Angeborenes oder erworbenes Angioödem

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Was ist ein Angioödem?
Ein Angioödem (auch Quincke-Ödem oder angioneurotisches Ödem genannt) ist eine Schwellung, die schnell in den tiefen Hautschichten auftritt:

  • Lederhaut
  • Unterhautgewebe
  • Schleimhäute
  • Submukosa

Schöne junge Frau,AngioödemEs ähnelt einer Urtikaria (Nesselsucht), doch diese entsteht nur im oberen Bereich der Lederhaut.
Etwa die Hälfte der Patienten hat sowohl eine Urtikaria als auch ein Angioödem.

Aufgrund von Erstickungsgefahr wird eine schnelle Zunahme des Angioödems als medizinischer Notfall betrachtet.
Ist das Angioödem die Folge einer allergischen Reaktion, dann erfolgt beim Patienten die Injektion von Epinephrin (Adrenalin).
Adrenalin ist bei einer hereditären Ursache nicht wirksam.
Einige Patienten müssen Antihistaminika und Kortikosteroide als Tabletten einnehmen.

Die Flüssigkeitsansammlung (Ödem) kann schwerwiegend sein und fast alle Bereiche des Körpers betreffen, vor allem Hände, Füße, Genitalien, Arme, Beine und Gesicht.
Das fasziale Angioödem betrifft das Gesicht, vor allem die Augenlider und Lippen.


Es gibt vier Hauptarten des Angioödems:

Hereditäres Angioödem – der Patient hat ein ererbtes abnormes Gen.
Es ist sehr selten, dass eine Urtikaria zusammen mit diesem Typ des Angioödems auftritt.
Dies ist die seltenste Art.
Die Blutspiegel des C1-Esterase-Inhibitors (C1-INH-Protein) sind erniedrigt.
Das C1-INH-Protein hat eine Schlüsselrolle bei der Regulierung unseres Immunsystems.
Bei dieser Art Angioödem entwickeln sich die Symptome allmählich.
Es kann durch eine Schwangerschaft, durch die Antibabypille, ein Trauma oder eine Infektion (zum Beispiel Hepatitis, HIV, Zytomegalievirus oder Epstein-Barr-Virus) hervorgerufen sein. Gewöhnlich kann wirksam mit Pharmaka behandelt werden.

Erworbenes Angioödem
Akutes allergisches Angioödem – ist die häufigste Art und betrifft Menschen mit einer alimentären Allergie.
Es kann auch durch Insektenstiche, den Kontakt mit Latex und durch einige Medikamente wie Penicillin oder Aspirin verursacht sein.
Bei einem Kehlkopfangioödem können Hals und Kehldeckel anschwellen. Dadurch wird es für den Patienten schwierig zu atmen.
Befällt das Angioödem die Schleimhaut, ist auch eine schwere intestinale Schwellung möglich, die zu einem Darmverschluss führen kann.
Es kann auch zu einem plötzlichen Blutdruckabfall kommen.
Eine schwere allergische Reaktion wie diese wird Anaphylaxie genannt.
Diese Art des Angioödems ist nicht chronisch (langer Verlauf), weil der Betreffende in der Regel sehr schnell das Nahrungsmittel identifizieren kann, das zu dieser allergischen Reaktion geführt hat und es daher meiden wird.
Im Allgemeinen sind Kinder und Jugendliche eher betroffen.


Medikamentenindiziertes Angioödem – einige Medikamente können peripher zu Schwellungen in den tiefen Hautschichten führen, zum Beispiel Angiotensin-Konversionsenzym-Hemmer (ACE-Hemmer), die bei der Behandlung von Bluthochdruck Anwendung finden (zum Beispiel Delix® – Ramipril).
Die Symptome können noch einige Monate, nachdem der Patient die Einnahme abgebrochen hat, bestehen bleiben.
Weniger häufig tritt diese Art Angioödem durch Bupropion, serotonerge Antidepressiva SSRI, selektiv entzündungshemmende Medikamente der COX-2-Gruppe, nichtsteroidale Entzündungshemmer, Statine und Protonenpumpenhemmer auf. Ein Angioödem durch Medikamente ist selten.

Idiopathisches Angioödem – idiopathisch bedeutet, dass die Ursache unbekannt ist. Experten meinen, dass es durch Infektion, Angst, Stress, Koffein, Hitze, enge Bekleidung und Alkohol verursacht sein könnte.
Ursache können auch ein Problem der Schilddrüse (Hyperthyreose, Hypothyreose, Thyreoiditis), eine Leberstörung, Eisenmangel und Vitamin-B12-Mangel sein.
Zum Beispiel kann ein Morbus Basedow zu Augenlidödemen führen. Daher sollte man diese Erkrankung als Differentialdiagnose berücksichtigen.

