Melanozytärer Nävus

Was ist ein Nävus?
Nävi sind sehr häufige Hautveränderungen.

Die korrekte Bezeichnung ist melanozytärer Nävus, denn er entsteht aus einer Proliferation von Melanozyten, von Zellen, die Pigment liefern.

Wenn er braun, schwarz oder farbig ist, kann er Pigmentnävus genannt werden.

Der Nävus ist eine gutartige (harmlose) Formation, doch kann ein Melanom (maligner Nävus) aus einem Nävus hervorgehen.
Nävi können aus anderen Hautzellen entstehen (zum Beispiel sind vaskuläre Nävi Malformationen von Blutgefäßen), aber nur diejenigen, die von Melanozyten abgeleitet sind, werden Nävi genannt.

 

Wie sehen Nävi aus?

Nävi können erhaben oder platt sein.
Sie variieren in der Farbe von rosa bis hautfarben zu dunkelbraun und schwarz.
Auch wenn sie in der Regel eine runde oder ovale Form haben, so haben sie manchmal ein ungewöhnliches Aussehen.
Sie sind von unterschiedlicher Größe, von ein paar Millimetern bis zu einigen Zentimetern.
Die Anzahl der Nävi, die ein Mensch hat, hängt von genetischen Faktoren und der Sonnenlichtexposition ab.
Menschen mit einer erhöhten Anzahl von Nävi haben im Vergleich zu denen, die nur wenige Nävi haben, ein größeres Risiko, ein Melanom zu entwickeln.

 


Wann treten Nävi auf?

Ein oder mehrere Nävi können bei der Geburt (angeboren) vorhanden sein.
Sie treten am häufigsten während der Kindheit und Jugend auf und werden in diesem Falle als erworben bezeichnet.
Sonnenexposition, Verbrennungen und Sonnenbrand erhöhen die Anzahl der Nävi.
Junge Menschen und Jugendliche haben eine erhöhte Anzahl an Nävi, doch im späteren Leben verringern sie sich, weil einige von ihnen langsam wieder verschwinden.

 

Arten melanozytärer Nävi

Die konventionelle Klassifizierung melanozytärer Nävi hängt von folgenden Faktoren ab:

  1. vom mikroskopischen Aspekt (Dermatopathologie);
  2. vom Hautbezirk, in dem sie sich bilden;
  3. von ihrer Tiefe.


Junktionaler Nävus
Die junktionalen Nävi sind Gruppen oder Zellnester an der Junktionszone des Muttermals zwischen Epidermis (Oberhaut) und Dermis (Innenschicht). Sie sind eben und pigmentiert.

Dermaler Nävus
Die Zellen des dermalen oder intradermalen Nävus befinden sich in der Dermis. Diese Formationen sind dick und ragen in der Regel über die Hautoberfläche (papillärer Nävus).
Sie können pigmentiert oder hautfarben sein.

Kombinierter Nävus
Der kombinierte Nävus weist auf zwei verschiedene Nävusarten innerhalb der gleichen Hautveränderung hin, darunter befinden sich allgemeine Nävi, blaue Nävi und Spitz-Nävi.

Eine neue Klassifikation melanozytärer Nävi basiert auf ihrem Aussehen im Auflichtmikroskop, eine in der Dermatologie genutzte Technik, um die Strukturelemente der Muttermale zu bewerten, bei der ein handliches Vergrößerungsgerät verwendet wird.

Retikulärer Nävus
Retikuläre Nävi zeigen ein Gittermuster von braunen, sich kreuzenden Linien.

Nävus,compoundCompound-Nävus
Im Falle eines Compound-Nävus sind die Nävuszellen junktional kutan-epidermal und auch innerhalb der Dermis angeordnet.
Diese Muttermale haben ein erhabenes Zentrum und können von einem ebenen Pigmentbereich umgeben sein.

Globuläre Nävi
Globuläre Nävi haben eine ovale und braun verklumpte Struktur.

