Vorderer Kreuzbandriss

Der Riss des VKB (Vorderer Kreuzbandriss) ist das Ergebnis eines direkten oder indirekten Traumas, er tritt praktisch nur auf einer Seite auf und kann vollständig oder unvollständig sein.
Solch eine Verletzung muss nicht unbedingt isoliert auftreten, sondern kann von einem Meniskusriss oder anderen Bandläsionen (HKB oder Seitenbänder) begleitet sein; Innenmeniskus und Innenband sind dabei häufiger betroffen als die außen liegenden Strukturen.
Es gibt einige Faktoren, die einen Bänderriss begünstigen, dazu gehören gewisse Sportarten, ein zu harter Untergrund, verwendete Geräte, Hormonspiegel, anatomische Eigenschaften usw.

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Läsion des vorderen Kreuzbandes (VKB)
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Statistisch gesehen liegt das Risiko für eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes bei Sportlern wesentlich höher als bei Nicht-Sportlern, hier gibt es aber große Unterschiede zwischen den einzelnen Sportarten.
Die Sportarten mit einer hohen Verletzungsquote am vorderen Kreuzband sind: Fußball, Hallenfußball, Football, Basketball, Skifahren, Turnen und Volleyball.
Es sind vorwiegend Männer betroffen.

Es gibt drei Verletzungsmechanismen, die zu einer Bandruptur führen:

  • Starke Überstreckung (Hyperextension); führt oft zu einem isolierten aber vollständigen Riss des VKB, typisches Beispiel: Fußtritt ins Leere (Fußball).
  • Auswärtsdrehung mit Valgusbeugungsstress; dieses Trauma ist die häufigste Ursache für eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes. Vorwiegend betroffen ist das Innenband, aber bei stärkeren Traumata reißt auch das VKB; Skifahrer sind hier besonders gefährdet.
  • Einwärtsdrehung mit Varusbeugungsstress, häufigstes Distorsionstrauma bei Fußballspielern.

Der Riss des vorderen Kreuzbandes kann unvollständig (partiell) sein, man spricht hier von einem angerissenen Band oder einer Teilruptur.

Selten tritt diese Art der Verletzung bei Kindern unter 13 Jahren auf.

 

Was sind die Symptome und Zeichen?

Die Hauptsymptome sind Schmerzen und Bewegungseinschränkung; die Zeichen für einen Riss sind:  Schwellung (Ödem), blutiger Gelenkerguss (Hämarthros), Rötung und Überwärmung  des Kniegelenks, typisch für eine Entzündung.

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Kreuzbandläsion und Ruptur des Innenbandes
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Die Verletzung des vorderen Kreuzbandes tritt häufig in Kombination mit einem Riss des Innenmeniskus und des Innenbandes auf, deshalb können sich weitere Symptome bemerkbar machen, wie eine Gelenkblockade oder Instabilität im inneren Kniebereich.
Oft ist beim Zerreißen des Bandes ein knackendes, schnalzendes Geräusch zu vernehmen, dazu machen sich starke Schmerzen und Instabilität bemerkbar; der Betroffene ist nicht in der Lage, Training oder Spiel zu beenden

2-3 Tage nach der Verletzung lassen Schmerzen und Schwellung nach und die Symptome sind zum Teil rückläufig.

Ist das vordere Kreuzband gerissen, bleibt das Kniegelenk instabil, aber wenn das Bein eine starke Oberschenkelmuskulatur aufweist, hat dies eine stabilisierende Wirkung auf das Gelenk.

Die Schmerzen treten im hinteren Bereich des Knies auf und sind abhängig vom Volumen des Kniegelenkergusses.

 

Wie erfolgt die Diagnose?

Die Diagnose muss stets von einem Facharzt gestellt werden; der kann zur Diagnosebestätigung bildgebende Verfahren durchführen lassen.
Um die Bedeutung der Schwellung ermessen zu können, wird der Ballottement-Test der Patella durchgeführt: der Arzt verschiebt dabei die Kniescheibe zur Seite oder nach oben/unten; wenn sie „zurückprallt“ ist der Test positiv. Wenn das vordere Kreuzband vollständig durchgerissen ist, sind die Schmerzen sehr stark.

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Vorderer Schubladen- oder Lachman-Test

Die klinische Untersuchung beginnt mit einer genauen Vision der Krankengeschichte: der Patient schildert detailliert, wie es zu der Verletzung gekommen ist und informiert den Arzt über eventuell bestehende Vorerkrankungen, Risikofaktoren u.ä.
Danach kann eine Gelenkpunktion (Arthrozentese) vorgenommen werden, d.h. mit einer Spritze wird die Flüssigkeit, die die Schwellung im Knie verursacht, abgesaugt und untersucht, ob sie nur Entzündungsflüssigkeit oder auch Blut enthält.
Der Facharzt wird außerdem verschiedene Tests durchführen: Lachman-Test, vorderer Schubladentest und Pivot-Shift-Test.

