Zervikobrachialgie und Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule

Zervikobrachialgie bezeichnet Schmerzen, die vom Nacken ausgehen und bis in die Finger ausstrahlen, wobei sie dem Verlauf des Plexus brachialis folgen, d.h. den Nerven, die Rückenmark und Arm miteinander verbinden.
Ursachen für eine Zervikobrachialgie

Zu den Ursachen gehören:

  1. Nervenkompression durch einen verdickten oder verspannten Muskel, beispielsweise des Skalenus oder des kleinen Brustmuskels.
  2. Nervenquetschung bedingt durch die Position des Schlüsselbeins, das tiefer liegt und sich an die erste Rippe annähert.


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Das Bindegewebe kann Schmerzen hervorrufen, die den Arm entlang bis in die Hand ziehen; es können sich Adhäsionen bilden, die die Nervenendigungen einschließen und ausstrahlende Schmerzen auslösen.
Ein Bandscheibenvorfall ist eine häufige aber nicht die einzige Ursache für diese Beschwerden; dabei tritt der Gallertkern (Nucleus pulposus) aus dem Faserknorpelring der Bandscheibe (Anulus fibrosus); weist der Wirbel eine Verlagerung nach außen auf (Osteophyt), die zur Kompression des Rückenmarks beiträgt, wird dies als harter Bandscheibenvorfall bezeichnet und kann zur Schädigung des Rückenmarks führen (Myelopathie). Ist dagegen nur die Bandscheibe betroffen, spricht man von einem weichen Bandscheibenvorfall. Gewöhnlich liegen keine Wirbelfrakturen vor.

Eine Protrusion der Bandscheibe, die auf das Rückenmark oder die Wurzeln der Spinalnerven drückt, ist die Ursache für Nacken- und Kreuzschmerzen (Lombalgie), auch wenn die meisten Patienten, bei denen ein Bandscheibenvorfall festgestellt wird, nicht über Rückenschmerzen, Zervikobrachialgie und Lumboischialgie klagen.
Von der Halswirbelsäule gehen die Spinalnerven des Plexus brachialis ab und verlaufen durch die obere Gliedmaße bis in die Finger.
Wenn der Gallertkern aus seinem anatomischen Sitz austritt und die Nervenwurzeln komprimiert, kann dies furchtbare und ständige Schmerzen, Taubheitsgefühl, Brennen, Parästhesien (Empfindungsstörungen), Muskelschwäche und Kribbeln verursachen.
Nur in seltenen Fällen klagen Patienten über eine bilateral auftretende Zervikobrachialgie,  aber mancher empfindet Schwere und Kraftlosigkeit in beiden oberen Gliedmaßen.

 

Was sind die Symptome einer Zervikobrachialgie?

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Magnetresonanz der Halswirbelsäule mit Bandscheibenvorfall C5-C6, man erkennt gut den dunklen “Fleck” hinter den unteren Wirbeln, während ober- und unterhalb das hintere Band zu sehen ist.

Das Hauptsymptom der Zervikobrachialgie ist ein intensiver, unerträglicher Schmerz; wenn sie durch Quetschung der Nervenwurzeln verursacht wird, schmerzen Arm, Schulter und der obere Teil des Schulterblatts, in diesem Fall spricht man von Zervikobrachialgie, d.h. Schmerzen am Hals und in dem vom Plexus brachialis, dem Armnervengeflecht versorgten Gebiet, das Hals, Schulter, Schulterblatt, Oberarm, Unterarm und Hand umfasst.
Der Hals ist häufig in den Drehbewegungen versteift, auch Schulter und Arm können erhebliche Bewegungseinschränkungen erfahren.
Oft klagen Patienten über kalte und geschwollene Hände.
Sie haben aber nur das Gefühl, die Hand sei geschwollen, sie ist es nicht wirklich; nachts spüren sie häufig ein unangenehmes Kribbeln, von dem sie aufwachen.
Der Patient weiß nicht, wie er schlafen soll, er dreht sich die ganze Nacht im Bett, auf der Suche nach einer Position, die ihm Erleiterung verschaffen könnte und so wird die im Bett verbrachte Nacht zur Qual.
In diesem Fall kann neben der Magnetresonanz eine Elektromyographie durchgeführt werden, d.h. eine diagnostische Untersuchung bei der die Muskeltätigkeit im Ruhezustand und bei spontaner Aktivität analysiert wird. Treten Schwindelgefühl und Kopfschmerzen auf, kann dies nicht durch einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule verursacht sein, da diese Symptome ihren Ursprung in den Wirbeln C1-C2 finden, zwischen denen keine Bandscheibe liegt, die den Nerv komprimiert. Bandscheibenschäden an der Halswirbelsäule treten hauptsächlich an den Bandscheiben C4 – C5 und C6 – C7 auf, also am Halsansatz.

