Ausbleiben der Periode oder Amenorrhoe

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Amenorrhoe ist das Ausbleiben der Menstruation und kann primärer oder sekundärer Art sein.

  1. Eine primäre Amenorrhoe bezeichnet das Fehlen der Menstruation und der charakteristischen sekundären Geschlechtsmerkmale (zum Beispiel die Entwicklung der Brust und der Schamhaare bei einem Mädchen von 14 Jahren) oder das Ausbleiben des Menstruationszyklus bei normaler Entwicklung der charakteristischen sekundären Geschlechtsmerkmale bei einem Mädchen von 16 Jahren.
  2. Von einer sekundären Amenorrhoe spricht man, wenn die Periode bei einer Frau, die in der Vergangenheit normale Menstruationszyklen hatte, länger als drei Monate ausbleibt, ohne Ursachen wie Schwangerschaft, Stillzeit, Einnahme der Antibabypille oder Menopause.

Amenorrhoe ist nicht zu verwechseln mit dem Begriff der Dysmenorrhoe, die Menstruationsschmerzen bezeichnet.

Ursachen der Amenorrhoe

Eine Amenorrhoe kann aus verschiedenen Gründen eintreten. Einige Formen sind Teil eines normalen Ablaufs im Leben einer Frau, während andere Nebenwirkungen auf Medikamente oder das Zeichen einer ernsten Erkrankung sind.

Natürliche Amenorrhoe

Im Verlauf des normalen Lebens kann eine Frau eine Amenorrhoe aus natürlichen Gründen haben, wie zum Beispiel:

  1. Schwangerschaft
  2. Stillen
  3. Menopause


Medikamente

Einige Medikamente und Therapien können das Ausbleiben der Menstruation verursachen, darunter verschiedene Arten von:

  1. Antipsychotika
  2. Chemotherapie bei Krebserkrankung
  3. Antidepressiva
  4. Medikamente gegen Bluthochdruck
  5. Strahlentherapie

Lebensstil und funktionelle Ursachen

  1. Magersucht/Bulimie
  2. Chronische Erkrankungen (zum Beispiel Tuberkulose)
  3. Massiver Gewichtsverlust
  4. Stoffwechselstörung wie Fettleibigkeit
  5. Mangelernährung
  6. Depression oder andere psychische Störungen
  7. Drogenmissbrauch
  8. Gebrauch von Psychopharmaka (verordnete Arzneien zur Stabilisierung oder Verbesserung der Stimmung, des mentalen Status oder des Verhaltens)
  9. Stress
  10. Übermäßige sportliche Aktivität
  11. Antibabypille

Hormonelles Ungleichgewicht

Viele Krankheiten können ein hormonelles Ungleichgewicht verursachen, darunter:


Polyzystisches Ovarialsyndrom
Das Syndrom des polyzystischen Ovars verursacht relativ hohe Hormonkonzentrationen anstelle der normalen Schwankungen des Menstruationszyklus.

Funktionsstörungen der Schilddrüse
Eine Überfunktion (Hyperthyreose) oder eine verminderte Aktivität (Hypothyreose) der Schilddrüse können zu Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation führen, einschließlich Amenorrhoe.

Hypothyreose
Die klinischen Zeichen einer Schilddrüsenerkrankung werden meist vor einer Amenorrhoe beobachtet.
Eine leichtgradige Hypothyreose ist oft mit einer Hypermenorrhoe (starke Regelblutung) oder Dysmenorrhoe verbunden (das sind menstruelle Unregelmäßigkeiten, die länger als 32 Tage anhalten), im Vergleich zur Amenorrhoe.
Die Behandlung der Hypothyreose sollte die Menstruation wiederherstellen, es können aber einige Monate vergehen, ehe man ein Ergebnis sieht.

Hyperprolaktinämie
Eine Patientin mit einem erhöhtem Prolaktinspiegel, Galaktorrhoe (krankhaftem Milchfluss), Kopfschmerzen oder Sehstörungen sollte sich apparativen Untersuchungen (MRT oder CT) unterziehen, um einen Hypophysentumor auszuschließen.
Adenome sind die häufigsten Ursachen einer Hypophysenvorderlappen-Dysfunktion.


