Symptome der Pudendusneuralgie

Was ist die Pudendus-Neuralgie?

Es handelt sich um eine seltene und sehr schmerzhafte Krankheit; die Beschwerden sind konstant und können sich in bestimmten Positionen verschlimmern. Nervenschmerzen sind äußerst starke Schmerzen und können unerträglich werden, wie bei Trigeminusneuralgie, Zwischenrippenschmerz, Ischialgie, Karpaltunnelsyndrom u.ä.
Der Verlauf des Schamnervs umfasst die Damm-, Genital- und Analregion, demzufolge treten die Symptome in diesem Gebiet auf.

Die Mehrheit der Patienten sind Frauen.

 

Was sind die Ursachen für die Pudendus-Neuralgie?

Diese Neuropathie kann bei sportlichen Aktivitäten, durch Trauma, in seltenen Fällen beim Geschlechtsakt, durch eine Geburt, durch Operationen proktologisch-urologisch-gynäkologischer Natur oder durch eine Beckenspiegelung ausgelöst werden, sie kann aber auch ohne ersichtlichen Grund auftreten.
Die Ursache dieser Neuralgie ist noch nicht geklärt; die glaubhafteste Annahme geht von der Kompression des Nervs aus, weil die Symptome nervlicher Art sind und dem Verlauf des Schamnervs folgen.

 

Die Anatomie des Pudendus-Nervs

Anatomie Muskeln, Heber des Anus, hintere, Oberschenkel, halbmembranöser Muskel, Halbsehnenmuskel, Wade, Achillessehne, Gesäßmuskel, Musculus biceps femoris, zweiköpfiger Muskel des Oberschenkels, Sportler, Sporthalle, Fußballspieler, Athleten, Volleyball, Basketball, Tennis, Radsport.
Die von den Symptomen betroffene Region ist der Dammbereich.
© Patrick Hermans – Fotolia.com

Der Nervus pudendus (Schamnerv) entspringt dem Rückenmark auf Höhe des Kreuzbeins, genauer gesagt den Nervenwurzeln, die aus den Zwischenwirbellöchern S2-S3-S4 austreten.
Von hier verläuft er den Rücken entlang und führt durch das große Sitzbeinloch (Foramen ischiadicum majus) hinter dem Birnenmuskel (Musculus piriformis) vorbei. Darunter unterteilt er sich in zwei Äste: Dammnerv (Nervus perinealis) und Penisrückennerv (Nervus dorsalis penis), die bis zum Penis bzw. den großen Schamlippen weiterlaufen.
Der Schamnerv ist sowohl sensibel als auch motorisch, er innerviert die Region von Afterschließmuskel, Genitalien und den dazwischenliegenden Hautbereich.

 

Was sind die Symptome einer Pudendus-Neuralgie?

Die Symptome können verschiedener Art sein; die Schmerzen machen sich im Beckenbereich bemerkbar, zwischen Anus und Genitalien; die Neuralgie kann einseitig oder beidseitig auftreten

Wer unter Pudendus-Neuralgie leidet, hat starke Schmerzen bei längerem Sitzen; möglicherweise muss er einen Sitzring verwenden; das ist ein mit Luft gefüllter Ring, ähnlich einem Schwimmring, der das Körpergewicht auf die äußeren Gesäßpartien und Oberschenkel ablädt und somit den mittleren Dammbereich entlastet.
Auch ein längeres Stehen ist unangenehm; im Bett dagegen lassen die Symptome nach oder verschwinden ganz.
Es können Beschwerden beim Harnlassen, Stuhlgang und Geschlechtsakt auftreten, bei Männern sind außerdem Erektionsprobleme möglich.

Neben unerträglichen Schmerzen klagt der Patient häufig über:

  • Brennen
  • Kribbeln
  • Fremdkörpergefühl im Rektus

Der stechende Schmerz tritt beim Sitzen auf einem Stuhl oder im Auto auf und gewöhnlich auch bei sexueller Aktivität.
Eng anliegende Kleidungsstücke kann der Patient nicht ertragen, weil sie direkt auf die Dammregion drücken.
Die Symptome verschlimmern sich beim Sport.
Der Patient wählt tagsüber normalerweise die stehende Position oder sitzt auf einem Sitzring, um die betroffene Zone nicht zu belasten.
Es kann zu einem Sensibilitätsverlust im Versorgungsgebiet des Schamnervs, in den Genitalien und im Gesäßmuskel kommen.
Die Symptome können die Harnblase beeinträchtigen und Inkontinenz verursachen, das Gefühl erzeugen, die Blase nicht entleeren zu können, sowie die Dringlichkeit Harn zu lassen.
Während und nach dem Stuhlgang können Schmerzen auftreten, der Patient kann auch unter Verstopfung, Stuhlinkontinenz oder Hämorrhoiden leiden. Geschlechtsverkehr ist schmerzhaft und das Gefühl hält auch danach an.
Diese Neuralgie neigt zur Chronifizierung, weil sie nicht auf die gängigen Schmerzmittel anspricht.

