Erhöhter Hämatokrit

Der Hämatokrit ist ein wichtiger Wert bei der Blutuntersuchung, der den Volumenanteil der roten Blutkörperchen im zirkulierenden Blut anzeigt.

Dieser Wert ist Teil des kompletten Blutbildes.
Hämoglobin ist ein Protein in den roten Blutkörperchen.

Erhöhter Hämatokrit
Erhöhter Hämatokrit

Die Hämoglobinwerte weisen darauf hin, ob ein Mensch unter Anämie (also unter einem Mangel an roten Blutkörperchen), an erniedrigtem Hämoglobin oder an beidem leidet.

 

Normalwerte des Hämatokrits

Normale Hämatokritwerte hängen von Alter und Geschlecht des Betreffenden ab.

Normale Werte sind:

  • Neugeborene: 55% bis 68 %
  • Babys im Alter von 1 Woche: 47-65 %
  • Babys im Alter von 1 Monat: 37-49 %
  • Babys im Alter von 3 Monaten: 30-36 %
  • Kinder im Alter von 1 Jahr: 29-41 %
  • Kinder im Alter von 10 Jahren: 36-40 %
  • Erwachsene Männer: 42-54 %
  • Erwachsene Frauen: 38-46 %

Männer haben einen höheren Hämatokrit, da sie mehr Testosteron als Frauen haben.

 


Ursachen von erhöhtem Hämatokrit

Dehydratation
Die Dehydratation verringert den Plasmaspiegel im Blut.
Plasma ist die flüssige Komponente des Blutes, die rote und weiße Blutkörperchen enthält.
Verringert sich der prozentuale Anteil des Plasmas, befindet sich im Körper ein erhöhter Hämatokritspiegel.
Erhöhtes Hämatokrit wird als relativ bezeichnet, wenn es durch die Verringerung des Plasmavolumens entsteht.
In diesem Fall muss man viel trinken, um das richtige Maß an Hämatokrit wiederherzustellen.

Polycythaemia vera
Dies ist eine Erkrankung des Knochenmarks, die durch eine hohe Zahl roter Blutkörperchen gekennzeichnet ist.
Knochenmark ist ein Gewebe, das sich im Innern der Knochen befindet und der Produktion der roten Blutkörperchen dient.
Bei der Polycythaemia vera funktioniert das Knochenmark nicht richtig.
Die Folge sind eine vermehrte Produktion von Erythrozyten und erhöhte Hämatokritwerte über 55 %.

Durchfall (Diarrhoe)
Diese Erkrankung verursacht flüssigen Stuhl, der zu hohem Flüssigkeitsverlust führt.
Die Diarrhoe kann das Volumen der Plasmawassers verringern und das Volumen der roten Blutkörperchen erhöhen und somit auch den Hämatokrit.

Erythrozytose
Zu den Ursachen erhöhten Hämatokrits zählt auch die Erythrozytose, eine der Polycythaemia vera ähnliche Erkrankung, die zur Erhöhung der Anzahl roter Blutkörperchen führt.
Ursache ist eine Anomalie in den Stammzellen des Knochenmarks. Sie kann jedoch aufgrund von Sekundärfaktoren, wie eine chronische Lungenerkrankung, auftreten.

Lungenprobleme
Sind die Lungen nicht in der Lage, eine ausreichende Sauerstoffmenge aufzunehmen, reagieren die Nieren, indem sie die Produktion der roten Blutkörperchen erhöhen.
Die Erhöhung der Erythrozytenanzahl ermöglicht es, die Bedürfnisse des Körpers zu erfüllen.
Ein zu hoher Hämatokritspiegel ist oftmals mit chronischen Lungenerkrankungen verbunden, wie das Emphysem, eine Art chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), die zu einer zunehmenden Zerstörung der Alveolen in den Lungen führt.

Morbus Addison
Bei dieser Erkrankung können die Nebennieren, die sich dicht bei den Nieren befinden, nicht genug Hormone (Aldosteron und Kortison) produzieren.
Diese Hormone spielen eine grundlegende Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks.
Blutuntersuchungen bei Morbus-Addison-Patienten zeigen sehr hohe Hämatokritspiegel.

Kongenitale Kardiopathie
Dies ist ein angeborener Herzfehler, bei dem die Struktur des Herzens nicht richtig ausgebildet ist.
Die Kardiopathie behindert die Blutzirkulation im Herzen.
Patienten mit einer kongenitalen Kardiopathie haben niedrige Sauerstoffwerte im Blut.
Die Folge ist, dass der Körper mehr rote Blutkörperchen produziert, um den Sauerstoffspiegel zu verbessern.
Diese Erhöhung der RBC-Produktion kann den Hämatokritwert über das normale Maß erhöhen.


Verbrennungen
Eine schwere Verbrennung kann das Vorhandensein von Plasma stark verringern und die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut dadurch erhöhen.
Bei Blutuntersuchungen zeigt sich dies in Form erhöhter Hämatokritwerte.

Rauchen
Erhöhte Hämatokritwerte werden auch bei Rauchern beobachtet.
Rauch verengt die Blutgefäße und verringert den Sauerstofffluss in die verschiedenen Körperbereiche.
Bei dem Versuch, mehr Sauerstoff bereitzustellen, vermehrt der Körper seine Produktion an roten Blutkörperchen (Sauerstoffträger), somit steigt auch der Hämatokrit an.

