Vollständige Urinuntersuchung

Eine komplette Urinuntersuchung wird routinemäßig oder für diagnostische Zwecke durchgeführt.
Die Ergebnisse aus den Urinuntersuchungen dienen dem Nachweis vieler Krankheiten, wie:

  • Infektionen der Harnwege
  • Nierenkrankheiten
  • Lebererkrankungen
  • Diabetes

Urinuntersuchung,komplettVorbereitung
Vor der Untersuchung keine Nahrungsmittel essen, die den Urin färben können wie Brombeeren, rote Rüben und Rhabarber.
Vor der Untersuchung keine Anstrengungen unternehmen.

Den Arzt über den erwarteten Beginn des Menstruationszyklus informieren. Der Arzt kann dann entscheiden, mit der Untersuchung noch abzuwarten.

Der Arzt kann darum bitten, die Einnahme mancher Medikamente zu unterbrechen, die den Urin verfärben. Unter diesen sind:

  • Vitamin B
  • Phenazopyridin (in Deutschland nicht zugelassen)
  • Rifa
  • Phenytoin
  • Diuretika

Man sollte mit dem Arzt besprechen, ob die Untersuchung erforderlich ist, wie sie durchgeführt wird, und was die Ergebnisse bedeuten.

 

Wie erfolgt die Urinuntersuchung? Anweisungen

Man kann eine routinemäßige Urinuntersuchung in der Arztpraxis, in einer Klinik oder in einem Laboratorium durchführen lassen. Der Arzt kann den Patienten bitten, zu Hause eine Urinprobe zu sammeln und zur Untersuchung in die Praxis oder das Labor zu bringen.

Man sammelt eine Urinprobe von einem kleinen Kind oder einem Säugling mit einem speziellen Plastikbeutel mit Verschlussrand.

 

Modus für die Sammlung einer sterilen und sauberen Urinprobe

Einfache Urinuntersuchung
Zuerst etwas in die Toilette oder das Urinal urinieren. Eine Frau sollte beim Wasserlassen die Schamlippen auseinander halten.
Nachdem der Urin für ein paar Sekunden gelaufen ist, den Sammelbehälter unter den Urinstrahl halten und etwa 60 ml des Urins auffangen.
Den Rand des Gefäßes nicht mit dem Genitalbereich berühren. Kein Toilettenpapier, Schamhaare, Kot, Menstruationsblut oder andere Dinge in die Urinprobe geben.
Das Wasserlassen in die Toilette oder das Urinal beenden.

Vorsichtig den Sammelbehälter mit dem Schraubdeckel verschließen und zum Labor bringen. Wird der Urin zu Hause gesammelt und man kann nicht innerhalb einer Stunde zum Labor gehen, die Probe in den Kühlschrank stellen.

Für Kleinkinder und Säuglinge gibt es Beutelchen, die das Urinsammeln ermöglichen.

Sammeln von 24-Stunden-Urin
Der Arzt kann eine 24-Stunden-Urinsammlung anordnen.
Gewöhnlich beginnt man mit der Sammlung am Morgen. Nach dem Erwachen Wasserlassen, ohne diesen Urin zu konservieren. Die Zeit notieren, bei der mit dem Sammeln des Urins über einen Zeitraum von 24 Stunden begonnen wurde.
Für die folgenden 24 Stunden den gesamten Urin sammeln. Der Arzt stellt in der Regel ein großes Behältnis dafür zur Verfügung, das die Menge von etwa 4 l fassen kann und eine kleine Menge eines Konservierungsmittels enthält. In einen kleineren sauberen Behälter urinieren und dann den Urin in den großen Behälter gießen. Vermeiden, das Innere des Behälters mit den Fingern zu berühren.
Während der Sammelzeit den großen Behälter in einem Kühlschrank aufbewahren.
Zum letzten Mal kurz vor oder am Ende der 24 Stunden wasserlassen. Diesen Urin dem großen Sammelgefäß hinzugeben und die Zeit notieren.

 

Normalwerte und Interpretation der Urinanalyse


Eine regelrechte Urinanalyse umfasst meist folgende Tests:

Ergebnisse der kompletten Urinuntersuchung

Farbe
Normal: von hellgelb bis dunkelgelb.
Abnormal: Viele Lebensmittel und Medikamente können die Farbe des Urins beeinflussen. Farbloser Urin kann durch eine chronische Nierenkrankheit oder durch unbehandelten Diabetes entstehen. Dunkelgelber Urin kann durch Dehydratation verursacht sein. Roter Urin kann durch Blut im Urin bedingt sein.


