Schmerzen im Gesäß

Schmerzen im Gesäß sind ein ärgerliches Problem, das die täglichen Aktivitäten wie Zeitunglesen im Sitzen, Gehen, Betreiben von Sport, Fahrradfahren usw. stört.

Das Leiden kann ein dumpfer und ständiger oder plötzlicher und qualvoller Schmerz sein.
Der Gesäßschmerz kann die einfachsten Tätigkeiten beeinträchtigen, wie Strümpfe anziehen, Schuhe zubinden, etwas vom Boden aufheben usw.

Manche Menschen haben während der Nacht Schmerzen und können nicht schlafen.
Andere wiederum verspüren die Beschwerden am Morgen.
Die wichtigsten Symptome sind Schmerzen und Muskelsteifheit, die den betroffenen Bereich berührungsempfindlich machen.
Unter dem Gesäßmuskel kann ein Muskelfaserriss bestehen, doch ist das innerhalb der Gesäßmuskulatur fast unmöglich.

 

Ursachen für Schmerzen im Gesäß

Der Schmerz im Gesäß ist ein Zeichen für viele Erkrankungen: von der Muskelzerrung bis zur Nervenkompression. Es können auch Schmerzen im Bereich der lumbosakralen Wirbelsäule auftreten.

Ischialgie
Der Ischiasnerv ist der längste Nerv im menschlichen Körper: er beginnt in der Wirbelsäule, verläuft über die Gesäßhälften und zieht zu den unteren Extremitäten. Ischialgie ist der verwendete Begriff, der die Schmerzen beschreibt, die durch Kompression oder Reizung dieser Nervenstruktur entstehen.
Die Schmerzen, die durch Ischias verursacht werden, sind fortbestehend und werden als starkes Brennen empfunden, das zum Gesäß und nach außen in die Beine ausstrahlen kann.
Zusammen mit den Schmerzen empfindet man ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Beine und Füße.
Längeres Sitzen in einer Position verschlimmert den Ischiasschmerz.


Bandscheibenvorfall
Ein Bandscheibenvorfall ist der Vorfall eines kleinen Teils des Nucleus pulposus der Bandscheibe.
Die Scheiben sind „Dichtungen“ aus Knorpel, die die Wirbelkörper gegeneinander abpolstern.
Die innere Schicht dieser Scheiben wird als Kern (Nucleus pulposus) bezeichnet, während die äußere Schicht als Anulus fibrosus (Faserknorpelring) bezeichnet wird.
Entsteht eine Verletzung des Anulus, schiebt sich ein kleiner Teil des Nucleus pulposus heraus und komprimiert und reizt die Nerven in der Umgebung, die dann die Schmerzen verursachen.
Die Diskushernie verursacht die Ischialgie, also den lumbalen Schmerz, der bis in die Füße ausstrahlt.
Die Symptome sind:

  1. Rückenschmerzen und Schmerzen in den Beinen bis zu den Füßen,
  2. Kraftverlust,
  3. Sensibilitätsverlust,
  4. Kribbeln,
  5. Verlust der Muskelsehnenreflexe,
  6. Inkontinenz (selten).

Diese Erkrankung betrifft nur eine Seite, fast nie sind beide Körperseiten betroffen.
Die Schmerzen sind konstant und verschlimmern sich am Morgen, weil während der Nacht die Bandscheiben Flüssigkeit aufnehmen (ähnlich wie ein Schwamm) und damit ihr Volumen erhöhen.
Die Folge davon ist ein zunehmender Druck auf den Nerv.
Der Schmerz wird beim Laufen stärker und nimmt ab, wenn der Patient sitzt.


Piriformis-Syndrom
Der Muskel im tiefen Gesäßbereich nennt sich Piriformis-Muskel.
Sein Ursprung ist am Kreuzbein (Wirbelkörper S2/S3) und er setzt am Trochanter major des Oberschenkelknochens an.
Das Piriformis-Syndrom ist ein Zustand, bei dem der Muskel den Ischiasnerv komprimiert und reizt. Man verspürt Schmerzen im unteren Rückenbereich, in der Lumbalregion, an der Hüfte und in einer Gesäßhälfte.
Das Piriformis-Syndrom entsteht aufgrund einer ungleichen Fehlbelastung bei Haltungsfehlern oder durch ein Trauma.
Den Schmerz verspürt man vor allem beim Sitzen und nachts im Bett, wenn man sich von einer Seite auf die andere dreht.
Der Piriformis-Muskel kann auf zwei Arten Schmerzen verursachen:
1. Im Falle eines aktiven Triggerpunktes (Kontraktur an einem bestimmten Muskelpunkt) kommt es zu Schmerzen im Gesäß und längs der Oberschenkelrückseite bis zum Knie (Kniekehle);
2. Wenn der Piriformis den Ischiasnerv einengt und eine Entzündung des Nervs verursacht, kann er eine Ischialgie mit Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl verursachen, die sich bis in den Fuß erstrecken.

