Otosklerose-Operation

Was ist eine Otosklerose-Operation?
Die Otosklerose des Ohres (auch Osteodystrophie der Labyrinthkapsel genannt) ist eine Erkrankung, die vor allem den Steigbügel betrifft, also eines der drei Gehörknöchelchen des Mittelohrs.

Bei einem normalen Gehör vibrieren die Gehörknöchelchen des Mittelohrs (Amboss, Hammer und Steigbügel) als Reaktion auf die Schallwellen frei.

Bei der Otosklerose bildet sich ein anormales Knochenstück im Bereich des Steigbügels: In der Regel ist die Steigbügelfußplatte betroffen, die an der Hörschnecke (Cochlea) befestigt ist und an diese die Schallwellen vom Trommelfell überträgt.

Dieses krankhaft überschießende Knochenmaterial vermindert die Beweglichkeit des Steigbügels. In der Folge verringert sich die übertragene Schallmenge zur Cochlea, dem Organ, das die mechanischen Schallschwingungen in Nervenimpulse umwandelt.
Im Laufe der Zeit behindert diese Knochenablagerung die Beweglichkeit des Steigbügels, der mit der Cochlea verschmilzt, mit der Folge eines starken Hörverlusts.
In diesem Fall wird der Hörverlust als Leitungsschwerhörigkeit definiert. Das Bedeutet, dass die Schallschwingungen nicht vom Steigbügel zur Cochlea übertragen werden können.

In den meisten Fällen von Otosklerose ist nur der Steigbügel betroffen, doch mit der Zeit wirkt sich die Otosklerose auch auf den knöchernen Überzug der Cochlea und auf die Nervenzellen in ihrem Innern aus. Wenn dies geschieht, ist die Übertragung von Nervenimpulsen zum Gehirn gefährdet: dies ist eine Schallempfindungsschwerhörigkeit.

In der Regel sind beide Ohren von der Otosklerose (bilateral) betroffen, doch kann auch nur ein Ohr beteiligt sein (monolateral).
Das Alter, bei dem diese Störung auftritt, beträgt etwa 15 bis 30 Jahre. Nur selten betrifft es auch Kinder.

 

Arten von Schwerhörigkeit

Das äußere Ohr und das Mittelohr leiten die Schallschwingungen weiter, während das Innenohr sie empfängt.

  • Besteht eine Fehlfunktion im Mittel- oder Außenohr, kommt es zur Beeinträchtigung der Schallsignalübertragung (übertragenes Hörvermögen).
  • Tritt die Störung im Innenohr auf, ist das Ergebnis eine Schallempfindungsschwerhörigkeit.
  • Wirkt sich die Störung sowohl auf die Übertragungs- als auch auf die neurosensorischen Komponenten aus, ist die Schwerhörigkeit eine „gemischte“ oder kombinierte: Die gemischten Hörbeeinträchtigungen kommen bei Otosklerose häufig vor.


Hörschäden bei Otosklerose

Beobachtet man das Mittelohr mikroskopisch vor der Hörbeeinträchtigung, die mit einer Otosklerose in Verbindung steht, kann man in der knöchernen Struktur kleine geschwächte und verhärtete Bereiche beobachten. Dieser krankhafte Prozess kann sich auf Steigbügel, Innenohr oder beide ausbreiten.

Cochleäre Otosklerose
Betrifft die Otosklerose das Innenohr, verursache sie eine Schallempfindungsschwerhörigkeit, da sie die Funktionsfähigkeit des Hörnervs beeinträchtigt. Diese Beeinträchtigung des Nervs wird als dauerhafte cochleäre Otosklerose bezeichnet und kann sich auch auf die Kanäle für das Gleichgewicht ausbreiten und Episoden von Instabilität verursachen.