Blauer Nävus
Der blaue Nävus ist eine Hautveränderung von einheitlicher Struktur und stahlblauer Farbe.

Starburst-Nävus (explodierender Stern)
Starburst-Nävi haben an der Peripherie der Läsion sternförmig verlaufende Linien.

Gesichtsnävus
Gesichtsmale bilden Pseudonetzwerke um Haarfollikel.

Akraler Nävus
Der akrale Nävus tritt an Hand- und Fußflächen auf und wird durch parallele Linien gebildet.

Nävi mit besonderen Merkmalen
Nävi mit besonderen Merkmalen schließen ekzematisierte Nävi (mit Ekzem), gereizte und Halonävi ein.

Unklassifizierbarer Nävus
Der unklassifizierbare Nävus gehört nicht zu den anderen Modellen.

 

Arten angeborener melanozytärer Nävi

Es handelt sich um einen hyperchromen, seit Geburt bestehenden (echter angeborener Nävus) oder einen sich kurz darauf gebildeten (ähnlich dem angeboren oder später erworbenen) Nävus.

Kleiner angeborener Nävus
Die kleinen angeborenen Nävi haben einen Durchmesser von weniger als 1,5 cm.

Mittlerer angeborener Nävus
Die mittleren angeborenen Nävi haben einen Durchmesser von 1,5 bis 10 cm.

Riesennävus
Der Riesennävus ist größer als 10 cm.

Naevus pigmentosus et pilosus
Naevus pigmentosus et pilosus ist ein Muttermal mit langen und derben darauf wachsenden Haaren.

Café-au-lait-Fleck
Café-au-lait-Flecke sind flache Plaques von brauner Farbe.

Gesprenkelter lentiginöser Nävus oder Naevus spilus
Der Naevus spilus ist ein flaches, braunes Mal mit vielen dunklen Sprenkeln im Innern.

Nävus Ota
Nävus Ota ist ein brauner oder bläulicher Fleck auf Stirn, Auge und Wange.

Mongolenfleck
Der Mongolenfleck ist ein großer, blauer Nävus, der häufig am Gesäß des Neugeborenen erscheint.

 

Arten erworbener melanozytärer Nävi

Nävus,compoundEin Nävus, der nach der Geburt erscheint, kann als erworbenes Mal definiert werden.
Häufig ist er rosa, braun oder schwärzlich.
Dunkelhäutige Menschen haben meist sehr dunkle Male.

Der erworbene Nävus kann in typisch oder atypisch (nicht typisch) unterteilt werden.
Der typische Nävus tritt bei fast allen Menschen auf.
Die Bezeichnung atypisch wird für jeden anomalen Nävus verwendet.
Jedoch verwenden einige Dermatologen den Begriff atypisch, um Muttermale mit spezifischen Eigenschaften zu beschreiben:

  1. groß (> 5 mm);
  2. unregelmäßig begrenzt oder schlecht definiert;
  3. verschiedene Farbschattierungen;
  4. Erscheinungsbild glänzend oder perlartig;
  5. mit flachen oder erhabenen Komponenten.

Dieser Nävustyp wird auch Clarkscher Nävus genannt.


Gewöhnlicher Nävus

Ein gewöhnlicher Nävus ist ein flaches Mal mit einer einheitlichen und gleichmäßigen Farbe.

Nävi auf dunkler Haut
Bei dunkler Hautfarbe sind die Nävi meist von schwarzer Farbe.

Atypischer Nävus
Menschen mit zahlreichen untypischen Malen haben ein größeres Risiko für ein Melanom (maligner Nävus).

Dysplastischer Nävus
Dysplastischer Nävus bezeichnet einen untypischen Nävus, der bestimmte mikroskopische Eigenschaften aufweist.

Blauer Nävus
Der blaue Nävus ist eine Art von pigmentiertem, in tieferen Hautschichten sitzendem Nävus.