Klarheit
Normal: klar.
Abnormal: Dunkler Urin (und opaleszent) kann verursacht sein durch:

  • Eiter (weiße Blutkörperchen)
  • Blut (rote Blutkörperchen)
  • Sperma
  • Bakterien
  • Hefen
  • Kristalle
  • Filamente von Schleim
  • Infektionen verursacht durch Parasiten wie Trichomoniasis

Geruch
Normal: leicht „scharfer“ Geruch.
Abnormal: Der Urin kann einen veränderten Geruch aufgrund einiger Speisen (wie Spargel), Vitamine und Antibiotika (wie Penicillin) haben. Ein süßer Geruch kann durch einen nicht behandelten Diabetes herrühren. Eine Harnwegsinfektion kann üblen Geruch verursachen. Urin, der nach Ahornsirup riecht, kann auf die Ahornsirupkrankheit hinweisen, die dann vorliegt, wenn der Körper gewisse Aminosäuren nicht zerlegen kann.

Spezifisches Gewicht
Normal: 1.005 – 1.030
Abnormal: Ein stark erhöhtes spezifisches Gewicht weist darauf hin, dass der Urin stark konzentriert ist, was eintritt, wenn eine Person zu wenig trinkt, zu viel Flüssigkeit verliert (exzessives Erbrechen, Schwitzen oder Durchfall) oder sich Substanzen (wie Glucose oder Proteine) im Urin befinden.
Eine sehr niedrige Dichte bedeutet, dass der Urin verdünnt ist. Das kann bei übermäßigem Trinken, bei einer schweren Nierenerkrankung oder aufgrund von Diuretika auftreten.

pH-Wert
Normal: 4.6 – 8.0
Abnormal: Manche Speisen (wie Zitrusfrüchte und Milchprodukte) und Medikamente (zum Beispiel Antazida) können den pH-Wert des Urins verändern. Ein hoher pH-Wert (alkalisch) kann durch massives Erbrechen, durch Nierenerkrankungen, einige Infektionen der Harnwege und Asthma verursacht sein. Ein niedriger pH-Wert (saurer Urin) kann folgende Ursachen haben:

  • Schwere Lungenkrankheiten (Emphysem)
  • Unbehandelter Diabetes
  • Überdosis an Aspirin
  • Massiver Durchfall
  • Dehydratation
  • Hunger
  • Massiver Alkoholgenuss
  • Trinken von Frostschutzmitteln (Ethylenglykol)

Proteine
Normal: keine.
Abnormal: Proteine im Urin können verweisen auf:

  • Nierenläsionen
  • Infektionen
  • Krebs
  • Arterielle Hypertension
  • Diabetes
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Glomerulonephritis


Proteine im Urin können außerdem ein Hinweis sein auf:

  • Herzinsuffizienz
  • Leukämie
  • Gift (Vergiftung mit Blei oder Quecksilber)
  • Präeklampsie (in der Schwangerschaft)

Albumin
Das Protein „Albumin“ sollte im Urin nicht vorhanden sein (Albuminurie), doch ein geringer Anteil weist nicht immer auf eine Erkrankung hin.
Ursachen für einen erhöhten Albuminanteil im Urin sind:

  • Zu viele Proteine in der Nahrung
  • Harnwegsinfektionen
  • Schwangerschaft
  • Niereninsuffizienz
  • Diabetes

Glucose
Normal: 1 – 15 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder 0,06 – 0,83 Millimol pro Liter (mmol/l) in einer 24-Stunden-Urinprobe.
Im Normalfall ergibt eine einzige Urinprobe für Glucose einen negativen Wert.
Abnormal: Intravenös verabreichte Flüssigkeiten können hohe Glucosewerte im Urin verursachen. Zu viel Glucose im Urin kann in folgenden Fällen vorliegen:

  • Unbehandelter Diabetes
  • Nebennierenprobleme
  • Leberkrankheiten
  • Hirnschäden
  • Bestimmte Vergiftungen
  • Manche Arten von Nierenerkrankungen

Eine gesunde schwangere Frau kann Glucose im Urin haben, während der Schwangerschaft ist das normal.

Ketone
Normal: keine.
Abnormal: Ketone im Urin können folgende Ursachen haben:

  • Unbehandelter Diabetes
  • Kohlenhydratarme Ernährung
  • Hunger oder Ernährungsstörungen (wie Anorexia nervosa oder Bulimie)
  • Alkoholismus
  • Vergiftung mit Isopropylalkohol

Ketone sind oftmals im Urin zugegen, wenn eine Person über 18 Stunden und mehr nicht gegessen hat. Das kann bei einem kranken Menschen der Fall sein, der nichts mehr essen kann oder über mehrere Tage erbricht. Manchmal findet man bei gesunden schwangeren Frauen einen niedrigen Ketonanteil im Urin.