Hypergonadotroper Hypogonadismus
Eine Eierstockinsuffizienz kann zur Menopause führen.
Im Mittel tritt die Menopause im Alter von 50 Jahren auf und wird durch das Aufbrauchen der Follikel verursacht.
Die vorzeitige Ovarialinsuffizienz ist durch Amenorrhoe, Östrogenmangel und erhöhte Gonadotropinspiegel gekennzeichnet, die vor dem 40. Lebensjahr auftreten.
Etwa 50 Prozent der Frauen mit verfrühter Ovarialinsuffizienz besitzen Eierstöcke, die intermittierend arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Empfängnis beträgt 5-10 Prozent.

Hypogonadotroper Hypogonadismus
Die hypothalamische Amenorrhoe wird durch einige Anomalien in der gonadotropinen Hormonsekretion und durch Unterbrechung des Systems von Hypothalamus-Hypophyse-Ovar verursacht.
Diese Störung wird oft durch übermäßigen Gewichtsverlust, körperliche Bewegung oder Stress verursacht.
Wie Stress oder Gewichtsverlust die Sekretion von Gonadotropin beeinflusst, ist unbekannt.
Frauen mit exzessivem Gewichtsverlust sollten sich einer Therapie gegen Essstörungen wie Anorexia nervosa oder Bulimie unterziehen.

Hypophysentumor
Ein nicht kanzeröser (benigner) Tumor der Hypophyse kann die hormonelle Regulation des Menstruationszyklus stören.

Amenorrhoe nach Einnahme der Pille
Bei Frauen, die die Einnahme oraler Kontrazeptiva abgebrochen haben, sollte die Menstruation innerhalb von drei Monaten nach Absetzen der Pille wieder einsetzen.
Frauen, die drei Monate nach Absetzen der Pille keine Menstruation haben, könnten unter einer sekundären Amenorrhoe leiden.

Vorzeitige Menopause
Im Allgemeinen tritt die Menopause im Alter zwischen 45 und 55 Jahren ein.
Bei einer verfrühten oder vorzeitigen Menopause brechen Ovulation und Menstruation vor dem 40. Lebensjahr ab.

Lebensweise

Stress
Mentaler Stress kann vorübergehend die Hypothalamusfunktion beeinträchtigen.
Der Hypothalamus ist ein Hirnbereich, der die Hormone steuert, die mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen.
Ovulation und Menstruationszyklus können in der Folge unterbrochen werden.
Normalerweise tritt ein regelmäßiger Zyklus wieder ein, wenn der Stress abnimmt.

Niedriges Körpergewicht
Ein exzessiv niedriges Körpergewicht unterbricht viele hormonelle Funktionen des Körpers und kann zum Stillstand der Ovulation führen.
Oft bleibt bei Frauen, die eine Essstörung wie Anorexie oder Bulimie haben, der Zyklus durch hormonelle Veränderungen aus.

Ausbleiben der Periode oder Amenorrhoe
Ausbleiben der Periode oder Amenorrhoe

Exzessives Training
Frauen, die hart trainieren, weil sie Sportarten betreiben wie Ballett, Laufen oder Gymnastik, können einen Abbruch des Menstruationszyklus erfahren.
Verschiedene Faktoren tragen zum Ausbleiben der Menstruation bei Sportlerinnen bei, darunter der Abbau von Körperfett, Stress und exzessiver Energieverbrauch.
Junge Sportlerinnen können eine Krankheits-Kombination entwickeln, die Athletische Triade genannt wird; dazu gehören:

  • Essstörung,
  • Amenorrhoe,
  • Osteoporose.

Die Menstruationen können zurückkehren, wenn sie mehr essen und sich weniger intensiv auf den Sport vorbereiten.

Strukturelle Probleme

Störungen der Geschlechtsorgane können Amenorrhoe verursachen. Einige Beispiele:

Uterine Narben. Asherman-Syndrom, eine Erkrankung, bei der Verwachsungen und Vernarbungen der Gebärmutterwand vorliegen.
Manchmal kann dies nach einem Kaiserschnitt, einer Ausschabung oder der Behandlung eines Uterusfibroms auftreten.
Uterine Narben verhindern Ansammlung und Abgang von Menstruationsblut.

Defizit der Fortpflanzungsorgane
Manchmal ergeben sich Probleme bei der fetalen Entwicklung und eine junge Frau kann ohne einen wichtigen Teil des Fortpflanzungssystems wie Gebärmutter, Gebärmutterhals oder Vagina geboren werden.
Da sich das Fortpflanzungssystem nicht normal entwickelt, wird die junge Frau keinen Menstruationszyklus haben.