Otosklerose des Steigbügels
Die Otosklerose breitet sich in der Regel auf den Steigbügel aus, das letzte Glied in der Kette der Schalleitung im Mittelohr. Der Steigbügel liegt auf einem kleinen Spalt auf, dem ovalen Fenster, das in direktem Kontakt mit den Innenohrflüssigkeiten steht. Alles, was die Funktion des Steigbügels stört, führt zur Unfähigkeit, die Schallwellen korrekt bis ins Innenohr zu leiten. Diese Art von Schädigung wird Stapesankylose genannt und kann durch eine Operation korrigiert werden.
Der Hörverlust, der von dieser Erkrankung bestimmt wird und der Grad der Beeinträchtigung des Hörnervs werden allein durch eine audiometrische Untersuchung bestimmt.

 

Ursachen der Otosklerose

Die Ursachen dieser Erkrankung sind bisher unbekannt, doch haben Forscher einige Risikofaktoren für die Otosklerose bestimmt, darunter:

  • Familiäre Determination – es gibt eine genetische oder vererbliche Komponente, die mit dieser Störung verbunden ist.
  • Geschlecht – Frauen haben eine größere Wahrscheinlichkeit als Männer, diese Erkrankung zu entwickeln.
  • Schwangerschaft – manche Frauen entwickeln eine Otosklerose während der Schwangerschaft.
  • Ethnische Herkunft – Kaukasier sind am meisten betroffen.
  • Osteogenesis imperfecta – diese genetische Erkrankung ist durch abnorm brüchige Knochen gekennzeichnet: Die von dieser Krankheit betroffenen Menschen haben ein größeres Risiko, Otosklerose zu entwickeln.
  • Wasser ohne Fluor – einige Untersuchungen zeigen, dass Trinkwasser, das kein Fluor enthält, das Risiko des Auftretens einer Otosklerose bei prädisponierten Menschen erhöht.
  • Masernvirus – es gibt Nachweise, dass das Masernvirus an der Entwicklung der Otosklerose beteiligt ist.
  • Unbekannte Ursachen – manche Menschen entwickeln eine Otosklerose, ohne bestimmte Risikofaktoren aufzuweisen.

 

Symptome der Otosklerose

Bei einem Otosklerosepatienten richtet der Arzt zunächst die Aufmerksam auf ein Ohr, obwohl beide Ohren von der Erkrankung betroffen sind. Hier die hauptsächlichen Symptome:

  • Allmählicher und fortschreitender Hörverlust, keine vollständige Taubheit. Der Verlauf ist sehr langsam, außer bei einer juvenilen Otosklerose, die durch eine rasche Verschlechterung gekennzeichnet ist.
  • Das Gehör bessert sich in lauter Umgebung.
  • Tinnitus oder Ohrensausen (Klingeln im Ohr).
  • Schwindel oder Vertigo.
  • Otosklerose verursacht Ohrenschmerzen.

 

Diagnose der Otosklerose

Der zuständige Facharzt ist der Hals-Nasen-Ohrenarzt, der den Patienten untersucht und einige Untersuchungen verordnet, darunter:

Audiometrie – um die Hörschwelle zu messen; gewöhnlich hat ein Mensch mit Otosklerose Hörprobleme mit niederfrequenten Tönen.
Tympanometrie – ist eine Untersuchungsmethode zur Messung der Beweglichkeit des Trommelfells, das Druckschwankungen ausgesetzt wird.
Die Daten werden graphisch in einem Diagramm (Tympanogramm) abgebildet, an der Verlaufsform erkennt man die Störung bei dem Patienten.
Das Tympanogramm kann eine Carhart-Senke anzeigen, das beutet eine Verschlechterung der Knochenleitung bei 20-30 dB, vor allem bei 2000 Hz.
CT – dient zum Erkennen eventueller Schäden am Cochlea-Nerv und am Labyrinth.