Naevus cellularis
Der Naevus cellularis ist ein nicht pigmentierter Hautnävus.

Miescher-Nävus
Der Miescher-Nävus ist ein glänzender und kuppelförmiger Hautnävus, der oft im Gesicht erscheint.

Unna-Nävus
Der Unna-Nävus ist ein papillärer Hautnävus von der Form einer Himbeere.

Meyerson-Nävus
Der Meyerson-Nävus ist charakterisiert durch ein Halo-Ekzem/ Dermatitis.

melanozytärer Nävus,MelanomHalo-Nävus
Der Halo-Nävus (oder Sutton-Nävus) besitzt einen weißen, ihn umgebenden Hof.
Diese Bildung verschwindet im Verlaufe mehrerer Jahre wieder.

Spitz-Nävus
Der Spitz-Nävus (auch Epitheloid-Zellnävus genannt) ist rosafarben (klassischer Spitz) oder braun (pigmentierter Spitz), hat eine kuppelartige Form und tritt bei Kindern und Jugendlichen auf.

Reed-Nävus
Der Reed Nävus ist ein spindelzellförmiger, sehr dunkler Nävus mit vertikalen spindelförmigen Melanozyten, der sich normalerweise an den Gliedmaßen bildet.

Rezidiv-Nävus
Der Rezidiv-Nävus bezeichnet das Wiedererscheinen eines Pigments in einer Narbe nach chirurgischer Nävusentfernung.

Naevus agminatus
Unter Naevus agminatus versteht man eine Ansammlung von ähnlichen Nävi oder Sommersprossen.

Akraler Nävus
Akraler Nävus bezeichnet einen Nävus auf der Handfläche oder Fußsohle.

Ungualer Nävus
Ein ungualer Nävus verursacht ein einheitlich pigmentiertes Längsband auf dem Finger- oder Fußnagel.

 

Nävus nach Aussehen

Ein Naevus anaemicus ist gekennzeichnet durch einen helleren Hautfleck und erscheint vor allem im Brustbereich.

Ein Naevus depigmentosus ist ein Hautfleck, der durch das Fehlen von Melanin charakterisiert ist (Hypopigmentation).

Ein weißer Schwammnävus ist ein heller, angeborener und gutartiger Fleck, der die Schleimhaut in Mund und Genitalbereich befallen kann.

Das Feuermal oder der „Portweinfleck“ ist ein Angiom, das sich als violetter Gesichtsfleck darstellt.

Ein fibromatöser Nävus ist eine gutartige pigmentierte Fehlbildung (nicht neoplastisch).

Ein hyperkeratotischer Nävus hat eine fast runde Form und ähnelt an seiner Oberfläche einer Warze, die Farbe kann rot oder schwarz sein.

Ein zosteriformer Nävus beschreibt eine Gruppe von Papeln, die sich längs eines Nervenverlaufs bilden (wie Herpes zoster).

Ein choroidaler Nävus ist ein asymptomatischer Tumor, der als pigmentierter Plaque mit runder Form oder mit sichtbaren Rändern auftritt.
Es kann sich um einen einfachen Nävus oder ein Melanom handeln.

Ein entzündlicher linearer verruköser epidermaler Nävus ist ein streifenförmig angeordneter Plaque, der wie eine Psoriasis aussieht.
Er setzt sich aus papulösen und ekzematösen Bereichen zusammen, die sich schuppen.

Der Talgdrüsennävus wird auch als organoides Hamartom bezeichnet, weil er im Innern die Komponenten der Hautorgane enthalten kann:

  1. Talgdrüsen
  2. Haarfollikel
  3. Apokrine Drüsen
  4. Bindegewebe

Es handelt sich um eine gutartige Hautveränderung und ist eine Variante des epidermalen Nävus.
In der Regel tritt er auf der Kopfhaut auf, kann aber auch in Gesicht, Hals und Stirn vorkommen.