Viele meiner Patienten berichten, dass die Kügelchen hinten am Hals spüren und sind der Meinung, dass es sich um vergrößerte Lymphknoten handelt, die die Symptome am Arm verursachen, aber es besteht keine Verbindung zwischen diesen Störungen.

 

Diagnose der Zervikobrachialgie

Der zuständige Arzt ist ein Facharzt der Neurochirurgie.
Bei der Untersuchung müssen Kraft, Reflexe und Bewegungsumfang des Arms kontrolliert werden.
Wenn der Schmerzen entlang des Arms durch Vorfall oder Protrusion einer Bandscheibe hervorgerufen werden, wirken Kompression des Nackens und Nervenstreckung schmerzverstärkend, wodurch der Arzt den Ursprung der Symptome erkennen kann.
Eine wichtige Testmethode ist der Jackson-Test, der eine Kompression bei seitlich gedrehtem Hals vorsieht.

Die genaue Lokalisierung der Symptome kann Aufschluss darüber geben, welcher Nerv die Beschwerden hervorruft:

  • Zervikobrachialgie C5, d.h. der zwischen den Wirbeln C4 und C5 entspringende Nerv, die Schmerzen treten auf Höhe des Bizepses auf.
  • Zervikobrachialgie C6, der Schmerzbereich liegt im seitlichen Ober- und Unterarm und reicht bis zum Daumen.
  • Zervikobrachialgie C7, die Symptome treten im hinteren Bereich von Ober- und Unterarm auf und reichen bis zum Mittelfinger.

Bei einem rechten Bandscheibenvorfall ist nur der rechte Arm betroffen, hingegen die linke Seite, wenn die Kompression des Nervs linksseitig erfolgt. Bei einem starken zentralen Bandscheibenvorfall können die Symptome gleichzeitig an Armen und Beinen auftreten, das ist aber nur sehr selten der Fall.

 

Welche Untersuchungsmethoden eignen sich am besten?

Geeignete Untersuchungsmethoden zur Erkennung dieser Kompression sind TC und Magnetresonanz, weil sie auch die weichen Gewebe analysieren, während eine Röntgenaufnahme nur die Knochen zeigt, d.h. man könnte lediglich eine Verminderung des Wirbelzwischenraums erkennen.
Die Resonanz zeigt einen paramedianen oder externen Bandscheibenvorfall der Seite, an der die Symptome auftreten; würde die Kompression mittig erfolgen, wären die Symptome nicht  einseitig.
In einigen Fällen kann der Bandscheibenvorfall auch den Nervus vagus in Mitleidenschaft ziehen und Symptome an den von ihm innervierten Organen auslösen: Atemwege, Herz, Lungen, Magen und Darm; es können Übelkeit, Schluckbeschwerden und Angstzustände auftreten.
Ein Bandscheibenvorfall ist nicht mit einer Brachialgie zu verwechseln, d.h. einer Reizung des Armnervengeflechts (Plexus brachialis), auch wenn beide dieselben Symptome aufweisen und häufig gemeinsam auftreten.
Einige Patienten klagen über Schulterschmerzen, die vom Halswirbelbereich ausgehen. Manchmal kommen sie mit  über Kopf gehaltenem Unterarm in die Praxis, weil in dieser Stellung die Wurzeln des fünften und sechsten Zervikalnervs entlastet werden und die stechenden Schmerzen nachlassen.
Manche tragen ihren Arm in einer Armschlinge wie jemand mit ausgerenkter Schulter; auf diese Weise wird die Wurzel des siebten Zervikalnervs entlastet.
Eine andere Pathologie kann Symptome aufweisen, die denen der Stenose von Spinalkanal oder Wirbellöchern ähnelt, durch die Rückenmark und Nervenwurzeln verlaufen; wenn diese Öffnungen enger werden als die dort durchlaufenden Nerven, ergibt sich ein Krankheitsbild, das der Nervenkompression durch Bandscheibenvorfall sehr ähnelt.

 

Was kann man tun? Welche Behandlungsform ist am besten geeignet?

Anatomie der Bandscheibe mit Bandscheibenvorfall auf der rechten Seite, der auf die Nervenwurzel drückt, Wirbel, Rückenmark, Nerv, Gallertkern, Faserring, gespalten, gerissen.
Bandscheibenvorfall mit ausgetretenem Gallertkern, der gegen die Nervenwurzel drückt und ausstrahlenden Schmerz verursacht.
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Das Austreten der Bandscheibe ist nicht vorübergehend, der ausgetretene Teil zieht sich nicht eigenständig wieder zurück.
Oft verschwinden die Symptome einer akuten Zervikobrachialgie innerhalb von 8 Monaten, weil der vorstehende Gallertkern absorbiert wird, in anderen Fällen wird die Krankheit aber chronisch.

