Kurzsichtigkeit: Symptome und Ursachen

Kurzsichtigkeit (Myopie) wird als Fehlsichtigkeit definiert, bei der Gegenstände in der Nähe deutlich gesehen werden, doch fernstehende Gegenstände verschwommen erscheinen.

Kurzsichtigkeit tritt auf, wenn der Augapfel zu lang ist oder die Kornea (die vordere durchsichtige Oberfläche der Augen) eine zu starke Krümmung aufweist.
Die Objektabbildung erfolgt vor der Netzhaut, dem lichtempfindlichen Teil des Auges, anstatt direkt auf der Netzhaut und es entsteht ein unscharfer Seheindruck.

Die Folge ist, dass das ins Auge eintretende Licht nicht richtig fokussiert wird und entfernte Gegenstände verschwommen erscheinen.
In der Regel beginnt die Kurzsichtigkeit in der Kindheit. In den meisten Fällen stabilisiert sie sich dann im Alter von ungefähr 20/25 Jahren, aber manchmal verschlechtert sie sich im Laufe der Jahre weiter.

 
Arten der Kurzsichtigkeit

Klassifikation nach anatomischen Kriterien

Achsenmyopie
Der Ursprung der Achsenmyopie ist eine erhöhte axiale Länge des Auges.

Brechungsmyopie
Die Brechungs- oder Refraktionsmyopie ist vom Zustand der refraktiven Teile des Auges abhängig; sie lässt sich weiter unterteilten in:

  1. Krümmungsmyopie – durch die verstärkte Krümmung der Hornhaut oder Linse verursacht.
  2. Indexmyopie – entsteht durch die Veränderung des Brechungsindex der Linse, beispielsweise bei Katarakt (Grauer Star).


Klassifikation nach Symptomen

Einfache Kurzsichtigkeit (Myopia simplex)
Dies ist die häufigste Form der Kurzsichtigkeit und charakterisiert sich durch ein Auge, das zu lang für seine Sehleistung ist. Die einfache Myopie erreicht nur selten 10 Dioptrien. Es bestehen keine Veränderungen der Hornhaut oder der anderen Augenstrukturen.

Degenerative Kurzsichtigkeit
Die degenerative Kurzsichtigkeit (auch maligne, progressive oder pathologische Myopie genannt) ist durch Veränderungen des Augenhintergrundes charakterisiert. Diese Form der Kurzsichtigkeit verschlechtert sich fortlaufend ein Leben lang. Die degenerative Myopie ist eine der Hauptursachen für Sehbehinderungen, weil der Patient einen gravierenden Verlust der Sehfähigkeit erreichen kann. Zu den Ursachen gehören:

  • Glaukom,
  • Makuladegeneration,
  • Netzhaut- oder Glaskörperablösung.

Nachtkurzsichtigkeit
Diese Störung charakterisiert sich durch Sehprobleme bei Sichtverhältnissen mit niedrigem Kontrast, die Sehfähigkeit am Tag ist dagegen normal. In einer schlecht beleuchteten Umgebung erfährt das Auge eine Akkommodationserhöhung. Die Nachtmyopie trifft eher junge als ältere Menschen.

Pseudomyopie
Diese Störung wird durch einen Krampf (ungewollte Muskelkontraktion, häufig begleitet durch Volumenzunahme) des Ziliarmuskels hervorgerufen.

Induzierte Myopie
Sie wird auch erworbene oder vorübergehende Myopie genannt und entsteht durch:

  1. einige Medikamente (z.B. Diuretika),
  2. überhöhten Glucose-Spiegel,
  3. Linsenkern-Sklerose.
  4. Die horizontal verlaufenden Bänder, die zur operativen Behandlung einer Netzhautablösung verwendet werden, können eine Myopie durch Verlängerung der axialen Länge des Auges induzieren.

Deprivationsmyopie, kann sich beispielweise entwickeln, wenn ein Auge für längere Zeit verbunden bleibt.

 

Klassifikation nach Grad und Ausmaß

Leichte Kurzsichtigkeit
Weniger als 3 Dioptrien.

Moderate Kurzsichtigkeit
Zwischen 3 und 6 Dioptrien.

Starke Kurzsichtigkeit
Betrifft etwa 30 % der Kurzsichtigen und liegt bei mehr als 6 Dioptrien.
Personen mit starker Kurzsichtigkeit haben eine höhere Wahrscheinlichkeit für:

  • Netzhautablösung,
  • Offenwinkelglaukom,
  • Mouches volantes (fliegende Mücken).

