Kalkschulter

Die Kalkschulter bezeichnet eine kontinuierliche Kalbablagerung im Schultergelenk.

Normalerweise bilden sich diese Kalkdepots oberhalb des Arms, wo die Sehnen der Rotatorenmanschette ansetzen, vor allem die Supraspinatussehne.

Die Größe dieser Kalkablagerungen reicht von 2 –3 Millimetern bis zu einigen Zentimetern, je nachdem seit wann sich der Kalk ablagert.

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Röntgenbild einer Kalkschulter.

 

Die Verkalkung der Schulter kann Teil einer natürlichen Entzündungsreaktion auf Infektionen, Traumata oder eine sportlich oder beruflich bedingte Überbeanspruchung des Gelenks sein.
Bei einem Knochenbruch gehört die Produktion und Ablagerung von Kalk zum natürlichen Prozess der Knochenreparatur.

Das Kalkdepot wird dann zum Problem, wenn seine Position, Form oder Größe die Schulterfunktionen durch Bewegungseinschränkung beeinträchtigt oder Schulterschmerzen verursacht.

In der Regel tritt die Kalkschulter bei Rechtshändern auf der rechten und bei Linkshändern auf der linken Seite auf.

Ursachen für Kalkablagerungen in der Schulter

Die Kalkdepots können durch eine Entzündung oder einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) verursacht werden.
Oder sie entstehen infolge des Heilungsprozesses einer Skelett-Muskel-Verletzung.
Man findet die Kalkdepots oft entlang der Rotatorenmanschettensehnen, insbesondere dort, wo die Sehne am Knochen ansetzt.

Welche Risikofaktoren bestehen für die Bildung von Kalkablagerungen?
Verschiedene Risikofaktoren können die Wahrscheinlichkeit für eine Kalkablagerung erhöhen:

  • Überbelastung des Schultergelenks durch berufliche oder sportliche Aktivitäten;
  • Alkoholismus;
  • Autoimmunkrankheiten;
  • Manche Patienten glauben, dass die Ernährung eine Ursache darstellt, aber die Ernährungsgewohnheiten spielen in diesem Fall keine Rolle;
  • familiäre Vorbelastung hinsichtlich Kalzium-Stoffwechselstörungen.

 

Welche Symptome treten bei Kalkablagerungen in der Schulter auf?

Kalkablagerung treten häufig symptomfrei auf und werden zufällig bei einer Röntgenuntersuchung entdeckt.
Je nachdem an welcher Stelle sich das Kalkdepot gebildet hat, kann es bestimmte Bewegungen der Schulter einschränken, Schmerzen und die Entzündung der Weichteilstrukturen verursachen, wie  Muskeln, Sehnen, Gelenkkapsel, Schleimbeutel usw.
Die durch Kalkschulter bedingten Schmerzen sind weder nachts noch bei Ruhe vorhanden.
Nur selten wird durch die Ablagerungen ein Nerv eingeklemmt und dadurch Schmerzen im Arm und ein Kribbeln in der Hand verursacht.

 

Kalzifizierende Tendinitis

 

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Ossifikation am Becken.

Unter einer kalzifizierenden Tendinitis (Tendinitis calcarea) versteht man die Einlagerung von Kalkherden in eine Sehne; dies geschieht vor allem in der Rotatorenmanschette, kann aber auch im Arm, Ellbogen, in der Hüfte und auf Höhe des Beckens vorkommen.
Die Größe des Kalkdepots reicht von wenigen Millimetern bis etwa zwei Zentimetern.
Diese Verkalkungen treten bei Patienten ab 30 – 40 Jahren auf, besonders betroffen sind Diabetiker.
Krankhafte Kalkablagerungen im Fasergewebe kommen vor allem im Schultergelenk und in der Sehnenplatte der Fußsohle vor.
Nicht immer sind Kalkdepots schmerzhaft und selbst wenn Schmerzen auftreten, verschwinden sie im Laufe von 3 bis 4 Wochen meist von allein.

 

Ursachen für eine kalzifizierende Tendinitis

Die Ursache für Kalkablagerungen in den Sehnen der Schulter konnte noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden.
Es gibt unterschiedliche Theorien, wie mangelnde Blutzufuhr und Alterserscheinungen der Sehne, aber die Beweise für diese Behauptungen sind bislang unzureichend.
In der Regel ist der Verlauf der kalzifizierenden Tendinitis  vorhersehbar und sie lässt sich fast immer ohne Operation heilen.

Wie entsteht sie? Verlauf der Kalzifizierung
Die typischen Krankheitsphasen sind:

Zellumwandlung
Es bestehen keine nennenswerten Beschwerden. Die Zellen erleiden Veränderungen, die die Gewebestrukturen zur Bildung von Kalkablagerung empfänglich machen.

Verkalkung
In dieser Phase wird von den Zellen Kalk abgestoßen, der sich ablagert. Wenn das passiert, scheint die Verkalkung der Schulter keine harte Konsistenz aufzuweisen, weniger hart als ein Knochen, eher wie Gips.
Mit der Kalkablagerung in der Schulter beginnt eine Ruhephase, die schmerzfrei ist und unterschiedlich lange andauert. Nach der Ruhephase beginnt die Resorption oder Auflösung des Kalkherdes; dies ist die schmerzhafteste Phase der kalzifizierenden Tendinitis. Das Kalkdepot ist jetzt zunehmend aufgelockert, es hat eine Konsistenz wie Zahnpasta.

