Mitralklappeninsuffizienz

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Die Mitralklappeninsuffizienz (oder Mitralregurgitation) ist ein Rückfluss von Blut durch die Mitralklappe des Herzens bei jeder Kontraktion des linken Vorhofs.

Junge Frau,gekreuzte ArmeEine defekte Mitralklappe lässt während der Kontraktion das Blut in zwei Richtungen fließen:

  1. ein Teil wird in die linke Herzkammer gepumpt;
  2. eine variable Blutmenge fließt über die Mitralklappe zum linken Vorhof zurück.

Dieser Klappendefekt kann zusammen mit einer Trikuspidalinsuffizienz auftreten.

Ursachen der Mitralklappeninsuffizienz

Eine unbedeutende Menge an Mitralregurgitation (MR) besteht bei etwa 70 Prozent der Erwachsenen.
Ein bedeutsamer Rückfluss (von mäßiggradig bis schwerwiegend) kommt viel seltener vor, nämlich bei etwa 2 von 100 Personen.

Zu den Ursachen gehören:

  • Ein Prolaps der Mitralklappe, der auftritt, wenn das Gewebe der Mitralklappe deformiert oder vorgewölbt ist und daher die Klappensegel nicht normal aufeinandertreffen.
    Die abnorme Bewegung der Klappe kann bewirken, dass das Blut aus dem linken Ventrikel zum linken Vorhof zurückfließt.
    Auch wenn die meisten Menschen mit einem Mitralklappenprolaps nur eine leichte Regurgitation aufweisen, entwickeln andere wiederum erhebliche Störungen.
  • Die infektiöse Endokarditis ist eine Infektion der Herzklappen durch Bakterien, Pilze oder andere Organismen, die in den Blutkreislauf eindringen. Gelingt es den Mikroorganismen, sich an den Herzklappen anzusiedeln und zu wachsen, werden Thrombozyten und Fibrin an den Herzklappen abgelagert. Diese Neubildungen werden als Vegetation bezeichnet.
    Die Vegetation kann einen normalen Schluss der Mitralklappe verhindern, die Folge ist ein Blutrückfluss.
    Eine defekte Herzklappe ist viel anfälliger für eine Endokarditis als eine normale Herzklappe.
  • Das rheumatische Fieber ist eine Erkrankung, die auftritt, wenn Bakterien, die zu Halsschmerzen führen (wie Streptokokkus), nicht beseitigt werden.
    Das rheumatische Fieber verursacht Entzündungen der Herzklappen und andere Komplikationen.
  • Angeborene (oftmals erbliche) Anomalien des Herzens. Kinder, die mit bestimmten Arten von Herzanomalien geboren werden, können eine Mitralklappeninsuffizienz entwickeln.
  • Andere Herzerkrankungen – die Mitralinsuffizienz kann nach einem Myokardinfarkt oder einer Herzmuskelläsion auftreten.
  • Ein Thorax-Trauma verursacht in seltenen Fällen einen Abriss der Sehnenfäden, die die Mitralklappensegel in ihrer Position halten.
    Die Verletzung der Sehnenfäden verhindert einen korrekten Schluss der Herzklappe.


Typen der Mitralklappeninsuffizienz

Eine degenerative Mitralklappeninsuffizienz kann in folgenden Fällen vorliegen:

  1. Klappendysfunktion
  2. Dehnung oder Läsion der Sehnenfäden
  3. Marfan-Syndrom, Barlow-Syndrom, myxomatöse Degeneration

Die post-ischämische Mitralklappendegeneration tritt bei Patienten auf, die bereits die Diagnose einer ischämischen Herzerkrankung hatten, und ist gekennzeichnet durch eine Dehnung des Klappenrings (äußerer Rand der Mitralklappe).

Die organische Mitralklappeninsuffizienz tritt auf, wenn die Sehnenfäden der Klappe strukturelle Defekte aufweisen, zum Beispiel bei einer Endokarditis.

