Lichen ruber planus oder Knötchenflechte

Lichen ruber planus oder Knötchenflechte ist eine Erkrankung, die durch einen chronischen Hautausschlag gekennzeichnet ist, der mit Juckreiz im Intimbereich (im Genitalbereich oder anal), auf der Haut oder im Mund einhergeht.
Lichen planus wird wie Lichen sclerosus durch eine Entzündung verursacht. Der Hautausschlag ist durch kleine flache und polyedrische Papeln gekennzeichnet, die miteinander zu rauen und schuppenden Plaques auf der Haut konfluieren können.


Es können auch Ausschläge an der Mundschleimhaut oder der Scheide auftreten.
Lichen planus ist nicht ansteckend: man kann ihn nicht von anderen Personen bekommen oder an diese übertragen. Jedoch kann er die Lebensqualität negativ beeinflussen.

 

Ursachen des Lichen planus

Die genaue Ursache des Lichen planus ist unbekannt.
Er kann mit einer allergischen Reaktion oder mit einem immunologischen Geschehen in Verbindung gebracht werden.
Risiken für diese Krankheit können sein:

  • Gefährdung durch Arzneimittel, Farbstoffe und chemische Substanzen (wie Gold, Antibiotika, Arsen, Iodide, Chloroquin, Quinacrin, Quinide, Phenothiazine und Diuretika).
  • Krankheiten wie Hepatitis C oder Herpes.
  • Stress.

Lichen planus betrifft vor allem Erwachsene, weniger häufig Kinder.

 

Klinische Merkmale

Lichen planus kann verschiedene Formen annehmen.


Klassischer Lichen planus
Er ist gekennzeichnet durch helle, flache, derbe Papeln, die verschiedene Größen annehmen können, von einem Pünktchen bis zur Größe von einem Zentimeter.
Sie sind oft purpurfarben und werden von dünnen weißen Linien (Wickham-Streifen) durchzogen.
Sie können sich verbreiten, dabei in Linien gruppiert (linearer Lichen planus), in Ringen (ringförmig) und einem Nervenverlauf folgend (zosteriform) auftreten.
Der lineare Lichen planus kann eine Folge von Kratzern oder Verletzungen auf der Haut sein. Auch wenn sonst keine weiteren Symptome auffallen, kann diese Störung stark jucken.
Lichen planus kann jede Körperzone betreffen, aber gewöhnlich ist er an der Vorderseite des Handgelenkes, am unteren Rückenbereich und an den Knöcheln zu beobachten.
Auf Handflächen und Fußsohlen sind die Papeln fest und gelb. Sehr dicke und schuppende Flächen sind besonders juckend und treten vor allem im Knöchelbereich auf (hypertrophischer Lichen planus).

Neue Läsionen können sich bilden, während die anderen vergehen. Sind die Papeln des Lichen planus abgeheilt, tritt an ihre Stelle eine grau-braune Verfärbung, vor allem bei Menschen mit dunkler Haut. Man nennt dies postentzündliche Hyperpigmentation und sie kann über Monate bestehen bleiben.

 

Varianten des klassischen Lichen planus

Lichen planus verrucosus oder hypertrophicus
Patienten mit dem Typ verrucosus weisen dicke Plaques mit Hyperkeratose an den Schienbeinen auf.
Es können sich auf der Haut Papillome bilden.

Aktinischer Lichen planus
Er entwickelt sich vor allem in Bereichen, die der Sonne ausgesetzt sind, wie Gesicht, Hals und Handrücken.

Bullöser Lichen planus
Tritt selten auf. Die Blasen treten im Bereich der Papeln des Lichen planus oder isoliert auf, gewöhnlich an den Unterschenkeln.

