Ohnmacht oder Synkope

Eine Ohnmacht (oder eine Synkope) besteht, wenn man für einen kurzen Zeitraum das Bewusstsein verliert.
Das Gehirn könnte zu wenig Sauerstoff bekommen. Ohnmacht kann auch als Synkope bezeichnet werden. Eine Synkope dauert wenige Sekunden bis einige Minuten.

 

Arten von Synkopen


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Vasovagale Synkope (kardio-neurogene Synkope)
Die vasovagale Synkope ist der häufigste Typ und entsteht, wenn der arterielle Druck fällt und den Blutfluss zum Gehirn vermindert. Erhebt sich dieser Mensch, „zieht“ die Schwerkraft das Blut zu den Füßen (unter das Niveau des Zwerchfells).
Normalerweise erhöhen Herz und autonomes Nervensystem (Vagusnerv) den Blutdruck.
Die vasovagale Synkope kann bei Patienten auftreten, die unter orthostatischer Hypotonie leiden.
Bei dieser Erkrankung verengen sich die Blutgefäße nicht regelrecht.
Das führt zu einem plötzlichen Abfall des Blutdrucks.

Neurokardiogene oder situative Synkope
Eine situative Synkope ist eine Art vasovagale Synkope, die nur in bestimmten Situationen auftritt.
Ein „Stimulus“ verursacht die Ohnmacht, zum Beispiel:

  • Dehydratation,
  • emotionaler Stress,
  • Furcht,
  • Angst (zum Beispiel die Angst vor Kanülen oder Blut),
  • Schmerz,
  • Hunger (zum Beispiel am Morgen, wenn eine Person nicht frühstückt),
  • nach dem Essen (im Falle einer postprandialen Synkope),
  • gastrointestinale Synkope (durch Stuhlgang, durch Schlucken, bei synkopalen Schluckbeschwerden),
  • Trunkenheit (Alkoholabusus),
  • nach dem Rauchen von Cannabis kann ein Gefühl von Bewusstseinsverlust auftreten,
  • Drogengebrauch,
  • induzierte Ohnmacht oder Ohnmacht auf Komando entsteht durch Hyperventilation (zu schnelles Atmen und gesteigerte Sauerstoffaufnahme),
  • Panikattacke,
  • starkes Husten,
  • Karotissinus-Überempfindlichkeit,
  • starkes Drücken beim Wasserlassen.


Orthostatische Synkope (durch orthostatische Hypotonie)
Eine orthostatische Synkope tritt auf, wenn der Blutdruck plötzlich aufgrund einer schnellen Änderung der Körperlage von einer liegenden in eine stehende Position absinkt. Eine posturale Synkope wird mittels Medikamenten und durch Wassertrinken behandelt.

Kardiale Synkope
Eine kardiale Synkope ist der Bewusstseinsverlust aufgrund von Herzerkrankungen oder Störungen des Kreislaufsystems, die den Blutfluss zum Gehirn vermindern.
Diese Pathologien sind im Folgenden aufgelistet:

  • Arrhythmie
  • Atherosklerose
  • Herzklappenerkrankungen
  • Aortenstenose
  • Herzinsuffizienz

Neurologische Synkope
Die neurologische Synkope wird durch eine neurologische Erkrankung verursacht, wie Krampfanfälle, Schlaganfall, transitorisch ischämische Attacke (TIA), Migräne und Hydrozephalus.
In einem Drittel der Fälle ist die Ursache der Synkope unbekannt.

Konvulsive Synkope
Ein Mensch wird ohnmächtig und hat Krämpfe, doch im Vergleich zu epileptischen Anfällen ist diese Störung gekennzeichnet durch eine stehende Position, Prodromalsymptome (Vorzeichen), arrhythmische Bewegungen, Blässe und verminderten Muskeltonus.


Synkope durch Apnoe
Eine verlängerte Apnoe kann eine Synkope aufgrund einer erhöhten C02-Konzentration (Kohlendioxid) auslösen.

Lipothymie
Die Lipothymie oder Präsynkope ist nur ein Gefühl von Bewusstseinsverlust und Schwäche.