Pharmakologische Behandlung
Der Arzt kann in der akuten Phase kortisonhaltige Medikamente verschreiben, aber sobald die Schmerzen nachlassen ist die Einnahme von nichtsteroidalen Entzündungshemmern wie Diclofenac (Voltaren) und eventuell von Muskelrelaxantien wie MuscoRil möglich, die nicht die Nebenwirkungen von Kortison aufweisen.
Gegen die Neuralgie empfiehlt der Arzt häufig Pregabalin (Handelsname Lyrica).

Physiotherapie und natürliche Heilmittel
Die Physiotherapie mit den Übungen von McKenzie „drückt“ den Gallertkern zurück zu seinem ursprünglichen Sitz, wodurch der Druck auf die Spinalnervenwurzel vermindert wird.
Die Bandscheibe wird nicht wieder sein wie vorher, aber die Symptome können beseitigt werden.
Wichtig für die Behandlung einer  Zervikobrachialgie ist die Durchführung von muskelstärkenden Übungen für die Muskeln der Wirbelsäule, da eine Erschlaffung der Bänder und Muskelschwäche zur Instabilität der Wirbelsäule führen.
Bei einem Bandscheibenvorfall müssen nicht automatisch Schmerzen auftreten; diese können dagegen durch eine Brachialgie begründet sein, die sich auch durch Wärmetherapien behandelt lässt, wie: Laser, Krankenmassage und Tecar®.
Die Osteopathie gehört zu den manuellen Therapien und kann Verspannungen, Gelenkblockaden und Nervenkompressionen lösen; deshalb kann sie hier große Wirkung zeigen.
Die Halswirbeltraktion ist eine Behandlung die Erleichterung verschafft, aber es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen über die Wirksamkeit der Therapie bei Bandscheibenprotrusion.
Das Tragen einer Zervikalstütze zur Ruhigstellung des Gelenks ist nicht hilfreich, sondern im Gegenteil kontraproduktiv, da zu den anderen Symptomen Steifheit hinzukommt. Schonung ist ausreichend, um die Symptome nicht zu verstärken.
Eine heiße Dusche oder Wärmflasche kann die Symptome lindern und die verspannten Muskeln lockern; es sollte kein Eisbeutel auf Hals oder Arm gelegt werden.
Zu den Sportarten, die zu meiden sind, gehört auch das Schwimmen, weil der Hals beim Kraulen häufig gedreht werden muss; auch die Armbewegung kann die Symptome verstärken.
Die beste Schlafposition ist auf dem Rücken, die schmerzende Hand hinter dem Kopf, weil die Nervenstreckung auf diese Weise reduziert wird.

Wenn der Schmerz nachlässt oder ganz verschwunden ist, können alle Alltagstätigkeiten wiederaufgenommen werden; Haltungsgymnastik kann helfen, Rückfällen vorzubeugen.

 

Wann muss operiert werden? Chirurgischer Eingriff bei einer Zervikobrachialgie

In schweren Fällen, die glücklicherweise sehr selten sind, kann eine OP in Betracht gezogen werden, wenn die Zervikobrachialgie nicht innerhalb von einigen Monaten verschwunden ist.
Der chirurgische Eingriff wird von einem Neurochirurgen durchgeführt.
Es gibt drei verschiedene Techniken. Die jüngste davon sieht das Einsetzen einer künstlichen Bandscheibe vor (Zervikalprothese von Bryan) und hat den Vorteil, dass die Beweglichkeit der Halswirbelsäule nicht eingeschränkt wird.

Eine andere Option ist die Mikrodisektomie, bei der ein Teil der beschädigten Bandscheibe entfernt wird, was nur möglich ist, wenn diese nicht degeneriert ist.
Auch eine Zusammenfügung der Wirbel ist möglich; diese Art von Operation hat jedoch erhebliche Auswirkungen, denn die Wirbelsäule verliert einen Teil ihrer Beweglichkeit.

 

Wie lang sind die Heilungszeiten? Die Prognose?

Nur selten lässt sich ein Bandscheibenvorfall in kurzer Zeit mit entzündungshemmenden oder kortisonhaltigen Mitteln heilen.
Bei Nichtbehandlung kann die Heilung mehrere Monate dauern; in schwereren Fällen ist eine Operation notwendig, was jedoch glücklicherweise nicht häufig vorkommt.
Bei leichter Protrusion oder Bulging der Bandscheibe können wenige McKenzie-Therapiesitzungen das Problem lösen.
Haben die Beschwerden muskulären oder bindegeweblichen Ursprung, kann der Patient mit zweckmäßiger Behandlung in wenigen Wochen vollständig genesen.

 

Dr. Massimo Defilippo Fisioterapista Tel 0522/260654 Defilippo.massimo@gmail.com
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