Varizen des Ösophagus

Ösophagusvarizen sind andauernd erweiterte und verformte pathologische Veränderungen der Venen im unteren Teil der Speiseröhre, dem Schlauch, der den Rachen mit dem Magen verbindet.

Diese Veränderungen betreffen oftmals Menschen mit schwerwiegenden Lebererkrankungen.


Ösophagusvarizen entstehen, wenn die Durchblutung der Leber durch Narbengewebe in der Leber oder durch Blutkoagel behindert wird.

Um die Blockaden zu umgehen, fließt das Blut in die viel kleineren Venen, die für den Transport einer solchen Menge nicht geschaffen sind. Die Blutgefäße können Blut verlieren oder sogar zerreißen und dann eine Blutung verursachen, die tödlich sein kann.
Ösophagusvarizen können auch im oberen Teil des Magens vorkommen.

 

Was sind die Ursachen für Blutungen aus Varizen des Ösophagus?

Ösophagusvarizen sind die Folge einer portalen Hypertension, die gewöhnlich durch eine Leberzirrhose entsteht. Die Zirrhose ist eine durch Leberfibrose hervorgerufene Erkrankung, die durch eine Infektion wie Hepatitis C oder den exzessiven Konsum von Alkohol entsteht.
Andere Ursachen der portalen Hypertension sind Thrombosen (Blutgerinnsel im Innern einer Vene) und die Verengung der Pfortader. In manchen Fällen ist die Ursache unbekannt. In einem solchen Fall spricht man von einer idiopathischen portalen Hypertonie.

 

Klassifikation der Varizen des Ösophagus

Die Ösophagusvarizen können aufgrund ihrer Größe unterteilt werden:

  • F1 ist definiert, wenn weniger als 1/3 des Radius der Speiseröhre betroffen ist und die Varizen noch einen geradlinigen Verlauf haben
  • F2 wenn weniger oder 2/3 des Radius der Speiseröhre betroffen sind und die Varizen bereits gewunden erscheinen
  • F3 wenn das Zentrum der Speiseröhre überschritten wurde und ein pseudotumoraler Aspekt entsteht

Aufgrund der Farbe werden Varizen unterteilt in:

  • Weiß, wenn die Wand verdickt und rosa gefärbt ist und nicht von der Schleimhaut des Ösophagus unterschieden werden kann,
  • Blau, wenn die Wand dünn ist und die Farbe des venösen Blutes, das im Innern der Varizen fließt, durchscheint.

Rote Markierungen

  • Red Wale Markings (RWM): geradlinige rote Markierungen
  • Cherry Red Spot (CRS): Erweiterung der Venen auf etwa 2 mm Breite
  • Hematocystic Spots (HCS): hellrote zystenähnliche Ausdehnungen mit einem Durchmesser von etwa 4 mm

Ösophagitis

  • Vorhanden
  • Nicht vorhanden

Klassifikation nach Lokalisation:

  • Oben
  • Mitte
  • Unten

 

Risikofaktoren für Varizenblutung

Diese sind dieselben Faktoren, die das Risiko einer portalen Hypertension erhöhen:

  • Leberinsuffizienz (Funktionsstörung der Leber)
  • Mangelernährung
  • Konsum von Alkohol
  • Erhöhung des intraabdominalen Drucks

 

Symptome der Varizen des Ösophagus

Menschen mit chronischer Lebererkrankung und Ösophagusvarizen müssen keine Symptome haben.

Wenn nur eine Blutung in geringer Menge auftritt, kann das einzige Symptom eine Veränderung des Stuhls sein, der sich schwarz färbt und dünnflüssig wird, je nach verschluckter Blutmenge (Meläna).