Als bildgebendes Verfahren empfiehlt sich die Magnetresonanztomographie  (MRT des Kniegelenks), die eine ausreichend zuverlässige Darstellung der Bänder liefert, eine nicht-invasive Methode darstellt und keine negativen Begleiterscheinungen mit sich bringt, wie ein CT-Aufnahme.
Ultraschall und Röntgenaufnahme sind nicht in der Lage, den Knieinnenbereich anzuzeigen.
Auf dem MRT-Befund lässt sich ein angerissenes Kreuzband von ungleichmäßigem Aussehen erkennen, wie auch Fissuren im Meniskus.


Was sind die Therapiemöglichkeiten bei einer Ruptur des VKB?

Grundsätzlich gibt es zwei Behandlungsmöglichkeiten: konservativ oder chirurgisch.
Die Wahl wird abhängig vom Patienten getroffen: in der Regel werden junge und sportliche Patienten operiert; ältere oder wenig aktive Menschen mit isoliertem Kreuzbandriss unterziehen sich gewöhnlich keinem chirurgischen Eingriff, denn die Rehabilitation ist langwierig, es braucht Zeit, bis sich das neue Kreuzband stabilisiert hat und die Sehnen, denen das Gewebe zur Reparatur entnommen wurde, werden kürzer und schwächer.
Der Nachteil der konservativen Behandlung besteht darin, dass das Knie keine physiologische Bewegung ausführt, wenn das Band nicht repariert wird; das heißt, es kommt zu einem frühzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose) und wegen der verminderten Stabilität erhöht sich die Verstauchungsgefahr.

Behandlung bei vorderem Kreuzbandriss

  • Ohne chirurgischen Eingriff besteht die Physiotherapie in einem progressiv gesteigerten Übungsprogramm, um Beschwerden und Schwellung zu beseitigen und die Beweglichkeit zu verbessern.
    Ist die Verletzung mit einer Fraktur von Meniskus und/oder Knorpel verknüpft,  ist der Therapieverlauf ein anderer.
    Das Protokoll sieht vor, die verletzte Gliedmaße unter Verwendung von Kniebandage oder Schiene durch das Körpergewicht zu belasten, wobei eventuell Gehstützen zu Hilfe genommen werden.
    Anfänglich werden isometrische Kontraktionen des Oberschenkelquadrizeps und der Beinbeuger durchgeführt; außerdem muss sobald wie möglich mit der passiven Mobilisation begonnen werden, wobei die Schmerzgrenze zu berücksichtigen ist.Lässt die Schwellung nach, steht der konsequente Muskelaufbau der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur und der Wadenmuskeln im Vordergrund, weil sie das Knie stabilisieren; zu Beginn werden konzentrische Übungen ausgeführt, später zu exzentrischen Übungen übergegangen.
    Wenn die Schmerzen abnehmen, ist ein propriozeptives Trainingsprogramm  wichtig; dabei müssen bestimmte Positionen bei instabilem Gleichgewicht beibehalten werden, was die Haltungskontrolle verbessert.
    Nur ein Drittel der Patienten kann seinen ursprünglichen Zustand wieder vollständig herstellen, bei den anderen wird innerhalb eines Jahres nach dem Trauma eine frühzeitige Gelenkdegeneration und/oder Verrenkung auftreten.
  • Ein chirurgischer Eingriff erfolgt arthroskopisch durch eine Eigentransplantation, d.h. ein Teil einer anderen körpereigenen Sehne (z.B. der Quadrizeps-Patellasehne, Semitendinosus, Gracilis oder Fascia lata) wird eingesetzt; es kann auch ein Spenderkreuzband verwendet werden.
    Vor der Operation sollte idealerweise ein Physiotherapiezyklus durchgeführt werden, um die starken Schmerzen zu lindern und vor allem um die Abschwellung des Gelenkes zu bewirken, denn ein stark entzündetes Gelenk kann nicht operiert werden.
    Die Ziele der präoperativen Bewegungstherapie sind hauptsächlich: Wiedererlangen des vollständigen Bewegungsumfangs, Stärkung der Oberschenkelmuskulatur und allgemeine körperliche  Fitness.
    Wird ein Kreuzbandriss nicht operiert, kann das Kniegelenk frühzeitig an Arthrose erkranken, und es kann die notwendige Stabilität verlieren.

 

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Dr. Massimo Defilippo Fisioterapista Tel 0522/260654 Defilippo.massimo@gmail.com
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