Femurfraktur

Frakturen des Oberschenkelknochens (Femurfraktur) können auf Höhe der Hüfte, am Schaft (Diaphyse) oder am Knie auftreten.
Wenn der Knochen an einem beliebigen Punkt der zentralen Achse bricht, spricht man von einer Oberschenkelschaftfraktur.
Der lange, mittlere Teil des Oberschenkelknochens wird als Oberschenkelschaft bzw. Femurschaft bezeichnet. Der Oberschenkelknochen ist der längste und kräftigste Knochen des menschlichen Körpers und wird gut durchblutet; außerdem ist er von Muskeln umgeben und deshalb ist eine ausgeprägte Krafteinwirkung notwendig, um diesen Knochenschaft zu brechen.


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Anatomisches Modell des Oberschenkelknochens.

Wenn der Knochen bricht, wird er in der Regel durch die ihn schützende Muskulatur verschoben; bei Femurschaftfrakturen kommt das häufig vor.

Komplikationen durch Nerven- und Blutgefäßverletzung gehören zu den Prioritäten, wenn der Patient in der Notaufnahme eintrifft.
Wenn eine beträchtliche Blutung vorliegt, ist die Blutversorgung der umgebenden Gewebe erheblich vermindert.
Häufig treten Begleitverletzung der Weichteilstrukturen, Nerven und Blutgefäße auf.
Offene Frakturen haben ein hohes Infektionspotential.

Die Morbiditäts- und Mortalitätsrate, also Erkrankungshäufigkeit und Todesfälle, sind  bei Femurschaftfrakturen gesunken; Grund dafür ist ein anderes Konzept der Ruhigstellung nach dem Bruch.
Die modernen Therapieformen ermöglichen eine Frühmobilisation und verringern somit die Komplikationsrisiken, die mit einer langen Bettlägerigkeit verbunden sind.

 

Einteilung der Frakturen

Es gibt vier typische Oberschenkelschaftfrakturen:

  • Typ I – Spiral- oder Querfraktur (verschoben oder unverschoben)
  • Typ II – Längsfraktur (entlang der Knochenachse)
  • Typ III – Trümmerbruch
  • Typ IV – offene Fraktur

Bei einem sehr starken Trauma können sich die Knochen ineinander verkeilen, das geschieht in der Regel auf Höhe des Oberschenkelhalses.

 

Einteilung der Oberschenkelhalsfrakturen

Mediale oder intrakapsuläre Schenkelhalsfraktur (die gefährlichste Form)
Dabei lassen sich folgende Formen unterscheiden:

  • Subkapitale Fraktur (zwischen Gelenkkopf und Hals)
  • Transzervikale Fraktur
  • Mediozervikale Fraktur

Laterale oder extrakapsuläre Schenkelhalsfraktur
Dazu gehören:

  • Basiszervikale Fraktur, das heißt an der Basis des Schenkelhalses.
  • Pertrochantäre Fraktur (die Frakturlinie liegt direkt am Trochanter major).
  • Subtrochantäre Fraktur (die Frakturlinie liegt unterhalb des Trochanter major und minor).

Ursachen einer Oberschenkelfraktur

Oberschenkelschaftfrakturen werden bei jungen Leuten in der Regel durch eine heftige Gewalteinwirkung verursacht.
Meistens geschieht dies bei einem Auto- oder Motorradunfall.

Weitere häufige Ursachen sind:

  • Fußgänger wird von einem Auto angefahren;
  • Stürze aus großer Höhe;
  • Verletzungen durch Schusswaffen.

Bei älteren Menschen, die unter Osteoporose leiden, kann bereits ein kleiner Unfall mit geringer Wucht einen Oberschenkelbruch verursachen, wie das einfache Hinfallen aus dem Stand.

Eine Femurschaftfraktur ist das Ergebnis einer großen mechanischen Belastung, die durch eine direkte oder indirekte Krafteinwirkung auf das Knie übertragen wird.
Pathologische Brüche können bereits bei relativ geringer mechanischer Belastung auftreten.
Hier ist der Knochen möglicherweise durch Osteoporose, einen Knochentumor oder Metastasen geschwächt.
Knochenkrebs tritt vorwiegend am unteren (distalen) Ende des Oberschenkelknochens, also auf Kniehöhe auf.
In diesem Fall kann eine Femurfraktur auch ohne Sturz auftreten.

