Seborrhoische Dermatitis

Die seborrhoische Dermatitis (auch seborrhoisches Ekzem) ist eine Hautstörung, die vor allem die Kopfhaut betrifft und Juckreiz, Hautrötung und Schuppenbildung vom Typ der Kopfschuppen verursacht.
Bei kleinen Kindern wird die seborrhoische Dermatitis der Kopfhaut Milchschorf genannt.
Beim Menschen kann die seborrhoische Dermatitis auch das Gesicht (Bartbereich, Augenbrauen, Schnauzbart und hinter den Ohren) und Brust, Rücken und andere Körperzonen, an denen sich vermehrt Talgdrüsen befinden, betreffen.

Seborrhoische Dermatitis kann eine Person in Verlegenheit bringen, wenn sie sich an sichtbaren Körperstellen entwickelt.
Sie ist nicht ansteckend und auch kein Zeichen für mangelnde persönliche Körperhygiene.
Seborrhoische Dermatitis kann nach der Pubertät in jedem Lebensalter auftreten.
Der Schweregrad ist variabel und sie kann über Jahre hinweg andauern. Sie kann ein prädisponierender Faktor für eine Psoriasis sein.

 

Wie sieht die Erkrankung aus?

Der Hautausschlag zeigt sich in roten Flecken, die mit weißen Schuppen bedeckt sind und ein gelblich öliges Aussehen haben.
Oft betreffen die Hautausschläge nur ein oder zwei Stellen, können aber auch sehr ausgedehnt sein.

 

Wo bildet sich das seborrhoische Ekzem?

1. Auf der Kopfhaut: die seborrhoische Dermatitis kann von milden Kopfschuppen auf roten Flecken bis zu transsudierenden Schuppen variieren.
Der Milchschorf Neugeborener kann eine Form eines seborrhoischen Ekzems sein.
2. Am Kopf: häufig sind die Partie zwischen den Augenbrauen, die Nasolabialfalte und der angrenzende Wangenteil betroffen.
Die Augenlider können gerötet, sehr empfindsam und entzündet sein (Blepharitis).
3. In und um die Ohren herum: manche Menschen haben eine Entzündung innerhalb, außerhalb und hinter den Ohren.
Oft schwitzt die Haut und bildet in diesen Bereichen eine Kruste, ebenso können die Ohren anschwellen. Eine Entzündung im Gehörgang (Otitis externa) kann zur Verengung führen.
4. Auf der Vorderseite des Brustkorbs und zwischen den Schulterblättern: es treten glatte, runde und oftmals schuppende rote Flecken auf der Haut auf.
5. Verdeckte Areale: oftmals sind feuchte und verdeckte Bereiche wie die Haut unter den Brüsten, die Schambeinregion oder der Intimbereich, der Achselbereich oder Hautfalten am Bauch betroffen. Bei Neugeborenen ist oftmals die Haut im Windelbereich befallen.

 

Ursachen der seborrhoischen Dermatitis

Genaue Ursachen für die seborrhoische Dermatitis sind nicht bekannt.
Ärzte gehen davon aus, dass ein Zusammenspiel von Hormonspiegel, Schwächung des Immunsystems, Fehlen bestimmter Substanzen in Nahrungsmitteln oder neurologische Störungen verantwortlich zu machen sind. Die übermäßige Vermehrung eines Hefepilzes, Malassezia furfur genannt, kann diese Erkrankung hervorrufen.
Die seborrhoische Dermatitis ist erblich.

 

Risikofaktoren sind:
1. Stress und Müdigkeit
2. Kälte und Feuchtigkeit
3. Fette Haut oder Akne
4. Seltenes Haarewaschen
5. Lokale Anwendung alkoholhaltiger Lotionen
6. Übergewicht
7. Alkohol und Zigaretten
8. Neurologische Konditionen, darunter Morbus Parkinson, Schädelhirntrauma oder Schlaganfall
9. Humanes Immundefizienz-Virus (HIV)
Symptome der seborrhoischen Dermatitis

In der Regel sind die Symptome der seborrhoischen Dermatitis:
1. Hautveränderungen
2. Ausgedehnte Plaques
3. Fettige und ölige Hautareale
4. Trockene, schuppige, rissige, weißliche, gelbliche oder ölige Haut
5. Vermehrter Juckreiz an infizierten Stellen
6. Leichte Rötung
7. Haarausfall oder Alopezie

In den meisten Fällen leiden die Betroffenen an einer chronischen Erkrankung. Möglicherweise wechseln sich Zeiträume, in denen sich die Symptome bessern und solche, in denen sie sich verschlimmern, ab.

 

Differentialdiagnose

Im Gesicht
1. Rosacea: diese Erkrankung verursacht keine schuppende Haut, es bilden sich hingegen Papeln und Pusteln auf den Wangen, an Kinn, Nasenspitze und Stirn.
2. Systemischer Lupus erythematodes: er verursacht auf den Wangen ein Schmetterlingserythem.

