Niedrige Thrombozyten oder Thrombozytopenie

Erniedrigte Thrombozyten (oder Thrombozytopenie) bestehen, wenn die Werte dieser Zellen im Blut unterhalb von 150.000 pro Milliliter Blut betragen.

Die Thrombozyten sind für die Blutgerinnung verantwortlich. Es ist daher sehr wichtig, die Anzahl der Thrombozyten innerhalb der normalen Spiegel zu halten.

Thrombozyten,niedrigDas Blut des Menschen besteht aus drei Zellkomponenten: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten).
Thrombozyten spielen eine wichtige Rolle beim Heilungsprozess von Läsionen und bei der Bildung von Blutgerinnseln im Falle von Verletzungen.
Es sind unregelmäßig geformte, mikroskopisch kleine Zellen ohne Zellkern.
Thrombozyten stammen aus Knochenmarkszellen, die Megakariozyten genannt werden.
Der Normalbereich der Blutplättchenzahl variiert zwischen 150.000 und 400.000 pro μl (Mikroliter).
Werte, die leicht unter oder über diesem Bereich liegen, können gefährliche Folgen haben.

 

Ursachen für erniedrigte Thrombozyten

Thrombozyteneinschluss in der Milz
Die Milz ist ein kleines Organ von der Größe einer Faust, das sich direkt unter dem Brustkorb auf der linken Seite des Abdomens befindet.
Die Milz bekämpft normalerweise Infektionen und filtert unerwünschte Substanzen aus dem Blut.
Bei einer durch verschiedene Störungen hervorgerufenen Splenomegalie (Milzvergrößerung) kann eine übermäßige Menge an Thrombozyten in der Milz eingeschlossen werden und eine ständige Verringerung dieser Zellen im Blut verursachen.


Verringerte Thrombozytenproduktion
Thrombozyten werden im Knochenmark produziert.
Krankheiten, die das Knochenmark betreffen, wie Leukämie (Blutkrebs), multiples Myelom und einige Arten der Anämie, können die Erzeugung neuer Blutplättchen vermindern.
Regelblutungen, die während des Menstruationszyklus auftreten, können einen starken Blutverlust verursachen, der zur Thrombozytopenie führt.
Virusinfektionen (zum Beispiel Mononukleose, HIV und Herpes) können die Fähigkeit des Knochenmarks, Blutplättchen zu bilden, herabsetzen.
Chemisch-toxische Substanzen, Chemotherapeutika und Alkoholmissbrauch können die Anzahl der Thrombozyten verringern.

Vermehrte Nutzung von Thrombozyten
Manche Krankheiten können dazu führen, dass die Blutplättchen schneller verbraucht oder zerstört werden, als sie erzeugt werden können. Es kommt also zu einem Thrombozytenmangel im Blutfluss. Einige Beispiele:

  • Die Schwangerschaft kann eine leichte Thrombozytopenie verursachen.
  • Idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP). Bei der ITP bildet das Immunsystem Antikörper, die irrtümlicherweise die Thrombozyten bekämpfen.
  • Autoimmunkrankheiten, bei denen das Immunsystem gesundes Gewebe bekämpft, können eine Thrombozytopenie verursachen. Dazu gehören zum Beispiel Lupus und rheumatoide Arthritis.
  • Bakterien im Blut. Schwere bakterielle Infektionen des Blutes (Bakteriämie) können zur Zerstörung der Blutplättchen führen. In diesem Fall hat der Patient auch hohes Fieber.
  • Die thrombotische thrombozytopenische Purpura (TTP) ist eine seltene Krankheit, die auftritt, wenn sich plötzlich im ganzen Körper kleine Blutgerinnsel bilden. Dies führt zu einem Verbrauch der Blutplättchen in großen Mengen.
  • Hämolytisch urämisches Syndrom. Diese seltene Erkrankung verursacht einen starken Abfall der Thrombozyten, eine Zerstörung der roten Blutkörperchen und eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Manchmal tritt sie zusammen mit einer bakteriellen Infektion mit Escherichia coli auf, die man durch den Verzehr von rohem oder wenig gekochtem Fleisch aufnehmen kann.
  • Pharmaka. Manche Pharmaka können die Thrombozytenzahl im Blut verringern oder das Immunsystem durcheinander bringen, das die Blutplättchen zerstört. Einige Beispiele sind Heparin, Chinidin, Chinin, Sulfonamid-Antibiotika, Interferon, Antikonvulsiva, Chemotherapeutika und Goldsalze.

