Magengeschwür

Ein Magengeschwür (Magenulkus, Ulcus ventriculi) ist eine offene Wunde, die sich in der inneren Magenwand bildet.

Wenn das Geschwür im ersten Abschnitt des Dünndarms auftritt, der direkt an den Magen angrenzt, spricht man von einem Zwölffingerdarmgeschwür (Duodenalulkus, Ulcus duodeni).

Beide Krankheitsbilder werden unter dem Begriff gastroduodenale Ulkuskrankheit zusammengefasst.


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Anatomie des Magens

Der Magen ist ein Verdauungsorgan, das links im Bauch, direkt unterhalb der Rippen liegt.
Die aufgenommene Nahrung passiert die Speiseröhre und wird durch einen Schließmuskel in den Magen gedrückt, wo sie sich mit stark wirkenden Verdauungssäften mischt, die Enzyme und Salzsäure enthalten.
Der Magen ist ein Muskelsack, der die Nahrung mechanisch und chemisch zerkleinert.

Wenn der Mageninhalt eine breiige Konsistenz angenommen hat, wird er durch einen Schließmuskel in den ersten Abschnitt des Dünndarms (Zwölffingerdarm) gedrückt.
Die Innenauskleidung des Magens (Magenschleimhaut) hat die Form eines Kamms. Magengeschwüre bilden sich in der Magenschleimhaut.

 

Wie funktioniert die Verdauung?

Die Nahrung gelangt durch die Speiseröhre in den Magen. Der Magen bildet saure Substanzen, die zwar nicht unerlässlich sind, aber die Verdauung unterstützen. Die Nahrung wird im Magen vermischt und erreicht dann den Zwölffingerdarm, Teil des Dünndarms. Im Zwölffingerdarm und restlichen Verlauf des Dünndarms erfolgt die Verdauung des Essens durch verschiedene Enzyme (chemische Substanzen).
Enzyme werden von der Bauchspeicheldrüse und den Zellen der Darmauskleidung produziert. Die Enzyme spalten (verdauen) die Nahrung, die vom Körper aufgenommen wird.

 

Komplikationen von Magengeschwüren

Das klassische Magengeschwür kann Komplikationen entwickeln: Blutung und Magendurchbruch.

Blutung
Eine Blutung stellt eine schwere Komplikation dar und kann bei älteren Menschen und Patienten mit Begleitkrankheiten einen tödlichen Ausgang nehmen.
Blutungen von Magengeschwüren kommen häufiger bei Personen vor, die Blutverdünnungsmittel (Antikoagulantien) einnehmen, wie beispielsweise Warfarin, Aspirin und Clopidogrel (Plavix).
Wer solche Mittel einnimmt sollte in Erwägung ziehen, Anti-Ulkus-Medikamente einzunehmen, um diese Komplikation zu vermeiden.

Magendurchbruch
Ein Geschwür kann sich durch die Magenwand durchfressen und ein Loch hinterlassen; Magensäure und Nahrung können nun in den Bauchraum gelangen. Dieser medizinische Notfall ist als Magendurchbruch bekannt.
In der Regel kommt das im Bereich des Magenpförtners (Pylorus) vor.
Die Behandlung sieht eine sofortige Operation vor.

 

Ursachen für ein Magengeschwür

Normalerweise ist die Innenwand von Magen und Dünndarm gegen die aggressive Magensäure geschützt. Wenn diese schützende Schicht Schäden aufweist und sie ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen kann, entsteht ein Geschwür (Ulkus) oder eine Entzündung (Gastritis).
Die meisten Geschwüre treten in der obersten Schleimhautschicht auf. Entsteht ein richtiges Loch in der Wand des Magens oder Zwölffingerdarms spricht man von einem Durchbruch (Perforation). Ein Durchbruch stellt einen medizinischen Notfall dar.
Die häufigste Ursache bei Erwachsenen und Kindern ist eine Infektion des Magens durch das Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori).
Bei den meisten Patienten, die an der gastroduodenalen Ulkuskrankheit leiden, bevölkern diese Bakterien den Magen-Darm-Trakt.
Dieses Bakterium kommt jedoch auch bei vielen Personen vor, ohne dass ein Geschwür entsteht.

