Angina pectoris

Angina pectoris ist gleichbedeutend mit Brustschmerz und tritt durch unzureichende Zufuhr sauerstoffhaltigen Blutes zu den Herzmuskeln auf.

Zusammen mit Schmerzen in der Brust kann man Schmerzen in der Schulter, im Rücken, Arm, Hals und selbst im Kiefer verspüren.

Die Bezeichnung Angina pectoris kommt von den griechischen Begriffen Angor (Enge) und Pectus (Brust).

 

 Angina pectoris,Thorax,Brust
Somit bedeutet Angina das Gefühl von Enge in der Brust.

Angina ist keine Krankheit, sondern das Symptom einer koronaren Herzkrankheit (KHK).
Diese Erkrankung der Koronararterie wird durch Ablagerungen von Fettsubstanzen an den inneren Arterienwänden verursacht.
Die Folge ist eine Verengung der Arterien, die zudem starrer werden.
Diese Erscheinung wird Atherosklerose oder Arteriosklerose genannt.
Der Brustschmerz kann auch durch andere Erkrankungen verursacht sein, zum Beispiel durch Lungenentzündung, Pleuritis (Entzündung des äußeren Lungenfells), Pneumothorax (Zerreißen der Lungenbläschen), usw.
Die Angina der Speiseröhre (A. oesophagea) wird durch Erkrankungen der Speiseröhre verursacht, zum Beispiel durch gastroösophagealen Reflux.

 

Klassifikation

Angina pectoris kann in drei Typen unterteilt werden: stabile, instabile und Variantangina.


Stabile oder chronische Angina
Das ist die häufigste Form der Angina pectoris.
Sie tritt bei Tätigkeiten wie Laufen oder Gehen auf.
Der Brustschmerz vergeht gewöhnlich nach einer kurzen Ruhephase.
In der Regel dauert die chronisch stabile Angina pectoris 3-5 Minuten und kann in andere Körperbereiche wie Arme, Rücken und Schultern ausstrahlen.

Instabile Angina
Im Gegensatz zur stabilen Angina tritt sie nicht bei körperlichen Aktivitäten auf.
Die instabile Angina ist eine ernstere Form des stabilen Typs und kann zu unterschiedlichen Tageszeiten auftreten, auch in Ruhe.
Der Thoraxschmerz hält 10-15 Minuten an und die Beschwerden können durch Medikamente nicht gelindert werden.
Der Schmerz folgt keinem geregelten Ablauf und ist nicht vorhersehbar. Manchmal kann er Vorbote eines drohenden Myokardinfarkts sein.

Variantangina oder Prinzmetal-Angina
Sie kann nachts in Ruhe oder im Schlaf auftreten. Der Schmerz entsteht durch Spasmen (Muskelkontraktionen) in einer Koronararterie. Die Prinzmetal-Angina ist eine nächtliche Störung, da sie tagsüber nicht auftritt.

Die Angina kann auch unterteilt werden in:

  1. Spontane Angina pectoris, wenn sie in Ruhe und ohne bestimmte Ursache auftritt.
  2. Belastungsangina, wenn sie als Folge einer körperlichen Aktivität auftritt.
  3. Gemischte Angina, wenn sie in Ruhe oder nach körperlicher Anstrengung auftritt.

 

Schweregrade

Erster Grad: Der Schmerz tritt nur bei intensiver oder langanhaltender körperlicher Tätigkeit auf.
Zweiter Grad: Die Angina schränkt die normale tägliche körperliche Aktivität ein.
Dritter Grad: Die Angina verursacht eine deutliche Einschränkung körperlicher Aktivitäten und tritt auch nach kurzem Treppensteigen auf.
Vierter Grad: In dieser Situation verspürt der Patient Brustschmerzen bei leichten Tätigkeiten oder bereits in Ruhe.

 

Unterschied zwischen Angina pectoris und Herzanfall

Die Angina tritt auf, wenn die Blutversorgung des Herzmuskels verringert aber nicht unterbrochen ist. Diese Erkrankung manifestiert sich, wenn die Herzmuskeln zur Ausführung einer bestimmten Aufgabe nicht die richtige Zufuhr von Sauerstoff (oder Blut) erhalten. Die Menge des Blutes, die das Herz erreicht, ist für normale Tätigkeiten ausreichend, doch der erhöhte Bedarf an Sauerstoff durch eine gesteigerte Aktivität ist nicht gewährleistet. Während einer körperlichen Belastung beginnt das Herz schneller zu schlagen und benötigt mehr Sauerstoff. Das kann die Symptome dieser Krankheit auslösen. Der Brustschmerz ist mild und verursacht keine dauerhaften Schäden an den Herzmuskeln.

