Schenkelblock

Der Schenkelblock ist eine Funktionsstörung, die durch eine Verzögerung oder Behinderung bei der Leitung der elektrischen Impulse gekennzeichnet ist, die das Herz schlagen lassen.

Die Verzögerung oder Behinderung kann nur die elektrischen Impulse blockieren, die nach rechts oder links ins Herz geleitet werden.
Der Schenkelblock erschwert die Pumpleistung des Herzens.

 

Klassifikation

  • Erster Grad, wenn der Block eine leichte Leitungsverzögerung verursacht.
  • Zweiter Grad, wenn die Erregungsleitung teilweise ausfällt.
  • Dritter Grad, vollständiger Ausfall der Erregungsleitung.

Der Atrio-Ventrikuläre-Block zweiten Grades ist unterteilt in:

Typ Mobitz I – im Elektrokardiogramm ist die p-Q-Strecke allmählich verlängert und gelegentlich geht ein Impuls zum Ventrikel verloren.
Typ Mobitz II – im Elektrokardiogramm zeigt sich nach der p-Welle nicht immer ein QRS-Komplex.

 

Ursachen des Schenkelblocks

Linksschenkelblock (LSB)

  1. Herzerkrankung
  2. Kompensierte Herzinsuffizienz
  3. Herzmuskel verdickt, versteift oder geschwächt (Kardiomyopathie)
  4. Bluthochdruck (Hypertonie)

Rechtsschenkelblock (RSB)

  1. Kongenitale Anomalie des Herzen (angeboren), zum Beispiel ein offenes Foramen ovale, das ist eine Öffnung in der Wand, die die Vorhöfe (obere Herzkammern) trennt.
  2. Herzanfall (Myokardinfarkt)
  3. Virale oder bakterielle Infektion des Herzmuskels (Myokarditis)
  4. Hoher arterieller Blutdruck
  5. Narbengewebe nach einer Herzoperation
  6. Blutgerinnsel in den Lungen (Lungenembolie)


Die häufigste Ursache des Rechtsschenkelblocks bei Kindern ist eine Operation zur Wiederherstellung eines Vorhofseptumdefektes oder einer anderen angeborenen Herzerkrankung, zum Beispiel bei einem doppelt gekammerten rechten Ventrikel, einem Atrioventrikularkanal oder bei Fallot’scher Tetralogie.

Die Fallot-Tetralogie ist eine Herzfehlbildung, bei der 4 Anomalien gleichzeitig auftreten:

  1. Verengung (oder Stenose) der Pulmonalklappe
  2. Ventrikelseptumdefekt (Öffnung zwischen den beiden Herzventrikeln)
  3. Überreitende Aorta
  4. Rechtsherzhypertrophie

 

Symptome des Schenkelblocks

Bei den meisten Menschen verursacht der Schenkelblock keine Symptome.
Manchmal wissen Menschen mit dieser Erkrankung gar nicht, dass sie einen Schenkelblock haben.
Mögliche Symptome sind:

  1. Ohnmachtsneigung (Synkope)
  2. Ohnmachtsgefühl (Präsynkope)
  3. Langsame Herzfrequenz (Bradykardie)

Die Komplikationen eines Schenkelblocks sind ähnlich, unabhängig davon, ob der Block auf der rechten oder linken Seite des Herzens besteht.


Komplikationen sind:

  1. Langsame Herzfrequenz (Bradykardie), manche dieser Menschen benötigen einen Herzschrittmacher
  2. Arrhythmie
  3. Herzstillstand oder plötzlicher Herztod

 

Diagnose und Untersuchungen des Schenkelblocks

Elektrokardiogramm
Ein Elektrokardiogramm (EKG) ist eine Untersuchung, die zur Diagnostik des Schenkelblocks angewendet wird.
Diese Erkrankung kann man auch bei der Aufzeichnung eines Langzeit-EKG (Holter-EKG) feststellen.

 

EKG bei einem Schenkelblock

Die Abbildung zeigt das Elektrokardiogramm bei einem Schenkelblock.
Das obere Bild zeigt einem normalen QRS-Komplex (zentrale Dreierwelle).
Im mittleren Bild handelt es sich um einen Rechtsschenkelblock und im unteren Bild um einen Linksschenkelblock.
Man kann leicht erkennen, dass in beiden Blocktypen die QRS-Strecke viel breiter als normal und deformiert ist.
Die Folge ist, dass auch die QT-Strecke viel länger ist.