 

Risikofaktoren für Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre:

  • übermäßiger Alkoholkonsum;
  • regelmäßige Einnahme von  Aspirin, Ibuprofen, Naproxen oder anderen entzündungshemmenden Arzneimitteln (NSAR); eine sporadische Einnahme dieser Mittel ist meistens ungefährlich;
  • Zigaretten oder Kautabak;
  • schwere Erkrankungen, wer beispielsweise an ein Atemgerät angeschlossen ist;
  • Strahlentherapie;
  • Stress.

Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Magengeschwüre, sondern auch für damit verbundene Komplikationen, wie Blutung, Magenverengung und Magendurchbruch. Rauchen ist einer der Hauptgründe für einen Behandlungsmisserfolg bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind Kaffee, Cola, scharfe Speisen und Koffein nicht für die Entstehung von Magengeschwüren verantwortlich.

 

Symptome bei Magen- und Darmgeschwüren

Magengeschwüre verursachen nicht zwangsläufig Symptome, außerdem können je nach Position sehr unterschiedliche Beschwerden auftreten.
Ein Magengeschwür verursacht Magenschmerzen, die typischerweise zu Beginn einer Mahlzeit auftreten, weil dann  Magensäure gebildet wird, die eine reizende Wirkung ausübt.
Liegt das Geschwür im unteren Bereich des Magens, verschwinden die Schmerzen, sobald der Magen sich füllt, kehren aber zurück, wenn er sich wieder leert.
Bei einem Zwölffingerdarmgeschwür machen sich die Schmerzen nur bemerkbar, wenn sich der Magenpförtner (Pylorus), die Muskulatur zwischen Magen und Zwölffingerdarm, schließt –  d.h. nachdem sich der Magen entleert hat,  also etwa 2 – 3 Stunden nach dem Essen.
Da beim Essen der Schmerz sofort nachlässt, kann man auch von “Hunger-Schmerzen” sprechen, denn der Patient spürt den Drang zu essen, um sich besser zu fühlen.
Die Beschwerden treten zuweilen nachts auf.

In der akuten Phase sind die Symptome:

  • Sodbrennen
  • Stechende Magenschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können
  • Übelkeit
  • Aufstoßen
  • Gewichtsverlust

Anzeichen der Verschlechterung 

  • Erbrechen von Blut
  • Verdautes Blut im Stuhl (Teerfarben)
  • Die Person fühlt sich müde und verliert an Gewicht

Wann treten die Symptome auf?

  • sie können die Nachtruhre stören,
  • die Schmerzen werden nach dem Essen sehr viel stärker,
  • sie können wenige Minuten oder mehrere Stunden andauern,
  • besonders starke Hungergefühle entstehen,
  • Säureblocker können Linderung bringen.

 

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Magendurchbruch
Magengeschwüre können schwere Komplikationen und sehr starke Bauchschmerzen hervorrufen. Eine Komplikation ist die Blutung des Geschwürs.

Die Symptome einer Blutung sind:

  • schwarz gefärbter Stuhl, Teerstuhl (Melana) genannt; er enthält das ausgeschiedene Blut;
  • Erbrochens, das wie Kaffesatz oder Blut aussieht;
  • Schwäche;
  • Kopflosigkeit;
  • starke Bauchschmerzen;
  • Fieber.

 

Diagnose und Untersuchungsverfahren bei Magengeschwüren

Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) kann den Verdacht auf ein Magengeschwür bestätigen. Dabei führt der Arzt ein dünnes, biegsames Endoskop durch die Speiseröhre und begutachtet das Mageninnere; bei dieser Untersuchung lassen sich Entzündungen und Geschwüre erkennen.

