine Kontrolle alle 2-3 Jahre sollte im Alter von über 50 Jahren durchgeführt werden.
Die Augenuntersuchungen sind besonders wichtig, wenn man einer der oben genannten
Risikogruppen angehört.
Die Augenuntersuchung kann frühzeitig ein Glaukom erkennen, ehe ein signifikanter Verlust des Sehvermögens eintritt.

 

Wann muss man sich Sorgen machen?

Man sollte sofort eine Notaufnahme aufsuchen, wenn an den Augen Schmerzen auftreten in Verbindung mit:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Sehverminderung

In diesem Fall kann ein rechtzeitiger Eingriff durch den Augenarzt das Sehvermögen erhalten.
Nicht alle Krankenhäuser können eine Operation des Engwinkelglaukoms durchführen, man sollte sich daher an einen Facharzt wenden.

Bei einem Offenwinkelglaukom ist das erste Symptom der Verlust von peripherem Sehen.
Der Patient wird sich dessen beim Autofahren bewusst, wenn er zum Beispiel Autos oder Fußgänger zu spät bemerkt, die aus den Seitenstraßen kommen.

 

Behandlung des chronischen Offenwinkelglaukoms


Ziel der Behandlung ist, den Augendruck zu senken.
Jedoch kann mit dieser Behandlung nicht das gesamte Sehvermögen wiederhergestellt werden, das bereits verlorengegangen ist.
Der Augendruck kann auf verschiedene Weise gesenkt werden.

Augentropfen bei Glaukom
Eine Vielzahl von zur Verfügung stehenden Augentropfen kann den Augendruck senken.
Diese Medikamente dienen dazu:

  1. Die Menge des erzeugten Kammerwassers zu verringern. Die verwendeten Tropfen sind meist Betablocker: Timolol (Timophtal) usw.
  2. Um den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern, werden Tropfen mit Prostaglandin (zum Beispiel Latanoprost, Bimatoprost, Travoprost) verwendet.

Die Tropfen wirken bei einigen Menschen besser als bei anderen.
Zum Beispiel können Betablockertropfen nicht verwendet werden bei Menschen mit:

  1. Asthma
  2. Herzkrankheiten

Zudem variieren die Nebenwirkungen bei den verschiedenen Tropfen.
Kontaktlinsen sind bei Glaukom keine Kontraindikation, doch verursachen Betablocker Augentrockenheit. Daher sollte man in diesem Fall eine Brille tragen.
In manchen Fällen sind zwei verschiedene Augentropfentypen erforderlich, um den Augendruck niedrig zu halten.

Tabletten
Tabletten wirken, indem sie die Menge des erzeugten Kammerwassers verringern. Jedoch können die Nebenwirkungen unangenehm sein. Tabletten werden daher nicht so oft von den Patienten angewendet.

 

Laserbehandlung bei Glaukom

Wenn Augentropfen nicht zufriedenstellend zur Drucksenkung führen, kann eine Laserbehandlung empfohlen werden.
Es gibt zwei mögliche Lasereingriffe bei Offenwinkelglaukom, Exfoliationsglaukom oder Pigmentglaukom:

  • Argonlasertrabekuloplastik (ALT) – ermöglicht es, die Öffnungen im Trabekelwerk zu erweitern, um den Abfluss des Kammerwassers zu begünstigen. Der Laser verursacht eine Verbrennung, die einige Fasern des Trabekelwerkes zerstört.
  • Selektive Trabekuloplastik (SLT), eine modernere Technik, die nur auf die Pigmentzellen einwirkt. Dabei werden Strahlen mit einer Wellenlänge von 532 nm verwendet.
    Diese Operationsart verringert Komplikationen und Risiken.

