Lungenentzündung – viral oder bakteriell

Die Lungenentzündung ist eine Entzündung der Lungenalveolen, sie kann die Folge einer bakteriellen oder viralen Infektion sein, doch es gibt auch noch andere Ursachen.

 

Bakterielle Lungenentzündung

Bakterien sind vor allem nach ihrer Färbbarkeit klassifiziert in:

Grampositiv – diese grampositiven Bakterien haben eine dicke, kompakte Zellwand aus einer Peptidoglykanschicht:

  • Staphylococcus
  • Micrococcus
  • Lactococcus
  • Clostridium
  • Bacillus
  • Streptococcus pneumoniae (Pneumococcus): am häufigsten
  • Enterococcus

Gramnegativ – diese haben eine viel dünnere und weniger kompakte Zellwand als Grampositive. Die meisten gramnegativen Bakterien sind mit einer Kapsel umgeben, die sie resistent gegenüber der Wirkung von Antibiotika macht:

  • Enterobacteriaceae (Klebsiellen)
  • Vibrionaceae
  • Pseudomonas (ist die problematischste Form).
mycobacterium-tuberculosis

Mycobacterium tuberculosis

Häufigste Bakterien

  • Pneumococcus
  • Staphylococcus aureus
  • Haemophilus influenzae
  • Mycoplasma

Weniger häufige Ursachen

  • Anaerobe Bakterien
  • Tuberkulose.

15 % der ambulant erworbenen Lungenentzündungen sind polymikrobiellen Typs.

 

Lungenentzündung durch Pneumococcus

Pneumococcus (Streptococcus pneumoniae) ist ein umkapselter grampositiver Mikroorganismus, der sich in der Nasenhöhle von 20-40% aller gesunden Personen befindet.
Allerdings findet man hier vor allem die nicht schädlichen Serotypen dieses Mikroorganismus.
Die serotypisch aggressiveren Serotypen können in den Nasennebenhöhlen und im Rachen gesunder Menschen isoliert werden:

  • im Winter,
  • bei einer Lungenentzündungsepidemie.

Allerdings reicht auf dieser Ebene die bloße Anwesenheit der Keime nicht aus, um eine Lungenentzündung zu verursachen.

In der Regel muss eine Virusinfektion vorliegen, die der Lungenentzündung durch Pneumokokken vorausgeht.

Dies ist besonders wichtig, weil dadurch auf den Alveolarzellen das Auftreten von Rezeptoren eines Entzündungsmediators induziert wird: den PAF (Platelet Activating Factor oder Plättchen-aktivierenden Faktor), der Phosphocholin  enthält.
In der Zellwand des Pneumococcus befindet sich Phosphocholin, deshalb können diese Mikroorganismen von den PAF-Rezeptoren profitieren, um sich an die Wand der Alveolen zu heften (dieses Anhaften wird durch die Bakterienkapsel nicht verhindert).

Die Polysaccharidkapsel der Pneumokokken ist sehr wichtig, denn sie schützt diese Mikroorganismen vor neutrophilen Granulozyten.
Die Phagozytose ist erst nach Bildung spezifischer Antikörper gegen die Antigene der Polysaccharide der Kapsel möglich.
Daher können sich Pneumokokken ohne Antibiotika über mehrere Tage frei vermehren, bis ein ausreichendes Antikörperniveau im Blut erreicht wurde.
Kapselpolysaccharide sind jedoch nicht gefährlich.

Manche Komponenten der Bakterienzellwand sind wichtig, denn:

  • Sie haben eine wichtige entzündungsfördernde Wirkung,
  • Sie üben einen deutlich positiven chemotaktischen Effekt (Attraktion) auf neutrophile Granulozyten aus,
  • Sie begünstigen die entzündliche Flüssigkeitsansammlung und die Migration der Blutzellen (einschließlich der roten Blutkörperchen) aus den Kapillaren.

Die Folge ist die Trennung der endothelialen (der Schleimhaut) und alveolären Zellen.


Die löslichen Komponenten, die sich durch den Abbau der Pneumokokkenzellwand ergeben, sind besonders aktiv und das erklärt, warum sich die Symptome und Zeichen der Lungenentzündung verschlechtern können während:

  • der Phagozytose (Verdauung) der Mikroorganismen (nach Bildung der antikapsulären Antikörper),
  • der Zerstörung durch Antibiotika.

Daher ist die Sterblichkeit bei einer Pneumokokken-Pneumonie nicht von der Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) abhängig, die durch die Ausbreitung der Entzündung in der Lunge bestimmt wird, sondern von der Konzentration der Zellwandkomponenten.
Ist diese erhöht, verursacht die Zerstörung der Mikroorganismen den Tod des Patienten durch einen septischen Schock.
Schließlich ist ein intrazelluläres Protein der Pneumokokken (Pneumolysin) praktisch in allen Zellen der Lunge giftig.

