Zungenbrennen

Zungenbrennen ist ein sehr unangenehmes und schmerzhaftes Symptom.
Eine brennende Zunge ist dasselbe Gefühl, das man beim Trinken eines sehr heißen Getränks verspürt.
Man bezeichnet diese Missempfindung auch als Glossodynie oder Burning-mouth-Syndrom (BMS).

In den meisten Fällen ist das Brennen an der Zungenspitze (Glossopyrose), auf den Lippen und in der Mundhöhle (Gaumen, Zahnfleisch) am stärksten ausgeprägt.


 

Klassifikation

Die Ursachen für das Burning-mouth-Syndrom können primärer oder sekundärer Art sein.

Primäres Burning-mouth-Syndrom
Wenn keine klinischen Unregelmäßigkeiten vorliegen, spricht man von einem primären oder idiopathischen Burning-mouth-Syndrom.
Einige Untersuchungen zeigen, dass das primäre Burning-mouth-Syndrom mit Problemen der Geschmackswahrnehmung oder der sensorialen Nerven des zentralen oder peripheren Nervensystems in Zusammenhang steht.

Sekundäres Burning-mouth-Syndrom
Das Zungenbrennen kann als Folge einer Krankheit auftreten; in diesem Fall spricht man von einem sekundären Burning-mouth-Syndrom.
Zu den typischen Erkrankungen, die das brennende Gefühl an der Zunge auslösen können, zählen:
Mundtrockenheit (Xerostomie). Mundtrockenheit kann durch bestimmte Medikamente hervorgerufen werden; dazu gehören trizyklische Antidepressiva, Lithium, Diuretika und Bluthochdruckmittel. Der trockene Mund kann auch eine Alterserscheinung sein oder durch das Sjögren-Syndrom (Autoimmunkrankheit, die zu Trockenheit von Mund und Augen führt) hervorgerufen werden.
Orale Candidose (Soor). Candida ist eine häufige Ursache für das Brennen im Mund; diese Pilzinfektion kann unter anderem durch Diabetes, Zahnprothesen, bestimmte Medikamente (z.B. Antibiotika) und Mundwasser entstehen.
Das brennende Gefühl kann an der Zungenspitze oder an den Zungenrändern auftreten.
Zu den Symptomen einer Candida-Infektion gehört auch weißer Zungenbelag.

 

Ursachen für Zungenbrennen

Die Tagesrhythmik der Beschwerden ist unterschiedlich.
Bei einigen Patienten sind die Beschwerden morgens beim Aufstehen noch nicht vorhanden und nehmen dann im Laufe des Tages zu. Bei anderen ist das Missempfinden den ganzen Tag über konstant.
Das Burning-mouth-Syndrom trifft Frauen siebenmal häufiger als Männer.
Typischerweise beginnt das Zungenbrennen erst nach dem 40. Lebensjahr oder später, kann aber in Einzelfällen auch jüngere Personen treffen.
Zu den Ursachen für Mundbrennen gehören:

  1. Mangelzustände. Der Mangel an Nährstoffen wie Eisen, Zink, Folsäure (Vitamin B-9), Thiamin (Vitamin B-1), Riboflavin (Vitamin B-2), Pyridoxin (Vitamin B-6) und Cobalamin (Vitamin B-12) kann Auswirkungen auf die Gewebestrukturen haben und ein Brennen im Mund verursachen. Es kann außerdem eine Vitaminmangelanämie entstehen.
  2. Zahnersatz. Bei schlecht sitzenden Prothesen und Unverträglichkeiten von Zahnersatzmaterial  können Reizzustände entstehen.
  3. Neurologische Erkrankungen (Neuropathien). Nervenschäden und Neuropathien können Schmerzen und ein brennendes Gefühl an Mund und Zunge hervorrufen sowie das Geschmacksempfinden beeinträchtigen.
  4. Allergie. Das Brennen im Mund wird zuweilen durch eine allergische Reaktion auf bestimmte Stoffe (Nahrungsmittel, Geschmacksstoffe, Lebensmittelzusätze, Farbstoffe u.ä.) hervorgerufen.
  5. Gastroösophagealer Reflux. Der saure oder bittere Geschmack im Mund, der aus dem oberen Magen-Darm-Trakt herrührt, kann Reizzustände und Schmerzen hervorrufen.
  6. Landkartenzunge. Die Landkartenzunge führt zu Mundtrockenheit, Schmerzen und Veränderungen der Zunge. Diese Erkrankung kann auch mit dem Burning-mouth-Syndrom in Verbindung gebracht werden.
  7. Bestimmte Medikamente. Enzymkonvertierungshemmer zur Behandlung von Bluthochdruck verursachen Nebenwirkungen, zu denen auch Mundbrennen gehört.
  8. Verhaltensweisen. Unbewusste Bewegungen können eine Reizung im Mund hervorrufen, wie das Aufeinanderpressen oder Zähne oder Zähneknirschen (Bruxismus).
  9. Endokrine Störungen. Die Gewebestrukturen im Mund können auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel reagieren, der durch Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion hervorgerufen wird.
  10. Hormonelles Ungleichgewicht. Die hormonelle Umstellung, die in den Wechseljahren stattfindet, kann die Ursache für das brennende Gefühl im Mund sein, denn der Hormonspiegel hat Einfluss auf die Zusammensetzung des Speichels.
  11. Überreizung. Eine übertriebene Anwendung der Mundhygienemittel (Zahnbürste, Mundwasser) oder große Mengen an säurehaltigen Getränken kann die Mundschleimhaut reizen.