 

Wann muss man sich Sorgen machen?

Bei Erwachsenen ist es wichtig, auf Veränderungen eines Nävus zu achten.
Das maligne Melanom ist eine Krebsgeschwulst, die von den Melanozyten (Pigmentzellen) ausgeht.
Anfangs kann das Melanom einem harmlosen Nävus ähneln, doch wird im Verlauf der Zeit seine Struktur ungeordnet, tendiert zur Vergrößerung und kann auch geschwürig entarten.
Ändert ein Nävus seine Größe, Form, Farbe oder entwickelt er sich nach dem 30. Lebensjahr, sollte er von einem Dermatologen oder einem anderen kompetenten Arzt begutachtet werden.
Es ist nicht immer möglich, die Hautveränderung nur nach dem Erscheinungsbild als Melanom einzustufen. Bestehen also Zweifel, dann kann die Entfernung des Nävus erforderlich sein, um eine pathologische Untersuchung vorzunehmen.
Manchmal verändern sich Nävi aus anderen Gründen, zum Beispiel nach Sonnenexposition oder während einer Schwangerschaft. Sie können sich vergrößern oder auch verkleinern (verschwinden).
Bei Jugendlichen kann sich vor Beginn des Verschwindens ein weißer Fleck bilden.
Dann handelt es sich um einen Halo-Nävus.
Das Melanom kann auch in der Schleimhaut entstehen. Zum Beispiel tritt das Vulvamelanom an der Vulva auf, hat jedoch dieselben Charakteristiken wie das Melanom auf der Haut.

 

Wie entsteht die Diagnose?

Gewöhnlich werden Nävi aufgrund ihres typischen Aspektes klinisch diagnostiziert.
Bestehen Zweifel über die Diagnose, kann es für eine Biopsie entfernt werden, auch wenn die Möglichkeit, dass es bösartig ist, fern liegt.
Eine teilweise Biopsie ist nicht zu empfehlen, denn es könnten dabei bösartig veränderte Bereiche übersehen werden.

 

Entfernen des Nävus

Obwohl die Nävi meist harmlos sind, kann die Entfernung in folgenden Fällen erfolgen:

  • Mögliche Bösartigkeit: ein Nävus, der geblutet hat, der eine ungewöhnliche Form hat, der schnell wächst oder seine Farbe verändert. Ein solcher Nävus wird manchmal als „hässliches Entlein“ bezeichnet und kann ein Melanom sein.
  • Beschwerden: ein Nävus, der durch Kleidung, beim Kämmen oder Rasieren gereizt wird.
  • Ästhetische Gründe.

Shave-Biopsie
Um einen erhabenen Nävus zu untersuchen, wird eine Shave-Biopsie vorgenommen. Dabei wird die betroffene Hautregion anästhesiert, und der Arzt entfernt den erhabenen Teil des Nävus mit einem Skalpell oder elektrochirurgisch.
Die Wunde verheilt und hinterlässt einen weißen ebenen Fleck, doch manchmal verbleibt auch die Farbe des ursprünglichen Nävus.
Die Shave-Biopsie wird zuweilen angewandt, um braune, flache Plaques oder Sommersprossen zu entfernen und pathologisch zu untersuchen.
Dieses Verfahren wird Kauterisation oder tangentiale Exzision genannt.

Exzisionsbiopsie
Die Exzisionsbiopsie ist notwendig, wenn der Nävus flach ist oder ein Melanom vermutet wird.
Man entfernt die gesamte Hautschicht und vernäht sie danach.
Zur pathologischen (histologischen) Untersuchung wird die Gewebeprobe in ein Labor gesandt.
Die entstandene Narbe kann eine feine Linie sein, manchmal aber tritt sie deutlicher als der Nävus hervor.
Grobe Haare, die sich manchmal auf dem Nävus bilden, können durch Rasur, Elektrolyse, Laser oder mit dem gesamten Nävus entfernt werden.