Liegt ein Magengeschwür vor, wird ein Test für den Nachweis des Bakteriums Helicobacter pylori durchgeführt.
Sind Helicobacter pylori vorhanden, sind sie vermutlich die Ursache für das Magengeschwür.
Der Nachweis lässt sich über eine Stuhluntersuchung, einen Atem-Test oder durch die Untersuchung einer bei der Magenspiegelung entnommenen Gewebeprobe erbringen.

Biopsie des Magens oder Zwölffingerdarms
In der Regel wird im Rahmen der Endoskopie eine Gewebeprobe vom Geschwür und seiner unmittelbaren Umgebung entnommen.
Dann wird diese Probe im Labor mikroskopisch untersucht.

 

Wie wird ein gutartiges Magengeschwür behandelt?

 

Medikamentöse Therapie

Säureblocker
In der Regel wird über einen Zeitraum von 4-8 Wochen die Einnahme eines Magenschutzes empfohlen, der die Menge der produzierten Magensäure erheblich verringert. Am häufigsten werden Protonenpumpenhemmer (PPI) eingesetzt. PPI sind eine Gruppe von Arzneimittel, die auf die Magenschleimhautzellen einwirken und die Bildung von Magensäure unterdrücken.

Zu diesen Arzneistoffen gehören: Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol (auch in der Schwangerschaft), Pantoprazol und Rabeprazolo mit verschiedenen Handelsbezeichnungen.
Zuweilen wird auch eine andere Gruppe von Arzneimitteln angewendet, die Histamin-Rezeptorenblocker. Diese Medikamente wirken auf andere Art auf die säureproduzierenden Magenzellen ein, sodass nicht zu viel Magensäure gebildet werden kann.
Zu den Wirkstoffen gehören: Famotidin, Nizatidin, Ranitidin und Cimetidin. Da die Menge an Magensäure erheblich reduziert wird, heilt das Magengeschwür in der Regel aus.

Wenn das Magengeschwür durch Helicobacter pylori verursacht wurde:
Die meisten Magengeschwüre entstehen durch eine Infektion mit dem Erreger Helicobacter pylori. Deshalb stellt die Abtötung des Bakteriums einen wichtigen Teil der Behandlung dar.
Wenn die Infektion nicht ausgeheilt ist, kehrt das Magengeschwür vermutlich zurück, sobald die Einnahme der Säureblocker unterbrochen wird.
Zwei Antibiotika sind nötig, um das Bakteriums Helicobacter pylori abzutöten.
Außerdem wird ein Säureblocker verschrieben, der die Magensäure reduziert, damit die Antibiotika wirkungsvoll agieren können. Diese Kombinationstherapie (früher als Tripel-Therapie bezeichnet) muss eine Woche lang befolgt werden. Ein Behandlungszyklus kann die H. pylori in bis zu  90% der Fälle abtöten.
War die Eradikation des H. pylori erfolgreich, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall sehr gering. Nur in seltenen Fällen kommt nach einer Helicobacter-Infektion eine Rezidivbildung vor.

Wenn das Magengeschwür durch entzündungshemmende Medikamente verursacht wurde:
Falls möglich, sollten die magenschädlichen Entzündungshemmer abgesetzt werden, damit das Magengeschwür heilen kann. Zusätzlich wird meist ein Säureblocker eingesetzt, der einige Wochen lang einzunehmen ist; der unterbindet die Produktion von Magensäure, was eine Heilung des Geschwürs ermöglicht.
Manchmal ist die Einnahme der Entzündungshemmer jedoch unterlässlich, um die Symptome einer Arthritis oder anderer Erkrankungen zu lindern oder Blutgerinnseln vorzubeugen (Aspirin). In diesen Fällen kann die Lösung darin bestehen, den Säureblocker langfristig jeden Tag einzunehmen; auf diese Weise wird die Menge der produzierten Magensäure reduziert und die Wahrscheinlichkeit für die Neubildung eines Geschwürs beträchtlich vermindert.

