Synkope: konulsiv, vasovagal, neurokardiogen, orthostatsich

Eine Ohnmacht (oder eine Synkope) besteht, wenn man für einen kurzen Zeitraum das Bewusstsein verliert.

Ohnmacht kann auch als Synkope bezeichnet werden.

Definition

Unter Synkope versteht man einen Bewusstseins- und Haltungsverlust mit den charakteristischen Folgen:

  • Vorübergehend;
  • Spontane Erholung (verliert hingegen ein Patient das Bewusstsein und erholt sich davon nicht wieder, fällt er in ein Koma);
  • Zum Sturz führend → der posturale Tonusverlust führt zum Sturz,
  • Ursache ist die globale und transitorische Verminderung der Durchblutung des Gehirns.

Die Daten und Informationen stammen aus den Richtlinien der European Society of Cardiology (ESC) 2009, die in den meisten europäischen Krankenhäusern gelten.

Arten von Synkopen

Neurogene oder durch Reflex vermittelte Synkope

Pathophysiologie

Die Reflexsynkope wird verursacht durch einen Reflex, der im Allgemeinen normal ist, bei manchen Menschen jedoch in bestimmten Situationen (intermittierend) abnorme Form annimmt.

Das autonome Nervensystem ist in zwei Untersysteme aufgegliedert, die miteinander verbunden sind:

  • Sympathikus → Wird in gefährlichen Situationen aktiviert und bewirkt den Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck,
  • Parasympathikus → Bremst die Aktion des Sympathikus unter normalen Bedingungen ab, verlangsamt den Herzschlag und senkt den Blutdruck.

Ein Ereignis, das eine vagovasale Synkope auslöst (zum Beispiel Angst), löst eine Alarmreaktion aus.

Bei Patienten mit normalen Reflexen erfolgt eine Aktivierung des Vagusnervs, die keine Symptome verursacht.

Manche Menschen zeigen jedoch eine Überreaktion, die gekennzeichnet ist durch:

  1. Gefäßerweiterung,
  2. Bradykardie,
  3. Erniedrigten Blutdruck.

Klassifikation

Reflexsynkopen können nach ihrem Ausgangspunkt klassifiziert werden:

  • Nach der Wirkung:
    • Kardioinhibitorisch → Deutliche Verringerung von Herzfrequenz und Herzschlag,
    • Vasodepressorisch → Es liegt eine vasodepressorische Wirkung vor, die von einer kompensatorischen, aber nicht ausreichenden Erhöhung der Herzfrequenz begleitet wird,
    • Gemischt → Der Vagusnerv reagiert auf beiden Ebenen.
  • Nach dem auslösenden Ereignis.
  • Ursachen sind:
    • Vasovagale Synkope,
    • Situativ bedingte Synkope
    • Synkope durch das Karotissinussyndrom,
    • Atypische Formen (selten).

Vasovagale Synkope (kardio-neurogene Synkope)

Die vasovagale Synkope ist der häufigste Typ und tritt ein, wenn der arterielle Druck sinkt und damit die Durchblutung des Gehirns verringert wird.

 

Die Ursache kann sein:

  • Emotionaler Stress: (beim Anblick von Blut, Angst, Schmerz, invasiven instrumentelle Untersuchungsverfahren)
  • Stehen über längere Zeit.

Langes Stehen verursacht:

  • Eine Blutansammlung in den unteren Extremitäten.
  • Eine Erniedrigung des Blutdrucks in der Ebene des Herzens und der Barorezeptoren (Blutdruckrezeptoren).

Die Folge ist die Aktivierung des sympathischen Nervensystems zur Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz.

Nach einer variablen Zeitspanne, in der der Sympathikus aktiv ist, wird der Vagusnerv überaktiv und führt zu Bradykardie und erniedrigtem Blutdruck, weshalb es zu einer Synkope kommen kann.

 

Situativ bedingte Synkope

Eine situativ bedingte Synkope ist eine Art vasovagaler Synkope, die nur in bestimmten Situationen auftritt.