 

Ursachen von Ohnmacht

In vielen Fällen ist die Ursache einer Ohnmacht unbekannt, doch eine Synkope kann verursacht sein durch:

  • Angst,
  • emotionales Trauma,
  • Schmerz,
  • Schwangerschaft,
  • Blutdruckabfall (zum Beispiel nach einer Blutspende oder aufgrund heftiger Regelblutungen),
  • Abfall des Sauerstoffdrucks im Blut (hypoxische Synkope),
  • Hypoglykämie oder Blutzuckerabfall (verursacht auch Zittern),
  • langes Fasten (kann auch zu nächtlicher Ohnmacht führen),
  • Hyperventilation (schnelle Atmung),
  • Dehydratation,
  • körperliche Anstrengung,
  • starke Hustenstöße,
  • Herzrasen,
  • Anstrengung beim Stuhlgang,
  • epileptische Anfälle,
  • sehr hohes Fieber,
  • Erfrierung (verursacht auch Blässe im Gesicht und blaue oder violette Lippen),
  • Drogen,
  • Alkoholabusus.

 

Medikamente, die den Blutdruck senken, erhöhen die Ohnmachtsneigung.
Eine Synkope kann durch eine der folgenden Krankheiten verursacht sein:

  • Diabetes,
  • Infarkt,
  • Arrhythmie,
  • Panikattacken.

 

Ursachen einer Ohnmacht bei Kindern

Eine Synkope, die sich bei Kindern ereignet, wird durch einen kurzzeitigen Sauerstoffmangel im Gehirn verursacht.

Die vasovagale Synkope ist eine Störung, die bei Kindern durch Stress, Angst oder Schmerzen auftritt.

Orthostatische Hypotonie ist eine Erkrankung, bei der das Kind aufgrund eines plötzlichen niedrigen Blutdrucks ohnmächtig wird.
Diese Pathologie entwickelt sich bei Kindern, die lange Zeit stehen.
Stundenlanges Stehen verursacht einen Stau der Blutzirkulation in den Beinen.
Der Blutzustrom zum Herzen und Gehirn nimmt ab.
Ohnmacht wird durch verschiedene Erkrankungen verursacht, darunter:

  • Arrhythmie (anormaler Rhythmus des Herzens)
  • Kawasaki-Krankheit
  • Ischämische Kardiomyopathie
  • Verminderung des Blutflusses
  • Eisenmenger-Syndrom
  • Primäre pulmonale Hypertension
  • Aortenstenose
  • Läsion oder Schädeltrauma
  • Epilepsie
  • Hysterie
  • Alkohol
  • Hyperventilation
  • Innenohrerkrankungen
  • Schlaganfall
  • Unterzucker
  • Dehydratation

 

Gehirn,OhnmachtSymptome von Ohnmacht oder Synkope

Vor einem Bewusstseinsverlust können sich folgende Symptome zeigen:

  • Gähnen
  • Plötzlicher Kaltschweiß
  • Übelkeit und Brechreiz
  • Tiefenatmung
  • Verwirrtheit
  • Körperstarre
  • Schwindelgefühl
  • Verschwommensehen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Verstopfte Ohren
  • Kopfschmerzen (selten)
  • Kraftlosigkeit

Wenn man zur Erde fällt, befinden sich Kopf und Herz auf gleicher Höhe. Das Herz muss das Blut nicht gegen die Schwerkraft pumpen, damit es ins Gehirn gelangt.
Die Synkope dauert etwa 20 Sekunden und kann durch Körperstarre charakterisiert sein.
In manchen Fällen haben die Patienten ihre Augen während der Ohnmacht geöffnet.
Wird ein Mensch ohnmächtig und wacht nicht innerhalb von zwei Minuten auf, muss der Notarzt gerufen werden.

Nach der Ohnmacht zeigt der Betreffende Verwirrtheit, Müdigkeit und Schwäche über 20-30 Minuten. Manchmal erinnert sich der Betreffende nicht daran, was er vor der Ohnmacht gemacht hat.

Wann muss man sich Sorgen machen?
Ohnmacht kann mit einem Schlaganfall verwechselt werden. Ein Schlaganfall tritt auf, wenn der Blutstrom zum Gehirn unterbrochen wird.
Es sollte umgehend die Nummer 112 (Notarzt) gerufen werden, wenn der Verdacht besteht, dass ein Mensch einen Schlaganfall erleidet.
Die Symptome bei einem Schlaganfall kann man sich mit dem englischen Wort FAST einprägen (Face-Arms-Speech-Time = Gesicht-Arme-Sprache-Zeit).
Gesicht: die betroffene Person kann nicht lächeln und Mundwinkel oder ein Auge können gelähmt sein.
Arme: die betroffene Person mit einem Schlaganfall kann die Arme nicht heben und ausgestreckt halten. Der Betroffene empfindet den Arm als taub.
Sprache: die Person hat Schwierigkeiten zu sprechen.