 

Psychische Ursachen

Bei Patienten mit Burning-mouth-Syndrom konnten bestimmte Persönlichkeits- und Stimmungsschwankungen (vor allem Angst und Despression) festgestellt werden. Diese Art psychologischer Störungen ist typisch für Patienten mit chronischen Schmerzen.
Somit wird die Störung eher durch die chronischen Schmerzen als durch die Krankheit verursacht.
Der Behandlungserfolg, der durch Entspannungstechniken erzielt wird, ist folglich eher mit der Verbesserung der Strategien zur Schmerzkontrolle verknüpft, als mit der Behandlung der Beschwerden.
Gleichermaßen besteht ein Zusammenhang zwischen der Nützlichkeit von Antidepressiva und bestimmen Benzodiazepinen und ihren schmerzstillenden und krampflösenden Eigenschaften (und der möglichen Wirkung der Benzodiazepine auf die Geschmacks-Schmerz-Wege).

 

Komplikationen durch Verbrennen der Zunge

Beim Verbrennen der Zunge können Geschmacksknospen zerstört und das Geschmacksempfinden vermindert werden. Das ist jedoch nur eine vorübergehende Folge, denn die Geschmacksknospen regenerieren sich ungefähr alle zwei Wochen.

 

Ananas

Nach dem Verzehr von Ananas kann ein unangenehmes Gefühl im Mund entstehen, wie Brennen oder Kribbeln. Diese Symptome machen sich sofort nach dem Essen von frischer Ananas bemerkbar und verschwinden in der Regel von allein.

Ursachen
Ananas enthält eine Gruppe von Enzymen, die Bromelain genannt werden und das im Fleisch, aber auch das im Mund enthaltende Eiweiß spalten.
Bromelain beseitigt die Moleküle auf der Zelloberfläche und verdaut sie.
Bromelain beginnt mit dem Abbau der Proteine, wenn es mit der Lippen-, Zungen- und Wangenoberfläche in Kontakt gerät.

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Abhilfe
Die unangenehme Wirkung lässt sich dadurch vermindern, dass man nur reife Ananas isst.
Eine reife Ananas erkennt man an ihrem intensiven Aroma und der goldgelben Farbe.
Ist die Schale noch grün, sollte die Ananas einige Tage lang umgedreht mit den Blättern nach unten gelagert werden, bis sie reif geworden ist.

Häufig sind mehrere Ursachen für das Zungenbrennen verantwortlich. Trotz sorgfältiger Diagnostik gelingt es den Ärzten oft nicht, die Ursache herauszufinden.

 

Zeichen und Symptome bei Zungenbrennen

Das Hauptsymptom ist das mittelstarke bis starke brennende Gefühl im Mund, das Monate und sogar Jahre andauern kann.
Oft beginnt das Zungenbrennen am späten Vormittag und erreicht seinen Höhepunkt gegen Abend; in der Nacht lassen die Beschwerden meist nach.
Einige Betroffene leiden ständig unter den Beschwerden, andere eher phasenweise.

Symptome

  • Brennendes Gefühl an Zunge, Lippen, Zahnfleisch, Gaumen, Hals oder Mund
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Mund oder an der Zungenspitze
  • Schmerzen im Mund, die im Tagesverlauf stärker werden
  • Mundtrockenheit
  • Starker Durst
  • Schmerzender Mund
  • Geschmacksverlust
  • Veränderte Geschmacksempfindung, z.B. bitterer oder metallischer Geschmack im Mund

 

Wie wird Zungenbrennen diagnostiziert?

Das Burning-mouth-Syndrom wird aufgrund der klinischen Symptome diagnostiziert, wobei andere Problematiken wie Infektionen, Diabetes oder Vitaminmangel ausgeschlossen werden. Liegt keines dieser Erkrankungen vor, wird die Diagnose des Burning-mouth-Syndroms gestellt.

