Hoher Blutzucker oder Hyperglykämie

Hoher Blutzucker (oder Hyperglykämie) bedeutet, dass der Zuckerspiegel im Blut vorübergehend erhöht ist.

Die entgegengesetzte Situation wird als Hypoglykämie bezeichnet, also wenn zu wenig Glucose im Blut vorhanden ist.
Insulin ist ein im Körper zirkulierendes Hormon, das den Blutzuckerspiegel erniedrigt und die Menge des Zuckers in den Zellen erhöht, wo er als Energiequelle benötigt wird.

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Gewöhnlich ist ein erhöhter Blutzucker durch ein Defizit von Insulin oder durch die Unfähigkeit des Organismus, das Insulin korrekt zu benutzen, verursacht.
Die entgegengesetzte Situation ist die Hypoglykämie, die von einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist.

Normale Zuckerwerte im Blut
Die Glucosespiegel im Blut variieren bei Diabetespatienten stark zwischen Tag und Nacht.
Die Referenzwerte von Glucose im Blut sollten sich zwischen 90 und 130 mg/dl vor dem Mittag- oder Abendessen befinden und unter 180 mg/dl innerhalb von 1 oder 2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten, während jugendliche und erwachsene Diabetiker einen Blutzuckerspiegel von über 130 mg/dl vor dem Essen haben.

 

Was sind die Ursachen für erhöhten Blutzucker?

Diabetes – Diabetespatienten sind nicht in der Lage, Zucker in Energie umzusetzen, weil ihnen die ausreichende Insulinmenge nicht zur Verfügung steht oder weil das vorhandene Insulin nicht richtig funktioniert. Die Glucose verbleibt im Blut, tritt nicht in die Gewebe ein und verursacht eine Hyperglykämie.
Die Glucose ist auch im Urin erhöht, der Patient trinkt viel Wasser und uriniert oft, in den schwersten Fällen kann er eine Dehydratation erleiden.


Einer der Gründe für einen hohen Blutzucker sind manche Ereignisse oder „Trigger“-Faktoren, die eine Hyperglykämie bei Patienten mit Diabetes auslösen, darunter:

  • Stress
  • Zu häufiges Essen oder Verändern der eigenen Ernährungsweise
  • Eine falsche oder vergessene Dosis an Insulin
  • Übermäßige Therapie bei einer Episode von Unterzuckerung
  • Erkältung
  • Nebenwirkungen eines Medikaments, zum Beispiel Kortison

Manche Medikamente verursachen bei Diabetikern einen hohen Zuckerspiegel als Nebenwirkung.
Zu diesen Medikamenten zählen Olanzapin und Risperidon aus der Kategorie der Neuroleptika sowie die gesamte Familie der Kortikosteroide.

Bestimmte Frauen leiden während der Schwangerschaft unter einer Hyperglykämie als Folge eines Schwangerschaftsdiabetes.
Das ist eine Diabetesart, die auftritt, wenn die Frau nicht in der Lage ist, ausreichend Insulin zu produzieren, um den Bedürfnissen in der Schwangerschaft gerecht zu werden: das führt zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels.
Die meisten Fälle eines Schwangerschaftsdiabetes verschwinden nach der Entbindung wieder.

Kinder mit hohem Blutzucker können einen Diabetes haben, der noch nicht diagnostiziert wurde: gewöhnlich handelt es sich dabei um einen Diabetes mellitus Typ 1, selten um einen Diabetes mellitus Typ 2, vor allem, wenn das Kind nicht übergewichtig ist.


Manchmal haben Säuglinge eine Hyperglykämie: sie ist häufig bei Frühgeburten vor der 37. Schwangerschaftswoche und bei niedrigem Geburtsgewicht.
Zuweilen wird eine Hyperglykämie durch eine zugrunde liegende Erkrankung verursacht, wie eine Blutvergiftung (Sepsis) oder das Atemnotsyndrom des Neugeborenen, also ohne einen vorliegenden Diabetes.
Oftmals geht es Säuglingen mit einer Hyperglykämie ohne entsprechende Therapie besser, auch wenn manche Fälle ausgesprochen schwerwiegend werden.

Dies sind einige Krankheiten, die einen hohen Blutzuckerspiegel verursachen:

  • Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
  • Pankreastumor (Bauchspeicheldrüsenkrebs)
  • Hyperthyreoidismus und Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenerkrankungen)
  • Cushing-Syndrom
  • Ungewöhnliche Tumoren, die Hormone absondern, wie das Glukagonom, das Phäochromozytom, oder das Wachstumshormon sezernierende Tumoren
  • Starker Stress wie ein Infarkt, ein Schlaganfall, Traumen oder ernste Krankheiten verursachen eine vorübergehende Hyperglykämie

 

Symptome bei erhöhtem Blutzuckerspiegel

Hohe Zuckerkonzentrationen im Blut sind ein Anzeichen für Diabetes, obgleich die Hyperglykämie auch symptomlos (ohne ein Symptom bei dem Patienten hervorzurufen) verlaufen kann.