Ein Herzinfarkt wird ausgelöst, wenn die Blutversorgung in einem Abschnitt des Herzmuskels abnimmt. Dieser Umstand tritt ein, wenn sich die Koronararterien auf Grund von Cholesterinablagerungen verschließen. Der Schmerz, der durch einen Herzinfarkt verursacht wird, ist heftig. Nimmt der Blutfluss zum Herzen stark ab, können irreversible Schäden am Herzmuskel entstehen und auch der Tod eintreten.


Die funktionelle Angina pectoris wird durch Erkrankungen verursacht, die nicht mit einer verminderten Durchblutung der Koronarien zusammenhängen.

Diese Störung beinhaltet:

  • Aortenstenose,
  • Mitralstenose,
  • Hyperthyreose,
  • Arrhythmie.

 


Auswirkungen der Angina pectoris in der Schwangerschaft

Das Kreislaufsystem einer schwangeren Frau muss mehr leisten, um den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden.
Das Herz muss mehr pumpen, da der Sauerstoffverbrauch höher ist.
Bei schwangeren Frauen kann der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels durch einen wegen koronarer Herzerkrankung veränderten Blutfluss nicht zufriedengestellt werden.
Der Thoraxschmerz kann auch bei jungen Frauen auftreten, die beta-adrenerge Medikamente als Wehenhemmer einnehmen, um eine frühzeitige Geburt zu verhindern.
Die Angina pectoris wird als Alarmsignal für einen Herzinfarkt betrachtet und es ist äußerst wichtig, sich einer gründlichen Untersuchung durch den Arzt zu unterziehen.
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind bei Frauen in der Schwangerschaft nicht häufig. Es gibt jedoch auch andere Erkrankungen, die das Gleichgewicht zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffversorgung verändern.
Angst oder Leistungssport können die Krankheit verschlimmern, man muss also diese Aktivitäten meiden. Der Arzt kann Medikamente wie Kalziumantagonisten, Betablocker oder Nitroglyzerin zur Behandlung der Angina pectoris bei schwangeren Frauen verschreiben. Ärzte müssen jedoch wegen der Wirkung auf den Fötus vorsichtig sein, wenn sie schwangeren Frauen Medikamente verschreiben.
In schweren Fällen einer koronaren Herzerkrankung, bei der die Arterien erheblich verengt sind, ist ein chirurgischer Eingriff zur Befreiung der verstopften Blutgefäße notwendig. Schwangere Frauen müssen bei Brustschmerzen ihren Arzt informieren.
Rauchen ist einer der Hauptfaktoren für erworbene Herzkranzgefäßerkrankungen: werdende Mütter müssen mit dem Rauchen aufhören.

Brustschmerzen, die an eine Angina pectoris erinnern, können auch durch sauren Reflux oder Magen-Darm-Probleme auftreten.

 

Ursachen der Angina pectoris

Die Angina pectoris wird durch eine unzureichende Zufuhr von Sauerstoff zu den Herzmuskeln verursacht. Die Blutgefäße, die das Blut zu den Herzmuskeln führen, können durch Ablagerungen von Cholesterin einen verminderten Durchmesser haben.
Ein anderer Grund ist eine Arterienverengung, wie sie bei älteren Menschen auftritt.
Diabetiker und übergewichtige Menschen haben ein höheres Risiko, diese Krankheit zu entwickeln.

Der größte Teil der Episoden ereignet sich beim Sport, kann aber auch hervorgerufen werden durch:

  1. emotionalen Stress,
  2. schwer verdauliche Mahlzeiten,
  3. Temperaturschwankungen,
  4. Rauchen.

Kinder, die eine Angina pectoris verspüren, haben gewöhnlich angeborene Fehlbildungen des Herzens, zum Beispiel Aortenstenose, die zu einer Ischämie des Herzmuskels (Myokard) führt.
Bei jungen Menschen kann das durch Missbrauch von Kokain verursacht sein.

Angina Pectoris
Angina Pectoris


Symptome der Angina pectoris

Bei dieser Erkrankung sind die hauptsächlichen Symptome:

  • zentraler Brustschmerz,
  • Schmerzausstrahlung in den Hals,
  • Kieferschmerz,
  • Schmerzen im Arm (vor allem linksseitig).