 

Diagnose der Pudendus-Neuralgie

Für die Diagnose ist in der Regel eine ärztliche Untersuchung ausreichend, da die bildtechnischen Untersuchungsmethoden wie Magnetresonanz negative Ergebnisse bringen.
Oft wird diese Neuralgie mit anderen Erkrankungen verwechselt; der Patient sucht oft viele Fachärzte auf, bevor das eigentliche Problem erkannt wird und er setzt sich z.T. invasiven Eingriffen aus, die hätten vermieden werden können.
Die von den Symptomen betroffene Region liegt im Kompetenzbereich von Gynäkologen, Urologen, Proktologen, Magen-Darmspezialisten, Neurologen usw.
Die Ärzte müssen dieses Syndrom von anderen Krankheiten unterscheiden, wie:

  • Prostatitis
  • Scheidenentzündung
  • Harnwegsinfektion
  • Blasenentzündung
  • Vulvodynie
  • Endometriose
  • Hodenschmerz
  • Hämorrhoiden
  • Steißbeinschmerz
  • Schmerzen neurologischer peripherer oder medullärer Art u.ä.

In einigen Fällen ähnelt der Schmerz anderen Syndromen vaskulärer, kutaner oder muskulärer Natur (Piriformis-Syndrom, Puborektal-Syndrom, Schambeinentzündung).

Der Hausarzt bzw. Urologe wird eine Ultraschalluntersuchung des Unterleibs verschreiben, um Damm (Perineum) und Hoden bewerten zu können: in diesem Fall werden nur Prostata und Blase analysiert.
Um sich ein vollständigeres Bild machen zu können, muss eine Ultraschalluntersuchung des Hodensacks (Skrotum) und der Leistengegend erfolgen, die mit einer anderen Sonde durchgeführt wird.
Dieser Ultraschall macht andere Körperstrukturen sichtbar und kann einen Hodenbruch (Skrotalhernie) anzeigen, den man andernfalls nicht bemerken würde.

Zur Diagnose der Pudendus-Neuralgie muss eine Hyposensibilität des Damms festgestellt werden, sowie der Verlust des Analreflexes, Schmerzen und Brennen entlang des Schamnervverlaufs, Beschwerden am äußeren Afterschließmuskel.
Wird Druck auf den Anus ausgeübt, wird dies Schmerzen in der Ischiasregion erzeugen.
Die Elektromyographie zur Beurteilung der Innervierung des Afterschließmuskels und des Musculus bulbospongiosus verläuft bei Patienten mit Pudendus-Neuralgie positiv. Eine weitere nützliche gerätetechnische Untersuchung ist die PNTML, d.h. die Untersuchung der Latenzzeit des Nervus pudendus, bei der die motorische Leistung des Nervs und die Leitgeschwindigkeit gemessen werden.
Außerdem kann eine anorektale Manometrie vorgenommen werden, um Beschwerden wie Rektalkrämpfe, Verstopfung, Stuhlinkontinenz, Analfissuren, Schwierigkeiten beim Stuhlgang, Analprolaps und Hämorrhoiden einzuordnen.

 

Was kann man tun? Welche Therapie ist geeignet?

Wer unter Pudendus-Neuralgie leidet, sucht oft viele Fachärzte auf, unterzieht sich den verschiedensten Therapien und nicht zuletzt  einer Operation.
Entzündungshemmende Medikamente lösen normalerweise das Problem nicht. Physikalische Therapien der Physiotherapie können die Symptome abschwächen, aber die effektivsten Behandlungen sind die manuellen und chirurgischen Therapieformen. Eine häufig angewandte Behandlungsform ist das Spritzen von Anästhetikum, was einen großen schmerzlösenden Effekt hat, aber nicht von Dauer ist.
Die Manualtherapie löst Adhärenzen des Bindegewebes, die durch Traumata, Operationen u.ä. entstanden sind und nun mit dem Nerv interferieren, wodurch sie Schmerz erzeugen.
In der Regel verschreiben die Ärzte entzündungshemmende Medikamente, kortisonhaltige Mittel (Medrol), Antidepressiva und Medikamente gegen neuropathische Schmerzen.
Leider lässt sich das Problem durch die pharmakologische Behandlung nicht lösen, in manchen Fällen lassen sich die Schmerzen etwas lindern, aber es treten häufig Nebenwirkungen auf.
Der chirurgische Eingriff dagegen besteht in der Dekompression des Nervs, der Schmerz müsste im Laufe eines Jahres  verschwunden sein.

 

Natürliche Heilmittel und Osteopathie

Um die im Sitzen auftretenden Schmerzen zu lindern, kann der Patient einen mit Luft gefüllten Sitzring oder Schwimmring verwenden.
Von den alternativen Behandlungskonzepten kann die Osteopathie das Problem lösen, weil sie den Druck mindert, den die Muskeln und Bänder des Beckens auf den Pudendus ausüben.

Zu den wichtigsten Heilmitteln bei der Behandlung einer Pudendus-Neuralgie gehören:

  • gesunde Ernährung; zu vermeiden sind frittierte Speisen, Alkohol, Fleisch, Milchprodukte, Kaffee, Süßspeisen und Fertiggerichte;
  • regelmäßige sportliche Aktivität;
  • Medikamente absetzen;
  • mit dem Rauchen aufhören;
  • heiß duschen.

Auf diese Weise kann der Körper korrekt funktionieren.

Die Übungen nach Kegel zur Rehabilitation der Dammregion können die Muskelkontrolle verbessern und somit dazu beitragen, Verspannungen zu lösen; man darf sie jedoch nicht ausüben, um die Muskeln zu kräftigen.

Viele Patienten fragen nach der Wirksamkeit der Akupunktur, aber die konnte in diesem Fall keine zufriedenstellenden Ergebnisse zeigen.

 

 

Dr. Massimo Defilippo Fisioterapista Tel 0522/260654 Defilippo.massimo@gmail.com
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