Reparatur
In der Regel ist diese Phase, in der die Kalkablagerungen verschwinden und durch Sehnengewebe ersetzt werden, schmerzfrei.
Normalerweise beginnt die Behandlung in der Verkalkungsphase. Mancher Patient erfährt, dass er an einem Impingement-Syndrom leidet.

Die Diagnose einer Kalkschulter wird durch Röntgenaufnahmen gestellt; auch auf einem Ultraschall ist sie sichtbar, es wird eine echoarme Stelle angezeigt.

 

Stoßwellen
Stoßwellen

Was kann man tun? Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung einer Kalkschulter beginnt normalerweise mit einigen einfachen Maßnahmen, wie Ruhe, Eispackungen, Medikamente und Physiotherapie (Laser– und Ultraschalltherapie).
Wenn die Beschwerden nicht nachlassen, kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden.
Der chirurgische Eingriff gehört jedoch nicht zur Standardbehandlung von Kalkablagerungen.

Die konservative (nicht-operative) Behandlung hat eigentlich immer Priorität.
Das Behandlungsprotokoll ähnelt dem des Impingement-Syndroms der Schulter und umfasst:

Physiotherapie und Krankengymnastik
Bewegungs- und Dehnungsübungen können einer steifen Schulter vorbeugen. Eines der unangenehmsten Begleitbeschwerden einer kalzifizierenden Tendinitis ist die Schmerzen verursachende Frozen Shoulder. Die Übungen können helfen, diesem Problem vorzubeugen.

Entzündungshemmende Medikamente
Entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika können zur Behandlung der Schmerzen der Kalkschulter eingesetzt werden. Studien konnten langfristig keine wesentliche Änderung der Symptome  nachweisen, aber die Patienten fühlten sich besser.
In der Anfangsphase der Verkalkung kann der Orthopäde Kortisoninfiltrationen in die Schulter verschreiben, um die Schmerzen zu lindern und einer Operation vorzubeugen.

Feuchte Wärmepackungen
Das Anbringen von feuchter Wärme hat eine schmerzlindernde Wirkung. Ein warmes Tuch ist die beste Methode, um die Schulter zu wärmen.

Wie bereits angedeutet, können die Beschwerden durch diese Maßnahmen in den meisten Fällen so lange unter Kontrolle gehalten werden, bis die Heilung erfolgt ist.
Das Kalkdepot bleibt oftmals bestehen, aber Ziel der Behandlung ist nur die Linderung der Symptome, nicht das Entfernen der Kalkablagerung; diese verschwinden mit der Zeit von selbst.

 

Wann ist eine Operation notwendig?

Eine Operation empfiehlt sich in den folgenden Fällen:

  • Wenn sich die Symptomatik trotz Behandlung verschlechtert.
  • Wenn ständige Schulterschmerzen die Alltagsaktivitäten (anziehen, frisieren) beeinträchtigen.
  • Wenn die Symptome nicht auf eine konservative Behandlung ansprechen.

Die operativen Behandlungsoptionen sind das Absaugen des Kalkdepots oder die Ausräumung der Kalkschulter.
Das Absaugen erfolgt bei Sedierung (Beruhigungsmittel) oder lokaler Betäubung.
Der Chirurg führt eine große Nadel in das Kalkdepot ein und versucht, den Kalk abzusaugen. Dann spritzt er eine physiologische Kochsalzlösung, ein Betäubungsmittel oder ein Kortisonpräparat in das Kalkdepot.
Die Patienten können kurz nach dem Eingriff wieder ihren gewohnten Alltagstätigkeiten nachgehen.

Das Ausräumen des Kalkdepots ist eine aufwendigere Prozedur, aber vor allem bei chronischer Verkalkung zuweilen notwendig. Durch einen kleinen Schnitt oder eine Schulter-Arthroskopie wird das Kalkdepot ausgemacht und entfernt.
Diesem Eingriff folgt eine Nachbehandlung in Form von Physiotherapie und Rehabilitation, um die Kraft und Beweglichkeit der betreffenden Schulter wiederzuerlangen.

Gibt es noch andere Methoden zur Behandlung einer Tendinitis calcarea?
Im letzten Jahrzehnt haben verschiedene Berichte die erfolgreiche Behandlung einer chronischen kalzifizierenden Tendinitis der Schulter durch Stoßwellen bestätigt. Die energiereichen Ultraschallwellen verursachen ‘Mikrotraumata’ und stimulieren die Bildung neuer Blutgefäße in der betreffenden Region.
Die Mehrzahl der Studien zeigt, dass bei 50 – 70% der Patienten nach zwei oder drei Anwendungen eine Besserung eintritt.
Die Stoßwellen-Therapie zur Behandlung einer kalzifizierenden Tendinitis kann sehr schmerzhaft sein, die neueren Geräte bereiten jedoch weniger Beschwerden.
Diese Behandlungsmethode bringt wenig Komplikationen mit sich.

Kontraindikationen der Stoßwellentherapie sind: Schwangerschaft, bösartige Tumorleiden und Einnahme von Anti-Koagulationsmitteln bei Gerinnungsstörungen (z.B. Coumadin).