Melatonin zum Schlafen und bei Schlaflosigkeit

Melatonin ist ein Hormon, das natürlicherweise im menschlichen Körper vorhanden ist und den Tag-Nacht-Rhythmus (circadianer Rhythmus) des Organismus steuert.

Diese Substanz wird in der Zirbeldrüse (Epiphyse), einem Teil des Zwischenhirns, produziert.
Man kann es als synthetisch im Labor hergestelltes Medikament einnehmen, doch es gibt auch viele Nahrungsmittel, die eine geringe Menge dieser Substanz enthalten.

Nahrungsergänzungsmittel, die Melatonin enthalten, sind in der Apotheke in Form von sublingualen Pillen, Tabletten oder Tropfen erhältlich.
Sublinguale (buccale) Pillen werden viel schneller aufgenommen.
Melatonin dient dazu, die körpereigene innere Uhr zu regulieren.
Es wird bei Jetlag angewendet (Beschwerden durch Zeitzonenwechsel bei Personen, die viel im Ausland unterwegs sind), zur Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus bei Personen, die bestimmte Arbeiten verrichten (Schichtarbeit) oder um blinden Menschen bei der Steuerung des Tag-Nacht-Zyklus zu helfen.

Melatoninergänzungsmittel werden auch bei Ein- und Durchschlafstörungen (Schlaflosigkeit) angewendet, wie:

– verzögertes Schlafphasensyndrom;
– Schlaflosigkeit verbunden mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom;
– Schlaflosigkeit durch einige Medikamente zur Regulierung von Blutdruck, Betablocker genannt;
– Schlafprobleme bei Kindern mit Entwicklungsstörungen einschließlich Autismus, Zerebralparese und geistige Retardierung.

Melatoninpräparate werden nach Absetzen von beruhigenden Medikamenten wie Benzodiazepine angewendet, sowie zur Verringerung der Nebenwirkungen, wenn man mit dem Rauchen aufhört.
Manche Personen wenden Melatonin bei Morbus Alzheimer, Depression, dem Syndrom chronischer Müdigkeit, Fibromyalgie, Migräne und anderen Formen von Kopfschmerz, Reizdarmsyndrom, Osteoporose, Epilepsie, in der Menopause und als Mittel gegen den Alterungsprozess an.
Melatonin wird auch als Mittel gegen manche Nebenwirkungen in der Krebsbehandlung genutzt (Chemotherapie), darunter Gewichtsverlust, neuropathische Schmerzen, Schwäche und Thrombozytopenie (Blutplättchenmangel).
Es wird ebenso zur Beruhigung einer Person vor der Anästhesie zu einer Operation angewendet.
Manchmal ist die Anwendung eines melatoninhaltigen Produktes auf der Haut zum Schutz gegen Sonnenbrand nützlich.

 

Welches sind die Indikationen und Vorteile von Melatoninergänzungsmitteln?

Melatoninergänzungsmittel werden zur Behandlung von Schlafproblemen (Schlaflosigkeit) verwendet. Wissenschaftliche Studien geben Aufschluss über andere Einsatzmöglichkeiten von Melatonin, wie zum Beispiel:

– Behandlung der Winterdepression (SAD).
– Regulierung des Schlafes bei Personen, die nachts oder in Schicht arbeiten.
– Therapie von Schlafproblemen nach einer Operation.
– Behandlung von chronischen Kopfschmerzen.
– Verlangsamung einer Krebsausbreitung (die Behandlung nach „Di Bella“ beinhaltet konjugiertes Melatonin).
– Erhöhung des Immunschutzes.
– Verlangsamung von Alterungsprozessen.
Für die letzten Anwendungen fehlen noch abschließende Forschungsergebnisse.


Melatonin vermindert die Symptome bei Menschen, die mit dem Rauchen aufhören. Eine einzelne orale Dosis von 0,3 mg Melatonin, die 3-5 Stunden nach dem Rauchstopp eingenommen wird, scheint Ängstlichkeit, Unruhe, Reizbarkeit und Depression während den folgenden 10 Stunden zu verringern.

