Melanom der Haut

Das Melanom ist ein Tumor, der sich in den Melanozyten, den Pigmentzellen der Haut, entwickelt.
Es kann aggressiver als andere Arten von Hautkrebs sein, weil es sich an anderen Stellen im Körper ausbreiten (Metastasen) und zu schwerwiegenden Krankheitszuständen und zum Tod führen kann.

 



Typen des Melanoms

Das superfiziell spreitende Melanom, das noduläre Melanom und das Melanom, dem eine Lentigo maligna vorausgeht, machen 90% aller diagnostizierten malignen Melanome aus.
Das akrolentiginöse Melanom und einige sehr seltene Melanomarten bilden den verbleibenden Rest von 10%.

Superfiziell spreitendes Melanom
Dies ist das häufigste Melanom. Es wächst vor allem nach außen, statt in die Tiefe der Haut (radiales Wachstum).
Gewöhnlich besteht bei diesem Melanom nicht das Risiko, sich an anderen Körperstellen zu verbreiten, doch in wenigen Fällen kann ein Wachstum in tiefere Hautschichten beginnen.
Wer einen Naevus hat, der an Größe zunimmt und einen unregelmäßigen Rand hat, sollte eine ärztliche Kontrolle vornehmen lassen.

Noduläres Melanom
Dieser Melanomtyp entwickelt sich ziemlich schnell.
Er tritt häufig auf der Brust oder am Rücken auf.
Wird er nicht entfernt, beginnt er sehr schnell nach innen in tiefere Hautschichten zu wachsen.
Bei diesem Melanomtyp beobachtet man oft eine erhabene Zone auf der Hautoberfläche.
Noduläre Melanome sind oft von dunkelbrauner bis schwarzer Farbe.

Melanom vom Typ lentigo-maligna
Es entwickelt sich aus langsam wachsenden pigmentierten Hautstellen, die auch Lentigo maligna oder melanotischer Fleck von Hutchinson genannt werden.
Es tritt am häufigsten an sonnenexponierten Hautstellen auf, zum Beispiel im Gesicht. Die Lentigo maligna ist abgeflacht und entwickelt sich in den oberflächlichen Hautschichten nach außen hin.
Wird sie zum Lentigo-maligna-Melanom, wächst sie nach innen in die tieferen Hautschichten und kann Knötchen bilden.

Akrolentiginöses Melanom
Das akrolentiginöse Melanom ist selten und tritt vor allem auf Handflächen, Fußsohlen oder um den Großzehennagel auf.
Es kann auch unter dem Nagel wachsen. Es kommt häufiger an Füßen statt an Händen vor und betrifft bevorzugt Menschen mit dunkler Hautfarbe.

Amelanotisches Melanom
Amelanotisch bedeutet ohne Melanin.
Melanome sind von dunkler Farbe, die amelanotischen hingegen haben keine oder wenig Farbe. Bisweilen sind sie rosa oder rot, hellbraun oder grau an den Rändern.
Sie werden genauso behandelt, wie andere Melanome.


Andere Arten von Melanomen
Das Melanom kann überall am Körper auftreten, einschließlich der inneren Organe.
Das Melanom der Haut wird malignes kutanes Melanom genannt.
Selten kann sich ein Melanom auch innerhalb des Auges entwickeln. Man trifft Melanozyten in der Iris (der farbige Bereich um die Pupille) und in der Choroidea (gefäßreiche Schicht der Augenhaut).
Wenn diese Melanozyten (Zellen, die Melanin produzieren) krebsartig werden, spricht man vom Melanom.
Entwickelt sich das Melanom auf der Iris, kann ein dunkler Fleck darauf beobachtet werden.

Die seltensten Hauttumore sind:

  • Melanom der Vulva,
  • Melanom der Vagina,
  • Melanom des Rektums.

 

Melanom-Stadien

Ärzte benutzen eine Einteilung nach Breslow oder nach Clark, um die Prognose zu beschreiben. Die Interpretation ist wie folgt:


Tumordicke nach Breslow
Die Dicke nach Breslow ist definiert als die vertikale Gesamthöhe des Melanoms, von der Körnerzellschicht der Oberhaut bis zum Punkt der maximalen Infiltration.
Dazu wird ein Instrument benutzt, das sogenannte Okularmikrometer, um die Dicke des entfernten Tumors zu messen.
Grundsätzlich gilt, je höher die Breslow-Dicke, umso schlechter ist die Prognose (Überlebensraten sind Durchschnittswerte und können nicht auf den einzelnen Fall bezogen werden):

  1. Weniger als 1 mm: die Überlebensrate nach 5 Jahren beträgt 95% bis 100%.
  2. 1-2 mm: die Überlebensrate nach 5 Jahren beträgt 80% bis 96%.
  3. 2,1-4 mm: die Überlebensrate nach 5 Jahren beträgt 60% bis 75%.
  4. Mehr als 4 mm: die Überlebensrate nach 5 Jahren beträgt 37% bis 50%.