Dieses Syndrom betrifft fast immer die linke Gesäßhälfte, da der Körper nicht symmetrisch ist. Die Konsequenz ist, dass das Kreuzbein (Os sacrum) und das Becken eine Drehung machen, die Zug auf den linken Piriformis-Muskel ausübt.
Patienten mit Piriformis-Syndrom haben auch häufig Schmerzen in der Leiste.

Fehlfunktion des Sakroiliakalgelenks
Schmerzen, die durch eine Fehlfunktion des Sakroiliakalgelenks verursacht sind, stellen eine ernste Erkrankung dar.
Diese Erkrankung verursacht Schmerzen sowohl am Gesäß, als auch im Lumbalbereich.
Die Sakroiliakalgelenke befinden sich am unteren Rücken beidseits der Wirbelsäule.
Entzündungen des Sakroiliakalgelenks und der nahen Bänder verursachen Schmerzen am Gesäß.
Menschen mit dieser Erkrankung fühlen beim Gehen einen intensiven Schmerz.
Nach dem 5. Monat einer Schwangerschaft können schwangere Frauen Schmerzen im Lumbalbereich und im Becken aufgrund des Gewichts des Kindes und der größeren Lockerung der Bänder verspüren.

Triggerpunkte
Triggerpunkte sind punktförmige Zonen, in denen man auf Fingerdruck einen sehr schmerzhaften Knoten fühlt. Bei Druck auf diesen Knoten wird der Schmerz in einem anderen Körperbereich empfunden, zum Beispiel könnte bei Druck auf einen Triggerpunkt im Musculus soleus (Wadenmuskel) der Gesäßmuskel schmerzen.

Gesäßmuskel
Die drei Hauptgesäßmuskeln sind der große, der mittlere und der kleine Gesäßmuskel. Der Gesäßmuskel ist der größte Muskel des Körpers und manche Autoren meinen, dass er auch der kräftigste sei. Alle diese Muskeln können Schmerzen und Sehnenprobleme im Gesäß verursachen.
Es gibt viele Triggerpunkte innerhalb dieses Muskelgewebes, die Schmerzen in den Gesäßhälften oder im gesamten Gesäß hervorrufen.
Es gibt 3 Triggerpunkte im großen, 3 im mittleren und 7 im kleinen Gesäßmuskel.

Tendinopathie des Musculus biceps femoris
Diese Erkrankung verursacht einen starken Schmerz am unteren Gesäß, vor allem in sitzender Position. Bekannt ist diese Erkrankung auch als Tendinitis des proximalen M. biceps femoris oder als Sehnenentzündung des hohen Schenkelbeugers.
Schmerzursache ist eine Entzündung am Ursprung der zweiköpfigen Oberschenkelmuskeln (der jeweiligen Tuberositas ischiadica). Der Schmerz manifestiert sich in den unteren Gesäßhälften und in Nähe des Beckenknochens. Der Gesäßschmerz ist sehr stark und in seiner Intensität vergleichbar mit Zahnschmerzen.

Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
Ein Schleimbeutel (Bursa synovialis) ist eine anatomische Struktur, die mit seröser Flüssigkeit gefüllt ist. Seine Aufgabe ist es, bei Bewegungen die Reibung zwischen Muskeln, Knochen, Gelenken und Sehnen zu reduzieren.
Die Strukturen, die „aneinanderreiben“, können sich entzünden und Schmerzen verursachen. Die beiden hauptsächlichen Schleimbeutel im Gesäßbereich sind die Bursa trochanterica (im seitlichen Bereich) und die Bursa ischiadica (unterhalb).
Die Bursitis kann den rechten, den linken oder beide Gesäßmuskeln betreffen.

Schmerzen am Steißbein
Menschen mit dieser Erkrankung spüren Schmerzen am unteren Ende der Wirbelsäule, knapp über dem After. Der Schmerz wird in den Bändern, die die Steißbeinachse halten, verspürt. Der Schmerz kann leicht oder stark ausgeprägt sein.
Er kann Probleme während bestimmter Tätigkeiten des Alltags bereiten, zum Beispiel beim Fahrradfahren

Ligamentum iliolumbale
Dieses Band befindet sich oberhalb des Gesäßmuskels und ist wenig widerstandsfähig.
Es verbindet die Lendenwirbelsäule mit dem Darmbein. Das Ligamentum iliolumbale ertastet man hinter den Venusgrübchen am hinteren- unteren Rücken.
Eine Dehntechnik für dieses Band wird im Folgenden aufgezeigt: der Patienten sitzt mit gespreizten Beinen auf dem Boden, ein Bein ist gestreckt, das andere gebeugt. Den Rumpf zu einer der unteren Extremitäten beugen und versuchen, mit der Nase das Knie zu berühren.
Einige Experten meinen, dass diese Schmerzen mit einer Ischialgie verwechselt werden können.