Große Höhen
Der Aufenthalt in großer Höhe (in den Bergen) kann die Hämatokritzahl erhöhen.
In größerer Höhe ist die Verfügbarkeit des Sauerstoffs verringert.
Unter diesen Umständen erhöht der Körper seine Erythrozytenproduktion, um der Nachfrage nach Sauerstoff gerecht zu werden. All das trägt dazu bei, das Volumen der roten Blutkörperchen zu erhöhen.

EPO-Doping
EPO wird hauptsächlich zur Behandlung der Anämie (erniedrigte rote Blutkörperchen) verwendet.
Allerdings missbrauchen Sportler diese Substanz zur Leistungssteigerung. Wer Sport treibt und hohe Dosen EPO eingenommen hat, hat mehr Erythrozyten und damit einen erhöhten Hämatokritwert.
Nutzen oder Vorteil eines erhöhten Hämatokrits bestehen in vermehrtem Sauerstoff im Blut.

 

Rote Blutkörperchen,HämatokritSymptome erhöhten Hämatokrits

Zu Beginn kann eine Person Muskelschwäche und Müdigkeit verspüren.

Zu den Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen,
  • starkes Schwitzen,
  • Schwindel,
  • Fieber,
  • Flecke auf der Haut,
  • Juckreiz vor allem nach der Dusche oder dem Bad,
  • blau-violette oder purpurfarbene Flecke ähnlich Blutergüssen, die sich auf beliebigen Stellen der Haut bilden können,
  • Blut im Stuhl,
  • dunkler gefärbte Zehen und Finger,
  • Gelenk- und Muskelschmerzen aufgrund des dickeren Blutes und der verlangsamten Blutzirkulation,
  • Brustschmerzen,
  • Atemnot,
  • Gewichtsverlust.

Viele Patienten fragen, ob Kribbeln durch einen erhöhten Hämatokrit verursacht wird, aber da besteht keine Verbindung.

 

Komplikationen und Risiken

Bleiben Hämatokritwerte stark erhöht, hat die betreffende Person ein höheres Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (tiefe Beinvenenthrombose), Herzkrankheiten und Schlaganfall.
Diese Krankheiten können tödlich enden, vor allem wenn der Betreffende auch noch unter einer Hypertension (hoher Blutdruck) leidet.
Wenn die Krankheit, die eine hohe Anzahl roter Blutkörperchen verursacht, geheilt ist, verringern sich diese Effekte oder verschwinden ganz.

 

Injektionsspritze,Blutgerinngsmittel
Blutgerinnungsmittel (Antikoagulans)

Hohe Hämatokrit- und Hämoglobinspiegel

Hohe Hämatokrit- und Hämoglobinspiegel liegen vor, wenn das Plasma verringert ist oder wenn die Zahl der roten Blutkörperchen zunimmt.
Ursachen dafür sind:

  • Dengue-Fieber, das die Risiken eines Dengue-Schock-Syndroms erhöht, verursacht durch Blutverlust (zum Beispiel aus der Nase).
  • Die Polycythaemia vera ist eine Erkrankung, bei der das Knochenmark zu viele rote Blutkörperchen produziert, was zu erhöhtem Hämatokrit führen kann.
  • Einige Lungenkrankheiten (wie die chronisch obstruktive Bronchopneumopathie) verursachen Symptome wie Hypoxie (Sauerstoffmangel) und können zur vermehrten Produktion roter Blutkörperchen führen.
  • Manchmal kann eine schwere Dehydratation eine Verminderung des Plasmas verursachen und somit zur Erhöhung der Erythrozytenkonzentration führen.

 

Niedriger Hämoglobinspiegel und verminderter Hämatokrit

Verminderter Hämatokrit und erniedrigtes Hämoglobin können durch verschiedene Krankheiten verursacht sein.
Eine der schwerwiegendsten Ursachen ist die Hämorrhagie (Blutung).

Eine Hämorrhagie kann innerlich oder äußerlich auftreten.
Die Hämorrhagie verursacht einen bedeutsamen Blutverlust, der zu einem exzessiven Verlust der Erythrozyten führen kann.
In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, eine Blutuntersuchung vorzunehmen, um das mittlere korpuskuläre Volumen zu kontrollieren.
Eine der häufigsten Ursachen für erniedrigtes Hämoglobin und Hämatokrit ist die Anämie.
Die Anämie ist eine schwerwiegende Krankheit, bei der das Hämoglobin unter 7mg/dl abfällt.
Zu den anderen Ursachen zählt auch die Leukämie, das ist ein Tumor, der Veränderungen in der Anzahl der Blutzellen verursacht.

Der Abfall des Hämatokrits kann vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel erfolgen, weil sich das Plasmavolumen vergrößert.
Die Menopause hat keinen Einfluss auf den Hämatokrit.

 

Was kann man zur Absenkung tun? Welches sind die Behandlungsmöglichkeiten bei erniedrigtem oder erhöhtem Hämatokrit?

Die Therapie bei erhöhtem oder erniedrigtem Hämatokrit hängt von der Ursache, den Werten und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Betreffenden ab.

Die meisten Menschen nehmen keine Medizin und verfolgen keinerlei Therapie, wenn der Hämatokrit leicht über dem Normalwert liegt.
Einige Patienten mit sehr hohem Hämatokrit aufgrund von Erkrankungen wie Polycythaemia vera können einen Aderlass (Blutentnahme) oder niedrig dosiertes Aspirin benötigen.
Zu den natürlichen Heilmitteln zählt eine gesunde Ernährung zur Verhinderung von Durchfall und ausreichendes Wassertrinken, um eine Dehydratation zu vermeiden.