Dekubitus oder Wundliegen

Dekubitus oder Wundliegen

Dekubituspflege und Pharmaka

Phase I und II des Ulcus heilen erst nach Wochen oder Monaten durch:

  • konservative Wundbehandlung,
  • Vermeiden der Risikofaktoren.


Die Behandlung des letzten Stadiums ist sehr schwierig.
Bei einem Menschen, der unter einer tödlichen Krankheit leidet oder mehrere chronische Erkrankungen hat, kann sich die Behandlung des Dekubitus auf die Schmerztherapie konzentrieren, anstatt auf die vollständige Heilung der Wunde.

Behandlung durch verschiedene Fachleute
Um den vielfachen Aspekten der Wundbehandlung zu begegnen, ist ein multidisziplinärer Ansatz erforderlich.
Zu den Mitgliedern eines Pflegeteams gehören:

  • ein Arzt, der die Grundlagen des Behandlungsplanes überwacht;
  • ein Arzt, der auf Ulcusleiden spezialisiert ist;
  • ein Sozialassistent, der der betroffenen Person oder der Familie bei der Lösung der Probleme hilft, die mit einer Langzeittherapie verbunden sind;
  • ein Physiotherapeut, der hilft, die Beweglichkeit zu verbessern;
  • ein Ernährungsberater, der den notwendigen Nahrungsmittelbedarf bewertet und eine geeignete Ernährung empfiehlt;
  • ein Neurochirurg, Orthopäde oder plastischer Chirurg, je nach Art des chirurgischen Eingriffs.

Den Druck auf das Geschwür verringern
Der erste Schritt bei der Behandlung eines Dekubitus in jeder der Phasen ist eine Entlastung des Drucks, der die Ursache war.
Die Strategien zur Druckentlastung sind folgende:

    1. Lagerung. Eine Person mit Dekubitus muss regelmäßig umgelagert und in die richtige Position platziert werden.
      Personen, die einen Rollstuhl benutzen, müssen so oft wie möglich ihre Position wechseln und benötigen alle zwei Stunden eine Hilfsperson zur Umlagerung.
      Man kann Hebehilfen verwenden, um dadurch Reibungen beim Umlagern zu verhindern.
  1. Auflageflächen. Betten, Kissen, Antidekubitusmatratzen und spezielle Kopfkissen können helfen, eine Person in der richtigen Position zu halten, Druck auf bestehende Wunden zu vermindern und die Haut vor weiteren Schäden zu bewahren.
    Verschiedene Luftkissen oder wassergefüllte Vorrichtungen sind hilfreich für Patienten die Druckverletzungen riskieren.
    Es gibt Antidekubitusmatratzen mit Wechseldrucksystem (Luftfüllung), die aus mehreren Luftkammern bestehen (eine auf Höhe der Füße, eine unter dem Rücken, eine unter den Schultern).
    Ein Kompressor bläst einen Teil der Matratze auf, während aus einem anderen Bereich etwas Luft abgelassen wird; danach geht er umgekehrt vor. Auf deise Weise werden die Körperstellen abwechselnd be- und entlastet.Auf Wassermatratzen wird das Körpergewicht aufgrund des Gesetzes von Pascal gleichmäßiger verteilt.

 

Dekubitus,Gewebe,Nekrose

Nekrotisches Gewebe entfernen

Wunden dürfen kein infiziertes oder nekrotisches Gewebe enthalten, um richtig heilen zu können.
Die Entfernung von Schorf (nekrotisiertes Gewebe) erfolgt auf verschiedene Weise und ist abhängig von der Schwere der Verletzung, dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem Behandlungsziel.

Unter den Möglichkeiten gibt es:
1. Das chirurgische Débridement dient der Entfernung abgestorbenen Gewebes.