 

Klassifikation nach Entstehungszeitpunkt

Angeborene Kurzsichtigkeit
Diese auch als infantile Kurzsichtigkeit bezeichnete Myopie ist von Geburt an präsent und bleibt während der Kindheit bestehen.

Juvenile Kurzsichtigkeit
Die in Kindheit und Jugend entstandene Kurzsichtigkeit entwickelt sich im Alter bis zu 20 Jahren.
Wissenschaftlern zufolge ist die Ursache die Vererbbarkeit; in der Vergangenheit dachte man, dass die juvenile Kurzsichtigkeit durch übermäßiges Lernen entstehen würde, weil die Augen stets auf nahe Objekte gerichtet sind.

Kurzsichtigkeit bei Erwachsenen
Die im frühen Erwachsenenalter entstandene Kurzsichtigkeit entsteht ab dem 20. Lebensjahr.

 

Ursachen der Kurzsichtigkeit

Nach der Schulmedizin ist die Ursache der Kurzsichtigkeit genetisch und umweltbedingt.

Nach der Blutgruppendiät von Dr. D´Adamo und Mozzi werden die Sehschwächen bei Kindern durch Milch und Milchprodukte in der Ernährung hervorgerufen.

Nach der Naturhygiene von Shelton dagegen hat die Myopie folgende Ursachen:

  • Unzureichende Augenaktivität
  • Schlechter Lebensstil
  • Unangemessene Ernährung

Die Strukturen des Auges sind nicht hart und starr, sondern flexibel und können sich deformieren und den Umgebungszuständen anpassen.
Eine Brille vermindert die Anpassungsfähigkeit (Akkommodation) der Linse und wird deshalb von den Hygienikern abgelehnt.

Leben in geschlossenen Räumen und nahes Sehen
Verschiedene Studien zeigen, dass für die Verbesserung oder Heilung der Kurzsichtigkeit die Ausübung von Aktivitäten im Freien unerlässlich ist.

Eine 2008 in Australien durchgeführte Studie, bei der 12-jährige Kindern tagsüber ein Programm voller Aktivitäten an der frischen Luft durchgeführt haben, zeigt eine Verminderung der Kurzsichtigkeit innerhalb von zwei Jahren.

Eine andere wissenschaftliche Studie aus Taiwan unterteilte Kinder von 7 bis 11 Jahren in zwei Gruppen:

  1. Die Kinder führten in der Pause regelmäßig Aktivitäten im Freien durch.
  2. Die Kinder blieben in der Pause im Gebäude.

Die Ergebnisse nach einem Jahr zeigten, dass nur 8,4 % der ersten Gruppe eine Kurzsichtigkeit entwickelt haben, im Gegensatz zu den 17,6 % der zweiten Gruppe.
Außerdem hatten die kurzsichtigen Kinder der ersten Gruppe nur eine Verschlechterung von 0,25 Dioptrien gegenüber 0,38 der zweiten Gruppe.

 

Symptome der Kurzsichtigkeit

Bei Kurzsichtigkeit können folgende Symptome auftreten:

  • unscharfes Sehen weit entfernter Objekte;
  • Notwendigkeit, die Augen zusammenzukneifen oder die Lider teilweise zu schließen, um deutlicher zu sehen;
  • Kopfschmerzen, verursacht durch Überanstrengung der Augen;
  • erschwertes Sehen beim Autofahren, vor allem nachts (nächtliche Myopie).

Die Kurzsichtigkeit wird in der Kindheit festgestellt, in der Regel zwischen den ersten Schuljahren und der Adoleszenz.
Ein Kind mit Kurzsichtigkeit kann:

  • fortgesetzt die Augen zusammenkneifen;
  • das Bedürfnis haben, sich näher vor den Fernsehapparat, die Leinwand im Kino oder in die vordersten Reihen des Klassenzimmers zu setzen;
  • Bücher beim Lesen sehr nahe vor den Augen halten;
  • fernstehende Objekte möglicherweise nicht sehen;
  • oft die Augen reiben.

 

Diagnose der Kurzsichtigkeit

Der Augenarzt kann im Rahmen einer vollständigen Untersuchung eine Kurzsichtigkeit diagnostizieren.
Der Arzt bestimmt durch ein Standardverfahren, bei dem der Patient Folgendes lesen muss:

  1. Buchstaben auf einer Tafel an der anderen Seite des Zimmers (Snellen-Sehtafel);
  2. Sätze auf der Jaeger-Tabelle – ein Blatt mit großen und kleinen Buchstaben, wodurch sich das nahe Sehen beurteilen lässt.

