Devitaler Zahn und Wurzelkanalbehandlung

Was ist ein devitaler Zahn?
Der Wurzelkanal ist der Innenraum zwischen dem Zahn und seiner Wurzel.

Dieser Kanal besteht aus der Zahnpulpa (Zahnmark), das ist eine verzweigte Struktur, die sich im Zentrum des Zahns befindet.
Der Wurzelkanal enthält Blutgefäße und Nervenäste.

 

Devitaler Zahn und Wurzelkanalbehandlung
Devitaler Zahn und Wurzelkanalbehandlung

Wenn diese Nervenverzweigungen und die Pulpakammer infiziert sind, muss eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden.
Die Wurzelbehandlung besteht in der Zerstörung und Entfernung der Zahnpulpa.
Auch Milchzähne von Kindern müssen devitalisiert werden, wenn sie infiziert sind.

 

Symptome eines zu devitalisierenden Zahns

Der Zahn muss devitalisiert werden, wenn eines der folgenden Symptome auftritt:

Zahnschmerzen
Das ist das häufigste Symptom, das bei den Patienten auftritt.
Zahnschmerzen verspürt man vor allem beim Kauen oder Trinken kalter oder heißer Getränke und dieser Zustand erfordert sicherlich eine zahnärztliche Behandlung.
Der Zahn ist für einige Sekunden kälte- oder hitzeempfindlich, dann lässt der Schmerz allmählich nach.
Zudem kann der Zahnschmerz auch bei Berührung (mit Druck) des Zahns auftreten.

Farbveränderung
Wenn Zähne ihre Farbe verändern, kann dies ein Anzeichen für einen zu devitalisierenden Zahn sein.
Allerdings können für die Verfärbung auch andere Faktoren wie Alterung oder Tabakkonsum (Rauchen oder Kauen) verantwortlich sein. Daher muss die Ursache ermittelt werden, um beurteilen zu können, ob tatsächlich ein Problem mit dem Zahn besteht.


Nächtliche Unruhe
Die Zahnschmerzen nehmen so stark zu, dass sie jemanden auch vom Schlaf abhalten können. Oft können Zahnschmerzen die Person wecken und häufige Schlafstörungen verursachen.
In diesem Fall sollte man einen Zahnarzt aufsuchen, um eine Wurzelbehandlung durchzuführen.

Zahnfleischschwellung
Oft zeigt sich auch eine Zahnfleischschwellung. Diese Schwellung ähnelt einem Pickel, der auf Druck Eiter oder Blut freigibt. In diesen Fällen sollte man so bald wie möglich einen Zahnarzt aufsuchen.

Ausstrahlende Schmerzen
In einigen Fällen beginnt der Schmerz in einem Zahn, breitet sich aber dann auf andere Körperorgane aus, vor allem auf Ohr und Kopf. Die hinteren Zähne befinden sich ganz in der Nähe der Ohren. Daher kann ein hinterer Zahn auf der linken Seite Schmerzen verursachen, die sich bis in das linke Ohr ausbreiten.

Zahnfraktur
Wenn man Bruchstellen in einem Zahn sieht oder fühlt, kann dies das Problem eines devitalen Zahns sein. Die Zähne sind die stärksten Knochen des Körpers und wenn sie nicht einen extrem harten Schlag erfahren, ist eine Zahnfraktur eher unwahrscheinlich.
Wenn der Zahn jedoch gebrochen ist, muss man die Ursache herausfinden.

 

Warum wird eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt?

Eine Wurzelkanalbehandlung erfolgt in folgenden Fällen:

  • Wenn der Zahn infiziert ist; das heißt, wenn das Nervengewebe eine Infektion erlitten hat.
    In diesem Fall muss der Zahnarzt den Zahn ziehen oder den infizierten Nerv entfernen.
    Die Infektion kann auch zur Nekrose des Zahns führen.
  • Wenn der Zahn gebrochen ist; das Verfahren sieht eine Verstärkung des beschädigten Zahns vor.
  • Wenn der Zahn verletzt wurde.

