Verstauchung des Kniegelenks

Man spricht von einer Distorsion oder Verstauchung des Kniegelenks, wenn eines der Kniebänder überdehnt wird und einige Fasern dabei reißen.

Symptome: Schmerzen am verletzten Knieband, Schwellung, Instabilität, Bewegungseinschränkung beim Beugen und Strecken des Kniegelenks.

Ursachen: eine indirekte Kraft wirkt auf das Knie ein, wie eine plötzliche Verdrehung.
Behandlung: Ruhigstellen, Hochlagern, Kühlen, Taping, Übungen. Selten ist ein chirurgischer Eingriff notwendig.

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Verstauchtes Knie, Gleichgewichtsübung.

 

 

Worum handelt es sich?

Das Kniegelenk besitzt vier Bänder. In der Gelenkmitte befinden sich die beiden Kreuzbänder (vorderes und hinteres Kreuzband, kurz VKB und HKB). An den Seiten liegen die beiden Seitenbänder (mediales und laterales Kollateralband, kurz MKB und LKB, auch Innen- bzw. Außenband genannt). Diese Faserstränge arbeiten zusammen, um das Kniegelenk zu stabilisieren und vor Verletzungen zu schützen.

Eine Verstauchung des Knies bedeutet, dass mindestens eines der Bänder über seine natürliche Dehnfähigkeit hinaus belastet wurde und einige oder alle Fasern beschädigt sind. Das geschieht bei einer Krafteinwirkung auf das Gelenk, wie beim Verdrehen des Knies bei einem unglücklichen Hinfallen oder beim Sport.
Kinder ziehen sich nur selten eine Knieverstauchung zu.

Es gibt drei verschiedene Arten der Knie-Distorsion:

  • 1. Grad – wenige Fasern (weniger als 10%) sind beschädigt und/oder gerissen, die Heilung erfolgt meist von allein.
  • 2. Grad – viele Fasern sind gerissen, aber die Bandkontinuität ist noch gegeben.
  • 3. Grad – das Band ist komplett durchgerissen. In diesem Fall wird es eine Operationsindikation geben.

Das Kniegelenk wird durch vier bedeutende Bänder stabilisiert: vorderes und hinteres Kreuzband, Innenband und Außenband. Die Bänder haben die Aufgabe, übermäßige Kniebewegungen einzuschränken. Das vordere Kreuzband verhindert, dass sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkelknochen zu weit nach vorne verschiebt, das hintere Kreuzband verhindert ein Verschieben des Schienbeins über die natürliche Grenze hinaus nach hinten.
Das innere Seitenband verhindert ein übermäßiges seitliches Abspreizen des Schienbeins und das Außenband dessen übertriebene Heranführung.

Ein verstauchtes Knie wird auf der Seite des verletzten Bandes instabil. Es gibt vier spezifische Tests zur Beurteilung jedes einzelnen Bandes.

 

Ursachen

Eine Knie-Distorsion kann folgende Auslöser haben:

  • eine übermäßige Verdrehung des Kniegelenks
  • Verlagerung des Körpergewichts beim Laufen oder Skifahren
  • unglückliches Aufkommen nach einem Sprung
  • ein Trauma am äußeren oder inneren Kniebereich; es besteht dieselbe Wahrscheinlichkeit für eine links- bzw. rechtsseitige Knieverstauchung
  • ein Trauma auf das vordere, gebeugte Knie, während der Fuß fest am Boden steht

 

Risikofaktoren

Diese Faktoren erhöhen das Risiko für eine Knieverstauchung:

  • Ausübung gewisser Sportarten, wie Fußball, Volleyball, Ski, Basketball, selten Radfahren
  • schlechtes Koordinationsvermögen
  • schlechter Gleichgewichtssinn
  • unzureichende Gelenkigkeit bzw. Muskel- und Bänderschwäche
  • Erschlaffung der Bänder

 

Zeichen und Symptome

Zu den typischen Symptomen eines verstauchten Knies gehören Schmerzen, Schwellung und Bluterguss (Hämatom).
Bei einer schweren Verletzung kann das Kniegelenk Instabilität aufweisen, der Patient hat das Gefühl, das Knie gibt nach.
Beim Unfall kann ein knackendes Geräusch entstehen, das könnte eine Bänder- oder Meniskusverletzung bedeuten. Die Symptome können unmittelbar nach der Verletzung ober bis zu zwei Tagen danach auftreten.

