Muskelverletzungen Muskelriss Muskeldehnung

Ein Muskelriss oder Muskelfaserriss (Muskelverletzung) bezeichnet den Riss einzelner oder aller Fasern eines Muskels.

Die Muskelverletzung gehört zu den typischen Sportverletzungen und macht 10-35% aller Sportunfälle aus.

Eine Muskelverletzung kann wie folgt hervorgerufen werden:

  • durch ein direktes Trauma, wobei äußere Gewalteinwirkung auf den Muskel erfolgt (z.B. ein Press-Schlag beim Fußball); der Schaden ist größer, wenn der Muskel angespannt ist.
  • durch ein indirektes Trauma; hier ist keine äußere Kraft beteiligt, der Muskel ist einfach nicht in der Lage, sich bei einer übereilten Streckung ausreichend zu dehnen (z.B. kann beim Fußball ein Schuss ins Leere (Ball verfehlt) einen der Beinbeuger verletzen: Oberschenkelbizeps, Semimembranosus und Semitendinosus), oder es erfolgt die plötzliche Kontraktion eines entspannten Muskels.
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Einschätzung einer Muskelverletzung
In einigen Sportarten tritt diese Muskelverletzung gehäuft auf: Fußball, American Football, Kurzstreckensprint, Hochsprung, Baseball und Bodybuilding.
Meist ist die Muskulatur der Beine betroffen, vor allem die Waden- und am Knie ansetzenden Muskeln: die ischiocrurale Muskulatur (hinten am Oberschenkel) und der Oberschenkelquadrizeps.

Der Quadrizeps des Oberschenkels besteht aus vier Muskelköpfen, von denen der gerade Muskel des Oberschenkels (Musculus rectus femoris) am verletzungsanfälligsten ist, während die anderen drei (äußerer breiter Muskel (Musculus vastus lateralis), zur Mitte gelegener breiter Muskel (Musculus vastus medialis) und mittlerer breiter Muskel (Musculus vastus intermedius)) in der Regel keine Verletzungen erleiden.
Bei Fußballspielern können die Adduktoren des Oberschenkels (Innenseite) einen Muskelriss erleiden.
Bei den Muskeln der oberen Gliedmaßen sind vor allem Oberarmbizeps, Brustmuskel und Deltamuskel betroffen, die auf Schulterhöhe reißen können.
Es ist unwahrscheinlich, in der Arztpraxis einen Patienten mit Muskelfaserriss der folgenden Muskeln anzutreffen:

  • Bauchmuskeln
  • Rückenmuskeln
  • Lendenmuskeln (unterer Rücken)
  • Trapezmuskel (zwischen den Schultern)
  • Unterarmmuskeln
  • Handmuskeln
  • Gesäßmuskeln

Ein Muskelriss kommt selten bei Kindern und älteren Menschen vor.
Ein Riss der Muskelfasern bringt auch einen beträchtlichen Blutaustritt mit sich, der in den leichteren Fällen intramuskulär umschrieben bleibt; bei schwereren Verletzungen dagegen bildet sich aufgrund der guten Muskeldurchblutung ein Bluterguss (Hämatom).
Die Läsion entsteht normalerweise an den Muskelenden, nur selten tritt sie in der Mitte des Muskelbauches auf.

 

Ursachen für einen Muskelfaserriss

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Quadrizeps und der Vorderseite des Beines
© Andreas Meyer/Fotolia.com

Es gibt viele Ursachen für eine Muskelverletzung.
Zu den äußeren Faktoren zählen vor allem niedrige Außentemperaturen und ungeeignete Bodenverhältnisse.

Zu den inneren Faktoren gehören:

  • muskuläre Dysbalancen,
  • unzureichende Aufwärmphase,
  • ungenügender Trainingsstand,
  • mangelnde Elastizität,
  • Vorschädigungen des Muskels,
  • Muskelermüdung durch übermäßiges Training gefolgt von zu kurzen Erholungsphasen.

Weitere Ursachen sind Mangel an Mineralsalzen, schlechte Technik beim Sport und geringes Koordinationsvermögen.

 

Symptome bei Muskelfaserriss

Die American Medical Association (Craig, 1973) unterteilt die Muskelverletzungen in drei Schweregrade:
Verletzung ersten Grades: Zerrung der Muskel-Sehnen-Einheit, bei der einzelne Muskel- und Sehnenfasern reißen;
Verletzung zweiten Grades: ein Teil der Muskelfasern ist durchrissen, aber die Kontinuitätsunterbrechung der Muskel-Sehnen-Einheit ist nicht vollständig;
Verletzung dritten Grades: kompletter Durchriss der Muskel-Sehnen-Einheit.