Entstehen starke Blutungen, können die Symptome sein:

  • Erbrechen von Blut
  • Schwarzer Stuhl und Teerstuhl (verschlucktes Blut)
  • Schock (bei starkem Blutverlust)

Varizen-ÖsophagusDer Arzt muss Varizen vermuten, wenn er eines dieser folgenden Zeichen einer Lebererkrankung bemerkt:

  • Ösophagusvarizen
  • Gelbfärbung von Haut und Augen (Ikterus)
  • Einige kleine Blutgefäße auf der Haut in Form eines Spinnennetzes
  • Rötung der Haut an den Handflächen (Erythema palmare)
  • Verformung der Hand, die bekannt ist als Morbus Dupuytren
  • Geschrumpfte Hoden
  • Milzvergrößerung
  • Wasseransammlung in der Bauchhöhle (Aszites)

 

Mögliche Komplikationen bei Varizen des Ösophagus

  • Enzephalopathie (manchmal auch Encephalopathia hepatica genannt.)
  • Ösophagusstenose nach chirurgischer oder endoskopischer Behandlung
  • Hypovolämischer Schock
  • Blutungsrezidiv nach Behandlung

 

Diagnose der Ösophagusvarizenblutung

Außer einer körperlichen Untersuchung und der Prüfung der Symptome kann der Arzt eine der folgenden Untersuchungen für die Diagnose von Ösophagusvarizen vornehmen:

  • Blutuntersuchung
  • Gastroskopie (Einführen eines feinen Schlauches mit einer Kamera über den Rachenraum, um nach Ösophagusvarizen zu suchen).

 

Therapie bei Varizen des Ösophagus

Das Hauptziel der Behandlung von Ösophagusvarizen ist, eine Blutung zu verhindern. Die Ösophagusvarizenblutung ist potentiell tödlich.
Wird eine Blutung festgestellt, stehen verschiedene Behandlungen zur Verfügung, um zu versuchen, die Blutung zu stillen.
Die Therapie zur Senkung des venösen Blutdrucks kann das Risiko einer Blutung bei Ösophagusvarizen senken.

Mögliche Behandlungen sind:

Medikamente zur Senkung des Pfortaderblutdrucks
Ein sogenannter Betablocker kann dazu beitragen, den Blutdruck in der Pfortader zu verringern und damit das Blutungsrisiko zu senken. Zu diesen Medikamenten gehören: Propranolol (Inderal) und Nadolol (Corgard).
Die chirurgische endoskopische Behandlung mit elastischer Ligatur der Varizen dient der Blockade der venösen Blutung. Haben die Ösophagusvarizen ein hohes Blutungsrisiko, kann der Arzt empfehlen, eine sogenannte elastische Ligatur vornehmen zu lassen.
Über ein Endoskop umwickelt der Arzt die Varizen und zieht sie mit einem elastischen Band zusammen, das damit die Varizen „stranguliert“, damit sie nicht mehr bluten können. Die Unterbindung am Ösophagus birgt geringes Risiko für Komplikationen wie die Vernarbung.


Behandlung zur Stillung der Blutung
Eine Varizenblutung ist lebensgefährlich und muss daher unverzüglich behandelt werden.
Um die Blutung zu stillen, kann man verschiedene Behandlungen durchführen:

Gummibänder zur Blockade der Blutung aus den Venen.
Medikamente zur Verlangsamung der Blutung aus der Pfortader. Medikamente können den Blutstrom aus den inneren Organen zur Pfortader verlangsamen, indem der Venendruck gesenkt wird. Ein Medikament mit dem Namen Octreotid (Sandostatin) wird häufig in Kombination mit dem endoskopischen Verfahren zur Behandlung der Blutung aus Ösophagusvarizen angewendet. Die Einnahme des Medikaments muss in der Regel für fünf Tage nach einer Blutungsepisode fortgesetzt werden.

Umleitung des Blutstroms aus der Vene
Der Arzt kann zu einem Verfahren raten, das transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS) heißt. Der Shunt besteht aus einem kleinen Schlauch, der zwischen Pfortader und Lebervene eingebracht wird, um das Blut aus der Leber zum Herzen zu führen.
Indem ein zusätzlicher Weg für das Blut geschaffen wird, senkt der Shunt den Druck in der Pfortader und oftmals wird dadurch die Blutung aus den Ösophagusvarizen unterbunden.

Der TIPS kann zu einer ganzen Reihe schwerer Komplikationen führen, darunter Leberinsuffizienz und geistige Verwirrung, die sich entwickeln können, wenn die Toxine, die normalerweise in der Leber filtriert werden sollten, über den Shunt direkt in den Blutkreislauf geraten. Der transjuguläre intrahepatische portosystemische Shunt wird hauptsächlich angewendet, wenn alle anderen Behandlungen versagt haben oder als vorübergehende Maßnahme für Personen, die auf eine Lebertransplantation warten.