Nitrite. Bakterien, die einen Harnwegsinfekt verursachen, produzieren ein Enzym, das die Nitrate im Urin in Nitrit umwandelt. Nitrite im Urin weisen auf einen Harnwegsinfekt hin.

Leukozytenesterase. Leukozytenesterase weist auf die Anwesenheit von Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Urin hin. Weiße Blutkörperchen im Urin deuten auf einen Harnwegsinfekt.

Volumen
Normal: 800 – 2.500 Milliliter (ml) im 24-Stunden-Sammelurin.

 

Niere,Glomerulum,FilterMikroskopische Analyse

Mikroskopische Analyse. Bei dieser Untersuchung wird der Urin in einer speziellen Apparatur (Zentrifuge) filtriert, so dass sich die einzelnen Inhaltsstoffe (Sedimente) am Boden ablagern. Das Sediment wird auf ein Glasblättchen aufgetragen und unter dem Mikroskop untersucht. Was auf dem Objektträger zu sehen ist, beinhaltet:

Rote und weiße Blutkörperchen. Normalerweise sind keine Blutkörperchen im Urin enthalten. Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Urin können durch eine Entzündung, Krankheit oder Verletzung der Nieren, des Harnleiters, der Blase oder der Harnröhre verursacht sein. Auch intensive körperliche Aktivitäten (wie ein Marathonlauf) können zu Blutbeimengung im Urin führen. Weiße Blutkörperchen können Zeichen einer Infektion oder einer Nierenkrankheit sein.

Nierensteine. Manche Arten von Nierenerkrankungen können zur Bildung von Materialteilchen (Nierensteine oder Konkremente) in den kleinen Nierentubuli führen. Die Nierensteine werden dann mit dem Urin ausgeschieden. Nierenkonkremente können aus roten oder weißen Blutkörperchen gebildet sein und können wachsartige, fetthaltige Anteile oder Proteine enthalten. Die Art der Nierensteine im Urin kann dazu verhelfen herauszufinden, welche Art Nierenerkrankung die Beschwerden verursacht.

Kristalle. Oftmals haben gesunde Menschen wenig Kristalle im Urin. Eine hohe Anzahl von Kristallen oder manche Arten der Kristalle können auf Nierensteine oder ein Stoffwechselproblem hinweisen.

Bakterien, Hefezellen oder Parasiten. Normalerweise gibt es im Urin keine Bakterien, Hefezellen oder Parasiten. Sind diese vorhanden, kann das auf eine vorliegende Infektion hinweisen.

Schuppenzellen. Das Vorhandensein von Schuppenzellen kann bedeuten, dass das Untersuchungsmaterial nicht so rein ist, wie es sein sollte. Diese Zellen weisen nicht auf eine Krankheit hin, aber der Arzt muss möglicherweise eine andere Urinprobe anfordern.

Wie muss die mikroskopische Analyse sein?
Normal: Es sind keine roten und weißen Blutkörperchen, Hämoglobin oder Nierenkonkremente zu sehen. Es sind keine Bakterien, Hefen, Parasiten oder Zellschuppen vorhanden. Normalerweise sieht man wenige Kristalle.
Abnormal: Eine vermehrte Anzahl roter Blutkörperchen im Urin können hindeuten auf:

  • Verletzungen an Nieren oder Blase
  • Nierensteine
  • Harnwegsinfekt
  • Nierenentzündung (Glomerulonephritis)
  • Harnblasen- oder Nierentumor
  • Lupus erythematodes (SLE)


Hämoglobin im Urin kann verursacht sein durch:

  • Glomerulonephritis
  • Nierentumor
  • Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie
  • Pyelonephritis
  • Niereninfarkt
  • Sichelzellanämie, durch Medikamente oder hämolytische Anämie
  • DIC (disseminierte intravasale Gerinnung)
  • Hämolytisch-urämisches Syndrom
  • Ausgedehnte Verbrennungen
  • Lang anhaltendes, schweres körperliches Training

 

Weiße Blutkörperchen (Eiter) im Urin können verursacht sein durch:

  • Harnwegsinfekt
  • Harnblasentumor
  • Nierenentzündung
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Vaginalentzündung oder Entzündung unter der Penisvorhaut

Je nach ihrer Art können Nierensteine Folgendes bedeuten:

  • Entzündung oder Läsion der feinen Nierentubuli
  • Verringerte Blutzufuhr zu den Nieren
  • Metallvergiftung (wie Blei oder Quecksilber)
  • Herzinsuffizienz
  • Nicht bakterielle Infektion

Eine große Menge an Kristallen oder einige Kristallarten können auf Nierensteine, geschädigte Nieren oder auf Stoffwechselprobleme hinweisen. Einige Medikamente und manche Arten von Harnwegsinfektionen können die Anzahl der Kristalle im Urin erhöhen.