Bei Verletzungen ersten Grades ist der Schmerz minimal, bei aktiver Bewegung und Muskeldehnung wird er stärker; Bewegungsausmaß und Muskelkraft unterliegen keiner besonderen Einschränkung.
Die Schmerzen treten nach dem Training auf.

Bei Verletzungen zweiten Grades sind die Schmerzen stärker, weil ein höherer Prozentsatz der Muskelfasern gerissen ist.
Der Schmerz tritt sofort bei Trainingsbeginn auf, aber die Sportler sind nach der Aufwärmphase in der Lage, das Training bzw. Spiel/Wettkampf ohne größere Beschwerden zu beenden; aber genau hier liegt das Problem, denn durch die fortlaufende sportliche Aktivität kann sich das Krankenbild verschlechtern.
Wenn der Muskel kalt ist, treten die Symptome bei der Muskelanspannung und Dehnung auf.

Bei Verletzungen dritten Grades ist der Muskel komplett oder größtenteils durchrissen.
Die Schmerzen sind sehr stark, sie machen das Fortsetzen von Wettkampf, Spiel oder Training unmöglich und sind auch beim Drücken auf die betreffende Stelle spürbar.
Über dem Areal des Risses erscheint ein ausgedehnter Bluterguss.
Beim Abtasten lässt sich an der verletzten Stelle eine Delle spüren.
In seltenen Fällen hat der Patient infolge einer größeren Verletzung Fieber.

 

Diagnose eines Muskelfaserrisses

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Ultraschalluntersuchung der Schulter

Es ist wichtig, einen Spezialisten aufzusuchen, der in der Lage ist, die richtige Diagnose zu stellen und die Schwere der Verletzungen einzuschätzen, denn es hängt vom Ausmaß des Schadens ab, welche Therapie anzuwenden ist.
Als bildgebendes Verfahren zur Diagnose von Muskelverletzungen wird ein Sehnen-Muskel-Ultraschall durchgeführt, auf dem die genaue Stelle und die Größe der Verletzung lokalisiert werden können.
In seltenen Fällen wird eine Magnetresonanztomographie durchgeführt.
Problematisch wird es bei tiefen Verletzungen in sehr stark entwickelten Muskeln, wie die von Sportlern (beispielsweise der Oberschenkelquadrizeps eines Fußballspielers).
In diesen Fällen basiert die klinische Untersuchung auf einer Analyse der Krankengeschichte, wann und wie die Verletzung entstanden ist (während oder nach dem Training), Art der Beschwerden (lokalisiert oder diffus) und Empfindungen beim Abtasten.
Berichtet der Sportler von diffusen Schmerzen, die nach dem Training aufgetreten sind, könnte es sich lediglich um eine Muskelverspannung handeln; war er wegen der Schmerzen dagegen nicht in der Lage, Training oder Wettkampf zu beenden, und ist beim Abtasten ist eine Delle zu spüren, besteht Verdacht auf Muskelriss.

 

Was tun? Die richtige Behandlung

Die Behandlung von Muskelverletzungen richtet sich individuell nach Art und Ausmaß des Schadens.
Man braucht eine ärztliche Verordnung zum Beginn physiotherapeutischer Therapiemaßnahme, die helfen, den Heilungsprozess zu beschleunigen, eine Narbenbildung zu verhindern bzw. zu reduzieren und Rückfällen vorzubeugen.

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Taping bei einem Muskelfaserriss der Wade

Kinesio-Taping: Wirkung: spannungslösend. Form: ein ”Y”-Streifen. Länge: unterhalb der Ferse bis zur Kniekehle. Das Tape ohne Spannung anbringen; dabei etwas unterhalb der Ferse ansetzen, die Wade strecken und den Außenbereich der Wadenmuskelbäuche abdecken.

Bei einer Muskelverletzung ist in den ersten 24-48 Stunden die PECH-Regel anzuwenden (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung); Ziel ist die Einschränkung von Verletzung und Entzündung.
Die Erstbehandlung sieht folgendes vor: Ruhigstellung, Kühlung 3- bis 4-mal täglich (Einwirkungszeit ca. 20 Minuten), Verband und Hochlage des verletzten Körperteils.

Pharmakologische Behandlung
Meistens raten die Ärzte zu muskelentspannenden Medikamenten (Muskelrelaxantien) und Schmerzmitteln (Analgetika); letztere sind den Entzündungshemmern (NSAR) vorzuziehen, denn eine Entzündung, die aufgrund einer Verletzung entsteht, ist ein körpereigener Reparaturmechanismus, der durch diese Medikamente gestört werden würde.
Hat der Patient einen größeren Riss in der Wadenmuskulatur erlitten (beispielsweise im Gastrocnemius oder inneren Wadenmuskelkopf) und muss auf Krücken gehen, verschreibt der Arzt Heparin (Gerinnungshemmer), bis das verletzte Bein wieder belastetet werden kann.
Auf diese Weise lässt sich einer tiefen Venenthrombose vorbeugen.