 

Chirurgische Behandlung

Früher war ein chirurgischer Eingriff zur Behandlung eines Magengeschwürs notwendig.
Das war, bevor man wusste, dass hauptsächlich Helicobacter pylori für das Auftreten von Magengeschwüren verantwortlich waren, und bevor die modernen Säureblocker entwickelt wurden.
Heutzutage wird eine Operation eigentlich nur noch bei Notfällen durchgeführt, wenn eine Komplikation auftritt, wie eine starke Blutung oder ein Magendurchbruch.

Nach der Therapie
Man solle ein paar Wochen nach Beendigung der Behandlung erneut eine Bauchspiegelung durchführen. Auf diese Weise kann kontrolliert werden, dass das Magengeschwür ausgeheilt ist; außerdem kann sichergestellt werden, dass es nicht durch Magenkrebs entstanden ist. War der Erreger Helicobacter pylori die Ursache des Magengeschwürs, sollte auch hier ein Test bestätigen, dass die Bakterien vollständig eliminiert wurden. Der Test sollte frühestens vier Wochen nach der Therapie durchgeführt werden.
Wenn der Test negativ ausfällt, ist die Infektion geheilt. Wenn das Bakterium noch präsent ist, kann der Arzt die medikamentöse Behandlung wiederholen und dabei andere Antibiotika verwenden.

 

Was soll man essen? Ernährung bei Magengeschwür

Manche Patienten können trotz Magengeschwür essen was sie wollen, bei anderen dagegen flammen die Symptome auf, sobald sie bestimmte Nahrungsmittel zu sich nehmen.
Ein Ess-Tagebuch kann helfen herauszufinden, welche Lebensmittel die Schmerzen auslösen.
Wer will, kann auch zunächst einfach alles meiden, was eine allgemein reizende Wirkung für die Magenschleimhaut hat; dazu zählen:

  • Kaffee, Tee, Sodawasser und andere kohlensäure- und koffeinhaltige Getränke
  • alkoholische Getränke oder Cocktails
  • Milch; erhöht deutlich die Magensäureproduktion
  • fettige Speisen
  • frittierte Speisen
  • scharfes Essen
  • Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen usw.), aber der Verzehr von anderem Obst ist wichtig,
  • Tomatengerichte; es ist jedoch wichtig, viel anderes Gemüse zu essen.

Zu den natürlichen Heilmitteln gegen das Brennen im Magen zählt Natriumhydrogenkarbonat (Natron); einen Löffel davon in Wasser auflösen und nach den Mahlzeiten zu sich nehmen.
Die Wirkung ist nur von kurzer Dauer, mancher setzt es auch zur Förderung der Verdauung ein.
Um die Heilung zu beschleunigen, empfiehlt es sich, Ingwertee zu trinken und Lebensmittel mit einem hohen Zinkanteil zu verzehren, wie Getreide (Hafer und Gerste) und Hülsenfrüchte (Erbsen).

Warum  heilt das Magengeschwür nicht?
Mit der entsprechenden Behandlung lässt sich ein Magengeschwür innerhalb von ein bis zwei Wochen auskurieren; wenn es sich nicht heilen lässt, wird es als therapieresistent bezeichnet.
Dafür kann es verschiedene Erklärungen geben:

  • Die Medikamente werden nicht nach Anweisung eingenommen.
  • Einige Typen von Helicobacter pylori sprechen nicht auf die Antibiotika an.
  • Rauchen.
  • Regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln, die das Risiko für Magengeschwüre erhöhen.

Zu den selteneren Ursachen gehören:

  • Extreme Überproduktion von Magensäure, wie beispielsweise beim Zollinger-Ellison-Syndrom.
  • Infektion, die nicht durch Helicobacter pylori hervorgerufen wird.
  • Magenkrebs.
  • Andere Krankheiten, die wunde Stellen, wie Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre, hervorrufen können, beispielsweise der Morbus Crohn.

Die Behandlung von therapieresistenten Geschwüren erfordert in der Regel das Vermeiden aller Faktoren, die die Heilung beeinträchtigen können, sowie die Einnahme anderer Antibiotika.