 

Therapie bei Zungenbrennen

Die Behandlung von Glossodynie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und stützt sich dabei auf Medikamente, die traditionell bei Depression und chronischen Schmerzen eingesetzt werden.
Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin/Elavil), Antipsychotika (Chlordiazepoxid/Librium), Antikonvulsiva (Gabapentin/Neurontin), Analgetika, Benzodiazepine (Clonazepam/Rivotril) und Schleimhautschutz konnten in einigen Fällen große Erleichterung verschaffen.
Auch Capsaicin (natürlicher Wirkstoff, der im Cayennepfeffer enthalten ist) wird verwendet, um die Patienten, die an Zungenbrennen leiden, zu desensibilisieren.
Trotz der Erfolge, die diese Behandlungsansätze in bestimmten Fällen erzielen können, gibt es keine Behandlung, die beim Burning-mouth-Syndrom immer funktioniert. Die Therapie ist auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Patienten ausgerichtet.
Die entstehenden Behandlungskosten variieren je nach Medikament, Einnahmedauer und Krankenkasse.

 

Natürliche Heilmittel bei Zungenbrennen

Studien zufolge, kann bei einem psychischen Hintergrund für Zungenbrennen eine psychologische Therapie eine wichtige Alternative zur konventionellen Behandlung darstellen.
Es gibt verschiedene natürliche Heilmittel, die bei Zungen- und Lippenbrennen Erleichterung verschaffen können.
Hier einige Beispiele:

  • Eiswürfel lutschen oder schluckweise kaltes Wasser trinken, um den brennenden Schmerz zu lindern.
  • Zuckerfreien Kaugummi kauen – das regt die Speichelproduktion an und beugt Mundtrockenheit vor.
  • Regelmäßiger Zahnarztbesuch – so werden Mund und Zahnersatz unter Kontrolle gehalten.
  • Wer Medikamente einnimmt, sollte zusammen mit dem Arzt prüfen, ob Mundtrockenheit zu den möglichen Nebenwirkungen gehört.
  • Regelmäßige Meditation und Yoga helfen, Stress und Angst abzubauen, die das Brennen verstärken können.
  • Zahnpasta durch Natriumbikarbonat ersetzen, wenn sie eine reizende Wirkung auf Mund und Zunge ausübt.
  • Einen Tee mit Minzeblättern zubereiten; zweimal täglich davon trinken, um das Brennen und die Reizung im Mund zu lindern.
  • Der Tee kann auch als Mundspülung verwendet werden, um Entzündung und Halsschmerzen zu lindern. Minze hat therapeutische Eigenschaften, die die Heilung der brennenden Zunge unterstützen; es sollten jedoch niemals frische Minzeblätter gekaut werden, weil sie den Mund schädigen könnten.
  • Die Blätter des Niembaums enthalten eine antibakterielle Verbindung, die Mundgeruch und anderen Zahnproblemen vorbeugen kann. Man kann zum Zähneputzen eine Paste aus zerdrückten Blättern verwenden.
  • Ein Gemisch aus Zwiebeln und etwas Knoblauch herstellen; Wasser hinzugeben und im Laufe des Tages mehrmals damit gurgeln, um das brennende Gefühl im Mund zu lindern.
  • Das Auftragen von Lavendelöl bringt schnelle Hilfe bei Zungenbrennen.

Dieselbe Wirkung hat auf die Zunge aufgebrachtes Glyzerin.

  • Scharf gewürzte oder ölige Speisen, Alkohol und Nikotin gilt es zu meiden.
  • Alternative Behandlungsmethoden, wie Homöopathie und Akupunktur können helfen, Schmerzen und Brennen zu lindern.

 

Ernährungsempfehlungen bei Zungenbrennen

Eine langfristige Optimierung des Lebensstils ist die beste Methode, um das Burning-mouth-Syndrom zu bekämpfen; hier einige praktische Tipps:

  • Viel Wasser trinken, um Dehydratation und Mundtrockenheit vorzubeugen und den Speichelfluss zu erhöhen, damit die Intensität der Symptome vermindert werden kann.
  • Viel gekochtes Gemüse essen, denn es hat eine entzündungshemmende und reizlindernde Wirkung.
  • Saucen und Paprika sind würzig und enthalten Capsaicin, deshalb sollte lieber darauf verzichtet werden.
  • Saure Lebensmittel wie Zitrusfrüchte sind zu meiden. Im Allgemeinen sollte die Menge an frischem Obst jedoch nicht reduziert werden, denn Obst verbessert die Gesundheit der Zähne.
  • Nahrungsmittel, die den Mund erfrischen, wie frisches Obst und Gemüsesäfte, lindern die Symptome.
  • Wird eine Störung der Schilddrüse oder eine Krankheit wie Diabetes als Ursache für das Zungenbrennen festgestellt, ist es wichtig, die festgelegte Therapie zu befolgen.
  • Nahrungsmittel essen, die viel Vitamin B12 und Eisen enthalten, wie Huhn und Eigelb. Besonders eisenhaltige Lebensmittel wie grünes Blattgemüse, Spinat und Brokkoli sind grundlegend bei der Vorsorge von Zungenbrennen.
  • Alkohol, Koffein, Zimt und Schokolade meiden, weil sie die Zunge reizen und die Symptome verstärken.