Natürliche Heilmittel, Rehabilitationsgymnastik und Physiotherapie
Der Sportler sollte eine Weile mit dem Sport aussetzten; die Sportpause wird – abhängig von der Größe der Verletzung – eine Woche bis zwei Monate dauern.
Bei der Wiederherstellung der Verletzung bildet der Muskel eine faserige Narbenstruktur, d.h. ein Narbengewebe, das weniger dehnbar ist als die Muskelfasern.
Ein paar Tage nach dem Trauma helfen Querfriktionsmassagen (Cyriax) und eine vorsichtige Mobilisation dabei, die Elastizität des Muskels beizubehalten und die Fasern des Narbengewebes auszurichten.

Es ist wichtig, das Areal der Verletzung nicht zu massieren, bis die Narbenbildung abgeschlossen ist, weil sonst eine Verschlechterung zu befürchten wäre. Eine Massage darf nur vor und hinter der verletzten Stelle erfolgen.

Das Prinzip der exzentrischen Kontraktion besteht darin, dass die Verletzung gewöhnlich durch diesen Mechanismus entsteht, also muss der Muskel daran gewöhnt werden, diesem anaeroben Arbeitszustand standzuhalten.

 

Video von einer exzentrischen Übung  für die hinten befindlichen Beugemuskeln des Oberschenkels; die Muskeln sind während der Streckbewegung angespannt, um den Fall abzubremsen.


Wird der Muskel ruhiggestellt, können bei der Narbenbildung die Fasern in alle Richtungen stehen; bleibt der Muskel dagegen in Bewegung, richten sich die Fasern des neugebildeten Bindegewebes nach den Kraftlinien aus und werden später elastischer sein.
Bei einem kompletten Muskeldurchriss, muss ein Chirurg zu Rate gezogen werden, weil eine Operation notwendig sein könnte.

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Tecar-Therapie bei Muskelriss

Als apparative, physiotherapeutische Behandlungsmaßnahme kommen CO2-Laser, Ultraschall und Tecar-Therapie zum Einsatz; sobald die Verletzung geschlossen ist, müssen außerdem Dehnungsübungen und exzentrisches Muskelaufbautraining durchgeführt werden, um die Muskelelastizität zu erhöhen und Rückfällen vorzubeugen.

 

Mit Wärme oder Kälte behandeln?
Innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Verletzung kann die verletzte Stelle mit Eisbeutel gekühlt werden.
Danach sollte eine Wärmflasche angelegt werden, um die Absorption des Blutergusses und die Bildung von muskelersetzendem Fasergewebe zu fördern.

 

Prognose und Nachbehandlung

Damit nicht verfrüht mit Training und Wettkämpfen begonnen wird, sollte nach Beendigung der Therapie eine Unterschalluntersuchung  vorgenommen werden; hat sich die Verletzung noch nicht ganz geschlossen, muss die Physiotherapie weiter fortgeführt werden, sonst könnte sich die Lage erneut verschlechtern.

Das Prinzip der exzentrischen Kontraktion besteht darin, dass die Verletzung gewöhnlich durch diesen Mechanismus entsteht, also muss der Muskel daran gewöhnt werden, diesem anaeroben Arbeitszustand standzuhalten.
Die Ultraschalluntersuchung zeigt den Umfang des Blutergusses an, der sich infolge der Verletzung gebildet hat, aber das Ausmaß des Muskelrisses kann geringer ausfallen und schlecht zu sehen sein, weil die Läsion durch das ausgetretene Blut verdeckt wird.
Die Heilungszeiten bei einem Muskelriss beträgt etwa 1 mm pro Tag, aber die Untersuchungsergebnisse des Ultraschalls müssen genau analysiert werden.
Die Therapien sorgen für eine Reduzierung des Blutergusses von 1 mm pro Sitzung, aber sie geben keine genaue Auskunft über die Läsion.

 

Ist es möglich, dass Schmerzen zurückbleiben, obwohl der letzte Kontrollultraschall zeigt, dass sich der Muskelriss geschlossen hat?

Ja, es hängt von der Größe der Verletzung ab, aber bei Läsionen ab 2 cm ist es ganz normal, dass Beschwerden auftreten.
Fußballspieler finden normalerweise wieder zurück zu ihrer normalen Trainings- und Spieltätigkeit; zunächst beginnt man mit einem differenzierten Training und nimmt nach und nach wieder die normale Aktivität auf.

Schmerzen und Beschwerden verschwinden in der Regel innerhalb von ein bis zwei Monaten.

 

Dr. Massimo Defilippo Fisioterapista Tel 0522/260654 Defilippo.massimo@gmail.com
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