 

Zeichen und Symptome einer Oberschenkelfraktur

Die Symptome eines Oberschenkelbruchs sind hauptsächlich auf die Oberschenkelregion beschränkt. Bestehen neben der Fraktur noch weitere schwere Verletzungen oder starke Blutungen, können Symptome verursacht werden, die nicht zu unterschätzen sind, weil sie das Leben in Gefahr bringen können.

Die wichtigsten Symptome sind:

  • Im Allgemeinen verursacht ein Oberschenkelbruch starke Schmerzen, Verformung und Bewegungsunfähigkeit.
  • Blutungen und blaue Flecke.
  • Verformung des Beins.
  • Unfähigkeit, das Bein zu bewegen.
  • Muskelkrämpfe.
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln.
  • Schmerzen am Bein, an der Hüfte oder am Knie.
  • Schwellung.

Komplikationen einer Oberschenkelfraktur

Zu den möglichen Folgen und Risiken einer Oberschenkelfraktur gehören:

  • Verwirrtheit oder Ohnmacht, wenn auch nur für einen Moment,
  • starke oder unkontrollierbare Blutungen,
  • starke Steifigkeit oder Unfähigkeit, das Bein zu bewegen,
  • niedriger Blutdruck (arterielle Hypotonie)
  • aus der Haut ragende Knochenstücke;
  • starke Schmerzen,
  • tiefe Venenthrombose,
  • Lungenembolie,
  • Wundliegen,
  • Infektion,
  • lang anhaltendes Hinken,
  • Nekrose des Femurkopfes,
  • Lungenentzündung,
  • Tod.

Kinder und Jugendliche, die eine Fraktur des Oberschenkelknochens erleiden, müssen immobilisiert oder operiert werden; in jedem Fall wird das Wachstum unterbrochen oder verlangsamt, solange der Knochen nicht geheilt ist, deshalb kann das eine Bein später kürzer sein als das andere.

 

Diagnose bei einer Oberschenkelfraktur

 

Klinische Untersuchung und Anamnese

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Bewegungstest der Hüfte.

Der Arzt muss über Unfallhergang und alle Symptome, die sich am Bein bemerkbar machen, genauestens in Kenntnis gesetzt werden.
Bei einem Autounfall beispielsweise muss er wissen, bei welcher Geschwindigkeit der Unfall stattfand, war der Verletzte Fahrer oder Beifahrer, war er angeschnallt, wurde der Airbag ausgelöst usw.
Der Arzt muss außerdem darüber informiert werden, ob der Patient an anderen Gesundheitsproblemen leidet, wie Bluthochdruck, Diabetes, Asthma oder Allergien und welche Medikamente eingenommen werden.
Nachdem Unfallhergang und Krankengeschichte erläutert wurden, erfolgt eine gründliche Untersuchung.
Zunächst wird der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten beurteilt, gefolgt von einer gründlichen Begutachtung des betroffenen Beins.

Dabei wird der Arzt besonders auf Folgendes achten:

  • Eine sichtliche Verformung von Bein bzw. Oberschenkel (unnatürliche Winkelstellung, Verdrehung, Abspreizen der Hüfte oder ein kürzeres Bein).
  • Hautverletzungen.
  • Prellungen.
  • Knochenfragmente, die gegen die Haut drücken.

 

Versorgung des verletzen Patienten

Erstversorgung:

Zunächst müssen die Vitalfunktionen und eventuellen Verletzungen im Brustbereich, am Kopf, Unterleib und an der Wirbelsäule untersucht werden.
Lebensbedrohliche Verletzungen müssen umgehend versorgt werden, um das Leben des Patienten zu retten.
Anlegen einer Frakturschiene (Thomasschiene oder das Äquivalent einer Zugschiene).

  • Röntgenaufnahme des Oberschenkels.
  • Blutuntersuchung, einschließlich Blutgruppenbestimmung für eine eventuelle Bluttransfusion.
  • Ein besonderes Augenmerk muss Reflexen und Sensibilität des Beins gelten.
  • Schmerzmittel: eine angemessene, intravenös verabreichte Schmerztherapie. Eine Hemmung des Oberschenkelnervs ist in der Regel sehr wirkungsvoll.

 

Nach gründlicher Begutachtung werden Oberschenkel, Unterschenkel und Fuß auf der Suche nach Anomalien abgetastet, der Zustand von Haut und Muskeln untersucht und die Reflexe überprüft.
Ist der Patient bei Bewusstsein, kontrolliert der Arzt die Empfindsamkeit und Beweglichkeit von Bein und Fuß.