Ursachen des Angioödems

Das Angioödem kann durch eine allergische Reaktion verursacht sein. Bei dieser Reaktion werden Histamin und andere chemische Substanzen in die Blutbahn freigesetzt.
Der Körper setzt Histamin frei, wenn das Immunsystem eine Fremdsubstanz, Allergen genannt, erkennt.
In den meisten Fällen findet man jedoch keine Ursache.

Mögliche Ursachen des Angioödems:

  1. Tierhaare
  2. Kontakt mit Wasser, Sonne, Kälte oder Hitze
  3. Lebensmittel (zum Beispiel Meeresfrüchte, Fische, Nüsse, Eier und Milch)
  4. Insektenstiche
  5. Medikamente wie Antibiotika (Penicillin und Sulfonamide), entzündungshemmende Medikamente (NSAR) und Medikamente gegen arterielle Hypertonie (ACE-Hemmer)
  6. Blütenpollen

Urtikaria und Angioödem können auch nach einer Infektion oder nach anderen Erkrankung (darunter Autoimmunerkrankungen wie Lupus, Leukämie und Lymphom) auftreten.

Symptome bei Angioödem

Das Hauptsymptom ist eine plötzliche Schwellung unter der Hautoberfläche. Es können auch Hautausschläge oder Schwellungen auf der Hautoberfläche auftreten.
Die Schwellungen entstehen gewöhnlich im Bereich von Augen und Lippen.
Man kann sie auch im Hals, an Ohren, Händen und Füßen vorfinden.
Eine Hautanschwellung (oder Blase) kann diffus auftreten oder entlang einer Linie verlaufen.
Der Hautauschlag ist schmerzhaft und kann jucken (Juckreiz verursachen).
Dies wird als Urtikaria bezeichnet.
Sitzt die Schwellung eines Angioödems tief, kann sie schmerzhaft sein.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Bauchkrämpfe
  • Atembeschwerden
  • Mund- und Augenschwellung
  • Schwellung der Bindehaut (Chemosis)

 

Diagnose des Angioödems

Tests und Untersuchungen
Der Arzt untersucht die Haut und fragt den Patienten, ob er mit Reizstoffen in Berührung gekommen ist.
Ist der Hals betroffen, kann eine körperliche Untersuchung ungewöhnliche Geräusche beim Atmen (Stridor) erkennen lassen.
Der Arzt kann Blutuntersuchungen oder Allergietests veranlassen.

Therapie des Angioödems

Bei leichtgradigen Symptomen ist keine Therapie erforderlich.
Mäßiggradige oder schwere Symptome sollten behandelt werden.
Atembeschwerden sind ein medizinischer Notfall.

Menschen mit Angioödem sollten:

  1. bekannte Allergene oder Trigger, die die Symptome verursachen, meiden;
  2. Medikamente, pflanzliche Produkte oder Ergänzungsmittel, die nicht ärztlich verschrieben sind, meiden;
  3. kalte Umschläge anbringen, sie können bei Schmerzen Linderung bringen.

Medikamente zur Behandlung eines Angioödems sind:

  1. Antihistaminika (zum Beispiel Zyrtec oder Reactine);
  2. Medikamente auf Kortisonbasis (Betnesol);
  3. Epinephrininjektionen (Menschen, die bereits schwerwiegende Symptome hatten, können Spritzmaterial mit sich führen);
  4. Medikamente zur Inhalation, die dem Öffnen der Luftwege dienen;
  5. Ranitidin (Zantic).

Hat der Betreffende Atembeschwerden, muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.
Schwillt der Hals an, kann eine gefährliche Verengung der Atemwege auftreten.

 

Angeborenes oder erworbenes Angioödem
Angeborenes oder erworbenes Angioödem

Ernährung und Ergänzungsmittel

Einige Nahrungsmittel können bei Menschen, die allergisch reagieren, ein Angioödem entstehen lassen.
Man sollte Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, die die Symptome hervorrufen, vermeiden.
Hier die Lebensmittel, die häufig ein akutes Auftreten verursachen:

  1. Meeresfrüchte
  2. Brühwürfel
  3. Hülsenfrüchte
  4. Eier
  5. Schokolade
  6. Milch
  7. Waldfrüchte

Manche Menschen können eine Reaktion entwickeln auf:

  1. Zitrusfrüchte;
  2. Sulfite – als Antioxidantien oder Konservierungsmittel in vielen Speisen und Getränken enthalten;
  3. Tartrazin (Farbstoff aus schwefelhaltigen Granulaten und Kristallen) – Personen, die auf Aspirin oder andere Entzündungshemmer allergisch reagieren, haben eine größere Wahrscheinlichkeit auf eine Tartrazinallergie.