 

Wie wird eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt? Das Verfahren

Untersuchung und Betäubung: Meist beginnt der Zahnarzt mit einem Wasserstrahl, um zu sehen, ob der Zahn abgestorben ist.
Wenn der Patient dabei nichts spürt, bedeutet das, dass der Nerv nicht mehr lebt und man die Behandlung ohne Anästhesie durchführen kann.
Sollte der Nerv noch leben, wird eine Lokalanästhesie am Zahn und im umliegenden Bereich durchgeführt.
Zahn aufbohren: Der Zahnarzt verwendet einen Bohrer, um zur Pulpa vorzudringen und das tote oder entzündete Gewebe zu entfernen.
Wenn er an einem vorderen Zahn arbeiten muss (zum Beispiel an einem Schneidezahn), praktiziert er das Loch auf der Rückseite, wenn es sich hingegen um einen Molaren handelt, bohrt er von oben in den Zahn.

Das innere Gewebe entfernen: Es werden unterschiedliche Größen dünner Bohrer verwendet, um das Gewebe aus dem Zahn abzutragen.
Dieser Prozess kann sehr lange dauern, weil die Zahnwurzel oft viele dünne Verzweigungen und noch kleinere Verästelungen aufweist.
Während der Behandlung wird die Höhle immer wieder gereinigt, um das gelöste Material zu entfernen. Wenn der Wurzelkanal befreit ist, wird der Zahn desinfiziert, um einer erneuten Entzündung vorzubeugen.


Die Füllung: Anschließend wird eine gummiartige Paste verwendet, um den Hohlraum zu füllen, und dann das geschaffene Bohrloch versiegelt.
Für die Füllung wird Guttapercha (ein weißliches Harz, das aus dem eingetrockneten Milchsaft des gleichnamigen Baums gewonnen wird) verwendet. Dieses Harz steht in verschieden dicken und langen Stäbchen zur Verfügung.
Die Stäbchen werden mit Wärme weich gemacht und die Wurzelkanäle damit gefüllt.

Die Krone: Nach der Wurzelbehandlung muss die provisorische Füllung entfernt werden, um den Zahn wieder aufzubauen und zu überkronen.
Dazu wird ein Karbonstift in den Zahnkanal eingefügt, der dazu dient, die Rekonstruktion und die Krone zu stützen.
Die Krone soll den Zahn schützen und mögliche Frakturen verhindern, da der verbliebene Zahn fragiler ist und später leicht brechen kann.

 

Mögliche Komplikationen

Wenn ein Zahn nach der Wurzelkanalbehandlung bei Kälte schmerzt, muss man beachten, dass hier die Situation vollständig anders ist.
Der Schmerz kommt aus dem Zahninneren und weist darauf hin, dass noch lebendes Gewebe im Zahn vorhanden ist.
Möglicherweise handelt es sich um einen zusätzlichen Kanal, den der Zahnarzt nicht gesehen hat. Man sollte den Zahnarzt konsultieren, um das Problem zu klären.

Vielleicht wurde der Kanal nicht vollständig ausgeräumt, da es manchmal schwierig ist, die Kanäle im Zahninneren zu erkennen.
Auch könnten am Grund des Zahns infizierte oder entzündete Gewebeteilchen verblieben sein. Dies ist eine Komplikation der Wurzelbehandlung, bei der der Zahn infiziert bleibt und die Behandlung wiederholt werden muss.
Mit der Zeit kann sich ein dentales oder apikales Granulom bilden.

Wenn der Zahnarzt den Zahn nicht richtig reinigt, kann er schwarz werden, da Rückstände von Hämoglobin oder von anderen verwendeten Substanzen vorhanden sind.
Nach der Wurzelbehandlung kann der verkapselte Zahn im nicht bedeckten Bereich genauso eine Karies entwickeln, wie andere Zähne.

Eines der Risiken ist, dass der Zahn ausfällt.
In seltenen Fällen kann eine Trigeminusneuralgie auftreten, die sehr starke plötzliche Schmerzen im Gesicht auslösen kann.

 

Ursachen für einen Zahnabszess nach einer Wurzelkanalbehandlung

Grundsätzlich ist der Zahnabszess eine Eiteransammlung, die auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen ist, die sich in der weichen Zahnpulpa angesiedelt hat.
Nach einer Wurzelbehandlung kann er auftreten, wenn die Behandlung nicht richtig durchgeführt wurde oder wenn eine defekte Krone verwendet wird.