Die Symptome lassen sich wie folgt beschreiben:

  • Das Knie schmerzt.
  • In Knienähe können sich Schwellung, Rötung, Überwärmung oder blaue Flecken bemerkbar machen.
  • Der Bewegungsumfang des Knies ist eingeschränkt; der Patient verspürt auch bei passiver Hyperflexion und Hyperextension Schmerzen.
  • Eine Belastung des verletzten Beins ist nicht möglich; im Stehen kann das Bein nicht vollständig gestreckt oder gebeugt werden.
  • Ein Gefühl der Steifigkeit des Gelenks.
  • Schwellung im Knie.
  • In der Regel hat der Patient kein Fieber.

Diagnose

Der Arzt wird sich nach den Symptomen und dem Verletzungshergang erkundigen. Das Knie muss auf Stabilität und Schmerzintensität untersucht werden.
Die genaue Stelle, wo der Schmerz auftritt, kann Aufschluss darüber geben, welches der Kniebänder verletzt wurde.
Tritt der Schmerz  an der Knieinnenseite auf, ist dies ein Hinweis auf das Innenband (mediales Kollateralband); solch eine MKB-Zerrung kommt am Häufigsten vor.
Schmerzen an der Außenseite des Knies dagegen weisen auf eine Verletzung des Außenbandes hin.

Die Tests:

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Vorderer Schubladentest bei vorderer Kreuzbandverletzung.

Der vordere Schubladentest wird zur Beurteilung des vorderen Kreuzbandes durchgeführt. Der Patient liegt mit 90°-Beugung des Knies auf dem Rücken, der Fuß wird auf der Liege stabilisiert. Der Untersucher ergreift das Schienbein von hinten oberhalb des Wadenmuskels und zieht es mit gleichbleibender Kraft nach vorn. Lässt sich das Schienbein über seine normale Stellung hinaus (wie eine Schublade) vorziehen, ist der Test positiv. Hier ist ein Vergleich mit dem gesunden Knie sinnvoll, denn manche Menschen haben lockerere Bänder. Bei einem positiven Testergebnis liegt ein vorderer Kreuzbandriss vor.

 

 

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Hinterer Schubladentest bei hinterer Kreuzbandverletzung.

Der hintere Schubladentest wird zur Beurteilung des hinteren Kreuzbandes durchgeführt. Der Patient liegt auf dem Rücken, das Knie ist bei 90° angewinkelt und der Fuß auf der Liege stabilisiert. Das Schienbein wird an der Scheinbeinbeule erfasst und mit gleichbleibender Kraft nach hinten gedrückt. Lässt es sich dabei über seine normale Stellung hinaus verschieben, ist der Test positiv und ein Anzeichen für einen Riss des hinteren Kreuzbandes.

Der Valgusstresstest dient der Beurteilung des medialen Kollateralbandes (MKB, Innenband). Dabei wird bei einer 30°-Beugung des Kniegelenks der Knöchel stabilisiert und das Knie nach innen gedrückt. Lässt sich das Knie weiter nach innen schieben als im Normalfall (im Vergleich zum gesunden Bein), kann der Test als positiv bewertet werden und weist auf eine Innenband-Ruptur hin.

Der Varusstresstest wird durchgeführt, um festzustellen, ob das laterale Kollateralband (LKB, Außenband) verletzt ist. Beim Test ist das Kniegelenk bei 30° gebeugt; der Knöchel wird stabilisiert und das Knie nach außen gedrückt. Ist eine größere Abduktion möglich als im Normalfall, kann der Test als positiv bewertet werden und ist ein Hinweis auf einen Riss des Knieaußenbandes.

Erfolgt eine Verletzung des Kreuzbandes durch eine Distorsion, wird dabei auch der Meniskus beschädigt.

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Test nach McMurray, Ausgangsposition.

