Schnellender Finger

Der Begriff schnellender Finger, auch Schnappfinger, Springfinger oder medizinisch Tendovaginitis stenosans genannt, bezeichnet eine Erkrankung  der Fingersehnen, die beim Strecken des Fingers eine unnatürliche, ruckartige Bewegung erzeugt.
Die Sehnen der Finger sind wie Schnüre an den Fingerenden befestigt. Beim Anspannen der Unterarmmuskeln, beugen die Sehnen die Finger, bis diese sich zur Faust schließen. Die Sehnen gleiten durch enge Kanäle, die sogenannten Beugersehnenscheiden.

Der Schnappfinger kann durch eine lokale Entzündung oder durch eine Knötchenbildung an der Sehne selbst hervorgerufen werden.
Wenn die Sehnenscheide zu sehr an Volumen zunimmt, wird der Raum, der der Sehne zum Gleiten zur Verfügung steht, eingeengt.

Bei Patienten mit schnellendem Finger gleitet die Fingersehne nicht mehr ruhig und gleichmäßig in ihrer Sehnenscheide.
Die Beugesehne kann sich beim Gleiten in der Sehnenscheide entzünden. Mit der Zeit wird sich diese Entzündung immer mehr verstärken, die Sehne kann verdicken und es können sich kleine Knötchen bilden, die die Gleitbewegung zusätzlich behindern.
Es kann auch zu einer Verdickung der Sehnenscheide kommen, wodurch sich ihr Innendurchmesser verkleinert.
Bei einem Schnappfinger wird die Sehne bei der Streckung vorübergehend in der Sehnenscheide blockiert. Manchmal ist ein entsprechendes Geräusch zu vernehmen, wenn die Sehne den Engpass durchquert und plötzlich nach vorn schnellt.

Ursachen

Welche Ursachen genau zu einem schnellenden Finger führen, ist meist nicht ganz klar und er kann eines Tages ohne ersichtlichen Grund auftreten.
Es kann einen oder mehrere Finger treffen, Zeitpunkt und Position können variieren.
Einige Patienten berichten, dass der Schnappfinger von allein ohne Grund geheilt ist.
Personen, die unter Sehnenentzündungen leiden und bereits wegen einem Karpaltunnelsyndrom, Tennisarm u.ä. beim Arzt waren, haben möglicherweise Monate später einen schnellenden Finger.

Der Schnappfinger entsteht infolge einer Größendifferenz zwischen Sehne und Eingang der Sehnenscheide.

 

Symptome

  • Steifigkeit im Finger, besonders morgens.
  • Ein Schnappgeräusch beim Strecken und das Gefühl, dass sich der Finger verschiebt.
  • Schwellung oder Knötchen am Fingeransatz.
  • In Beugeposition blockierter Finger, der ruckartig nach vorne schnellt.
  • Der Schnappfinger tritt häufiger in der dominanten Hand auf, insbesondere im Daumen, Mittel- und Zeigefinger. Es können auch mehrere Finger gleichzeitig und beide Hände  betroffen sein.
  • Morgens ist das Schnappen typischerweise ausgeprägter, beim Ergreifen eines Gegenstandes oder beim Strecken des Fingers;
  • verschlimmert sich die Erkrankung, können äußere Kräfte notwendig werden, um den betroffenen Finger zu strecken.

 

Therapie

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Bei leichten Symptomen lässt sich das Problem mitunter schon durch einfache Schonung  lösen.
Der Arzt kann zu einer Schiene raten, die den Finger in neutraler Position hält.

Entzündungshemmer aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika, warme oder kalte Packungen und Massagen können symptomlindernd wirken.

Der Arzt kann Kortison in die Sehnenscheide spritzen.
In einigen Fällen ist die Wirkung leider nur von kurzer Dauer und eine zweite Injektion ist notwendig.
Wenn zwei Kortisonspritzen nicht den gewünschten therapeutischen Erfolg bringen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.

Die Injektionen sind wenig sinnvoll, wenn der schnellende Finger bereits seit längerer Zeit besteht oder wenn Begleiterkrankungen vorliegen, wie Diabetes.

 

Operation

Der chirurgische Eingriff bei einem Schnappfinger erfolgt meist ambulant mit örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) oder regionaler Nervenblockade.
Über einen kleinen Hautschnitt (kleiner als 2 cm) wird das den Schnappfinger verursachende Ringband durchtrennt und die Sehne befreit. Auf diese Weise ist die freie Gleitfähigkeit der Sehne wiederhergestellt.

 

 

Komplikationen

  • Unvollständig Streckung durch die anhaltende Verengung der Sehnenscheide.
  • Andauernder Schnappfinger durch eine unvollständige Freigabe der vorderen Sehnenscheide.
  • Bewegungsschwierigkeiten durch übermäßige Freigabe der Sehnenscheide.
  • Infektion.

 

Genesungszeiten

In den meisten Fällen kann der Finger unmittelbar nach der Operation wieder bewegt werden.
Es ist ganz normal, wenn Schmerzen in der Handfläche auftreten. Es empfiehlt sich, die Hand hochzulagern, um Schwellung und Schmerzen zu lindern.
In der Regel ist der Finger wenige Wochen nach der Operation geheilt, aber es kann bis zu einem halben Jahr dauern, bis Schwellung und Steifigkeit vollständig verschwunden sind.
War der Finger vor dem Eingriff schon recht steif, können physikalische Therapien und krankengymnastische Übungen helfen, die Beweglichkeit des Fingers zu verbessern.

 

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