Ein „Stimulus“ verursacht Ohnmacht, zum Beispiel:

  • Dehydratation,
  • Emotionaler Stress,
  • Furcht,
  • Angst (zum Beispiel die Angst vor Kanülen oder Blut),
  • Schmerzen,
  • Hunger (zum Beispiel am Morgen, wenn eine Person nicht frühstückt),
  • Nach dem Essen (im Falle einer postprandialen Synkope),
  • Gastrointestinale Synkope (durch Stuhlgang, durch Schlucken, bei synkopalen Schluckbeschwerden),
  • Trunkenheit (Alkoholabusus),
  • Nach dem Rauchen von Cannabis kann ein Gefühl von Bewusstseinsverlust auftreten,
  • Drogengebrauch,
  • Induzierte Ohnmacht oder induzierte Hyperventilation (zu schnelles Atmen und gesteigerte Sauerstoffaufnahme),
  • Panikattacke,
  • Starkes Husten,
  • Karotissinus-Überempfindlichkeit,
  • Starkes Drücken beim Wasserlassen

Synkope durch das Karotissinussyndrom,

Das Glomus caroticum befindet sich seitlich am Hals, tiefer als der Sternokleidomastoideus-Muskel, in Höhe des Schildknorpels.

Normalerweise ruft das Massieren des Karotissinus keine Wirkung hervor, doch manche Menschen mit einem Karotissinussyndrom oder Überempfindlichkeit reagieren darauf mit einer Vagus-Aktivierung wie:

  • Bradykardie,
  • Blutdruckabfall.

Die Massage muss beidseits erfolgen, erst rechts, dann links.

Sie muss im Liegen und im Stehen durchgeführt werden.

Die Dauer beträgt 5-10 Sekunden.

Mögliche Reaktionen können sein:

  • Negativ – normal
  • Kardioinhibitorische Reaktion – das elektrokardiographische Muster wird flach (Asystolie). Beträgt die Herzpause länger als 3 Sekunden, kann das Einsetzen eines Schrittmachers angezeigt sein.
  • Vasodepressive Reaktion: Abfall des systolischen Blutdrucks um mindestens 50 mmHg.
  • Gemischte Reaktion.

Die Reaktion ist völlig individuell.

Synkope bei orthostatischer Hypotonie (OH)

Von ihr sind vor allem ältere Menschen betroffen.

Erhebt sich eine Person aus dem Sitzen, erkennen Druckrezeptoren (Barorezeptoren) in den Halsschlagadern und in der Aorta einen leichten Druckabfall.

Die Schwerkraft bewirkt ein Absinken des Blutes zu den Beinen.

Die Folge ist die Stimulation des sympathischen Nervensystems und somit:

  • Zunahme der Herzfrequenz,
  • Hervorgerufene Vasokonstriktion (die Blutgefäße verengen sich).

Diese Reaktionen dienen der Aufrechterhaltung des arteriellen Drucks und sichern die Durchblutung:

  • Des Gehirns,
  • Anderer Organe.

 

Funktioniert dieser Mechanismus nicht, kommt es einem Druckabfall, der zur Synkope führen kann.

Die orthostatische Hypotension tritt dann auf, wenn das Aufrichten aus dem Liegen zum Stehen einen arteriellen Druckabfall (AD) um 20 mmHg hervorruft.

Ursachen für Synkopen bei orthostatischer Hypotonie

  1. Funktionell: Nebenwirkung bei Medikamenten wie Betablockern, MAO-Inhibitoren, trizyklischen Antidepressiva und Nitroglyzerin.
  2. Strukturell: Umfasst:
    1. Dysfunktion des primär vegetativen Nervensystems, schwere und typische neurologische Erkrankungen auch bei Jugendlichen, die jedoch selten sind, wie Shy-Drager-Syndrom oder Multisystematrophie,
    2. Dysfunktion des sekundären autonomen Nervensystems, häufigere Pathologien wie Diabetes.

Varianten

  • OH initial → Senkt plötzlich den arteriellen Druck, wenn sich eine Person erhebt, kehrt jedoch innerhalb von 30 Sekunden zur Normalität zurück.
  • OH verspätet oder fortschreitend → Senkt um mindestens 20 mmHg den systolischen AD etwa 5-10 Minuten nachdem die Person aufgestanden ist.
  • Dysautonome Synkope → Progressive und allmähliche Verringerung des arteriellen Drucks bei Orthostase ohne Zunahme der Herzfrequenz,
  • Postprandiale Hypotension → Senkt um mindestens 20 mmHg den systolischen AD innerhalb von zwei Stunden nach dem Essen.