Es gibt Studien, die zeigen, dass die abendliche Einnahme von Melatonin vor dem Zubettgehen einer Migräne vorbeugen oder ihre Zeitdauer verkürzen kann.
Einige Forschungen weisen darauf hin, dass die Produktion von Melatonin bei Menschen, die unter Kopfschmerzen leiden, verändert sein könnte.

 

Wie funktioniert Melatonin?

Die hauptsächliche Funktion des Melatonins im Körper dient der Regulierung des Tag-Nacht-Zyklus oder des Schlaf-Wach-Rhythmus. Lichtmangel regt dazu an, mehr Melatonin zu produzieren, das dem Körper Schafbereitschaft signalisiert.
Licht hingegen vermindert die Produktion und regt den Körper zum Wachsein an. Manche Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Schlafen haben, haben einen niedrigen Melatoninspiegel und es wird angenommen, dass ihnen ein Zuführen von Ergänzungsmitteln zum Schlaf verhelfen kann.

 

Häufige Fragen

Ist Melatonin ein Schlafhormon?
Die meisten Menschen denken, dass Melatonin ein starkes natürliches Schlafmittel sei. Tatsächlich führt es nicht zum Schlaf und ist in der Regel nur bei kurzfristiger Anwendung wirksam.
Viel richtiger ist es anzunehmen, dass Melatonin unserem Organismus in den nächtlichen Stunden beim Schlaf und in angemessener Weise beim Übergang der Jahreszeiten vom Sommer zum Winter hilft, wenn die Tage kürzer sind.

Kann man Melatonin am Tag einnehmen?
Wenn Melatonin zur Tageszeit angewendet wird, kann es nachteilige Wirkungen haben. Es könnte zu Problemen beim Einschlafen am Abend führen, weil in diesem Fall die Einnahme von exogenem Melatonin im Widerspruch zu unserer biologischen Uhr stehen würde.


Melatonin ist ein natürliches Ergänzungsmittel. Kann es unerwünschte Wirkungen haben?
In falscher Dosis und zur falschen Tageszeit eingenommenes Melatonin kann schwere Risiken für die Gesundheit bergen.
Wird es am Tag eingenommen, kann das auch zu Depressionen führen.
In der Schwangerschaft ist die Einnahme von Melatonin verboten, denn es kann die Plazentaschranke überwinden und in den kindlichen Blutkreislauf gelangen.
Auch während der Stillperiode darf es nicht verwendet werden, da es sich über die Muttermilch auf das Kind übertragen würde.

Brauche ich Melatonin zum Schlafen?
In den meisten Fällen von Schlaflosigkeit mangelt es nicht an Melatonin. Die Einnahme von Melatoninergänzungsmitteln kann die wirklichen Ursachen eines Problems maskieren.

Muss ich mit einer Melatonineinnahme fortfahren?
Fachleute raten dazu, Melatonin nicht länger als zwei aufeinanderfolgende Wochen einzunehmen.

Ist die Dosis wichtig?
Im Handel findet man gewöhnlich Tabletten mit 3 oder 5 mg reinem Melatonin oder aber in Tropfenform. Neuerliche Studien zeigen, dass erwachsene Männer nur 150 Mikrogramm benötigen, während Frauen 100 Mikrogramm (ein Mikrogramm sind 1/1000 eines Milligramms) brauchen. Somit enthalten die Ergänzungsmittel im Durchschnitt 20- bis 50-mal mehr Melatonin als es der tatsächliche Bedarf erfordert.
Personen, die Melatonintabletten einnehmen, können diese in vier Teile aufteilen, jedoch nur, wenn diese nicht kontrolliert oder verzögert freigesetzt werden.
Es gibt Medikamente mit verlängerter Wirkstofffreisetzung, die das Melatonin innerhalb einiger Stunden langsam abgeben, wie zum Beispiel Circadin.

Ist Melatonin wichtig?
Melatonin ist ein essentielles Hormon: es steuert das Herz und die lebenswichtigen Organe während der Nacht. Es fungiert auch als starkes Antioxidans; während man schläft, reinigt es von Toxinen und freien Radikalen in den Zellen.
Ein Lebensstil, der die Produktion von Melatonin vermindert, kann sehr schädigend sein, denn dies erhöht das Risiko von Hypertension, Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs.
Studien zeigen, dass Frauen, die in Nachtschichten arbeiten, ein 50 % höheres Risiko für Brustkrebs und die Patienten männlichen Geschlechts ein ebenso hohes Risiko für Darmkrebs haben.