Funktionelle Klassifikation nach Carpentier

  • Grad I: Normale Bewegung der Klappensegel
  • Grad II: Übermäßige Bewegung der Klappensegel (Mitralklappenprolaps)
  • Grad III: Bewegungseinschränkung
  • Grad III a: Klappenöffnung mit Verengung (Stenose)
  • Grad III b: Klappenschluss mit Verengung

Symptome der Mitralklappeninsuffizienz

Die Symptome hängen von der Schwere ab und dazu gehören:

  1. Abnormer Blutstrom im Herzen (Herzgeräusch)
  2. Atemnot, besonders unter Belastung oder im Liegen
  3. Müdigkeit, vor allem bei erhöhter Aktivität
  4. Schwindel oder Benommenheit
  5. Husten, vor allem nachts oder im Schlaf
  6. Herzklopfen — Gefühl eines beschleunigten Herzschlags
  7. Geschwollene Füße oder Knöchel
  8. Übermäßiges Wasserlassen

Gewöhnlich ist der Blutrückfluss an der Mitralklappe von leichter Ausprägung und nimmt nur langsam zu. Man kann jahrzehntelang keine Symptome verspüren.
Eine Bradykardie kann vorliegen, ist aber kein Symptom, das an eine Mitralklappeninsuffizienz gebunden ist.
Die akute Mitralklappeninsuffizienz ist ein Notfall. Die Symptome treten sehr plötzlich auf, darunter eine schwerwiegende Atemnot, schnelle Herzfrequenz, Schwindel, Schwäche, geistige Verwirrtheit und Brustschmerz.
In der Schwangerschaft ist die Anstrengung, die das Herz leisten muss, erhöht. Aus diesem Grund weisen Frauen die ersten Symptome einer Mitralklappeninsuffizienz auf, während sie schwanger sind.
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Risiken und Komplikationen

Wenn die Regurgitation an der Mitralklappe leicht ist, verursacht das keine Probleme, nimmt sie jedoch zu, kann das zu folgenden Komplikationen führen:

Herzinsuffizienz. Bei Herzinsuffizienz ist das Herz nicht in der Lage, die vom Körper benötigte Blutmenge zu fördern.
Die Folge der Regurgitation an der Mitralklappe ist das Lungenödem, das zu einer starken Spannung auf der rechten Seite des Herzens führen und Knöchelschwellungen verursachen kann.

Vorhofflimmern ist ein unregelmäßiger Herzrhythmus, bei dem die Vorhöfe zu schnell und in ungeordneter Weise schlagen.
Vorhofflimmern kann die Entstehung von Blutgerinnseln verursachen.
Diese Blutgerinnsel können sich aus dem Herzen lösen, über die Arterien bis ins Gehirn wandern und zu einem Schlaganfall führen.
Andere Arrhythmien können bei Personen mit einem Rückfluss an der Mitralklappe auftreten.

Endokarditis. Die Endokarditis ist eine Infektion der Herzinnenhaut (Endokard). Vor operativen Eingriffen (auch an den Zähnen) empfehlen Ärzte die Einnahme von Antibiotika bei Patienten mit einer Regurgitation an der Mitralklappe, um eine Endokarditis zu verhindern.

Lungenhochdruck. Bei einer chronischen und unbehandelten Mitralklappeninsuffizienz kann sich nach vielen Jahren eine pulmonale Hypertonie entwickeln. Diese Krankheit besteht in einem hohen arteriellen Druck in den Lungen.

Diagnose der Mitralklappeninsuffizienz

Da sie anfangs asymptomatisch verläuft, kann das erste Zeichen, das der Arzt feststellt, ein Herzgeräusch sein.
Die gängigsten diagnostischen Untersuchungsverfahren sind:

  1. Echokardiogramm. Diese Untersuchung benutzt Schallwellen zur bildlichen Darstellung des Herzens. Bei der Echokardiographie werden die Schallwellen aus einem Gerät (Transducer) auf das Herz gerichtet. Ein Echokardiogramm erlaubt dem Kardiologen, die Mitralklappe gut einzusehen und zu beurteilen, wie sie arbeitet.
  2. Ein Elektrokardiogramm (EKG) dient der Aufzeichnung von Arrhythmien.
  3. Eine Röntgenaufnahme zur Darstellung der Herzgröße.
  4. Der Herzkatheter zum Verständnis, wie schwerwiegend das Problem ist und um Erkrankungen der Koronararterien festzustellen.