Versajet

Versajet

2. Das mechanische Débridement beruht auf einer der Methoden, den Wundbelag aufzuweichen und zu entfernen, wie:

  • Ultraschall.
  • Versajet, eine Vorrichtung, die die Wunde mit einem Strahl isotonischer Kochsalzlösung reinigt und die Fragmente entfernt. Ein Hochleistungsgerät wird zu einem n Instrument, das auch nach einer einzelnen Behandlung bei einer Wunde 4. Grades ausgezeichnete Ergebnisse erzielt.
  • Unterwassermassage.
  • Spezielle Medikamente.

 

3. Das autolytische Débridement kann den natürlichen Prozess, körpereigene Enzyme zum Abbau abgestorbenen Gewebes zu bewegen, durch einen entsprechenden Verband, der die Wunde feucht und sauber hält, unterstützen.
4. Das enzymatische Débridement erfolgt unter Nutzung chemischer Enzyme und geeigneter Gewebe zur Entfernung abgestorbenen Gewebes.

 

Behandlung durch Wundreinigung und Wundversorgung

Die Pflege, die zur Heilung der Wunden führt, umfasst:

  • Reinigung. Es ist wichtig, die Wunde sauber zu halten und eine Infektion zu verhindern.
    Eine Wunde im ersten Stadium kann vorsichtig mit Wasser und neutraler Seife gewaschen werden, doch offene Geschwüre müssen jedes Mal beim Verbandwechsel mit Salzwasser (physiologische Kochsalzlösung) gereinigt werden.
  • Desinfektion. Desinfektionsmittel wie Betadine (auf Jodbasis), Essigsäure,Wasserstoffperoxid  usw. können eine toxische und reizende Wirkung haben.Besser ist die Verwendung von isotonischer Kochsalzlösung oder Ringerlösung, die die Zellvermehrung und somit die Heilung des Geschwürs begünstigt.
    Bei Infektion (z.B. diabetischer Fuß) können Antiseptika oder lokal anzuwendende Antibiotika verwendet werden.
  • Medikation. Ein Verband fördert die Heilung, hält die Wunde feucht, bildet eine Barriere gegen Infektionen und hält die umgebende Haut trocken.
    Verschiedenes Verbandsmaterial steht zur Verfügung, darunter:
  • Durchsichtige Filmauflagen, wenn die Läsion kein Exsudat (entzündlich bedingte Flüssigkeit) absondert, aber sie kann durch Reibung oder Verwendung von Pflastern verletzt werden.
  • Hydrofaser-Verbände, Alginate und silberhaltige Wundauflagen für infizierte Wunden oder Wunden mit hohem Infektionsrisiko. Alginate haben eine hohe Absorptionskapazität, sie können Flüssigkeitsmengen absorbieren, die ihr Gewicht um das 10- bis 20-fache übersteigen. Diese Art Wundverband wird auch bei Patienten angewendet, die Antibiotika in oraler Form einnehmen.
  • Verbandmull für nässenden Wunden.
  • Gel oder Hydrogel, gibt Feuchtigkeit ab und wird bei trockenen und schmerzenden Wunden verwendet.
  • Schaumstoff aus Polyurethan (erzeugt eine feuchte Umgebung). Wird bei nässenden und schmerzenden Wunden eingesetzt.

Die Wundverbände passen sich dem Niveau der Wunde an.
Perianale Geschwüre müssen aufgrund des hohen Infektionsrisikos mehrmals täglich kontrolliert werden.


Andere Therapien bei Dekubitus
Andere Maßnahmen, die getroffen werden können:

