Morbus Parkinson: Physiotherapie und Hilfsmittel

Rehabilitation und Physiotherapie bei Morbus Parkinson

Durch die Physiotherapie kann die Funktion der Gliedmaßen für die Ausführung von Alltagstätigkeiten aufrechterhalten oder wiederhergestellt werden.

INDEX

 

Der Logopäde kann die Sprachqualität verbessern.
In den Anfangsphasen der Erkrankung werden motorische Aktivitäten wie Tanzen empfohlen.

In den fortgeschrittenen Stadien werden gymnastische Übungen für die motorische Rehabilitation durchgeführt:

  • Bei Gruppen-Rehabilitationssitzungen wird der Patient besser motiviert, da er versteht, dass er dieselben Tätigkeiten ausführen kann, wie die anderen und somit eine Art „Wettbewerb“ geschaffen wird.
  • Individuelle Physiotherapie für eine angepasste Bewegung auf Grundlage des Bedarfs des Patienten.
  • Atemgymnastik ist sehr wichtig, da Patienten mit Morbus Parkinson eine nach vorn geneigte Haltung einnehmen, die zu einer Verkürzung des Zwerchfellmuskels führen. Dieser ist der wichtigste Atemmuskel.

Die Rehabilitation besteht aus:

Dehnübungen – erforderlich, um die nach vorne geneigte Haltung zu verhindern.
Beispiel: Der Patient sitzt mit ausgestreckten Beinen und dem Rücken gerade gegen die Wand gelehnt auf dem Boden.

Gleichgewichts-Wiederherstellung

In den Anfangsphasen der Erkrankung:

  • Auf einem Bein von einem Punkt zu einem anderen hüpfen.

Auf einem Bein, hüpfen

  • Durch einen Hindernisparcours gehen (zum Beispiel Stufen) und die Hindernisse überspringen.
  • Übungen mit einem Gymnastikball (65 cm Durchmesser): sich in Bauchlage mit dem

Übungen mit einem Gymnastikball

  • Bauch auf dem Ball legen. Abwechselnd die gegenüberliegenden Arme und Beine gemeinsam anheben,
  • Mit Unterstützung des Therapeuten eine aufrechte Position einhalten, während der Physiotherapeut kleine Schubser an der Schulter in alle Richtungen ausübt.

Koordination

  • In Rückenlage mit angezogenen Knien. Man nimmt einen Stock mit beiden Händen, der anfangs auf dem Becken ruht. Dann hebt man den Stock an und führt ihn hinter den Kopf. Gleichzeitig streckt man die Knie, um dann wieder in die Ausgangsposition zurückzukehren.

hebt man den Stock

  • Aus dem Sitzen auf einem Hocker (ohne Armlehnen) aufstehen.

Sitzen, Hocker

  • Im Sitzen die Arme anheben und sich seitlich neigen, bis man auf einer Seite mit der Hand den Boden berührt. Auf der anderen Seite wiederholen.
  • Auf einem Hocker sitzend mit den Füßen abwechselnd auf den Boden stampfen.
  • Gleichzeitiges Beugen des einen Arms und Strecken des anderen.

Rehabilitation, Parkinson, Arms

  • Im Sitzen die Arme ausbreiten und dann wieder zusammenführen. Einmal bleibt die linke Hand auf der rechten Hand, das nächste Mal die linke Hand unter der rechten Hand.

Physiotherapie, Parkinson, linke Hand unter der rechten Hand

  • Auf einem Hocker sitzend gleichzeitig den rechten Arm und das linke Bein anheben. Die Übung dann mit den gegenüberliegenden Gliedmaßen wiederholen.

gleichzeitig den rechten Arm und das linke Bein anheben

Übungen für Hände und Finger
Im Sitzen einen Ball zu einer anderen Person oder gegen die Wand werfen und dann wieder auffangen.

Funktionelle Übungen – also für Tätigkeiten des täglichen Lebens

  • Im Sitzen beginnt man mit den Händen auf den Schenkeln liegend. Mit einem Tennisball führt man die Bewegung des Haarekämmens aus, legt dann die Hand wieder auf den Schenkel und wiederholt die Bewegung mit der anderen Hand.

die Bewegung des Haarekämmens aus

  • Man legt sich ein Seil oder ein Gummiband gespannt hinter den Rücken und streckt einen Arm, während man den anderen anwinkelt, so als würde man sich den Rücken schrubben.

streckt einen Arm

  • Auf einem Hocker mit dem Rücken an die Wand gelehnt sitzend legt man einen kleinen Ball hinter den Nacken und hebt und senkt die Arme, ohne dass der Ball herunterfällt.