Krankheiten, die Schmerzen im Gesäß verursachen
Gesäßschmerz wird durch folgende Erkrankungen hervorgerufen:

1.Analabszess: ein mit Eiter gefüllter, infizierter Hohlraum in Anusnähe,
2. Analrhagaden: kleine Geschwüre in der Analschleimhaut,
3. Arthritis der Hüfte,
4. Knochentumor im Becken (verursacht Tag und Nacht Schmerzen),
5. Kompartmentsyndrom: Krankheit, bei der der innere Druck in den Muskellogen ansteigt und den Blutfluss zu Nerven, Sehnen und Muskeln vermindert,
6. Fibromyalgie: ist eine chronische Erkrankung, die Schmerzen, Steifigkeit und Schwäche der Muskeln, Sehnen und Gelenke verursacht.
7. Hämorrhoiden: geschwollene und entzündete Venen im Anus oder Rektum,
8. Pilonidale Zyste: gutartiger Tumor, der sich am Steißbein bildet; kann sich infizieren und mit Eiter füllen,
9. Prostatitis: Entzündung der Prostata, kann Schmerzen im Gesäß, am Os sacrum und in der Leiste verursachen.
Ischias,Schmerzen,Gesäß,Entzündung10. Ischialgie: Brennen, Schmerzen oder Beschwerden am Gesäß und hinten am Bein entlang aufgrund von Kompression des Ischiasnervs.
11. Herpes zoster: schmerzhafte Nervenerkrankung, die durch das Varizella-Virus verursacht wird,
12. Spinalstenose: die Verengung des Spinalkanals verursacht Druck auf das Rückenmark oder auf die Nerven.
13. Pudendusneuralgie: verursacht brennende Schmerzen entlang des Nervenverlaufs und kann somit Hoden, Scheide und Bereiche des Gesäßes in Nähe des Anus betreffen.

Welche anderen Symptome treten mit Gesäßschmerzen auf?

Gesäßschmerzen manifestieren sich mit vielen anderen Symptomen, wie zum Beispiel:

  • Blutergüsse,
  • Bewegungseinschränkung des Rückens,
  • Bewegungseinschränkung der Hüfte,
  • erschwertes Gehen (Hinken),
  • Kreuzschmerzen,
  • Muskelschwäche,
  • Taubheitsgefühl der Muskeln,
  • Schmerzen in der rechten oder linken Flanke, an Beinen oder im Lendenbereich,
  • Schwellung (Ödem) an den Gesäßhälften,
  • Temperaturveränderungen,
  • brennendes Gefühl.

 

Therapie von Gesäßschmerzen

Die Behandlung orientiert sich an der Krankheit, die die Beschwerden verursacht.
Im Falle einer zurückliegenden Verletzung der Gesäßmuskulatur sollten Ruhe und die Anwendung von Eiskompressen den Schmerz innerhalb von zwei Tagen bessern.
Tritt dies nicht ein, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Der Arzt bestimmt die Ursache ausgehend von der Krankengeschichte des Patienten und führt körperliche Untersuchungen und Laboruntersuchungen durch, wie Röntgenaufnahme, CT und Magnetresonanztomographie.
Ist der Piriformis-Muskel verkrampft, kann eine Wärmeauflage auf das Gesäß die Muskulatur entspannen.
Eine Ursache für Rückenschmerzen ist eine Fehlhaltung des Rückens.
Die Haltungskorrektur bringt eine sofortige Linderung an der Gesäßmuskulatur.
Ist der Körper nicht richtig ausgerichtet, wird eine Korrektur des Sakroiliakalgelenks durch die Hilfe des Physiotherapeuten vorgenommen.
Sobald die Schmerzen in der Hüfte nachlassen, sollten keine Dehnübungen der Muskulatur gemacht werden.
Der Piriformis dehnt sich dadurch nicht und erlangt keine Elastizität, könnte jedoch erneut zu schmerzen beginnen.
Das verlängert die Zeit bis zu einer Besserung.

Im Fall eines Bandscheibenvorfalls oder einer Ischialgie sollte man Joggen und manch andere Trainingsübungen wie Kniebeugen und Beinpressen unterlassen.
Natürlich sind auch andere Sportarten wie Tennis, Volleyball, Basketball usw. kontraindiziert.
Schwimmen ist nur dann empfehlenswert, wenn keine Schmerzen dabei auftreten. Es ist jedoch gut zur Prophylaxe geeignet.

 

Naturheilmittel bei Schmerzen im Gesäß

Viele Ärzte empfehlen Muskeldehnübungen mit Rumpfbeugen oder Dehnung des Piriformis-Muskels. Tatsächlich verbessern diese Übungen die Situation nicht, sondern können die Schmerzen kurzfristig verschlimmern.
Dehnübungen können Schmerzen lindern, die vom Ligamentum iliolumbale herrühren.

Eine Selbstmassage des Gesäßmuskels kann man durchführen, indem man sich auf einen Tennisball setzt und das Becken vor und zurück bewegt.
Diese Massage kann den Schmerz bei Piriformis-Syndrom lindern.

Im Falle eines Bandscheibenvorfalls ist die beste zu empfehlende manuelle Therapie das McKenzie-Konzept.