Der Schmerz wird oft als überwältigend, stark und beklemmend beschrieben. Manchmal kann man auch Atemnot bekommen.

 

Symptome der Angina pectoris bei Frauen

Eines der wichtigsten Symptome ist der Brustschmerz. Darüber hinaus verspürt man einen Druck, Schwere oder Enge in der Brust. Manchmal können die Schmerzen von einem Gefühl des Brennens in der Brust begleitet sein, das oft mit einem Verdauungsproblem verwechselt wird. Hier ein Verzeichnis der häufigsten Symptome der Angina pectoris bei Frauen:

  • Palpitationen
  • Herzrasen (Tachykardie) und unregelmäßiger Herzschlag
  • Hoher Blutdruck (Hypertension)
  • Gefühl von Brennen im Hals
  • Atemnot
  • Brustschmerzen hinter dem Brustbein
  • Die Lokalisation des Schmerzes umfasst den linken Arm, die Schulter und den Rücken.
  • Völliges Taubheitsgefühl eines oder beider Arme
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Erstickungsgefühl
  • Schwindel und Schwäche
  • Gefühl von Verdauungsbeschwerden
  • Angst
  • Müdigkeit

 

Koronarangiographie
Diagnose der Angina pectoris

Ein Mensch, der unter häufigen Episoden von Brustschmerz leidet, sollte unverzüglich einen Arzt aufsuchen.
Die häufigsten diagnostischen Untersuchungen bei Angina pectoris sind:

  1. Blutuntersuchung
  2. EKG: Elektrokardiogramm
  3. UKG: Echokardiogramm
  4. Röntgenaufnahme

 

Behandlungen der Angina pectoris und Patientenmanagement

Zur Verhinderung des Brustschmerzes werden Medikamente verschrieben.
Die medikamentöse Therapie besteht aus Aspirin, Betablocker, Kaliumkanalblocker, Nitrate und Kalziumantagonisten. Aspirin trägt dazu bei, dass das Blut frei in den verengten Arterien fließt. Die Einnahme von Betablockern senkt den arteriellen Blutdruck, während Kalziumantagonisten die Arterien erweitern. Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten können Statine einnehmen (helfen den Cholesterinspiegel im Körper zu senken). Manche Ärzte verordnen Medikamente, die bei plötzlich auftretenden Brustschmerzen eingenommen werden können. Hierzu zählen Aspirin, Heparin und Glyceroltrinitrat (GTN).


Verschlimmert sich die Erkrankung, kann es erforderlich werden, sich einer Operation zu unterziehen, um die verengten Blutgefäße wiederherzustellen. Zu den chirurgischen Verfahren gehören die Angioplastie und andere koronarchirurgische Operationen.

 

Diät und Ernährung

Eine rechtzeitige Behandlung kann das Risiko eines Herzinfarkts verringern. Zudem ist eine gesunde Ernährung zur Verhinderung der Angina pectoris notwendig.

Wer wegen Angina pectoris unter Behandlung steht, sollte den Verzehr von Nahrungsmitteln vermeiden, die Cholesterin und gesättigte Fettsäuren erhöhen.
Die Ernährung sollte aus Obst, Getreideprodukten, Reis, Vollkornbrot, Gemüse und ballaststoffreichen Lebensmitteln bestehen.
Fisch ist ein notwendiges Nahrungsmittel: man sollte Lachs, Thunfisch und Makrele verzehren.
Fleischliebhaber sollten mageres Fleisch oder Huhn wählen.
Auch der Verzehr von Lebensmitteln, die mit Zwiebeln und Knoblauch zubereitet sind, trägt zur Senkung des Cholesterinspiegels bei.


Schließlich sollte man einige Änderungen im Lebensstil vornehmen, um die Komplikation einer Arteriosklerose zu verringern.
Man sollte mit dem Rauchen komplett aufhören und den Genuss von Alkohol, Schokolade, Butter, rotem Fleisch, Zucker und frittierten Speisen reduzieren.

 

Wie lange dauert die Erkrankung? Wie ist die Prognose?

Die Lebenserwartung bei Angina pectoris hängt vom Ausmaß des von der Ischämie betroffenen Gebietes ab.
Hat der Patient eine Angina pectoris aufgrund einer Arteriosklerose, hängt die Langzeitprognose von der Ausdehnung der atherosklerotischen Plaques, von der Herzsituation und vom Alter des Patienten ab.