Zu den Symptomen gehören:

• Zahnfleischschwellung,
• Halitosis (Mundgeruch),
• Zahnüberempfindlichkeit,
• Fieber,
• Vergrößerte Halslymphknoten.

 

Wurzelkanalbehandlung

 

Falsch durchgeführte Wurzelkanalbehandlung

Eine schlecht ausgeführte Wurzelbehandlung ist eine der häufigsten Ursachen für Zahnabszesse.
Es gibt mehrere Faktoren, die diese Behandlung erschweren.
Manchmal sind die Kanäle stark gekrümmt oder die Füllung des Zahns erfolgte nicht vollständig und reicht nicht bis zur Spitze.

Gebrochene oder perforierte Wurzel
Manchmal kann sich der Zahnarzt (in einem letzten verzweifelten Versuch, den Zahn zu retten) dazu entscheiden, eine Wurzelbehandlung durchzuführen, obwohl er weiß, dass die Erfolgschancen nur bei 50 % liegen. Dies kommt vor allem bei den vorderen Zähnen vor, bei denen die Wahrscheinlichkeit von Frakturen oder Rissen in der Wurzel aufgrund eines Schlags auf den Zahn größer ist.

Erneute Infektion
Eine erneute Infektion kann auch auftreten, wenn die Behandlung richtig durchgeführt wurde.
Für eine erneute Infektion des Zahns kann es viele Ursachen geben, egal ob eine Wurzelbehandlung richtig oder falsch durchgeführt wurde.
Zunächst einmal befindet sich der Zahn immer noch in Nähe des Knochens und eine Infektion kann sich auch von den benachbarten Zähnen ausbreiten und eine Infektion des devitalisierten Zahns verursachen.
Wenn sich eine Infektion von den benachbarten Zähnen ausbreitet, bemerkt man meist einen geschwollenen Bereich in der Mundhöhle, zum Beispiel einen Zahnfleischabszess.

Keine Krone oder eine fehlerhafte Krone
In den meisten Fällen empfiehlt der Zahnarzt nach einer Wurzelbehandlung eine Zahnkrone, um die Zähne vor Angriffen durch Keime und Bakterien in der Mundhöhle oder im Speichel zu schützen.
Wenn keine Krone aufgesetzt wird, kann sich der Zahn erneut infizieren und die Wurzelbehandlung unwirksam machen.
Das Problem kann auch auftreten, wenn die Krone schlecht aufgesetzt ist oder nach vielen Jahren Risse aufweist und etwas abgenutzt ist.

Verspätete Schmerzen nach einer Wurzelkanalbehandlung
Es kommt vor, dass der Zahn heilt und die Person sich gesund fühlt.
Erst nach ein paar Tagen oder Monaten beginnt er zu schmerzen.
Manchmal verspüren Patienten dieselben Symptome auch noch ein Jahr nach der Wurzelbehandlung. In diesen Fällen ist eine falsche Behandlung die wahrscheinlichste Schmerzursache.
Die Untersuchung des Zahnarztes kann ergeben, dass der Zahn gezogen werden muss.

 

Falsche Vorstellungen

Eine Wurzelkanalbehandlung ist sehr schmerzhaft
Fakt: Sie schmerzt nicht so sehr, wie man meinen könnte.
Die Fortschritte auf dem Gebiet der Zahnheilkunde und die Verwendung von effektiven Anästhetika reduzieren die Schmerzen der Wurzelbehandlung.
Das Ziel dieses Behandlungsverfahrens ist die Entfernung der infizierten Pulpa, die die Quelle der Schmerzen darstellt.
Manchmal zögern Menschen den Zahnarztbesuch immer wieder hinaus und verursachen so eine schwerwiegende Infektion.
Wenn die Ursache des Problems beseitigt wird, verringern sich die Schmerzen erheblich. Allerdings kann man nach dem Nachlassen der Anästhesie immer noch Schmerzen verspüren.
Außerdem befinden sich die entzündeten Gewebe am Ende des Zahns immer noch in der Genesungsphase.
Der Zahn kann empfindlicher sein, vor allem wenn vor der Behandlung eine schwerwiegende Infektion bestand.
Diese Beschwerden können durch frei verkäufliche oder verschreibungspflichtige Schmerzmittel gelindert werden. Man sollte möglichst nicht auf dem betroffenen Zahn kauen, solange die Krone noch nicht aufgesetzt ist.