Lichenoides Arzneimittelexanthem
Bezieht sich auf einen Ausschlag ähnlich dem durch Arzneimittel verursachten Lichen planus. Es kann rosafarbene asymptomatische oder juckende, lilafarbene, leicht schuppende und flache Flecke auf dem Rumpf verursachen.
Manchmal können auch die Mundschleimhaut (orale lichenoide Reaktion) und andere Körperregionen betroffen sein. Viele Arzneimittel verursachen gelegentlich lichenoide Ausschläge.
Die häufigsten sind:

  1. Gold, das bei Arthritis verwendet wird;
  2. Antimalariamittel wie Hydroxychloroquin;
  3. Captopril.

Aktinische lichenoide Ausschläge auf Arzneimittel sind auf Areale limitiert, die der Sonne ausgesetzt sind (lichtempfindlicher lichenoider Ausschlag durch Pharmaka).
Pharmaka, die größtenteils für diesen Ausschlag verantwortlich sind:

  • Chinin, das gegen Beinkrämpfe eingesetzt wird;
  • Thiaziddiuretika, wird bei Bluthochdruck und Herzinsuffizienz verwendet.

Lichenoide Arzneimittelexantheme gehen nur langsam wieder zurück, nachdem die Einnahme des verursachenden Medikamentes eingestellt wurde.

 

Klassifizierung nach betroffenem Bereich

Oraler Lichen planus

Der Mund ist in 50% der Fälle mit einbezogen und häufig ist dies die einzige befallene Stelle. Die meist betroffenen Zonen in der Mundhöhle sind die inneren Wangen und Zungenränder, aber auch das Zahnfleisch und die Lippen können betroffen sein.
Die häufigsten Merkmale sind:

  • Schmerzlose, weiße, netzförmige oder farnkrautartige Streifen;
  • schmerzhafte und anhaltende Geschwüre (Lichen planus erosivus);
  • diffuse Rötung und Schälung des Zahnfleisches (Gingivitis desquamativa).

In einigen Fällen von Lichen planus, der das Zahnfleisch betrifft, liegt eine Allergie vor, hervorgerufen durch den Kontakt mit Quecksilber in Amalgamfüllungen der Zähne. Die Ursache kann durch den Patch-Test festgestellt werden.
Bei diesen Patienten kann der Lichen planus dank der Auswechslung des Materials der Zahnfüllungen verschwinden.
Ist der Lichen planus nicht durch eine Allergie auf Quecksilber verursacht, ist es sehr unwahrscheinlich, dass eine Entfernung der Amalgamfüllungen als Heilmittel ausreicht.
Es gibt Studien, die eine Verbindung zur Zöliakie aufzeigen.

Lichen planus definiert sich atrophisch, wenn er die Zungenrückseite betrifft.

Die plaqueartige Form des Lichen ist eine Unterart, die sich auf der Mundschleimhaut zeigt und einer Leukoplakie ähnelt.

 

Lichen planus der Vulva

Wie in der Mundhöhle kann Lichen planus auch hier weiße, schmerzlose, streifige Veränderungen verursachen.

Erosiver Lichen planus
Der erosive Lichen planus betrifft die kleinen Schamlippen (interne Schamlippen) und den Introitus (Scheideneingang).
Die betroffene Schleimhaut ist rot glänzend und abgeschürft.
Die kleinen Schamlippen können verengen und schrumpfen und sich miteinander oder mit den großen Schamlippen (äußere Schamlippen) verbinden.
Erosiver Lichen planus kann vor allem während des Geschlechtsverkehrs sehr schmerzhaft sein. Er kann vernarben und die Vagina verschließen.

Andere Bereiche von betroffener Schleimhaut
Selten befällt erosiver Lichen planus die Augenlider, den äußeren Gehörgang, Speiseröhre, Kehlkopf, Harnblase und Anus.

 

Lichen planus vaginalis

Manchmal betrifft Lichen planus die inneren Bereiche der Scheide und führt zu einer sich schälenden Vaginitis.
Die oberflächlichen Zellen in der Vagina lösen sich ab und verursachen einen schmierigen Ausfluss.
Die befallene Scheide kann bei Kontakt leicht bluten.