Vor dem Eingriff werden anästhetisch wirkende Augentropfen verabreicht.
Diese Behandlung dauert nur wenige Minuten und wird in einer Tagesklinik durchgeführt (der Patient wird nicht stationär aufgenommen).
Es wird eine spezielle Kontaktlinse auf das Auge gesetzt, um den Laser auf die Iris zu lenken.
Die Trabekuloplastik mit dem Laser verursacht keine Schmerzen.

Zur Senkung des Augeninnendrucks werden benötigt:

  • 10-15 Tage bei selektiver Trabekuloplastik
  • 30-45 Tage bei ALT

 

Wann sollte man operieren? Operation beim Glaukom

Wenn andere Behandlungsmethoden nicht wirksam sind, kann der Chirurg zu einer Operation raten, der sogenannten Trabekulektomie.
Die Trabekulektomie besteht in der Schaffung eines Kanals im vorderen Bereich des Auges, direkt unterhalb der Bindehaut.
So kann das Kammerwasser das verstopfte Trabekelwerk umgehen.

  • Die Operation ist schmerzlos.
  • Der Eingriff wird in Lokalanästhesie durchgeführt und dauert etwa 2 Stunden.
  • Der Patient wird am gleichen Tag nach Hause entlassen und muss nicht im Krankenhaus bleiben.

Postoperativer Verlauf bei Trabekulektomie
Der Patient muss für zwei Tage einen Verband auf dem operierten Auge tragen.
Die ersten zwei Wochen muss er nachts eine Augenklappe und an sonnigen Tagen eine Sonnenbrille tragen.

Postoperative Symptome sind:

  • Photophobie (Lichtempfindlichkeit)
  • Verschwommensehen
  • Fremdkörpergefühl im Auge

Bis zur Wiederherstellung des Sehvermögens vergehen bis zu 15 Tage.

Komplikationen der Trabekulektomie sind:

  • Hämorrhagie
  • Infektion
  • Katarakt
  • Erniedrigter Augeninnendruck

In manchen Fällen kann eine Wiederholung der Operation erforderlich sein.
Dies erfolgt in der Regel, weil sich Narbengewebe im Innern des Kanals bildet und das korrekte Abfließen des Augenkammerwassers verhindert.

Iridoplastik mit Laser (Argon)
Diese Behandlung besteht im Einsatz eines Laserstrahls, der eine Ausdünnung und eine Retraktion an der Basis der Regenbogenhaut verursacht.
Die Iridoplastik ermöglicht eine Erweiterung des Winkels zwischen Iris und Hornhaut, wodurch der Kammerwasserfluss erleichtert wird.
Die Behandlung dauert etwa 15 Minuten.

Iridotomie
Die Iridotomie ist ein chirurgischer Eingriff zur Behandlung von:

  • Engwinkelglaukom
  • Iridolentikulärem Block, einem Zustand, bei dem das Kammerwasser nicht aus der hinteren Kammer des Auges zur vorderen fließen kann
  • Akutem Glaukomanfall

Bei dieser Behandlung durchbohrt der Chirurg den oberen Teil der Regenbogenhaut (unter dem Augenlid), um einen Kanal zwischen hinterer und vorderer Kammer des Auges anzulegen.
Der Augenarzt kann einen Yag- oder Argon-Laser benutzen.

 

Wie ist die Prognose für Glaukompatienten?

Die meisten Personen, die an Glaukom leiden, verlieren ihr Sehvermögen nicht vollkommen.
Für den Erhalt der Sehkraft ist es jedoch sehr wichtig, den vom Arzt vorgegebenen Behandlungsplan zu befolgen.
Man sollte die entsprechenden Anweisungen befolgen und regelmäßig die Augentropfen anwenden.

 

Prävention des Glaukoms

Zur Vorbeugung des Glaukoms wird eine gesunde Ernährung empfohlen, weil:

  1. Diabetes eine Ursache für diese Erkrankung ist.
  2. Das Alter ein bedeutender Risikofaktor ist und eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist und viele Antioxidantien enthält, den Alterungsprozess verlangsamen kann.