Einer der Standardtests bei Meniskusverletzung ist der Test nach McMurray. Der Patient liegt auf dem Rücken, das Bein ist angehoben; der Arzt beugt das Knie, dann streckt er das Bein, während er das Knie dreht; dabei wird der Meniskus gedehnt. Liegt eine Meniskusverletzung vor, verursacht diese Bewegung ein klickendes Geräusch. Das Knie müsste jedes Mal “Klick” machen, wenn der Test durchgeführt wird.

 

 

Technische Untersuchungsverfahren

Die Röntgenuntersuchung ist ein Verfahren, das Röntgenstrahlen verwendet, um Bilder der inneren Körperstrukturen, besonders der Knochen zu erstellen (zur Bewertung eventueller Frakturen).

Mit einer Ultraschalluntersuchung lassen sich lediglich die Seitenbänder beurteilen, sie ist daher wenig hilfreich.

Die Magnetresonanz fertigt mit Hilfe eines Magnetfeldes Bilder aus dem Körperinneren an, um beurteilen zu können, ob ein Band vollständig durchgerissen oder angerissen ist.

Die Arthroskopie ist eine chirurgische Vorgehensweise, bei der ein kleines Endoskop Einblick in das Knieinnere gewährt; sie gehört zu den genauesten Untersuchungsmethoden, ist aber invasiv.

 

Was tun? Wie erfolgt die Behandlung

1) RICE-Protokoll (auch PECH-Regel genannt): Die beste Therapie in den ersten beiden Tagen entspricht gewöhnlich der Behandlung einer akuten Entzündung: Schutz, Ruhigstellung, Kühlung, Bandage (Verband), Hochlage.
Diese Maßnahmen lindern Schmerz, Schwellung und beschleunigen die Heilung.
Gegen die Schmerzen helfen entzündungshemmende Tabletten (z.B. Alrheumun, Voltaren und Dolormin) oder der Auftrag einer Lehm- oder Arnika-Salbe.

2) Physiotherapie und Rehabilitation: Sobald wie möglich sollten Übungen zur Wiedererlangung der Kraft, Bewegung und Gelenkfunktion des Knies durchgeführt werden. Die Betreuung erfolgt dabei durch einen Physiotherapeuten, der die Übungen zusammenstellt und ein zweckmäßiges Stufenprogramm zur vollständigen Wiedererlangung der Funktionalität erstellt.
Rehabilitation im Schwimmbad ist dann sinnvoll, wenn der Patient Schwierigkeiten hat, das Bein zu belasten.
Es gibt Methoden, die die Genesung beschleunigen; beispielsweise sind Magnet-, Ultraschall-, Tecar– und Laser-Therapie bei einem geschwollenen Knie und zur Linderung der Schmerzen hilfreich.

3) Der Arzt kann das Tragen einer Bandage empfehlen, um die Schmerzen zu lindern und dem Knie nach der Verstauchung eine größere Stabilität zu verleihen. Gewöhnlich ist ein normaler Knieschützer ausreichend, der auch nicht besonders teuer ist. Ist eine größere Stützfähigkeit gefragt, sind komplexere Bandagen hilfreich.

Geht der Arzt davon aus, dass es sich um eine einfache Distorsion des Knies handelt, und ordnet keine weiteren Untersuchungen an, ist das Trauma vermutlich nicht besonders gravierend und es liegt eine leichte Distorsion 1. oder 2. Grades vor.

Eine Distorsion 3. Grades (also eine komplette Ruptur) kann häufig genauso wie eine Zerrung 1. und 2. Grades behandelt werden, auch wenn die Genesung länger dauert. Eine Operation empfiehlt sich dann, wenn das Knie auch nach Durchführung des Rehabilitationsprogramms weiter nachgibt.

 

Wie lange dauert die Genesung? Die Prognose

Wenn eine Verletzung der Bänder oder des Meniskus vorliegt, gelten andere Zeiten, vor allem, wenn ein operativer Eingriff durchgeführt wurde.

In der Regel lassen sie Schmerzen bei einer Verstauchung 1. Grades innerhalb von 7-10 Tagen nach, während die Dauer der Schwellung variiert. In einigen Fällen schwillt das Kniegelenk überhaupt nicht an, in anderen dagegen kann der Erguss (Flüssigkeit) einige Wochen anhalten.
Der Patient darf gehen, sollte es aber nicht übertreiben, um die Heilungszeiten nicht zu verzögern.