  • Schmerztherapie. Als Behandlung zur Schmerzlinderung können entzündungshemmende Medikamente eingenommen werden, zum Beispiel Ibuprofen (Dolormin usw.) und Naproxen (Aleve usw.). Diese können vor und nach dem Lagern des Patienten, der Wundversorgung und dem Verbandwechsel eingenommen werden.
  • Lokal wirkende Pharmaka gegen Schmerzen (zum Beispiel eine Kombination von Lidocain und Prilocain) können während Débridement und Verbandwechsel verwendet werden.
  • Medikamente zum lokalen Gebrauch (z.B. Narbenpflege) haben eine desinfizierende und narbenheilende Wirkung.
  • Antibiotika. Infizierte Dekubituswunden, die auf andere Anwendungen nicht ansprechen, können mit lokalen oder oralen Antibiotika behandelt werden.
    Orale Antibiotika werden nur verschrieben, im Falle von: Sepsis, infektiöser Zellulitis oder Osteomyelitis.
  • Gesunde Ernährung. Flüssigkeitszufuhr und richtige Ernährung fördern die Wundheilung. Der Arzt kann anordnen:
    • eine Erhöhung von Kalorien und Flüssigkeiten,
    • einen hohen Gehalt an Proteinen,
    • eine vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung.
  • Der Arzt kann auch die zusätzliche Einnahme verordnen von Nahrungsergänzungsmitteln wie:
    • Vitamin C,
    • Zink.
  • Linderung von Muskelkrämpfen. Muskelrelaxantien können Muskelkrämpfe verhindern und so die Heilung der Wunden unterstützen, die anderenfalls durch die durch den Krampf hervorgerufene Reibung verschlimmern.
    Häufig verschrieben werden:

    • Diazepam (Valium),
    • Baclofen (Lioresal).

Vakuum-assistierter Wundverschluss (V.A.C.)
Die neueste Entdeckung zur Dekubitusbehandlung ist der Vakuum-Wundverschluss, eine Heilmethode, die bereits in der Physiotherapie zur Behandlung von Verwachsungen (zum Beispiel bei Morbus Dubuytren) verwendet wird.
Die Methode basiert auf der Schaffung eines kontrollierten Unterdrucks auf dem Ulcus. Man bringt einen Polyurethanschwamm an, der gut auf der umgebenden, gesunden Haut haftet.
Das Instrument, das das Sekret aus der Wunde absaugt, ist über einen Schlauch mit der Wunde verbunden.
Der Negativdruck begünstigte die Erweiterung der Blutgefäße und verbessert die Oxygenierung der Gewebe.

Chirurgische Wiederherstellung
Dekubituswunden, die nicht heilen, können einen chirurgischen Eingriff nötig machen.

Natürliche Heilmittel
In der Vergangenheit hatte man Larven und Würmer auf die Wunden gesetzt, die sich von nekrotischem Gewebe ernähren und somit eine Reproduktion der gesunden Zellen ermöglichen.
Von den alten Hausmitteln aus Großmutters Zeiten wurden Honig und Zucker verwendet, um ein Ulcus zu heilen.

 

Vorbeugung eines Dekubitalgeschwürs

Unter den Strategien gibt es:
1. Tägliche Kontrolle der Haut, um Veränderungen in der Hautfarbe festzustellen.
2. Den Feuchtigkeitsgehalt der Haut gleichmäßig erhalten, denn die Schädigungen sind wahrscheinlicher, wenn die Haut zu trocken oder zu feucht ist.
3. Produkte zur Feuchtigkeitserhaltung benutzen, um die Haut elastisch zu halten und einer Trockenheit vorzubeugen.
4. Niemals die knöchernen Bereiche massieren, da die Haut dort sehr empfindlich ist.

Ernährung und Lebensweise zur Vermeidung eines Dekubitus:
1. Die Person mit gesunder und nahrhafter Kost ernähren. Ein hoher Blutzuckerspiegel verlangsamt den Wundheilungsprozess, deshalb sollte auf Getreideprodukte (Brot, Nudeln, Pizza, Reis usw.), Süßspeisen, Kartoffeln und zuckerhaltiges Obst verzichtet werden. Leicht Kost oder eine kurze Fastenkur begünstigen laut Hygienismus (eine Naturmedizin) die Vernarbung der Gewebe.
2. Gute hygienische Voraussetzungen schaffen.
3. Wenn möglich, eine angemessene Bewegung aufrechterhalten.
4. Verhindern, dass die betreffende Person raucht.