Schenkelblock
Schenkelblock

Dies tritt ein, weil die Verbreitung des elektrischen Impulses über die Ventrikel mehr Zeit als normal benötigt (es tritt also eine Verbreiterung des QRS-Komplexes auf) und auch das Verteilungsmuster ist abnormal (also ändert sich die Form).
Die charakteristischen Formen des QRS-Komplexes, die beim Rechts- und Linksschenkelblock auftreten, geben dem Arzt die Möglichkeit zu bestimmen, welcher Schenkel blockiert ist.

 

Was bedeutet ein Rechtsschenkelblock?

Der Rechtsschenkelblock wird oft in einem EKG vorgefunden und kann durch verschiedene Krankheiten verursacht werden.
Man kann ihn auch bei Menschen mit einem gesunden und normalen Herzen antreffen, in diesem Falle ist er nicht schwerwiegend.

Oft wird ein Rechtsschenkelblock durch Erkrankungen des rechten Ventrikels oder der Lungen hervorgerufen.
Sieht man im EKG eine anormale Kurve, sollte man Untersuchungen bezüglich anderer Erkrankungen durchführen, darunter:

  1. Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge)
  2. Chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD)
  3. Koronarerkrankung
  4. Offenes Foramen ovale
  5. Ventrikelseptumdefekt
  6. Erkrankung der Herzklappen (zum Beispiel Aortenstenose)

Ein EKG, das einen Rechtsschenkelblock zeigt, weist darauf hin, dass sich der rechte Ventrikel etwas nach dem linken Ventrikel zu kontrahieren beginnt.
In einem normalen Herzen verursacht diese ventrikuläre Kontraktionsverspätung keine Funktionsminderung des Herzens.
Ein isolierter Rechtsschenkelblock hat gewöhnlich keine medizinische Bedeutung und kann vernachlässigt werden.

Der komplette Schenkelblock ist ein Nachlassen der Leitfähigkeit in der betroffenen Seite von mindestens 0,12 Sek., während der inkomplette Schenkelblock eine Verspätung zwischen 0,10 und 0,12 Sek. hat. Diese Zeitspanne misst man im EKG.
Es gibt eine Variante, die sich „frequenzabhängiger Schenkelblock“ nennt, bei dem der Impuls einen normalen atrio-ventrikulären Weg durchläuft, jedoch zurück einen abnormen Weg nimmt.

 

Was ist ein Linksschenkelblock?

Der Linksschenkelblock ist weniger häufig als der Rechtsschenkelblock und weist gewöhnlich auf eine Herzerkrankung hin.

Der Linksschenkelblock kann verursacht sein durch:

  1. Dilatative Kardiomyopathie
  2. Hypertrophe Kardiomyopathie
  3. Bluthochdruck
  4. Aortenklappenerkrankung und andere Herzerkrankungen
  5. Selten tritt ein Linksschenkelblock bei gesunden Menschen auf

Wenn die kardiale Untersuchung keine zugrunde liegenden Herzerkrankungen erkennen lässt, ist das Problem eines Linksschenkelblocks (vor allem bei Jugendlichen) minimal.
Jedoch kann die Verspätung der linksventrikulären Kontraktion eine Verminderung der Herzfunktion verursachen, vor allem bei Patienten mit kardialen Störungen und einer verminderten linksventrikulären Ejektionsfraktion.
Ärzte empfehlen Patienten mit Herzinsuffizienz und Linksschenkelblock die Therapie der kardialen Resynchronisation.
Diese Behandlung hilft, die linksventrikuläre Kontraktion zu rekoordinieren und die kardiale Funktion zu verbessern.
Patienten mit komplettem Linksschenkelblock können nur Sportarten mit einer kardiovaskulär reduzierten Aktivität betreiben (Sportfischen, Segeln, Reiten).

Elektrokardiogramm,Welle,QRS,ST

 

Was geschieht, wenn beide Seiten blockiert sind?