Calciumoxalat im Urin
Ist die Menge von Calciumoxalat im Blut stark erhöht, kann dies zu Nierensteinen führen.
Normale Referenzwerte liegen zwischen 10 und 40 mg im 24-Stunden-Urin.
Zu den Ursachen zählen eine Ernährung mit oxalathaltigen Nahrungsmitteln oder intestinale Entzündungskrankheiten (Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn).

Urobilin und Urobilinogen
Normalerweise wird Urobilinogen aus dem Körper über den Darm ausgeschieden, doch bei Lebererkrankungen oder bei Gallengangsverschlüssen kann dieses in den Urin gelangen.

Vollständige Urinuntersuchung
Vollständige Urinuntersuchung

Harnstoff im Urin
Im 24-Stunden-Urin betragen die normalen Werte zwischen 12 bis 20 g.
Ursachen für eine Harnstofferhöhung im Urin sind:

  • eine zu proteinhaltige Ernährung,
  • überschüssiger Proteinabbau im Körper, zum Beispiel aufgrund von Fasten.

Ein Anstieg der Bakterienflora im Urin bedeutet eine Harnwegsinfektion. Hefezellen oder Parasiten (zum Beispiel der Erreger der Trichomoniasis) können eine Harnwegsinfektion bedeuten.

In diesem Fall kann der Arzt eine Urinkultur zur Identifizierung der pathogenen Mikroorganismen anordnen.

Das Vorhandensein von Schuppenzellen kann bedeuten, dass die Urinprobe nicht ordnungsgemäß rein ist. Diese Zellen weisen auf keine Erkrankung hin, aber der Arzt kann erneut eine andere Urinprobe anordnen.

Rauchen
Urinproben können Spuren von THC (Tetrahydrocannabinol) enthalten, das ein Wirkstoff von Cannabis ist.
Gelegenheitsraucher scheiden diese Substanz im Urin bis 1 Woche nach dem letzten Rauchen aus. Wenn diese Person jedoch regelmäßig raucht, scheidet sie diese Substanz noch 3-4 Wochen lang aus.

 

Urinselbstkontrolle


Man kann einige Urinuntersuchungen selbst vornehmen, indem man Urinteststreifen benutzt, die in der Apotheke verkauft werden.

Ketone
Heimtest für Harnwegsinfektionen

Andere Substanzen, die bei der Urinuntersuchung getestet werden, umfassen:

Bilirubin. Das ist eine Substanz, die durch den Zerfall roter Blutkörperchen gebildet wird. Sie wird über die Fäzes aus dem Körper ausgeschieden. Im Urin ist kein Bilirubin vorhanden. Wenn es auftritt, bedeutet das oftmals, dass die Leber geschädigt oder der Gallefluss aus der Gallenblase blockiert ist.

Urobilinogen. Das ist eine Substanz, die durch den Abbau des Bilirubins entsteht. Auch sie wird über die Fäzes aus dem Körper ausgeschieden. Im Urin befinden sich nur geringe Mengen von Urobilinogen. Urobilinogen im Urin kann ein Zeichen für eine Lebererkrankung (Zirrhose, Hepatitis) sein oder dafür, dass der Gallefluss aus der Gallenblase blockiert wird.

Bence-Jones-Protein. Das ist ein abnormales Protein, das im Urin von ungefähr 50% der Personen mit einer seltenen, Myelom genannten Krebsart gefunden wird. Oft wird ein Urintest durchgeführt, wenn ein multiples Myelom vermutet wird. Die Proteinuntersuchung, die bei einem regulären Test erfolgt, weist das Vorhandensein von Bence-Jones-Protein nicht nach.

Schwangerschaft
Wenn von normalen Schwangerschaftswerten bei der Urinuntersuchung die Rede ist, dient das Auftreten des Hormons hCG (humanes Choriongonadotropin) der Bestätigung, dass die Frau schwanger ist. Weil das Harnwegssystem die Nieren mit einbezieht, stehen viele abweichende Ergebnisse im Zusammenhang mit Nierenerkrankungen. Andere Krankheiten, die aus den Urinuntersuchungen abgeleitet werden können, sind:

  • Infektionen (Bakterien und Hefen)
  • Diabetes (erhöhter Zuckerwert im Urin)
  • Leberprobleme (erhöhtes Bilirubin)
  • Nierensteine (Anwesenheit von Kristallen)
  • Manchmal auch die Bildung eines Harnwegstumors