 

Wie man aus dem Liegen aufsteht
In Rückenlage die Knie anwinkeln, den Körper zur Bettkante hin drehen, den oberen Arm vor die Schulter nehmen, die Füße aus dem Bett hängen lassen und den Körper mit der Hand in die Sitzposition drücken.

Verbesserung des Laufens
Übungen im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung:

  • Im Stehen die Knie so weit wie möglich anheben. Dies dient dazu, ein Stolpern zu vermeiden und nicht mit den Füßen auf dem Boden zu schlurfen.

Stehen die Knie, möglich anheben

  • Diagonal über ein paar Kissen gehen. Die Kissen sind dabei nicht hintereinander aufgereiht, sondern seitlich versetzt.

Diagonal über,ein paar,Kissen,gehen

  • Mit ausgebreiteten Armen und Tennisbällen in den Händen gehen.

Mit ausgebreiteten Armen und Tennisbällen in den Händen gehen

  • Rückwärts gehen.
  • Seitwärts gehen.

Rückwärts gehen, Seitwärts gehen

  • Ein Bein seitlich ausstellen und dann wieder zurückziehen, dann mit dem anderen Bein wiederholen. Dieselbe Übung mit dem Ausstellen eines Beins nach vorne wiederholen.
  • Slalom in einem Hindernisparcours.
  • Gegen das Phänomen des Einfrierens (der Patient blockiert vor dem Losgehen) kann man ein kleines Hindernis vor dem Patienten aufstellen. Man bittet den Patienten, die Knie so weit wie möglich anzuheben und lässt ihn dann über das Hindernis springen.


Körperhaltung
Der Physiotherapeut versucht, an der Körperhaltung zu arbeiten, denn durch die nach vorne geneigte Haltung verkürzt sich das Zwerchfell oder zieht sich zurück und der Patient atmet schwerer.

Die Haltung ändern

  • Die Füße nicht unter den Stuhl stellen.
  • Nicht nur den unteren Rückenbereich anlehnen, sondern auch den oberen.

 

Hilfsmittel für Parkinson-Patienten

Der Beschäftigungstherapeut vermittelt Tätigkeiten des täglichen Lebens mit Hilfsmitteln.

Er bringt dem Patienten bei, wie man einen Stock mit anatomischem Griff verwendet, um folgende Beschwerden zu verhindern:

  • Rhizarthrose (Arthrose der Daumen-Grundgelenke).
  • Karpaltunnelsyndrom.

Hilfsmittel zum Essen bei Tremor:

  • Das Besteck hat einen größeren Griff.
  • Der Teller hat einen höheren Rand, damit die Lebensmittel nicht rechts oder links herausrutschen.
  • Rutschfeste Tischdecken und Teller, damit sie nicht verrutschen können.

 

Hilfsmittel zum Essen bei Tremor,parkinson

 

Empfehlungen zur Behandlung der Erkrankung


Tägliche Aktivitäten
Rehabilitationsübungen sind bei dieser Krankheit sehr wichtig, werden jedoch oftmals schwierig, wenn ein fortgeschrittenes Stadium erreicht ist. Der Patient muss je nach Schwere der Erkrankung regelmäßig gymnastische Übungen durchführen.
Man kann langsamer spazieren gehen als zuvor, doch ein Spaziergang am Tag ist eine gute Übung und hilft, die versteiften Muskeln zu lockern. Der Patient muss versuchen, alle Aktivitäten, die möglich sind, durchzuführen, ohne sie von Verwandten oder Freunden machen zu lassen, weil sie schneller sind.

Depression
Die Depression ist bei Menschen mit Parkinson verbreitet und kann Symptome hervorrufen, die der Patient als eine Verschlimmerung der Erkrankung empfindet (wie mangelnde Energie und Verlangsamung).
Wenn es dem Patienten so vorkommt, als sei sehr schnell im Verlauf weniger Wochen eine Verschlechterung eingetreten, kann Depression die Ursache dafür sein.
In diesem Falle sollte der Arzt informiert werden.
Die Depression kann behandelt werden.

Einige praktische Ratschläge
Zum Beispiel:
– Eher von einem höheren Stuhl aufstehen, als von einer niedrigen Couch.
– Beim Spaziergang einen Spazierstock verwenden, der das Selbstvertrauen und die eigene Stabilität erhöht.