Demenz: Formen einer Krankheit

Demenz, in der breiten Öffentlichkeit fälschlicherweise direkt mit Alzheimer gleichgesetzt, ist eine weltweit häufig auftretende Erkrankung des Gehirns, bei der die Nervenzellen bis zum Absterben geschädigt werden. Ein Allheilmittel existiert trotz fieberhafter Forschung bisher nicht. Jedoch lassen sich die verschiedenen Formen der Demenz in ihrem Fortschritt mit unterschiedlichen Verfahren zumindest verlangsamen. Vier Arten der Demenz sind die am häufigsten auftretenden Erscheinungsformen.

Alterskrankheit Demenz

Demenz ist eine der häufigsten auftretenden Krankheiten im Alter und geht mit verschiedensten Symptomen einher. Das liegt vor allen Dingen an den verschiedenen Formen der Demenz. Denn anders als in der breiten Öffentlichkeit oft gleichgestellt, bedeutet eine Diagnose Demenz nicht gleich Alzheimer. Charakterliche Veränderungen, körperliche Beschwerden, Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit, Sprachstörungen, Verlust der geistigen Fähigkeiten und eine vollständige Auslöschung der Persönlichkeit können die Folgen der verschiedenen Formen sein.

Demenz ist eine weitverbreitete Krankheit. Weltweit leiden rund 45 Millionen Menschen an der Krankheitsform, Tendenz steigend. Jedes Jahr gibt es rund 300.000 Neuerkrankungen. Allein in Deutschland leben ca. 1,6 Millionen Betroffene. Die Erkrankung schädigt das Gehirn, blockiert neuronale Verbindungen und verursacht ein Absterben der Gehirnzellen. Längst nicht alle Ursachen der Krankheit sind bisher erforscht und ein Heilmittel ist ebenfalls nicht vorhanden. Allerdings können die verschiedenen Formen und Krankheitsbilder von Demenz mittlerweile gezielt mit entsprechenden Medikamenten verlangsamt werden.

 

Die vier häufigsten Formen der Demenz

Die Krankheit Demenz wird grundsätzlich von den Medizinern in zwei Kategorien aufgeteilt:

  • Die primäre Demenz
  • Die sekundäre Demenz

Das bedeutendste Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Kategorien ist der Auslöser der Krankheit. Die primäre Demenz bezeichnet einen Ablauf, bei dem die Zellen direkt im Gehirn absterben, ohne eine Chance der Wiederherstellung zu besitzen. Diese Gehirnzellen sind unwiderruflich verloren. Die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs kann jedoch mit den entsprechenden Medikamenten von den Betroffenen verlangsamt werden. Ungefähr 90 Prozent der Demenzerkrankungen können der primären Demenz zugeordnet werden.

Bei den restlichen zehn Prozent, bei denen die sekundäre Demenz vorliegt, resultiert die Demenz aus einer anderen Grunderkrankung. Das bedeutet, dass beispielsweise ein Tumor im Gehirn eine sekundäre Demenz verursachen kann. Auch Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit kann zur Erkrankung der zweiten Demenzform führen. Ebenso kann eine Hirnverletzung die Ursache sein. Die Heilungschancen stehen bei der sekundären Demenz allerdings bei zeitnaher und richtiger Behandlung deutlich positiver als bei der primären Demenz.

Neben den beiden Kategorien, in die Demenz unterteilt wird, gibt es vier verschiedene Formen der Demenz, welche am häufigsten auftreten:

    • Alzheimer – die wohl bekannteste Form der Demenz Alzheimer ist wahrscheinlich so ziemlich jedem ein Begriff. Sei es durch persönliche, direkte Erfahrung durch betroffene Angehörige oder durch die Medien, Demenz wird schnell in direkter Verbindung zu Alzheimer gesetzt. Das liegt unter anderem darin begründet, dass weltweit über 60 Prozent der Demenzerkrankungen auf Alzheimer zurückzuführen sind. Zwar gibt es auch Fälle, in denen jüngere Personen an Alzheimer erkrankten, in der Regel sind die Betroffenen allerdings über 65 Jahre alt.
      Alzheimer ist eine primäre Demenz. Eiweißzellen, sogenannte Beta-Amyloid-Proteine, lagern sich in den Nerven des Gehirns ab, wodurch diese absterben. Zudem sind die Tau-Proteine von Fehlbildungen betroffen. Die Tau-Proteine sind bei einem gesunden Menschen für den stabilen Aufbau des Gehirns verantwortlich. Bei Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung können diese Tau-Proteine keine Stabilität mehr garantieren, wodurch die Gehirnzellen ebenfalls absterben.
      Die Folgen der Krankheit sind im Früh- und Mittelstadium Defizite beim Lernen, der Merkfähigkeit und dem Kurzzeitgedächtnis. Das Langzeitgedächtnis sowie typische, seit Jahren gewohnte Tagesabläufe sind bei den meisten Betroffenen zunächst nicht eingeschränkt. Im fortgeschrittenen Stadium nehmen menschliche Verhaltensmuster ab und Persönlichkeitsänderungen können zum Vorschein kommen. Nahestehende Personen werden zum Teil nicht mehr erkannt und altbewehrte Fähigkeiten verlernt. Bisher ist die Demenzform Alzheimer unheilbar.
    • Vaskuläre Demenz – zu wenig Sauerstoff für das Gehirn
      Die Vaskuläre Demenz besitzt eine gestörte Durchblutung des Gehirns als Ursache. Durch die fehlende Durchblutung erleidet das Gehirn einen Sauerstoff- und Nährstoffmangel, der die Nervenzellen beschädigt und bis zum Absterben der Zellen führen kann. Die Vaskuläre Demenz gehört ebenfalls zu der primären Demenz und ist mit der Lewy-Körperchen-Demenz die am zweithäufigsten auftretende Form nach Alzheimer.
      Ursachen und Auslöser für eine Vaskuläre Demenz können beispielsweise ein Schlaganfall, Bluthochdruck oder auch verkalkte Arterien sein. Die Folgen beginnen des Öfteren mit auftretender Inkontinenz oder unsicherem Gehen in Folge von kleineren Schlaganfällen.
  • Lewy-Körperchen-Demenz – eingeschränkter Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen
    Benannt nach dem deutschen Neurologen Friedrich H. Lewy, der die Aktivitäten der sogenannten Lewy-Körperchen entdeckte. Diese bezeichnen Eiweiße, die den Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen einschränken. Dadurch sterben die Gehirnzellen ab.
    Infolgedessen fangen die Betroffenen an, unter Halluzinationen, Muskelzittern und einer instabilen Körperhaltung zu leiden, wobei die ersten Anzeichen in der Regel optische und akustische Halluzinationen sind. Der gesundheitliche Zustand schwankt zudem während der Erkrankung recht stark. Die Lewy-Körperchen-Demenz gehört ebenfalls zur primären Kategorie und ist neben der Vaskulären Demenz die am zweithäufigsten auftretende Form von Demenz.
  • Die Frontotemporale Demenz – Persönlichkeitsveränderung im Stirn- und Schläfenlappen
    Die Frontotemporale Demenz, oder auch Pick-Krankheit genannt, ist eine neurodegenerative Erkrankung und besondere Form der Demenz. Sie gehört ebenfalls zu der primären Demenz, betrifft aber nur rund drei bis sechs Prozent der Demenz-Erkrankten. Bei dieser Form nisten sich die „Pickschen Körper“, eine Eiweißgruppe, im Bereich des Stirn- und Schläfenlappens ein und verursachen ein Absterben der Nervenzellen.
    Der Krankheitsverlauf fällt in der Regel recht langsam aus, die Folgen sind dafür aber umso heftiger. Denn die Betroffenen leiden nicht unter Gedächtnisverlust, sondern unter einer fortschreitenden Persönlichkeitsveränderung, da der Stirn- und der Schläfenlappen für das Sozialverhalten und die Emotionen verantwortlich sind. So entstehen durch die Frontotemporale Demenz Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen, Sprach- und Gedächtnisstörungen sowie der Verlust anerzogener Verhaltensregeln.