Auf der Kopfhaut
1. Psoriasis: sie kann eine seborrhoische Dermatitis überdecken, in diesem Falle handelt es sich um eine Sebopsoriasis.
2. Infiziertes Ekzem.
3. Tinea capitis.

Am Oberkörper
1. Atopisches Ekzem,
2. Pityriasis rosea,
3. Pityriasis versicolor,
4. Lichen simplex,
5. Candidiasis.

 


Therapie der seborrhoischen Dermatitis

Die seborrhoische Dermatitis ist eine chronische Erkrankung, für deren Heilung es keine definitive Behandlung gibt.
Es gibt verschiedene Behandlungen und Hausmittel, mit denen die Symptome unter Kontrolle gehalten werden können.

Die Behandlung umfasst Cremes, Lotionen und Shampoos, die auf den betroffenen Stellen aufgetragen werden, in schwerwiegenderen Fällen verordnen Ärzte orale Medikamente.

Antimykotische Produkte
Diese Medikamente verringern die Hefezellen in den von Malassezia betroffenen Körperbereichen.
Antipilzmittel, die bei der Behandlung von seborrhoischer Dermatitis verwendet werden, sind:
Ketoconazol, das als Shampoo (Nizoral), als Schaum, Gel und Creme erhältlich ist.
Einige Studien zeigen, dass das Produkt in einer Konzentration von 2% am wirksamsten ist.
In prozentual wenigen Fällen treten bei Ketoconazol Nebenwirkungen auf, die sich in Hautirritation, Juckreiz und Hautbrennen äußern.
Ciclopirox (Sebiprox®) ist ein verschreibungspflichtiges Shampoo und Hautpflegemittel.
Terbinafin (Lamisil®) wird manchmal bei schwerwiegenden Episoden in Tablettenform verschrieben, allerdings ist nach Studien ihre Wirksamkeit begrenzt. Nebenwirkungen von Terbinafin sind schwerwiegende allergische Reaktionen und Leberschäden.

Kortikosteroide
Diese Pharmaka bessern die Symptome, indem sie Entzündungen, Juckreiz und Beschwerden lindern.
In der Regel erfolgt ihre Benutzung nur zeitlich begrenzt, da eine langfristige Einnahme von Kortikosteroiden schwere Nebenwirkungen in großen Körperbereichen verursachen kann.
Frauen müssen bei bestehender Schwangerschaft mit dem Arzt ihre Situation besprechen, denn diese Pharmaka können das Kind schädigen.
Zu diesen Schäden zählen:
1. Hautschäden,
2. übermäßiger Haarwuchs,
3. Infektanfälligkeit,
4. hoher Blutzucker,
5. Abfall bestimmter Hormone.

Dermatitis,seborrhoisch,HautBeispiele für kortisonhaltige Arzneimittel:
Hydrokortison ist ein freiverkäufliches Kortison und kann auf verschiedenen Bereichen der Kopfhaut angewendet werden.
Clobex ist verschreibungspflichtig und wird beispielsweise als Shampoo oder Spray zur lokalen Behandlung benutzt.
Betamethason ist auf ärztliches Rezept als Creme oder Lotion erhältlich und zur Behandlung der Kopfhaut und anderer Körperstellen geeignet.
Dieser Wirkstoff ist auch in Sulmycin Salbe mit Celestan-V enthalten, aber zusammen mit einem Antibiotikum.

Calcineurin-Inhibitoren
Diese verschreibungspflichtigen Cremes sind Pharmaka, die die Aktivität des Immunsystems hemmen.
Forschung und klinische Studien zeigen, dass die Wirksamkeit dieser Medikamente ähnlich der von antimykotischen oder kortisonhaltigen Cremes ist.

Die FDA (Food and Drug Administration) rät von einem langfristigen Einsatz dieser Medikamente ab, weil sie das Risiko für ein Melanom erhöhen.

Inhibitoren der Calcineurine sind:

  • Tacrolimus (Protopic®)
  • Pimecrolimus (Elidel®)

 

Wirksame Substanzen im Shampoo
Wirkstoffe in Shampoos können sein:
1. Seleniumsulfid, in verschreibungspflichtigen Produkten enthalten.
Manche Personen, die Seleniumsulfid benutzen, stellen als Nebenwirkung eine Reizung der Kopfhaut und eine Verfärbung der Haare fest.
2. Zinkpyrithion ist rezeptfrei erhältlich. Es kann zu Irritationen führen.
3. Schwefel vermindert Schuppenanhäufung und Juckreiz.
4. Acetylsäure ist eine delikate Mischung, die Schuppen auf der Kopfhaut löst.
Wichtig ist, die Mittel bei der Behandlung der seborrhoischen Dermatitis nach Vorschrift anzuwenden.
Wenn ein Shampoo eine Zeitlang Erfolg bringt, dann aber wirkungslos erscheint, sollte das Mittel probeweise gegen ein anderes ausgetauscht werden.
Die für die Behandlung empfohlene Zeit, in der die Inhaltsstoffe ihre ganze Wirkung entfalten können, sollte eingehalten werden, um eine Wirkung des Shampoos feststellen zu können.