 

Differenzialdiagnose

  • Kompartmentsyndrom
  • Verrenkung (Luxation) der Hüfte
  • Hüftfraktur

 

Bildgebende Diagnoseverfahren

Technische Untersuchungsmethoden, um den Bruch besser beurteilen zu können:

Röntgendiagnostik: zur Bewertung einer Fraktur werden in der Regel Röntgenaufnahmen angefertigt, die klare Bilder der Knochen liefern. Das Röntgenbild zeigt deutlich, ob ein Knochen gebrochen ist oder nicht.
Auch Form und Lage der Fraktur sind erkennbar.
Es ist möglich, dass der Bruch am Tag des Unfalls noch nicht sichtbar ist, weil sich die Frakturränder noch nicht gut voneinander abgegrenzt haben; aber wird die Aufnahme nach 3 Tagen wiederholt, ist der Knochenzustand gut zu erkennen.

Computertomographie (CT).

Der Arzt kann nach der Röntgenuntersuchung außerdem eine CT ansetzen,  um sich einen weiteren Überblick zu verschaffen.
Diese Untersuchung zeigt Schnittbilder der unteren Extremität.
Der Arzt erhält somit wichtige Informationen über die Schwere der Fraktur. Auf einem Röntgenbild sind die Frakturlinien beispielsweise manchmal sehr dünn und schwer erkennbar.

 

Behandlung einer Oberschenkelfraktur

Die Behandlung kann operativ oder konservativ erfolgen.

Bei einer chirurgischen Therapie stehen folgende Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Verwendung eines intramedullären Nagels, um die Knochenteile in korrekter Position zu blockieren.
  • Verbindung der Fragmente durch den Einsatz von Schrauben, die mit Hilfe von außen an der Knochenfläche befestigten Metallplatten in korrekter Position gehalten werden.
  • Verbindung der Knochenteile durch Schrauben, die an einer externen Fixierung befestigt sind.

Bei älteren Menschen lässt sich eine Hüftfraktur durch den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks behandeln.
In manchen Fällen ist ein älterer Patient aufgrund von anderen Erkrankungen nicht operationsfähig, weil ein chirurgischer Eingriff lebensgefährdende Risiken mit sich bringen könnte; hier wird wohlmöglich ein Rollstuhl benötigt.
Nach der OP kann der Chirurg einen Gips anlegen, der je nach Konsolidierungszeit unterschiedlich lang getragen werden muss.
Zur Ruhigstellung des Oberschenkelknochens umfasst der Gips auch das Becken.
Kinder werden bei einer Schaftfraktur in der Regel nicht operiert, weil die Heilung recht schnell erfolgt (45 Tage), hier ist es ausreichend, die Fraktur durch Zug in der Längsachse in eine anatomiegerechte Stellung zu bringen (sog. Reposition).

 

Physiotherapie und Rehabilitation

Nach einem Bruch des Oberschenkelknochens muss der Patient das Bein immobilisieren, bis die Fraktur stabil ist.
Nach der OP sind krankengymnastische Übungen für das Bein notwendig, damit Muskelkraft und Bewegungsumfang wiedererlangt werden können.
Die erste Phase der Rehabilitation sieht eine passive Mobilisierung vor, danach werden aktive Bewegungen ausgeführt und Übungen, bei dem das gebrochene Bein belastet wird.

 

Wie lang sind die Genesungszeiten? Die Heilungsprognose

Es lassen sich keine allgemeingültigen Heilungszeiten angeben, weil es viele Variablen gibt, wie:

  • Schwere der Fraktur
  • Alter des Patienten
  • Osteoporose
  • Behandlungsform (chirurgischer Eingriff oder Immobilisation)

Nach einem operativen Eingriff, bei dem eine externe Fixierung eingesetzt wurde, kann der Patient bereits einen Tag nach der OP wieder laufen.
In den anderen Fällen entscheidet der Orthopäde, in der Regel ist das Laufen einen Monat nach Beginn der Immobilisation wieder möglich.

 

Weitere Artikel: Chirurgische Behandlung einer Oberschenkelfraktur– Hüftfraktur Chirurgische Behandlung einer Hüftfraktur

 

Dr. Massimo Defilippo Fisioterapista Tel 0522/260654 Defilippo.massimo@gmail.com
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