Die Zahnextraktion ist eine bessere Alternative, als eine Wurzelkanalbehandlung
Fakt: Wenn eine Wurzelbehandlung richtig durchgeführt ist, kann der rekonstruierte Zahn noch viele Jahre oder sogar das ganze Leben lang halten.
Die meisten Zahnärzte ziehen eine Wurzelbehandlung einer Zahnextraktion vor, da mit dieser Methode der Zahn gerettet werden kann.
Da die Nerven im Pulpagewebe für Schmerzen oder Kälte- und Hitzeempfindlichkeit verantwortlich sind, kann man nach dem Entfernen der Pulpa und dem Versiegeln des Kanals diese Empfindungen nicht mehr wahrnehmen.


Das Verfahren der Wurzelkanalbehandlung erfordert mehrere Besuche in einer Zahnklinik
Fakt: Die meisten Menschen denken, dass die Zahnextraktion besser sei, da sie schneller erfolgt, während man für eine Wurzelbehandlung mehrere Male in eine Zahnklinik gehen müsse.
Das entspricht nicht den Tatsachen. Wenn man sich für eine Extraktion entscheidet, muss ein Zahnimplantat angefertigt werden, damit sich die benachbarten Zähne nicht verschieben.
Wenn nach einer Zahnextraktion ein Implantat angepasst werden muss, sind mehrere Zahnarztbesuche erforderlich und die Kosten sind erheblich höher.
Meist benötigt eine Wurzelkanalbehandlung 1-3 Besuche beim Zahnarzt.
Die Anzahl der Besuche hängt vom Zustand des Zahns ab.

Die Wurzelkanalbehandlung ist für einen toten Zahn nicht geeignet
Fakt: Ein Zahn stirbt ab, wenn der Blutfluss in die Zahnwurzel unterbrochen wird.
Das kann aufgrund eines Traumas oder einer Karies erfolgen. Auch wenn man meinen könnte, dass ein toter Zahn nicht behandeln muss, da er keine Schmerzen verursacht und nicht temperaturempfindlich ist, kann das Ziehen des Zahns oder eine Wurzelkanalbehandlung verhindern, dass sich Bakterien im toten Zahn vermehren und den umliegenden Knochen infiltrieren.


Eine Wurzelkanalbehandlung ist nicht sehr wirksam
Fakt: Die Erfolgsrate bei dieser Behandlung liegt bei fast 95 %.
Natürlich sind technische Kompetenz und Erfahrung des Zahnarztes wichtige Faktoren zur Gewährleistung des Resultats.
Für ein gutes Ergebnis ist es wichtig, dass die Wurzelkanäle in der Zahnwurzel gereinigt und versiegelt werden.
Einige Zähne haben mehr als eine Wurzel und mehrere Wurzelkanäle. Wenn es dem Zahnarzt nicht gelingt, alle Kanäle zu reinigen und zu versiegeln, bleiben die Symptome bestehen.

 

Wie lange dauert die Genesung nach einer Wurzelkanalbehandlung?

Die Wurzelbehandlung ist eigentlich eine letzte Behandlungsmöglichkeit, die dem Patienten in dem Versuch angeboten wird, eine Zahnextraktion zu vermeiden.
Daher ist es für die Behandlung wichtig, dass Zahnarzt und Patient eng in die Prozedur einbezogen sind, um den Erfolg zu garantieren.
Die normale Genesung dauert etwa drei oder vier Tage, wenn keine Komplikationen eintreten.
Im Idealfall ist der Zahn ein wenig empfindlich, der Patient sollte jedoch keine Schmerzen verspüren.


Faktoren, die die Genesung beeinflussen

• Zustand des Zahns
• Kompetenz des Zahnarztes
• Pflege nach dem Eingriff

Kosten der Wurzelkanalbehandlung
Eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt kostet zwischen 100 und 250 Euro und kann mit Krone auch um die 500 Euro kosten.