Strukturelle Anomalie der Vagina
Ein Vaginaverschluss kann eine sichtbare Menstruationsblutung verhindern.
Eine Membran oder abnorme Wand in der Vagina kann den Blutfluss aus Gebärmutter und Zervix blockieren.

Symptome der Amenorrhoe

Andere Symptome neben dem Menstruationsausfall sind:

  • Veränderungen der Brustgröße
  • Zunahme oder Abnahme des Körpergewichts
  • Ausfluss aus der Brust (Galaktorrhoe)
  • Vermehrter Haarwuchs nach männlichem Muster (Hirsutismus) und Akne
  • Scheidentrockenheit
  • Stimmveränderung

Ist die Amenorrhoe durch einen Hypophysentumor verursacht, können andere Symptome auftreten, die mit dem Tumor in Verbindung stehen, wie Verlust der Sehkraft und Kopfschmerzen.

Diagnose der Amenorrhoe


Untersuchungen und Tests
Der Gynäkologe muss eine körperliche Untersuchung und eine Untersuchung des Beckens vornehmen um festzustellen, ob die Patientin schwanger ist.
Es muss ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.
Blutuntersuchungen dienen der Kontrolle der Hormonspiegel, darunter:

  • Estradiolspiegel,
  • Spiegel des follikelstimulierenden Hormons (FSH),
  • luteinisierndes Hormon (LH-Spiegel),
  • Prolaktinspiegel,
  • Testosteron-Serumspiegel,
  • Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH).

Andere mögliche Tests sind:

  • CT oder MRT des Gehirns zur Feststellung von Tumoren,
  • Biopsie der Gebärmutterschleimhaut,
  • genetische Tests,
  • Echographie des Beckens oder Sonohysterographie.


Welche Therapie hilft bei Amenorrhoe?

Die Behandlung der primären und sekundären Amenorrhoe hängt von der genauen Ursache ab.
Zu den Behandlungsziele gehören: Linderung der Symptome des hormonellen Ungleichgewichts, Wiederherstellen der Menstruation, Vermeiden von Komplikationen der Amenorrhoe und Erreichen der Fruchtbarkeit.

In Fällen, in denen eine anatomische oder genetische Anomalie die Ursache der Amenorrhoe ist (im Allgemeinen primäre Amenorrhoe), kann ein chirurgischer Eingriff empfohlen sein.

Die hypothalamische Amenorrhoe, die verbunden ist mit Gewichtsverlust, exzessivem Körpertraining, einer Krankheit oder emotionalem Stress, kann gewöhnlich behandelt werden, indem die zugrunde liegende Ursache beseitigt wird.
Zum Beispiel kann eine Gewichtszunahme und die Verringerung der Intensität des Trainings bei jungen Sportlerinnen die Menstruation wiederherstellen, wenn die Amenorrhoe keine anderen Ursachen hat.
In einigen Fällen kann eine Konsultation beim Diät- oder Ernährungsberater ratsam sein.

Bei der frühen Ovarialinsuffizienz kann eine Hormontherapie empfohlen sein, sowohl um die unangenehmen Symptome des Östrogenmangels zu beseitigen als auch die Komplikationen einer Osteoporose zu verhindern.
Die Behandlung der frühzeitigen Ovarialinsuffizienz kann bei Frauen, die nicht schwanger werden wollen, durch Antibabypille erfolgen oder alternativ durch Medikamente mit Östrogen und Progesteron.


Die Hormontherapie nach der Menopause kann bei älteren Frauen zu Gesundheitsrisiken führen, doch bei Jugendlichen mit früher Ovarialinsuffizienz hat diese Therapie Vorteile, um einen Verlust der Knochendichte zu verhindern.

Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom können sich unter einer Behandlung bessern, die die männlichen Hormone oder Androgene senkt.

Dopamin-Agonisten wie Bromocriptin (Pravidel) können erhöhte Prolaktinspiegel senken, die für die Amenorrhoe verantwortlich sind.
Die Dosis der Medikamente kann vom Arzt angepasst werden.


Eine künstliche oder assistierte Befruchtung und die Verabreichung von Medikamenten, die Gonadotropin (Stimulans zur Follikelreifung) enthalten, können Frauen helfen, die unter gewissen Formen einer Amenorrhoe leiden, jedoch schwanger werden wollen.
Man sollte sich immer an den Arzt wenden, um eventuelle Kontraindikationen oder Nebenwirkungen der Medikamente zu bewerten.

Viele Unternehmen und Personen haben pflanzlich basierte Therapien zur Behandlung der Amenorrhoe beworben, doch es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit dieser Produkte.