Symptome einer Hyperglykämie manifestieren sich im Verlaufe mehrerer Tage oder Wochen, die häufigsten sind:

  • Mundtrockenheit
  • Durst
  • Häufige und nächtliche Miktion
  • Augenprobleme, zum Beispiel Verschwommensehen
  • Kopfschmerzen
  • Geistige Verwirrtheit
  • Tremor
  • Hauttrockenheit
  • Juckreiz
  • Müdigkeit
  • Schläfrigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Appetitzunahme

Mit der Zeit kann der Patient einige Folgen oder Komplikationen erleiden, wie Kribbeln in Händen und Füßen (diabetogene Neuropathie), weil der erhöhte Zucker Schäden an den Nerven und kleinen Blutgefäßen verursachen kann.

Besteht die Hyperglykämie über mehrere Stunden und ist der Patient dehydriert, treten weitere Symptome auf, zum Beispiel:

  • Dyspnoe
  • Schwindel
  • Rascher Gewichtsverlust
  • Geistige Verwirrtheit und Schläfrigkeit
  • Koma

Ohne eine angemessene Therapie verursacht eine konstante Hyperglykämie eine Ketoazidose, auch bekannt als ketoazidotischer Diabetes: der Organismus hat kein ausreichendes Insulin, um die Glucose in Energie umzuwandeln. Somit verwendet er die Fette und produziert Ketonkörper. Diese Erkrankung führt im Laufe der Zeit zum diabetogenen Koma und der Patient befindet sich in Lebensgefahr.

 

Wann muss man sich Sorgen machen? Diagnose des Diabetes

Es gibt verschiedene Tests, um Diabetes zu diagnostizieren.

Nüchternzucker – Der Patient hat Diabetes, wenn der Blutzuckerspiegel nach 8 Stunden ohne Nahrung über 126 mg/dl steigt. In der Regel erfolgt diese Untersuchung morgens.
Glucosetoleranztest – Nach 8-stündigem Fasten trinkt der Patient ein süßes Getränk: der Arzt diagnostiziert einen Diabetes, wenn der Patient zwei Stunden nach der Einnahme des Getränks einen höheren Blutzucker als 200 mg/dl hat.
Zufälliger Bluttest – Ist bei einer Blutuntersuchung der Blutzucker höher als 200 mg/dl und uriniert der Patient häufiger, hat Durst und verliert Gewicht, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass er einen Diabetes hat. Ein Glucosetoleranztest oder Nüchternzucker ist dann erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen, vor allem, wenn die Hyperglykämie gelegentlich auftritt.

Diabetes ist eine chronische Erkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel konstant erhöht ist: das ist nicht vergleichbar mit einem Schalter, den man ein- oder ausschaltet. Der Patient ist nicht nur für ein paar Stunden oder Tage Diabetiker. Die Zuckerkonzentrationen im Blut, die die Norm übersteigen, sind für den Patienten ungesund. Der erhöhte Blutzucker, der die Kriterien für eine Diabetes-Diagnose nicht erfüllt, fällt in die Kategorie eines Prä-Diabetes.


Dawn-Phänomen
Dieses Phänomen wird durch eine erhöhte Glucoseproduktion in der Leber am frühen Morgen (von 5-6 Uhr) verursacht.
Der Blutzucker steigt und der Patient hat beim Erwachen einen erhöhten Zucker im Blut. Dies kann auch geschehen, wenn der Patient am Abend zuvor Insulin genommen hat.

 

Was ist zu tun? Therapie bei hohem Blutzuckerspiegel

Die Therapie zur Zuckersenkung hängt vom Diabetes-Typ ab, den der Patient hat und von der Art, die der Arzt zur Senkung des erhöhten Blutzuckerspiegels wählt.
Der an Diabetes erkrankte Patient wird von einem Team von Fachärzten betreut, die ihm helfen, sich mit seiner Krankheit zurechtzufinden und sie zu überwachen. Um den Diabetes zu bewältigen, misst der Patient mehrmals zu Hause den Blutzucker mit einem speziellen Set.
Bei Hyperglykämie erhöhen diese Patienten die Insulindosis, führen vermehrt körperliche Aktivitäten durch oder verändern ihre Diät.
Nach dem Sport, der zum Schwitzen führt, kann der Zuckerspiegel im Blut deutlich absinken.
Wichtig ist, Lebensmittel zu vermeiden, die den Blutzuckerspiegel erhöhen, wie Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke.

Hoher Blutzucker oder Hyperglykämie
Hoher Blutzucker oder Hyperglykämie

Wenn ohne ersichtlichen Grund Symptome einer Hyperglykämie auftreten, ist es dringend angezeigt, den Hausarzt aufzusuchen, denn der Patient kann unter einem nicht diagnostizierten Diabetes leiden. Der Patient sollte die Blutuntersuchungen vornehmen lassen, die zur Diagnostik eines Diabetes ausreichend sind. Aufgabe des Hausarztes ist es, dem Patienten zu erklären, wie mit dieser Erkrankung umzugehen ist.