 

Erniedrigte Thrombozyten in der Schwangerschaft

Auch wenn Frauen bereits vor einer Schwangerschaft erniedrigte Thrombozyten haben können, ist die Entwicklung dieser Erkrankung während der Schwangerschaft häufig.
Es wird angenommen, dass dies auf die Erhöhung des Blutplasmavolumens zurückzuführen ist.
Erhöht sich das Blutplasma, verringert sich die Anzahl der anwesenden Zellen pro Milliliter Blut.
Einige Frauen haben niedrige Thrombozytenzahlen im letzten Schwangerschaftsdrittel (vor allem im achten und neunten Monat).
Diese Erkrankung wird als Gestations-Thrombozytopenie bezeichnet.
Eines der mit erniedrigten Blutplättchen verbundenen Probleme ist, dass man vor der Geburt zur Schmerzlinderung keine Epiduralanästhesie machen kann.

 

Erniedrigte Blutplättchen bei Kindern

Idiopathische thrombozytopenische Purpura
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die häufigste Ursache für die vermehrte Zerstörung von Blutplättchen die idiopathische thrombozytopenische Purpura. Diese Krankheit tritt auf, wenn der Körper irrtümlich die Thrombozyten als Fremdzellen identifiziert. Der Körper bildet Antikörper gegen die Blutplättchen, die dann durch das Immunsystem zerstört werden. Das führt zu einer plötzlichen Abnahme der Thrombozyten.
Die meisten Kinder mit ITP hatten zuvor eine virale Erkrankung, die diese abnormale Immunantwort ausgelöst hat. Oft zeigen Kinder mit ITP Nasenbluten (Epistaxis), kleine Hautblutungen (Ekchymosen) und Blutungen des Zahnfleischs oder anderer Bereiche.
Frühgeborene werden mit einer Anzahl von leicht erniedrigten Thrombozyten geboren, doch innerhalb von 2 Wochen steigt ihre Zahl auf den Normalwert an.

Bei Kindern ist das hämolytisch-urämische Syndrom oder HUS eine andere häufige Erkrankung, die zur Thrombozytopenie führt.
Sie entsteht nach einer Infektion mit einem speziellen Stamm von E. coli, der eine häufige Ursache für Durchfall und Lebensmittelvergiftung ist. Ein von HUS betroffenes Kind leidet unter Niereninsuffizienz und Thrombozytopenie.

Niedrige Blutplättchen bei der Geburt (angeboren) können durch eine Autoimmunreaktion der mütterlichen Antikörper verursacht sein.

 

Symptome bei niedrigen Blutplättchen

Eines der offensichtlichsten Symptome bei erniedrigten Blutplättchen ist die Blutung.
Nase, Zahnfleisch oder die Wangen im Innern des Mundes bluten ohne Grund.
Bei einer kleinen Verletzung hört die Blutung (Hämorrhagie) über längere Zeit nicht auf.
Es ist möglich, dass sich eine Blutung im Innern des Körpers ereignet, die sich als Hämatom oder blauer Fleck darstellt.
Das Hauptsymptom einer inneren Blutung aufgrund von Purpura ist das Erscheinen von roten oder violetten Flecken auf der Haut.
Manche kleine violette oder rötliche Flecke auf dem Körper, die wie ein Hautausschlag erscheinen, sind auch ein Symptom von niedrigen Thrombozytenzahlen im Blut.
Man nennt sie blutende Petechien.
Frauen mit erniedrigten Thrombozytenzahlen, können während der Menstruation starke Blutungen haben.

Andere Symptome sind:

  1. Müdigkeit,
  2. leichtes Auftreten von Ekchymosen,
  3. Unsicherheit,
  4. unmotivierte Angst

 

Niedrige Thrombozyten oder Thrombozytopenie
Niedrige Thrombozyten oder Thrombozytopenie

Komplikationen oder Auswirkungen hoher oder niedriger Thrombozytenzahlen

Die Folge erhöhter oder erniedrigter Blutplättchen kann tödlich sein. Gründe dafür sind:

Niedrige Blutplättchenzahl
Die niedrige Blutplättchenzahl oder Thrombozytopenie kann verursacht sein durch zu geringe Produktion, vermehrte Zerstörung oder erhöhten Thrombozytenverbrauch.

Die idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) ist eines der Beispiele für niedrige Blutplättchenzahl aufgrund der abnormalen Zerstörung der Thrombozyten.
Das kann zu einer fortdauernden Blutung einer Verletzung führen, da Thrombozyten fehlen, die die Wunde heilen können.

Wann muss man sich Sorgen machen?
Eine Thrombozytenzahl unter 50.000/μl kann gefährlich sein.


Erhöhte Blutplättchenzahl
Eine erhöhte Blutplättchenzahl oder Thrombozytose kann Folge einer vermehrten Produktion oder einer unwirksamen Zerstörung alter Thrombozyten durch den Organismus sein.
Einige Krankheiten, Läsionen, Medikamente oder chirurgische Eingriffe können die Produktion der Blutplättchen erhöhen.
Eine erhöhte Thrombozytenzahl kann zur Bildung einer tiefen Beinvenenthrombose und zum Gefäßverschluss führen, der einen Myokardinfarkt, Schlaganfall, Blutgerinnsel im Gehirn usw. zur Folge haben kann.