Es gibt verschiedene Serotypen von Streptococcus pneumoniae. Aus diesem Grund ist die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs sehr langwierig und kompliziert.
Der heutzutage am häufigsten verwendete Impfstoff ist:

  • das 23-valente Polysaccharid für Erwachsene, gerichtet gegen die 23 in westlichen Ländern am häufigsten auftretenden Serotypen,
  • der heptavalente konjugierte Impfstoff für Kinder.

Streptococcus pneumoniae ist häufig bei Patienten:

  • mit Zirrhose,
  • mit chronischen kardiopulmonalen Erkrankungen, bei denen offensichtlich der Übergang aus dem Bereich der Nase (wo sich gewöhnlich eine Bakterienflora befindet) zu den tieferen Bereichen erleichtert wird.

Die Mortalität liegt bei 30 von 100.000 Personen, bei älteren Menschen sogar noch höher.

 

Lungenentzündung durch Haemophilus influenzae

Haemophilus influenzae Typ B: ist die zweithäufigste Art.
Sie kommt oft bei Patienten mit chronischer Bronchialerkrankung vor.
Ein Impfstoff ist verfügbar, doch er wird nur für bestimmte Personen benutzt, weil die Wirksamkeit begrenzt ist.
Sie ist eine häufige Ursache für Meningitis, vor allem bei Kindern.
Von der Lunge ausgehend kann dieses Bakterium über die Blutbahn das Zentralnervensystem erreichen und dort zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

 

Lungenentzündung durch gramnegative Bakterien

Gramnegative Bakterien betreffen vor allem:

  • sehr kranke und abgezehrte Personen,
  • ältere Menschen,
  • Patienten mit chronischen Erkrankungen.
Pseudomonas-aeruginosa

Pseudomonas aeruginosa

Pseudomonas: betrifft vor allem ältere und sehr kranke Patienten.
Entwickelt sich oft bei Patienten, die über lange Zeit eine Antibiotikabehandlung bekamen.
Die Folge ist der Verlust der normalen Bakterienflora im Rachenraum und den Nasenhöhlen, die das Eindringen schädlicher Bakterienstrukturen begrenzt.

Klebsiella pneumoniae ist ein gramnegativer Bazillus, der zu schweren Lungenentzündungen führen kann, wobei die Sterblichkeit sogar 20-50 % erreichen kann.
Verursacher der Friedländer-Pneumonie.
In der Regel entwickelt dieser Keim eine besondere Aggressivität bei:

  • Alkoholkranken,
  • Stationär aufgenommenen älteren Menschen,
  • Kranken mit chronischer Bronchitis oder Diabetes.

Bei diesen Personen kann Klebsiella pneumoniae dauerhaft den gesamten Bronchialbaum befallen.

Staphylococcus aureus: selten in Gemeinschaften (2%), häufiger im Krankenhaus (10-15% der nosokomialen Pneumonien), weil es sich leider um einen resistenten Keim handelt, der multiple Medikamentenresistenzen entwickelt.
Staphylococcus aureus ist auch ein Saprophyt (Bakterium, das sich von abgestorbenen oder zersetzenden Organismen ernährt) und ist enorm verbreitet, vor allem auf der Haut.
Wie Pneumococcus kann auch Staphylococcus eine Lungenentzündung bei zuvor gesunden Personen verursachen, auch wenn es sich dabei gewöhnlich um eine Komplikation bei Grippe handelt.

Legionella-pneumophila

Legionella

Legionella pneumophila: ist ein Bakterium, das in Gewässern lebt, in der Regel befindet es sich in Protozoen, die sehr reichlich in feuchter Umgebung vorkommen. Es überlebt auch sehr niedrige Temperaturen und wird durch kontaminierte Aerosole (aus Wassersystemen, Duschen, Brunnen, Klimaanlagen usw.) übertragen.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht festgestellt.

Es kann auch zum unweigerlich tödlichen Ausgang führen, wenn es nicht:

  • erkannt wird,
  • schnell behandelt wird.