Die Breslow-Dicke ist einer der drei wichtigsten prognostischen Faktoren bei Melanom, zusammen mit dem Tumorstadium und dem Vorliegen einer Ulzeration (Hautläsionen, Blutung, Schwellung).

Klassifikation nach Clark
Das Stadium nach Clark bezieht sich auf die Tumorpenetration in die Tiefe der Hautschichten.
Dieses System wurde ursprünglich von W. H. Clark im Jahr 1966 entwickelt.
Offiziell werden die folgenden Stadien nach Clark definiert:

  1. Stadium I: auf die Epidermis beschränkt (obere Hautschicht). Genannt In-situ-Melanom mit einer Heilungsrate in dieser Phase von 100%;
  2. Stadium II: Invasion in die Papillenschicht der Dermis (superior);
  3. Stadium III: Ausfüllen der Papillenschicht, doch ohne Ausdehnung in das Stratum retikulare (inferior);
  4. Stadium IV: Invasion in das Stratum retikulare;
  5. Stadium V: Invasion in das tiefe Unterhautgewebe.

 

Ursachen des Melanoms

Es ist nicht bekannt, was die DNA in den Melanozyten schädigt und zur Entwicklung des Melanoms führt.
Wahrscheinlich gibt es eine Kombination von genetischen und umweltbedingten Faktoren, die das Melanom verursachen.

Faktoren, die das Risiko eines Melanoms erhöhen, sind:

  • Helle Haut. Weniger Pigment (Melanin) in der Haut bedeutet, weniger Schutz vor schädigenden UV-Strahlen zu haben.
  • Zurückliegende Sonnenbrände. Eine Brandblase durch Sonnenbrand kann das Risiko für ein Melanom bei Kindern und Erwachsenen erhöhen.
  • Langer Aufenthalt in Umgebung mit ultravioletten Strahlen (UV). UV-Strahlen, die von der Sonne oder Bräunungslampen kommen, können das Risiko für Hautkrebs, einschließlich Melanom, erhöhen.
  • Leben in Äquatornähe oder in den Bergen.
  • Viele Muttermale oder ungewöhnliche Muttermale. Mehr als 50 Muttermale am Körper bedeuten ein höheres Risiko, ein Melanom zu entwickeln.
  • Eine familiäre Vorgeschichte eines Melanoms. Hat ein Elternteil, ein Kind oder ein Geschwister ein Melanom gehabt, besteht erhöhte Wahrscheinlichkeit, einen Tumor zu entwickeln.
  • Geschwächtes Immunsystem. Menschen mit geschwächtem Immunsystem tragen ein erhöhtes Melanomrisiko. Zum Beispiel Menschen mit HIV/AIDS und Personen, die einer Organtransplantation unterzogen wurden.

 

Wie sieht ein Melanom aus?

Ein Muttermal, das sich verändert, kann ein Problem darstellen, doch nicht alle Veränderungen sind problematisch. Ein Naevus kann sich bilden, vergrößern oder verdicken, aber doch nur ein Naevus bleiben.
Die sogenannte ABCD-Regeln für Melanome sind:

  • Asymmetrie: eine Hälfte des Naevus unterscheidet sich von der anderen.
  • Begrenzung unregelmäßig: der Fleck ist unregelmäßig oder gezackt begrenzt.
  • Colorit: das Muttermal weist verschiedene und unterschiedlich verteilte Farben auf oder hat in Teilen eine komplett andere Farbe, als der restliche Fleck.
  • Durchmesser: das Mal ist größer als der Durchmesser eines Bleistiftradierers.

 

Melanom,Haut,Tumor,Aspekt,SymptomeSymptome des Melanoms

Gewöhnlich hat das Melanom seinen Ursprung in der obersten Hautschicht, doch es kann schnell in die Tiefe der Hautschichten infiltrieren.
Dann breitet es sich über die Blutbahn oder das Lymphsystem aus.
Am häufigsten bilden sich Metastasen auf der Haut, in Lungen, Gehirn, Leber und Knochen.

Symptome des metastasierten Melanoms:

  • Das erste und wichtigste Zeichen des metastasierten Melanoms ist eine Veränderung von Größe, Form oder Farbe eines Naevus oder anderer Zellgebilde, wie einem Muttermal.
  • Diese Veränderungen müssen längere Zeit unter ständiger Beobachtung gehalten werden.
  • Zu Beginn erscheint das Melanom wie ein flacher oder leicht erhabener Auswuchs. Es kann verschiedene Farben haben, von schwarz, braun, grau, rosa, weiß und blau.
  • Oftmals sind die Melanomränder unscharf begrenzt und können sich mit der Haut in der gesunden Umgebung verbinden. Normalerweise sind sie asymmetrisch.
  • In manchen Fällen kann das Melanom bluten.
  • Es kann Juckreiz auf der Haut verursachen, nässen oder schmerzen, kann aber auch völlig asymptomatisch sein.

 

Therapien des Melanoms und Pharmaka

Die bevorzugte Behandlung hängt vom Stadium des Tumors, dem Alter des Patienten und dem Zustand seiner allgemeinen Gesundheit sowie seinen persönlichen Vorzügen ab.