 

Stadien der Otosklerose:

  • Stadium I: Schallleitungsschwerhörigkeit, verstärkt bei niedrigen Frequenzen messbar.
  • Stadium II: gemischte Schwerhörigkeit, hauptsächlich transmissiv, Hörverlust bei hohen und mittleren Frequenzen (weniger schwerwiegend).
  • Stadium III: gemischte Schwerhörigkeit, hauptsächlich neuro-sensorisch, die Otosklerose verschlimmert sich und die Degeneration des Innenohres wird gravierender.
  • Stadium iV: der neurosensorische Schaden ist hochgradig und im Vergleich zur Übertragungskomponente vorherrschend.

 

Komplikationen und Folgen der Otosklerose

Die Otosklerose betrifft selten das Innenohr und die Cochlea, das für das Gehör wichtigste Organ. Diese Erkrankung schädigt die winzigen Haarzellen in der Cochlea, die die Schallwellen in elektrische Signale umwandeln, was den Hörverlust verstärkt.
Dieser Hörverlust ist bekannt als Schallempfindungsschwerhörigkeit und wird nicht chirurgisch behandelt.

Breitet sich die Otosklerose in den Bereich des Innenohrs aus, der für das Gleichgewicht verantwortlich ist, können auch diesbezügliche Probleme entstehen.

Otosklerose und Schwangerschaft
Die weiblichen Hormone beschleunigen das Fortschreiten der Otosklerose: Das bedeutet, dass sich bei einer schwangeren Frau die Otosklerose rasch verschlimmert, ebenso wie bei stillenden Frauen und solchen, die sich einer Hormonersatztherapie unterziehen oder die Antibabypille einnehmen.
Menschen mit Otosklerose sollten mit ihrem Arzt sprechen, ehe sie eine hormonelle Behandlung beginnen.

 

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Therapie der Otosklerose

Medikamente nützen zur Behandlung dieser Störung nichts, es gibt dagegen auch keine wirksamen natürlichen Heilmittel.

Zu den vorrangig angewandten Behandlungen dieser Krankheit gehören Hörgeräte, die nur an einem Ohr getragen wurden: Sie helfen dem Patienten die Töne und vor allem die Stimmen deutlicher wahrzunehmen.

Wann operieren?
Die chirurgische Behandlung ist angezeigt, wenn sich die Schwerhörigkeit in einer fortgeschrittenen Phase befindet, in diesem Fall ist das die einzige mögliche Behandlung, um zu gesunden.
Wenn sich hingegen die Krankheit durch den Gebrauch von Hörgeräten oder durch eine Operation nicht bessert, dient ein CT dazu, nach anderen Ursachen zu suchen, die diese Erkrankung erklären können.
Studien zeigen, dass es im Laufe der Zeit zu einer völligen Taubheit kommt, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt.

Chirurgische Stapedektomie
Die Stapedektomie besteht in der Entfernung des Steigbügels (Stapes) aus dem Mittelohr, der durch eine winzige Metall- oder Kunststoffprothese ersetzt wird, und ist eine der verwendeten chirurgischen Techniken bei Otosklerose. Das ist ein schwieriges und delikates Verfahren und kann aus verschiedenen Gründen fehlschlagen: Die Prothese kann aus ihrer Position verrutschen, das ovale Fenster kann sich erneut verschließen oder der Amboss kann erodieren.
Wandert die Prothese ins Innere, stimulieren die tympanischen Schwingungen direkt Utriculus und Sacculus mit entsprechenden Folgen für das Gleichgewicht. Wenn die Prothese nach außen wandert, kann sich eine Fistel am ovalen Fenster bilden.


Chirurgische Stapedotomie
Die chirurgisch derzeit am meisten praktizierte Therapie bei Otosklerose ist die Stapedotomie: Dabei wird an der Fußplatte des Steigbügels eine kleine Öffnung angebracht, in der ein Stift verankert wird, auf dem die Prothese befestigt wird.
Diese chirurgische Technik sieht keine Entfernung der gesamten Fußplatte des Steigbügels vor und vermeidet einige Komplikationen, die im Zusammenhang mit den größeren Einschnitten der Stapedektomie stehen.
Die erhaltenen Resultate zur Wiederherstellung der Hörfähigkeit sind bei beiden chirurgischen Vorgehensweisen in etwa gleichwertig.
Ist nur ein Ohr von der Erkrankung betroffen, hilft diese Operation dem Patienten, die Töne besser wahrzunehmen und sie in einer lauten Umgebung klarer abzugrenzen.
Sind hingegen beide Ohren erkrankt, erfolgt die Operation auf dem stärker betroffenen Ohr, während auf dem gegenüberliegenden Ohr ein Hörgerät eingebaut wird.