 

Lichen planus der Eichel

Die klassischen Papeln sind die häufigste Erscheinung von Lichen planus auf dem Penis, der sich vor allem in einem ringförmigen Befall um die Eichel (Penisspitze) herum zeigt.
Weiße Streifen und erosiver Lichen planus sind auf dem Penis weniger häufig.

 

Lichen planopilaris

Lichen planus follicularis, auch als Lichen planopilaris bekannt, verursacht kleine rote, dornartige Papeln um einen Haarschopf, zum Beispiel auf der Kopfhaut.
Die Bildung von Blasen innerhalb der Hautläsionen ist selten.
Es können sich dauerhaft kahle Stellen entwickeln.
Manchmal fehlen follikuläre Abstufungen oder Entzündungen. Es können langsam Bereiche mit geringer Narbenbildung auftreten. Diese Erkrankung nennt sich Pseudopelade. Ist die Ursache unbekannt, wird sie als Pseudopelade Brocq bezeichnet.
Es wird angenommen, dass eine frontal fibrosierende Alopezie eine limitierte Form des Lichen planopilaris ist.

 

Lichen planus der Nägel

In 10% der Fälle sind ein oder mehr Nägel betroffen, manchmal auch ohne Einbeziehung der Hautoberfläche. Sind nur die Nägel befallen und sind diese sämtlich anormal, wird von einer Zwanzig-Nägel-Dystrophie gesprochen. Die Nagelplatte erscheint dünn und kann gerillt und aufgespalten sein.
Der Nagel kann dunkel verfärben, verdicken oder im Bereich des Nagelbettes abheben (Oncholyse). Manchmal bricht die Nagelhaut und es bildet sich eine Narbe (Pterygium).
In einigen Fällen splittern die Nägel und wachsen nicht mehr weiter, selten gehen sie ganz verloren.

 

Anatomie,Haut,Lichen,planusLichen planus pigmentosus

Bei manchen Patienten erscheinen grau-braune, ovale und schlecht definierte Flecke an Gesicht und Hals oder an Rumpf und Gliedmaßen ohne vorausgegangene Entzündungsphasen.
In manchen Fällen entsteht ein Lichen planus pigmentosus an sonnenexponierten Stellen der Haut.
In anderen Fällen entsteht er an sonnengeschützten Stellen, wie den Achselhöhlen. Er zeigt ein diffuses oder netzförmiges Muster.
Lichen planus pigmentosus kann in gleicher oder ähnlicher Form wie das Erythema dyschromicum perstans auftreten.
Eine Hautbiopsie bestätigt bei Lichen planus pigmentosus die lichenoiden Eigenschaften, die bei einer ähnlichen Erkrankung, genannt idiopathische Makulapigmentation, fehlen.

 

Untersuchungen und Analysen

Der Arzt kann die Diagnose nach dem Erscheinungsbild auf Haut oder Mundschleimhaut begründen.
Die Biopsie einer Läsion auf der Haut oder im Mund kann die Diagnose bestätigen. Durch Blutanalysen kann eine Hepatitis ausgeschlossen werden.

 

Therapie bei Lichen planus und Medikamente

Auf normaler Haut kann ein Lichen planus von wenigen Monaten bis zu einigen Jahren andauern und dann spontan wieder vergehen.
Ist die Schleimhaut betroffen, dann kann die Erkrankung hartnäckiger gegenüber einer Therapie sein und rezidivieren.
Pharmaka und andere Behandlungsmethoden können den Juckreiz vermindern und die Heilung fördern.

Kortikosteroide
Kortikosteroide können die Entzündung verringern, die durch Lichen planus hervorgerufen wird. Die Nebenwirkungen des Kortisons variieren gemäß der Art ihrer Anwendung: Salbenapplikation auf der Haut, Tabletten oder Injektionen.
Kortikosteroide gelten als sichere Methode, wenn sie nach Vorschrift genommen werden und ihre Anwendung kurzfristig erfolgt. Häufige Nebenwirkungen lokal angewendeter Kortikosteroide können Hautprobleme wie Brennen, Rötung oder Verdünnung der Haut in den behandelten Bereichen sein.
Bei Tabletteneinnahme oder Injektionsbehandlung können als Nebenwirkungen unter anderem Bluthochdruck, Blutzuckererhöhung und Osteoporose auftreten.