Wie muss ich Melatoninpräparate einnehmen?
Zunächst muss man über Melatonin wissen, dass seine Halbwertszeit sehr kurz ist. Es ist nur für rund 20 Minuten im System aktiv.
Deshalb ist es wichtig, Melatonin in der am besten geeigneten Form für die Art des Problems anzuwenden: Wer Einschlafstörungen hat, könnte Melatonin mit unmittelbarer Freigabe nehmen.
Bei Durchschlafstörungen ist eher eine Retardtablette geeignet.

 

Nebenwirkungen, Kontraindikationen, Wechselwirkungen und Warnungen:

Schlaflosigkeit,Kopfschmerzen,Schwindel,MelatoninDie häufigsten Nebenwirkungen des Melatonins umfassen:
– Schläfrigkeit am Tag
– Schwindel
– Kopfschmerzen

Weniger häufige Nebenwirkungen von Melatonin sind: Bauchschmerzen, leichte Angstempfindung, Reizbarkeit, Verwirrtheit und Depression.

Außerdem kann Melatonin mit verschiedenen Arzneimitteln interferieren, darunter:
– Antikoagulantien
– Arzneimittel, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressoren)
– Medikamente für Diabetes
– Antibabypille

Die richtige Dosis hängt von der beabsichtigten Verwendung ab. Zum Beispiel werden Schlafstörungen oftmals mit 0,5 mg Melatonin pro Tag behandelt, während Dosen von 3 und 5 Milligramm pro Tag zur Behandlung von Jetlag-Beschwerden verwendet werden könnten.
Wer Melatonin als Ergänzungsmittel einnimmt, sollte synthetische Produkte bevorzugen, denn diejenigen tierischen Ursprungs könnten schädliche Substanzen enthalten.

Personen, die unter einer Lactoseintoleranz leiden, sollten kontrollieren, ob sich unter den Hilfsstoffen lactosehaltige Substanzen befinden.
Von Tätigkeiten, die Aufmerksamkeit erfordern – wie Autofahren oder die Bedienung von schweren Maschinen – muss für vier bis fünf Stunden nach der Einnahme des Melatonins abgeraten werden.

 

Welches ist die von Ärzten empfohlene Dosis?

Bei Schlaflosigkeit:

– 0,3-5 mg ist die empfohlene Dosis vor dem Schlafengehen.
– 5 mg um 18:00 bei Kindern mit Schlaflosigkeit
– 5 mg um 20:00 bei Kindern mit Entwicklungsstörungen (einschließlich Zerebralparese, Autismus und geistige Behinderung).
– 0,5-5 mg vor dem Schlafengehen bei Jetlag ab dem Tag der Ankunft am Bestimmungsort, weiterhin für noch 2-5 Tage.
– 2 mg bei Melatonin-Retardtabletten, Einnahme beim Schlafengehen über 6 Wochen beim Ausschleichen von Benzodiazepinen bei älteren Menschen mit Schlaflosigkeit.
– 0,3 mg oral 3-5 Stunden nach der letzten Zigarette, um die Symptome des Nikotinentzugs zu verringern.

 

Melatonin in Lebensmitteln


Der Verzehr von Lebensmitteln, die Melatonin enthalten, ermöglicht eine Schlafverbesserung ohne Nebenwirkungen eines Medikamentes oder synthetischen Ersatzstoffes.
Die Nahrungsmittel haben eine niedrige Konzentration dieser Substanz, können aber zu einem besseren Schlaf beitragen.
Nahrungsmittel, die am meisten Melatonin enthalten, sind:

  • Reis,
  • Hafer,
  • Mais,
  • Kirschen,
  • Weintrauben,
  • Bananen.

In der Ernährung sollten Lebensmittel, die Tryptophan enthalten, nicht fehlen, das eine Vorstufe von Serotonin und Melanin ist, denn aus Tryptophan kann der Körper Melatonin synthetisieren.