Der Unterschied zwischen Reflexsynkope und orthostatischer oder dysautonomer Synkope ist:

  1. Bei der Reflexsynkope kommt es zu einer übermäßigen Funktion des Sympathikus, die von einer exzessiven Aktivierung des Vagus gefolgt wird,
  2. Bei orthostatischen Synkopen aktiviert sich der Sympathikus nicht, daher folgen keine Vasokonstriktion und Zunahme der Herzfrequenz. Der Druck fällt also plötzlich oder progressiv ab und die betreffende Person hat eine Synkope mit verminderter Durchblutung zum Gehirn.

Kardiale Synkope

Die kardiale Synkope ist ein Bewußtseinsverlust aufgrund von Herzerkrankungen oder Störungen des Kreislaufsystems, die den Blutfluss zum Gehirn vermindern.

Ursachen können sein:

  1. Arrhythmisch: Wenn das Herz zu schwach schlägt und nicht genügend Blut zum Gehirn pumpt. Wenn die Herzfrequenz erhöht ist (zum Beispiel paroxysmales Vorhofflimmern mit ~ 140-200 Schlägen pro Minute), füllt sich der Ventrikel nicht ausreichend und die Herzauswurfleistung ist zu niedrig.
  2. Herzstruktur: Zum Beispiel führt ein Herzinfarkt, der die Funktion eines Ventrikelbereichs blockiert, zur Erniedrigung der Herzleistung. Folge kann eine Synkope sein.
  3. Die Aortenstenose behindert den Blutauswurf aus dem Herzen und kann eine Synkope verursachen. Ruht der Patient, kann die Herzleistung ausreichend sein, doch unter Belastung erhöht sie sich nicht ausreichend. Folge ist ein verminderter Blutfluss zum Gehirn.
  4. Lungenembolie: Nicht kardiale Ursache, die zum Verschluss der Pulmonalarterie führt. Der rechte Teil des Herzens hat Schwierigkeiten, das Blut in die Lungen und in den linken Ventrikel zu pumpen. Die Synkope wird durch die verminderte Herzleistung verursacht.

Krankheiten, die eine kardiale Synkope verursachen

  • Arrhythmisch
    • Bradykardie:
      • Sinusknotensyndrom (einschließlich bradykardes/tachykardes Syndrom)
      • Veränderungen des atrioventrikulären Reizleistungssystems
    • Tachykardie
      • Sopraventrikuläre Arrhythmie
      • Ventrikuläre Arrhythmie
    • Durch Medikamente – Es gibt Medikamente, die durch Nebenwirkungen schaden, wie Bradykardie (zum Beispiel Betablocker) oder Tachykardie (zum Beispiel Theophyllin bei COPD, das sogar Vorhofflimmern auslösen kann).
  • Struktural
    • Rein kardial:
      • Infarkt,
      • Dysfunktion von Herzklappen oder Klappenprothesen,
      • Alle Formen der Kardiomyopathie,
      • Herztumore,
      • Herzbeutelerkrankungen,
      • Angeborene Fehlbildungen.
    • Kardiovaskulär: Lungenembolie, Aortendissektion, pulmonaler Hochdruck.

Neurologische Synkope

  • Oft hat der Betreffende vor einem Anfall eine Aura (er sieht oder fühlt etwas Anormales).
  • Bei einem Anfall verliert der Betroffene plötzlich das Bewusstsein.
  • Es kann zu Harn- und Stuhlinkontinenz kommen.
  • Die Person kann sich in die Zunge beißen.
  • Nach dem Anfall kann es zu Verworrenheit und Schläfrigkeit kommen.
  • Im Gegensatz zu einem Krampfanfall kann der Schlaganfall zu Muskelschwäche (bis hin zur Lähmung) und Sprechstörungen führen.

Konvulsive Synkope

Der Mensch fällt für mindestens 10 Sekunden in Ohnmacht und es kommt erst zu einer diffusen Hypertonie (Zunahme des Muskeltonus) und dann zu 1-2 generalisierten klonischen Zuckungen (zyklische Phasen von Kontraktion-Entspannung der Muskulatur).

Synkope durch Apnoe

Eine verlängerte Apnoe kann eine Synkope aufgrund einer erhöhten C02-Konzentration (Kohlendioxid) auslösen.

Lipothymie

Die Lipothymie oder Präsynkope ist ein Gefühl von Bewußtseinsverlust und Schwäche.