 

Mitralklappeninsuffizienz
Mitralklappeninsuffizienz

Quantifizierung der Schwere der Mitralklappeninsuffizienz

Erster Grad (leicht)

  • Das klinische Bild, die Auskultation (Abhören), EKG und Thoraxröntgen sind normal.
  • Die Größen von linkem Vorhof und Ventrikel sind im Echokardiogramm normal.
  • Prozent der Regurgitation < 20 %.
  • Eine leichte Herzinsuffizienz ist keine Kontraindikation für den Sport.

Zweiter Grad (mäßiggradig)

  • Mögliche Abweichungen in der Krankengeschichte oder bei der körperlichen Untersuchung, im Echokardiogramm oder beim Röntgenthorax.
  • Leichte Vergrößerung des linken Vorhofs und Ventrikels. Unvollständiger Mitralklappenschluss laut Ergebnis des Farbechodopplers.
  • Prozent der Regurgitation 20-30 %.
  • Sportliche Betätigung ist nicht kontraindiziert, doch sollte jährlich ein Kontroll-EKG durchgeführt werden, um die Situation zu überwachen.

Dritter Grad (mäßig bis hochgradig)

  • Bei Anamnese, köperlicher Untersuchung, Echokardiogramm oder Thoraxröntgen bestehen Auffälligkeiten.
  • Linker Vorhof und Ventrikel sind mittelstark bis stark vergrößert.
  • Der linke Vorhof ist größer als der rechte Vorhof.
  • Im Farbechodoppler liegt eine proximale Beschleunigung vor.
  • Starke Mitralregurgitation.
  • Sehr deutlicher inkompletter Schluss der Mitralklappe.
  • Prozent der Regurgitation zwischen 30 und 50 %.


Vierter Grad (schwer)

  • Es bestehen Herzprobleme in der Anamnese, bei der körperlichen Untersuchung, im Echokardiogramm oder im Röntgenthorax.
  • Vollständiges Fehlen des Mitralklappenschlusses.
  • Vorzeitige Schließung der Aortenklappe oder reduzierte Auswurffraktion.
  • Erhebliche Vergrößerung des linken Ventrikels und des linken Herzvorhofs.
  • Starker Regurgitationsfluss, der im Doppler zu sehen ist.
  • Prozent der Regurgitation > 40 %.

Klassifikation der Mitralklappeninsuffizienz nach der Menge des zurückgeflossenen Blutes

  1. Minimal < 30 ml/Herzschlag
  2. Mittelgradig 30-59 ml/Herzschlag
  3. Hochgradig ≥ 60 ml/Herzschlag

Therapie der Mitralklappeninsuffizienz

Die Behandlung der chronischen Mitralklappeninsuffizienz umfasst Medikamente zur Linderung der Symptome oder zur Verhinderung von Komplikationen.

Medikamente sind:

  1. Vasodilatatoren, wie ACE-Hemmer bei erhöhtem Blutdruck.
  2. Diuretika zur Behandlung von Symptomen der Herzinsuffizienz.
  3. Betablocker zur Senkung des Blutdrucks und der Herzfrequenz.
  4. Antikoagulantien zur Verhinderung gefährlicher Blutgerinnsel.

Ein chirurgischer Eingriff könnte zur Korrektur oder zum Ersatz der Mitralklappe erforderlich sein, wenn:

  1. Symptome der Herzinsuffizienz auftreten,
  2. die Größe des linken Ventrikels zunimmt,
  3. das Herz schwach wird.


Bei einer chronischen Regurgitation an der Mitralklappe kann der Arzt körperliche Betätigung oder die Verringerung von Salz in der Ernährung anordnen.
Die Behandlung der akuten Mitralklappeninsuffizienz erfolgt im Krankenhaus oder über die Notaufnahme.
Es ist ein chirurgischer Eingriff zur Korrektur oder zum Ersatz der Mitralklappe erforderlich.