Retinoide
Retinoide sind synthetisch hergestellte Substanzen, die in ihrer chemischen Struktur dem Vitamin A verwandt sind und lokal aufgetragen oder oral angewendet werden. Retinoide stellen eine wirksame Therapie dar, sie können aber auch unangenehme Hautreizungen wie starke Trockenheit, Rötung und Hautschälung verursachen.
Orale Retinoide sind für schwangere Frauen oder Frauen mit Kinderwunsch nicht angezeigt, da sie den Fötus schädigen können. Der Arzt kann schwangeren oder stillenden Frauen empfehlen, eine lokale Retinoidtherapie zu einem späteren Zeitpunkt zu wählen oder auf eine alternative Behandlung auszuweichen.

Nichtsteroidale Salben und Cremes
Topische Calcineurininhibitoren hemmen die Aktivität des Immunsystems beim Lichen planus. Sie scheinen besonders bei der Therapie des Lichen planus der Schleimhäute zu wirken.
Beispiele für diese topischen Arzneimittel sind Tacrolimus (Protopic) und Pimecrolimus (Elidel).

Antihistaminika
Antihistaminika wirken gegen ein Protein namens Histamin, das an Entzündungsprozessen beteiligt ist.
Ein orales oder lokales Antihistaminikum kann durch Lichen planus verursachten Juckreiz und Schmerz lindern.

Phototherapie
Licht- oder Phototherapie kann die Heilung bei Lichen planus, der die Haut befallen hat, fördern.
Die häufigste Phototherapie bei Lichen planus ist die Anwendung von B-ultravioletten Strahlen (UVB), die nur die oberste Hautschicht (Epidermis) durchdringen. Bei dieser Behandlung besteht das Risiko eines Sonnenbrandes.
Die Phototherapie nutzt A-ultraviolette Strahlen (UVA) in Kombination mit dem Medikament Psoralen, das wirksam sein kann, doch auf längere Zeit ein leichtes Krebsrisiko für die Haut und für eine Katarakt birgt.

 

Risikofaktoren

Befürchtet der Arzt, dass ein Lichen planus mit einer Hepatitis-C-Infektion oder mit einem Allergen oder einem Medikament, das eingenommen wird, zusammenhängt, empfiehlt er eine Möglichkeit, den Risikofaktor zu umgehen, indem er zum Beispiel nach einem anderen Medikament sucht und die Allergene vermeidet.

 

Ernährung und Diät

Es ist ratsam, Lebensmittel zu meiden, die die Erkrankung verschlimmern können, wie zum Beispiel Milchprodukte und Gluten.

 

Naturheilmittel

Hafer
Kräuterexperten nutzen Samen und die oberirdischen Teile der Pflanze, um neurologische Schmerzen, Hautkrankheiten und nervöse Erschöpfungszustände zu behandeln.
Äußerlich angewendet, lindert Hafer den Juckreiz, der durch Lichen planus verursacht wird.
Hafer kann auch Stress reduzieren und den Ausbruch von Erkrankungen verhindern.

Teebaumöl
Die Blätter des Teebaums produzieren ein ätherisches Öl, das entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften hat.
Teebaumöl kann helfen, die Symptome des Lichen planus auf der Haut und im Mund zu lindern.

 

Prognose

Normalerweise ist Lichen ruber nicht schädigend und heilt leichter unter einer Therapie.
Oft vergeht diese Krankheit innerhalb von 18 Monaten, sie kann jedoch nach Jahren wieder erscheinen.
Ist Lichen planus durch ein Medikament verursacht, das gerade eingenommen wird, sollten die Hauterscheinungen vergehen, sobald das Arzneimittel abgesetzt wird.