Es gibt verschiedene Spezies von Legionella, doch die gefährlichste Art ist sicherlich Legionella pneumophila Serotyp 1:

Legionella kann sich in 2 Formen zeigen:

  1. Form der einfachen Grippe (Pontiac-Fieber)
  2. Legionärskrankheit (systemische Form, eine schwerwiegende Form der Lungenentzündung)

 

Bakterien, die im Kontext eine Lungenentzündung verursachen

  • Vormals gesunde Personen: Streptococcus pneumoniae
  • Komplikation einer Viruserkrankung: Streptococcus pneumoniae und Staphylococcus aureus
  • Vorbestehende chronische Lungenerkrankung, Diabetes oder Alkoholismus: Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und Klebsiella pneumoniae
  • Immungeschwächte Patienten (Neoplasie, Therapie mit Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva): Streptococcus pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa, Enterobacteriaceae und anaerobe Bakterien
  • Aspirationspneumonie: Enterobacteriaceae und anaerobe Bakterien
  • Stationäre Patienten: Pneumococcus, Mykoplasma oder Haemophilus influenzae
  • Patienten eines Gebietes: Streptococcus, Mykoplasma und Haemophilus
  • Drogenabhängige Patienten: Staphylococcus
  • Patienten während eines Hotelaufenthaltes: Legionella

In jedem Fall gibt es keine prädiktiven klinischen Merkmale eines Erregers.

Darüber hinaus wird in 50 % der Fälle der verantwortliche Mikroorganismus nicht gefunden.
Heute verschreibt der Arzt auch eine Therapie, ohne genau das Bakterium zu kennen, das eine Lungenentzündung verursacht hat, indem er auf empirische Erfahrungen zurückgreift, was meist zum Erfolg führt.
 

Virale Lungenentzündung

Viren können:

  • die Lunge schwer befallen,
  • ein sehr schwerwiegendes klinisches Bild verursachen.

Gründe sind:

  • Es gibt wenig wirksame antivirale Medikamente.
  • Gewöhnlich verursachen sie eine interstitielle Pneumonie und betreffen somit die gesamten Lungen.

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Die bakterielle Lungenentzündung ist Folge einer Virusinfektion.
  • Das Virus verursacht direkt eine Lungenentzündung.

Diese Viren greifen die Alveolen an, indem sie eine erste Entzündung im Bereich des Interstitiums verursachen. Außerdem können sie zur Bildung von hyalinen Membranen (faserreich) führen, die:

  • den Atemaustausch blockieren,
  • das Respiratory Distress Syndrom oder ARDS (eine schwere Form der Ateminsuffizienz) verursachen.

Gewöhnlich betrifft sie Kleinkinder, selten Erwachsene.

Der Verlauf ist:

  • Beginn mit einer viralen Form der oberen Atemwege (Pharyngitis, Erkältung),
  • Dann beginnt sich der Patient mehr und mehr zu verschlechtern, mit einem trockenen Husten und einer Reihe von Beschwerden, vor allem wenn sich hyaline Membranen ausbilden.

Zur Diagnose:

  • Die Auskultation des Brustkorbs ist negativ.
  • Die Ergebnisse der Laboruntersuchung sind unspezifisch.
  • Die Röntgenaufnahme des Thorax ist ausschlaggebend für die Diagnose.

Da es sich um eine systemische Erkrankung handelt, kann diese verursachen:

  • Lymphknotenvergrößerung,
  • Milzvergrößerung,
  • andere Symptome, wie eine Entzündung der Hirnhäute.

Sie kann sich verkomplizieren bei:

  • einer bakteriellen Infektion,
  • ARDS (ist für diese Viren nicht spezifisch und kann auch durch die Inhalation von Gas, eine Überdosis Heroin und Narkotika auftreten).

Es ist eine Influenza-Pneumonie:

  • Die Lunge ist entzündet und voller Flüssigkeit.
  • Es kommt zu einer vermehrten Durchblutung.
  • Es bilden sich hyaline Membranen, verursacht durch einen ausgedehnten alveolären Schaden.

 

Lungenentzündung durch SARS

SARS ist ein ernsthaftes, akutes virusbedingtes Atemwegssyndrom, das vor einigen Jahren weltweit auftauchte.
Die erste Epidemie, die von Tieren ausging, trat in einer chinesischen Provinz auf. Alles verlief unbemerkt, bis sich im Jahr 2002 ein Arzt aus diesem Gebiet in einem Hotel in Hongkong aufhielt.
All diejenigen, die sich in derselben Etage aufhielten, erkrankten und durch ihre Weiterreise verbreitete sich die Krankheit.
Es gab über 3000 Fälle und 165 Tote.

Es handelt sich dabei um ein Coronavirus (erst viel später entdeckt), das gewöhnlich keine Symptome beim Menschen hervorruft. Es kann aber ganz besondere Probleme bei Tieren hervorrufen und erst über das Vieh ist diese Infektion aufgetreten.
Sicherlich hat der Mensch keinen Trägerstatus, man denkt hauptsächlich an Tiere, doch noch immer hat man darüber keine Gewissheit.

Merkmale:

  • Inkubationszeit: 2 Wochen.
  • Trockener Husten (wie durch Rauch).
  • SARS konnte mit Ribavirin (Virostatikum, das auch bei Hepatitis angewandt wird) erfolgreich behandelt werden.
  • Es gibt keine Berichte über SARS-Endemien.