 

Naturheilmittel

Frei verkäufliche Naturheilmittel und deren Empfehlungen helfen oftmals, eine seborrhoische Dermatitis unter Kontrolle zu halten.
1. Den Kopf mit einem medizinischen Antischuppenmittel nach ärztlicher Anweisung waschen. Tritt das gewünschte Ergebnis nicht ein, sollte ein Shampoo mit einem anderen Wirkstoff ausprobiert werden.
2. Eine rezeptfreie Antimykotikacreme verwenden.
3. Eine Creme gegen Juckreiz auf die betroffenen Stellen auftragen. Kurzfristig ein verschreibungspflichtiges Hydrokortison (zum Beispiel Hydrocutan®), das mindestens1% Wirkstoff enthält, benutzen.
4. Vermeidung von aggressiven Seifen und Reinigungsmitteln. Es ist wichtig, nach dem Waschen die Seife gründlich von Haut und Kopfhaut abspülen.
5. Arganöl und Zinkoxid können hilfreich sein und sollten auf die betroffenen Hautstellen eine Stunde vor dem Waschen aufgetragen werden.
6. Unter den selbstangewendeten Mitteln können auch Sonne und UV-Lampen bei seborrhoischem Ekzem hilfreich sein, allerdings kann diese Therapie aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen nicht empfohlen werden.

 

Welche Produkte verwenden?

Natürliche Öle vermeiden.
Im Fall von Kopfschuppen und Kopfhautekzem muss man wissen, dass viele natürliche Öle den Malassezia-Pilz, der die Krankheit hervorruft, in Wirklichkeit fördern.
Ölsäure ist in vier natürlichen Ölen vorhanden, die vermieden werden sollten:
1. Kokosöl,
2. Sheabutter,
3. Olivenöl,
4. Rizinusöl.

Empfohlene pflanzliche Heilmittel, die die Haut stärken und antibakterielle Wirkung haben:

  • Süßmandelöl;
  • Teebaumöl.

 

Welches Shampoo benutzen?

Bei der Erstbehandlung von Hautschuppen kann ein frei verkäufliches Antischuppenshampoo benutzt werden.
Sie sind sehr effektiv und stoppen die Schuppenbildung und den Juckreiz.
Antischuppenshampoos enthalten Antimykotika wie Zinkpyrithion und Ketoconazol, die den Pilz auf der Haut reduzieren.

 

Wie oft die Haare waschen?

Viele Antischuppenmittel sind nur dann wirksam, wenn die betroffene Person ihre Haare 3-5 Mal in der Woche wäscht, um die antimykotische Wirkung zu unterstützen.
Sind Schuppenbehandlung und Juckreizbekämpfung beendet, kann man zu den alten Gewohnheiten, Kopfwaschmittel gegen Schuppen oder normales Shampoo zu benutzen, zurückkehren.

 

Ernährung bei seborrhoischer Dermatitis

Übergewicht ist einer der Risikofaktoren bei seborrhoischer Dermatitis. Somit sind fette Speisen und Süßigkeiten, die eine Zunahme des Körpergewichtes begünstigen, zu vermeiden.
Lebensmittel, die die Krankheit günstig beeinflussen, sind:
1. Obst
2. Gemüse
3. Hülsenfrüchte
4. Vollkornerzeugnisse
Biotin (oder Vitamin H) ist eine sehr nützliche Substanz, die in Milchprodukten, Eigelb, Pilzen, Karotten, Spinat und Äpfeln enthalten ist.

 

Wie lange dauert die Erkrankung? Prognose

Die seborrhoische Dermatitis ist eine chronische (permanente) Erkrankung, die durch eine angemessene Behandlung unter Kontrolle gebracht werden kann.
Häufig gibt es inaktive Perioden, denen erneute Schübe folgen.
Durch seborrhoische Dermatitis verlorengegangene Haare wachsen nach einer Abheilung wieder nach.
Eine schwere Verlaufsform dieser Erkrankung entsteht auf dem Boden einer Psoriasis der Kopfhaut und wird „Sebopsoriasis“ genannt.

Milchschorf
Lediglich der Milchschorf vergeht innerhalb weniger Monate von selbst. Während dieser Zeit sollte der Kopf des Kindes einmal täglich mit einem milden Shampoo für Neugeborene gewaschen werden.
Ehe das Shampoo aus dem Haar gewaschen wird, sollten die Schuppen mit einer feinen Bürste mit weichen Borsten entfernt werden.
Wenn sich die Haut nicht leicht entschuppen lässt, kann man einige Tropfen Mineralöl oder Olivenöl in die Kopfhaut des Kindes massieren.
Das Öl für wenige Minuten auf der Haut einwirken lassen, danach den Kopf wie gewöhnlich mit Shampoo waschen.