Wenn beide Schenkel komplett blockiert sind (bilateraler oder trifaszikulärer Block), ist der elektrische Impuls nicht in der Lage, die Herzkammern zu erreichen.
Das ist eine Form des kompletten Schenkelblocks. Wenn es keine spontanen elektrischen Impulse innerhalb der Ventrikel (idioventrikulärer Fluchtrhythmus) gäbe, würden die Ventrikel aufhören, zu kontrahieren. Dieses Geschehen ist gefährlich, weil es den Tod zur Folge hätte.
Glücklicherweise ist diese Form eines Blockes selten.
In der Regel können beide Bündel geschädigt sein und die elektrischen Impulse langsamer als normal leiten, doch keiner ist komplett blockiert.
Dieses Problem führt zu einem breiten QRS-Komplex (denn die Aktivierung der Ventrikel ist verlangsamt), aber dieses Modell spiegelt weder den rechten noch den linken Schenkelblock wider.
Diese Art eines abnormalen QRS-Komplexes bedeutet, dass eine intraventrikuläre Reizleitungsstörung vorliegt.

 

Inkompletter Rechtsschenkelblock

Wenn eine EKG-Kurve einem Schenkelblock ähnelt, aber die Breite des QRS-Komplexes weniger als 0,12 Sekunden beträgt, kann das Problem ein inkompletter Schenkelblock sein.
Der inkomplette Rechtsschenkelblock tritt häufiger auf und kann als Normvariante des QRS-Komplexes angesehen werden.
Er wird häufig bei Jugendlichen beobachtet und stellt nicht unbedingt eine schwere Herzerkrankung dar.

 

Risiken, Komplikationen und Prognose

Die hauptsächliche Komplikation bei einem Schenkelblock ist die niedrige Herzfrequenz, weshalb mitunter ein Herzschrittmacher notwendig wird.

Eine langsame Herzfrequenz kann auftreten, wenn der Block auf der rechten oder linken Seite des Herzens auftritt. Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden und einen Schenkelblock entwickeln, haben eine größere Wahrscheinlichkeit für Komplikationen, wie den plötzlichen Herztod. Manche Menschen mit Schenkelblock nach einem Herzinfarkt benötigen einen vorübergehenden oder ständigen Herzschrittmacher.

 

Therapie und Medikamente

In vielen Fällen des Schenkelblocks gibt es keine bestimmte Therapie.
Die meisten Menschen mit Schenkelblock haben keine Symptome und benötigen keine Therapie.
Man kann mit einem Schenkelblock beruhigt schwanger werden.
Trotzdem ist bei einer Herzerkrankung, die den Schenkelblock verursacht, eine Behandlung der zugrunde liegenden Störung ratsam.

Die Behandlung einer Herzerkrankung sieht die Einnahme von Medikamenten vor, um arteriellen Bluthochdruck zu senken oder die Auswirkungen der Herzinsuffizienz zu verringern.
Es gibt eine alternative Operationsmöglichkeit, die in einer Koronarangioplastie zur Öffnung der Arterie, die das Blut zum Herzen führt, besteht.
Hat der Patient die Anzeichen oder Symptome eines Schenkelblocks (zum Beispiel Ohnmacht), kann der Arzt zu einem Herzschrittmacher raten, um den Herzschlag zu regulieren.

Wann sollte man operieren?

Hat der Patient Symptome und einen Block von diesem Typ:

  1. alternierender Rechts- und Linksschenkelblock;
  2. bifaszikulärer Block mit und ohne AV-Block (His-Bündel), nur wenn der Patient eine TIA hatte.


Einsetzen eines Schrittmachers
Einigen Menschen, die unter Ohnmacht und Schenkelblock leiden, können Ärzte die Implantation eines künstlichen Schrittmachers (Stimulator) empfehlen. Dieser Herzstimulator ist ein kompaktes Gerät, das unter der Brusthaut implantiert wird.
Der interne Schrittmacher wird in einer Operation, die in Lokalanästhesie erfolgt, in Nähe des Schlüsselbeins platziert.
Der Generator des Schrittmachers ist mit Drähten verbunden, die zum Herzen führen.
Der Schrittmacher gibt bei Bedarf elektrische Impulse ab, um den Herzschlag zu regulieren.
Diese Geräte haben Sensoren, die feststellen können, wann das Herz zu langsam schlägt und ein Impuls des Schrittmachers benötigt wird, um den Herzschlag zu beschleunigen.