Zeigt der Sehtest, dass der Patient kurzsichtig ist, verwendet der Arzt einige Geräte um zu klären, wodurch die Kurzsichtigkeit hervorgerufen wird.
Er leuchtet mit einer speziellen Lampe ins Auge, dann wird ein Retinoskop verwendet um zu sehen, wie das Licht von der Netzhaut reflektiert wird.
Die Tatsache, wie das Licht im Augeninnern reflektiert wird, kann darauf hinweisen, ob ein Mensch kurzsichtig oder weitsichtig ist.

Der Arzt verwendet auch einen Phoropter, einen Apparat, der die Schwere des Refraktionsfehlers misst, und verschreibt eine geeignete Sehhilfe, um diesen zu korrigieren.

 

Therapie und Linsen bei Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit und Laser

Kurzsichtigkeit und Laser

Ziel der Behandlung einer Kurzsichtigkeit ist, den Fokus des Lichtes durch die Verwendung einer Korrekturlinse oder durch refraktive Chirurgie auf die Netzhaut zu lenken.

Korrekturlinsen
Man trügt Korrekturlinsen zur Behandlung von Kurzsichtigkeit, um eine stärkere Krümmung der Hornhaut oder einen zu langen Augapfel zu kompensieren.

Arten der Korrekturlinsen sind:

Korrekturbrille. Brillen gibt es in verschiedenen Variationen und sie sind leicht zu gebrauchen.
Brillen können verschiedene Sehstörungen wie Kurzsichtigkeit und Astigmatismus gleichzeitig korrigieren.

Kontaktlinsen. Es steht eine breite Palette an Kontaktlinsen zur Verfügung:

  • harte Linsen,
  • weiche Linsen,
  • Einweglinsen,
  • starre gasdurchlässige (RGP) Linsen,
  • bifokale Linsen.

Man sollte mit dem Augenarzt des Für und Wider erörtern und herausfinden, welche die beste Lösung für den Patienten ist.
Nach dem Hygieniker Shelton kann das Tragen einer Brille die Sehfähigkeit nur verschlechtern, weil das Auge dann nicht versucht, in der Richtung, in der Schwierigkeiten bestehen, eine Akkommodation vorzunehmen.
Unmittelbar nach Abnehmen der Brille sieht der Patient noch schlechter.
Der Körper hat eine unglaubliche Anpassungsfähigkeit, hier einige Beispiele:

  1. Die sportlichen Leistungen lassen sich durch Training steigern.
  2. Nach einem Knöchelbruch, lassen sich Kraft und Gleichgewicht durch Rehabilitation und Übungen verbessern.
  3. Der Knochen wird durch körperliche Betätigung gestärkt, bei Bewegungsmangel dagegen geschwächt (Osteoporose).


Als Schlussfolge empfiehlt Shelton zur Verbesserung der Sehfähigkeit auf die Brille zu verzichten und die Augen anzustrengen, so dass sie auch in schwierigen Situationen sehen lernen.
Bei Kurzsichtigkeit werden Brillen oft Kindern oder Jugendlichen empfohlen. Diese könnten jedoch plötzlich auftretende Sehprobleme haben, ausgelöst durch:

  • unangemessene Ernährung,
  • Stress,
  • übermäßiges Arbeiten am Computer.

Der Augenarzt rät dem Patienten in der Regel zu einer Brille gegen die Kurzsichtigkeit, da der Augapfel zu lang ist, obwohl dessen Länge bis kurz zuvor eigentlich korrekt war.

Forschung und neue Erkenntnisse über Kurzsichtigkeit

Es wird viel geforscht, um Methoden zur Vermeidung einer Verschlimmerung der Kurzsichtigkeit während der Kindheit zu finden.

Kürzlich haben Forscher in Neuseeland über ermutigende Ergebnisse mit weichen, speziell mit „Dual-Fokus“ zur Behandlung der Kurzsichtigkeit bei Kindern entworfenen Kontaktlinsen berichtet.
Diese Prototypen haben in der Peripherie der Linse eine wesentlich geringere Leistung als in der Mitte.
Es wird vermutet, dass diese „periphere Defokussierung“ die Tendenz zu einer weiteren Verlängerung des Augapfels verringern kann, die zur Verschlimmerung der Kurzsichtigkeit führt.

In einer 2011 veröffentlichten Studie haben Forscher herausgefunden, dass bei 70 Prozent der kurzsichtigen Kinder (Alter 11-14), die eine Versuchslinse in einem Auge und eine weiche Standardkontaktlinse im anderen Auge trugen, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit in dem Auge, in dem die Kontaktlinse mit Doppelfokus getragen wurde, bis zu mindestens 30 Prozent geringer war.

 
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