Die Operation dauert etwa eine Stunde.
Die Stapedotomie kann in Vollnarkose erfolgen, doch wird meist bevorzugt, nur ein Ohr zu anästhesieren.
Der erste Schnitt wird über der äußeren Gehöröffnung durchgeführt oder im Innern des Gehörgangs. Darüber werden sehr feine Instrumente eingeführt, um den oberen Teil des Steigbügels zu entfernen.
Danach wird eine kleine Öffnung in die Fußplatte des Steigbügels im Innenohr angebracht, um eine Prothese aus Metall oder Kunststoff in diesen Bereich einzuführen, die den Schall an die verbleibenden Gehörknöchelchen in der Knochenkette weiterleiten soll.

Dieses Verfahren wird auch mittels Laser durchgeführt, zudem kann man auch eine kleine Vene vom Handrücken entnehmen, um damit ein Transplantat für das Ohr anzufertigen.

Chirurgische Fensterung
Die Fensterung ist ein chirurgisches Verfahren zur Behandlung der Otosklerose, doch heutzutage wird sie praktisch nicht mehr durchgeführt.
Man durchbohrt einen Teil des Schläfenbeins (Mastoid) und schafft eine künstliche Öffnung des seitlichen Bogenganges anstelle des ovalen Fensters, das durch die Otosklerose verschlossen ist.
Das ist ein chirurgischer Eingriff, der viele Nebenwirkungen hat.


Chirurgische Revisionsoperation
Trotz chirurgischer Therapie schreitet die Otosklerose weiter voran, bei mindestens 10-20 % der Patienten ist eine Revisionsoperation erforderlich. Gewöhnlich schreitet der neurosensorische Hörverlust nach der Operation um 1 dB/pro Jahr fort.
Die Erfolgsrate der zweiten Operation (Revision) beträgt etwa 75 %.

 

Prognose der Otosklerose-Chirurgie

Nach der chirurgischen Stapedektomie sind viele Patienten in der Lage, noch am gleichen Abend oder am folgenden Morgen wieder nach Hause zu gehen.

Auf jeden Fall sollte sich der Patient am Abend nach der Operation vorsichtig auf das nicht operierte Ohr legen.
In den ersten Tagen nach der Operation kann Schwindel auftreten.
Bei der Operation wird ein Tampon in den Gehörgang eingeführt.
Bis zur Entfernung des Tampons eine Woche nach dem chirurgischen Eingriff nimmt man keine Verbesserung des Gehörs wahr.
In der ersten Woche nach der Operation klagen die Patienten lediglich über ein „Leeregefühl“ in den Ohren, als würde man die Töne aus einem Fass oder in einer Höhle vernehmen.

Die Klänge erscheinen unangenehm, können sehr laut sein, doch nach und nach normalisieren sie sich.
Das Gehör des Patienten bessert sich deutlich in den ersten 4-6 Wochen nach der Operation. Auch in den folgenden Monaten kann noch eine weitere Verbesserung bemerkbar sein.
Aufgrund eines kleinen Geschmacksnervs, der durch das Ohr verläuft (die Chorda tympani), können über einige Wochen oder Monate nach der Stapedektomie Veränderungen im Geschmacksempfinden auftreten. Oft nehmen die Patienten einen metallischen Geschmack wahr. Im Verlaufe von wenigen Wochen der Rekonvaleszenz normalisiert sich das Geschmacksempfinden jedoch wieder.