Autofahren und Synkopen
Für jemanden, der unter Ohnmachtsanfällen leidet, ist Autofahren gefährlich. Jeder Staat verhängt je nach Schwere der Erkrankung Beschränkungen. Man kann sich an die zuständige Fahrerlaubnisbehörde wenden, um weitere Informationen zu erhalten.

 

Tests und Diagnose

Die Untersuchungen sind die Folgenden:

  • Elektrokardiogramm (EKG)
    Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität des Herzens und untersucht vorliegende Rhythmusstörungen (unregelmäßiger Herzschlag) und andere kardiologische Probleme. Viele dieser Störungen verursachen Ohnmachtsanfälle.
  • Echokardiogramm
    Diese Untersuchung erfolgt durch Ultraschall und zeigt strukturelle Fehlbildungen des Herzens (zum Beispiel Klappendefekte) auf.
  • Körperlicher Belastungstest
    Dieser Test untersucht den Herzrhythmus während körperlicher Belastung. Er erfolgt mittels Fahrradergometer oder auf dem Laufband.
  • Blutuntersuchung
    Sie dient der Erkenntnis von vorliegenden Erkrankungen (wie Anämie), die die Ohnmachtsanfälle verursachen.
  • Tilt-Test
    Wenn keine der Untersuchungen zu einem Ergebnis führt, kann ein Tilt-Test durchgeführt werden.
    Test-Ablauf:
    Beginn: Der Patient liegt rücklings auf einem Tisch.
    Die Lageposition wird verändert, indem die Tischfläche in verschiedenen Winkeln von der horizontalen in die vertikale Lage gekippt wird.
    Eine Fachkraft überwacht Herzrhythmus und Blutdruck um zu sehen, ob die Lageänderungen einen Einfluss haben.

Wer führt einen Belastungstest durch?
Patienten, die während oder sofort nach einer Belastung eine Synkope haben.
EKG und Überwachung des Blutdrucks werden während der Belastung und in der Erholungsphase durchgeführt.
Herzprobleme bestehen, wenn eine Synkope während der körperlichen Belastung auftritt; wenn nach einer Belastung eine Synkope auftritt, wird die Synkope durch einen Reflexmechanismus ausgelöst.

Andere Untersuchungen:

  • Elektroenzephalographie (EEG),
  • Kernspintomographie des Gehirns,
  • Karotisdopplersonographie,
  • Lungenszinitgraphie.

 

Ohnmacht,Beine,HochlageTherapie bei Synkope oder Ohnmacht

Was muss man bei einer Ohnmacht tun?
Bei einer Synkope muss der Blutfluss zum Kopf unterstützt werden, indem die Beine über Herzhöhe gelagert werden. Alternativ kann man die Person hinsetzen und ihren Kopf zwischen die Knie absenken.
Enge Halsketten, Gürtel oder andere anliegende Kleidungsstücke entfernen oder lockern. Die betreffende Person über 10-15 Minuten sitzen oder liegen lassen. Sobald die Person zum Bewusstsein zurückgekehrt ist, ein Glas Wasser trinken lassen.
Atmet der Betreffende nicht, muss sofort unter 112 der Rettungsdienst gerufen werden.

Wann ist eine Ohnmacht ein Notfall?
Unverzüglich die 112 anrufen, wenn jemand das Bewusstsein verliert und:

  • nicht atmet,
  • nicht innerhalb weniger Minuten das Bewusstsein wiedererlangt,
  • gestürzt ist und eine Verletzung hat oder blutet,
  • schwanger ist,
  • Diabetes hat,
  • mittleren Alters ist und in der Vergangenheit Synkopen hatte,
  • einen unregelmäßigen Herzschlag hat,
  • vor der Ohnmacht Brustschmerzen hatte,
  • Krämpfe hat,
  • eine Zungenverletzung hat (weil er bei herausragender Zunge eine Mundsperre hatte),
  • Harn- oder Stuhlinkontinenz hat,
  • Schwierigkeiten beim Sprechen hat,
  • Sehverlust hat,
  • nicht in der Lage ist, Körperteile zu bewegen.