Der Arzt kann auslösende Lebensmittel identifizieren:

  1. indem er die detaillierte Schilderung des Patienten über die Ernährung bewertet;
  2. indem er Hauttests auf Allergien vornimmt;
  3. indem er die Veränderungen der Symptome nach schrittweisem Weglassen von Nahrungsmitteln in der Diät bewertet.

Der Arzt überprüft die Reaktionen, wenn diese Lebensmittel nach und nach wieder in den Speiseplan aufgenommen werden.


Bei Darmsymptomen wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall oder Appetitverlust wird eine Diät empfohlen, die die am häufigsten auslösenden Faktoren meidet, auch wenn keine spezielle Lebensmittelallergie vorliegt.
Ergänzungsmittel können helfen, die Symptome zu behandeln:

  • Vitamin C kann zur Senkung des Histaminspiegels beitragen, auch wenn dazu noch keine ausreichenden Beweise vorliegen.
    Entwickelt sich Durchfall, sollte die Dosis verringert werden.
    Vitamin-C-Präparate können mit anderen Medikamenten interferieren, einschließlich Chemotherapeutika, Östrogene, Coumadin und andere.
  • Vitamin B12 (zur Injektion) kann die Häufigkeit bestehender Attacken verringern, auch wenn es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gibt.
    Die Ärzte wissen noch nicht, ob die orale Einnahme von Vitamin B12 auf dieselbe Weise funktionieren würde.


Natürliche Heilmittel auf pflanzlicher Basis

Die Einnahme von Kräutern ist ein „klassischer“ Ansatz, den Körper zu stärken und die Krankheit zu behandeln.
Kräuter können Nebenwirkungen auslösen und in Wechselwirkung mit anderen Kräutern, Ergänzungsmitteln oder Medikamenten treten.
Aus diesen Gründen sollte man Kräuter mit Vorsicht und unter Aufsicht eines Arztes zu sich nehmen.

Goldsiegelwurz (Hydrastis canadensis) wurde bei Magen-Darm-Beschwerden wie Magenschmerzen, Durchfall, Appetitverlust und schweren allergischen Reaktionen angewendet.
Manch Angehörige der Heilberufe empfehlen Goldsiegelwurz für Personen mit Lebensmittelallergien, um die allergischen Reaktionen zu verhindern oder zu verringern.
Goldsiegelwurz interagiert mit verschiedenen Medikamenten, darunter Zyklosporin und Blutverdünnungsmittel.
Es kann auch den Zuckerspiegel im Blut senken. Vor der Einnahme von Goldsiegelwurz sollte man den Arzt konsultieren, wenn man irgendwelche anderen Pharmaka einnimmt oder unter Diabetes leidet.


Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra) wurde seit jeher zur Verringerung der Entzündung bei allergischen Reaktionen angewendet.
Sie kann die Gesundheit des Immunsystems unterstützen.
Man sollte jedoch kein Süßholz verzehren, wenn folgende Erkrankungen vorliegen:

  • Bluthochdruck (arterielle Hypertension), Erektionsstörungen, Ödeme oder Herzinsuffizienz;
  • hormonsensible Tumoren wie an Brust, Prostata, Eierstock oder Gebärmutter;
  • Diabetes;
  • Nierenerkrankungen;
  • Lebererkrankungen.

Süßholz reagiert mit verschiedenen Pharmaka. Um also sicher zu gehen, sollte man den Arzt konsultieren, bevor man Süßholz zusammen mit anderen Medikamenten einnimmt.


Kamille (Matricaria recutita) wurde seit jeher bei der Behandlung von Urtikaria angewendet, obwohl es für ihre Wirksamkeit diesbezüglich keine wissenschaftlichen Beweise gibt.
Kamille kann die Wirkung anderer beruhigender Mittel stärken.
Sie interagiert auch mit anderen Medikamenten. Auf Ambrosia allergisch reagierende Menschen sollten keine Kamille zu sich nehmen.

Prognose und mögliche Komplikationen

Betrifft das Angioödem den Hals, können sich die Atemwege der Person verschließen und dies könnte gefährlich sein.
In seltenen Fällen können sich ein Angioödem und eine Anaphylaxie entwickeln.
Diese Symptome müssen sofort behandelt werden, um die Atemwege frei und den Blutdruck und die Herzfunktion stabil zu halten.