Therapie der Melanome in einem frühen Stadium
Gewöhnlich erfolgt die Therapie im Frühstadium des Melanoms durch eine chirurgische Entfernung. Man kann ein sehr dünnes Melanom vollständig während der Biopsie entfernen.
In einem solchen Fall benötigt es keine weitere Therapie.
Im gegenteiligen Fall entfernt der Chirurg:
1. den Tumor,
2. einen kleinen Randstreifen der gesunden Haut,
3. eine Gewebeschicht unter der Haut.
Bei Patienten mit einem Melanom im Frühstadium kann eine einzige Operation ausreichend sein.

 

Melanom,Metastasen,HautBehandlung metastasierter Melanome

Hat sich das Melanom über das Hautareal hinaus verteilt, kann die Therapie beinhalten:

Chirurgischer Eingriff zur Entfernung der Wächterlymphknoten, wenn sich das Melanom bis zu den benachbarten Lymphknoten ausgebreitet hat.
Es können weitere Behandlungen vor oder nach der chirurgischen Operation angeraten sein.

Chemotherapie. Chemotherapie umfasst einige Arzneimittel, die die Tumorzellen zerstören. Man kann sie intravenös, oral oder in beiden Formen kombiniert verabreichen und sie durchdringt den gesamten Körper.
Die Chemotherapie kann in eine Arm- oder Beinvene verabreicht werden, in einem Verfahren, das sich isolierte Extremitätenperfusion nennt.
Diese Technik verhindert für kurze Zeit die Blutzirkulation des Armes oder Beines in andere Körperbereiche. Auf diese Weise gelangen die chemotherapeutischen Arzneimittel direkt zu dem Melanom und nicht in andere Organe.

Strahlentherapie. Röntgenstrahlen werden genutzt, um Tumorzellen abzutöten. Manchmal kann das die Symptome des Melanoms, das sich auf andere Organe ausgebreitet hat, verringern.

Biologische Therapie. Die biologische Therapie stimuliert das Immunsystem, um dem Organismus zu helfen, Tumorzellen zu eliminieren.
Diese Therapie basiert auf Substanzen, die vom Körper gebildet werden oder auf solchen, die diesen ähnlich sind und im Labor hergestellt werden. Die biologische Therapie, die zur Behandlung des Melanoms verwendet wird, enthält Interferon und Interleukin-2.

Zielgerichtete Therapie. Die zielgerichtete Therapie wird mit Medikamenten durchgeführt, die auf spezifische Signale in Krebszellen abzielen.
Vemurafenib (Zelboraf) ist ein Beispiel für zielgerichtete Therapie und wurde zur Behandlung fortgeschrittener inoperabler oder metastasierender Melanome freigegeben.
Vemurafenib wirkt nur beim Melanom, das durch genetische Mutation entstanden ist.

 

Experimentelle Therapie bei Melanom

Die Forschung nach einigen Therapiemöglichkeiten bei Melanom betrifft:

  • Neue Kombinationstherapien. Zum Beispiel wurden verschiedene Kombinationen von Chemotherapie, biologischer Therapie, gezielter Therapie und Strahlentherapie vorgeschlagen. Jedoch kann die Kombination von mehreren Behandlungsweisen ernste Nebenwirkungen hervorrufen.
  • Neue zielgerichtete Therapien. Zum Beispiel waren zielgerichtete Pharmaka erfolgreich, die das Wachstum des Melanoms blockieren, indem sie kleine Blutgefäße zerstören.
    Diese Blutgefäße bringen Nährstoffe zu dem Melanom und helfen den Tumorzellen, sich im gesamten Körper zu verteilen.
    Ein Medikament, das diesen Prozess blockieren kann, hilft, das Melanom klein und lokalisiert zu halten.
  • Die Therapie, die auf einer Impfung gegen das Melanom beruht, könnte veränderte Tumorzellen in den Körper bringen, um die Aktivität des Immunsystems zu stimulieren.

 

Lebenserwartung

Das Melanom ist die seltenste Tumorform der Haut.
Es repräsentiert 75% der Todesfälle durch Hautkrebs. Die Überlebensrate ist hoch, wenn die Diagnose im Frühstadium des Tumors gestellt wird.
Doch verringert sich die Überlebensrate in späteren Stadien der Erkrankung, bei denen die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.
Die Prognose für das Endstadium ist mit einer 5-Jahresüberlebensrate von 15-20% die schlechteste von allen.
Das Stadium IV bei diesem Tumor ist durch die Verbreitung der Krebszellen in die entfernten Lymphknoten charakterisiert.
Da dieses das letzte Stadium für den Krebs ist, ist die Therapie begrenzt und die Lebenserwartung gering.
Die Überlebensrate verringert sich, je länger die Erkrankung fortbesteht.
Trotzdem darf man die Hoffnung nicht aufgeben.
Die Lebenserwartung verbessert sich, wenn die Therapie hilft, die Ausbreitung der Erkrankung zu begrenzen und wenn der chirurgische Eingriff Erfolg hat.