 

Diagnose der Thrombozytopenie

Normalerweise wird eine Thrombozytopenie durch eine routinemäßige Blutuntersuchung festgestellt, die aus anderen Gründen vorgenommen wurde. Die Blutplättchen sind Bestandteil des großen Blutbilds, das auch Auskunft über rote und weiße Blutkörperchen gibt.
Die vollständige Analyse der anderen Komponenten aus dem großen Blutbild ist bei der Bewertung niedriger Thrombozytenzahlen wichtig. Das große Blutbild kann auf anderer Blutkrankheiten hinweisen, wie:

  1. Erythrozytose (erhöhte Zahl roter Blutkörperchen oder Hämoglobin),
  2. Leukopenie (erniedrigte Zahl weißer Blutkörperchen),
  3. Leukozytose (weiße Blutkörperchen erhöht). Leukozyten enthalten: Monozyten, Eosiniphile, Neutrophile, Basophile oder Lymphozyten).

Eine Eisenmangelanämie oder ein Defizit an Vitamin B12 und Folsäure verursacht die Thrombozytopenie.
Die aplastische Anämie verursacht eine Reduktion aller Blutzellen, führt also auch zu erniedrigten Erythrozyten, erniedrigten Blutplättchen und erniedrigten weißen Blutkörperchen (Lymphozyten, Monozyten usw.).Aplastische Anämie,Knochenmark,Thrombozyten
Diese Anomalien können auf Probleme im Knochenmark hinweisen, die zu einer Thrombozytopenie führen.
Rote Blutkörperchen von abnormer oder zerbrochener Form (Schistozyten), die im Blutausstrich beobachtet werden, können ein Hinweis auf HELLP, TTP oder HUS sein.
Eine andere Untersuchung aus dem großen Blutbild ist das mittlere Thrombozytenvolumen MTV, das ist eine Schätzung der durchschnittlichen Größe der Blutplättchen.
Eine niedrige Zahl des MTV im Blut weist auf ein Problem bei der Produktion der Thrombozyten hin, während eine erhöhte Zahl auf eine vermehrte Zerstörung hinweisen kann.

Es ist wichtig, auch andere Untersuchungen des Blutes vorzunehmen, einschließlich das umfassende metabolische Panel, die Gerinnung und Urinanalyse.
Manche Anomalien in diesem Test sind typisch für Leberzirrhose (Thrombozyten erniedrigt, Bilirubin erhöht), Niereninsuffizienz (mit Azotämie und erhöhtem Kreatinin) oder andere zugrunde liegende Erkrankungen.

 

Therapie bei erniedrigten Thrombozyten

Leichtgradige Thrombozytopenie
Viele Fälle einer leichtgradigen Thrombozytopenie benötigen keine Therapie. Die Erkrankung vergeht von selbst.
Bei schwangeren Frauen bessert sich eine leichtgradige Thrombozytopenie nach der Geburt.

Hochgradige Thrombozytopenie
Die Behandlungsmöglichkeiten der Thrombozytopenie können sein:

Behandlung der der Thrombozytopenie zugrunde liegenden Krankheit. Kann der Arzt die Krankheit, die die Thrombozytopenie verursacht, identifizieren und behandeln, können sich die Anzeichen und Symptome der betroffenen Person bessern.
Beispielsweise verschreibt der Arzt bei einer idiopathischen autoimmunen Thrombozytopenie Kortikosteroide, um die Entzündungsreaktion des Körpers zu verringern, zum Beispiel Kortison.
Dexamethason und Betamethason (Kortisone) sind empfohlen, da sie eine hämostatische Wirkung haben.

Bluttransfusionen. Ist der Thrombozytenspiegel zu niedrig, muss der Arzt den Blutverlust durch eine Transfusion roter Blutkörperchen und Blutplättchen ausgleichen.
Die Therapie der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura beinhaltet Pharmaka, die die Antikörper gegen die Thrombozyten blockieren, wie Kortikosteroide. Helfen Kortikosteroide nicht, muss der Arzt die operative Milzentfernung (Splenektomie) erwägen oder stärkere Medikamente einsetzen, die das Immunsystem unterdrücken.

 

Hausmittel bei niedriger Blutplättchenzahl

Aktivitäten vermeiden, die zu Verletzungen führen könnten. Kontaktsportarten wie Boxen und Fußball stellen ein zu hohes Blutungsrisiko dar.

Alkohol nur in Maßen genießen, denn er kann die Produktion der Blutblättchen im Körper verlangsamen.

Vorsicht bei der Einnahme nicht verschreibungspflichtiger Medikamente. Frei verkäufliche Schmerzmittel, die die Funktion der Thrombozyten beeinflussen können, sind zum Beispiel Aspirin und Ibuprofen (Aktren, Dolormin und andere).