Lebertransplantation
Die Lebertransplantation ist eine Möglichkeit für Menschen mit schweren Lebererkrankungen oder Patienten, die wiederholt Ösophagusvarizenblutungen hatten.

Obwohl die Lebertransplantation oft Erfolg hat, ist die Zahl der Personen, die auf ein Transplantat warten, größer als die Zahl der zur Verfügung stehenden Organe.

Rezidiv
Eine erneute Blutung tritt bei den meisten Menschen auf, die Ösophagusvarizen haben. Gummibandligatur und Betablocker sind empfohlene Behandlungsmethoden, um erneute Blutungen zu verhindern.

Kann man Varizenblutungen verhindern?
Die Behandlung der einer Varizenblutung zugrundeliegenden Ursache kann dazu beitragen, ihre Wiederholung zu verhindern und Leberkrankheiten zu behandeln, wodurch ihre Entwicklung verhindert werden kann. Einige Medikamente, darunter sogenannte „Betablocker“, können den erhöhten Druck in der Pfortader senken und das Blutungsrisiko verringern.

 

Prognose bei Varizen des Ösophagus

Patienten, die bereits schon einmal eine Blutung hatten, haben eine Wahrscheinlichkeit von 70%, eine zweite Blutung zu bekommen.
Etwa ein Drittel der Rezidive enden tödlich.
Das Todesrisiko ist in den ersten Tagen nach der hämorrhagischen Episode am höchsten und nimmt während der ersten sechs Wochen langsam ab.
Im Zusammenhang stehende Erkrankungen sind: renale, respiratorische, kardiovaskuläre und immunologische Erkrankungen, die zu 50-60% der Mortalität der Patienten mit Ösophagusvarizen beitragen.

 

Prävention bei Varizen des Ösophagus

Derzeit kann keine Behandlung die Entwicklung von Ösophagusvarizen bei Menschen mit Leberzirrhose verhindern. Während Betablocker bei vielen Menschen mit Ösophagusvarizen zur Vorbeugung einer Blutung wirksam sind, helfen sie nicht gegen die Bildung neuer Varizen.

Wer eine Lebererkrankung hat, sollte den Arzt befragen, welche Maßnahmen er ergreifen kann, um Komplikationen zu vermeiden.

Einige Mittel, die dazu beitragen können, die Leber gesund zu erhalten, sind:

  • Keinen Alkohol trinken. Menschen mit Lebererkrankungen sollten aufhören, alkoholische Getränke zu konsumieren, denn Alkohol wird von der Leber absorbiert. Alkohol kann eine gefährdete Leber schädigen.
  • Eine gesunde Ernährung befolgen. Eine vegetarische Diät mit viel Obst und Gemüse wählen. Vollkornprodukte und magere Proteinquellen wählen. Die Menge an verzehrten Fetten und frittierten Lebensmitteln reduzieren.
  • Gesundes Körpergewicht erhalten. Übermäßiges Körperfett kann die Leber schädigen. Fettsucht ist mit einem größeren Komplikationsrisiko für Leberzirrhose verbunden. Wer fettleibig oder übergewichtig ist, sollte abnehmen.
  • Chemikalien sparsam und schonend verwenden. Die Hinweise auf Haushaltschemikalien beachten, wie Flüssigkeiten zur Möbelreinigung und Insektensprays.
  • Wenn mit Chemikalien gearbeitet wird, müssen alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. Die Leber dient der Entgiftung des Körpers, daher muss die zu verarbeitende Giftmenge reduzierte werden.
  • Das Risiko für eine Hepatitis senken. Die gemeinsame Nutzung von Spritzen und ungeschützter Geschlechtsverkehr erhöhen das Risiko für Hepatitis B und C.
  • Man sollte den Körper durch sexuelle Enthaltsamkeit schützen oder, wenn man sich für Geschlechtsverkehr entscheidet, ein Präservativ verwenden. Man sollte den Arzt fragen, ob eine Impfung für Hepatitis A und B sinnvoll ist.