Liegt bei dem Patienten eine Hyperglykämie durch ein akutes Herzkranzgefäßsyndrom vor, verordnet der Arzt eine Insulintherapie. Diese Patienten messen nach dieser Therapie regelmäßig mindestens einmal im Jahr den Blutzucker, da bei ihnen ein erhöhtes Risiko für einen Typ-2-Diabetes vorliegt.

 

Was sollte man essen? Diät bei erhöhtem Blutzucker

Die Ernährung ist das wichtigste natürliche Mittel, um erhöhten Blutzucker zu behandeln.
Leider ist das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin gehemmt (funktioniert nicht), wenn das Blut aufgrund überschüssigen Fettes zu ölig ist.
Insbesondere sollten Transfette vermieden und gesättigte Fette soweit wie möglich reduziert werden.
Zu fettes Blut ist ein Grund erhöhten Blutzuckers, obwohl die Patienten Insulin erhalten.
Ein übergewichtiger Mensch sollte abnehmen, um somit den Blutzucker zu verringern.

Normalerweise wird die Bilanz der täglichen Kalorien mit diesen Lebensmitteln erstellt:

  • „Gute“ Kohlenhydrate – Die gesündesten Kohlenhydrate für den Diabetespatienten sind in Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten wie Bohnen, Erbsen und Linsen oder in fettarmen Lebensmitteln enthalten.
  • Ballaststoffreiche Lebensmittel – Das sind grünes Blattgemüse, Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen, Vollkornmehl und Weizenkleie.
  • Fisch – Diesen Patienten wird empfohlen, etwa zweimal in der Woche Fisch zu essen: das ist eine gute Alternative zu dem fetthaltigeren Fleisch. Zum Beispiel enthalten Kabeljau und Thunfisch weniger Gesamtfett, ungesättigte Fettsäuren und Cholesterin als das Fleisch von Schwein, Rind und Huhn. Fische wie Lachs, Makrele, Thunfisch, Sardinen und Fettfisch sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die die Herzfunktion durch das Absenken der Triglyceride im Blut fördern.
  • „Gute“ Fette – Lebensmittel, die einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten wie Avocados, Mandeln, Walnüsse, Oliven und Erdnussöl senken den Cholesterinspiegel.
  • Erdnüsse
  • Frisches und zuckerarmes Obst wie Blaubeeren, Himbeeren, Birnen, Melonen, Pampelmusen und Kirschen.


Dies sind für Diabetiker zu vermeidende Lebensmittel:

  • Gesättigte Fettsäuren – Fetthaltige Milchprodukte und Lebensmittel mit viel tierischem Eiweiß wie Fleisch, Hot Dogs, Würstchen und Speck enthalten große Mengen an Fettsäuren.
  • Transfette – Diese Fettarten finden sich in Snacks, Backwaren und Margarine: sie sollten vollkommen vermieden werden.
  • Cholesterin – Quellen hohen Cholesteringehalts sind fettreiche Milchprodukte und Lebensmittel mit viel tierischen Eiweißen, wie Eigelb, Krustentiere und Leber.
  • Natrium – Man sollte weniger als 2,5 Gramm Natrium pro Tag in Speisen zu sich nehmen.
  • Obst mit hohem Zuckergehalt wie Wassermelone, Weintrauben, Rosinen, Ananas und Aprikosen.

Zu vermeiden sind proteinreiche Diäten wie die nach Zone oder Dukan.

Diabetiker verwenden den glykämischen Index, um die Wirkung der Kohlenhydrate in der Ernährung festzustellen. Nahrungsmittel mit einem erhöhten glykämischen Index verursachen einen größeren und schnelleren Anstieg des Blutzuckerspiegels im Vergleich zu Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index. Komplexe Kohlenhydrate mit hohem Ballaststoffanteil, wie Vollkornreis, Vollkornbrot oder Müsli, haben einen niedrigeren glykämischen Index gegenüber den einfachen Kohlenhydraten wie Reis oder Weißbrot und sind besser, denn sie verursachen nur selten Blutzuckerspitzen.

Beispiel einer empfohlenen Diät
Das folgende Menü wurde für eine Person, die etwa 1400 Kalorien pro Tag verbraucht, erstellt. Bei einer Programmierung für eine langfristige Diät muss die körperliche Aktivität berücksichtigt werden, die ein Patient durchführt.

Frühstück – 1 Tasse Tee ohne Zucker oder eine Limonade (Zitronensaft) und 2 Scheiben Toastbrot
Zwischenmahlzeit – 1 Frucht
Mittagessen – Gebackenes Huhn oder Kaninchen, 50 g Brot oder Kartoffeln und 100 g gemischtes Gemüse
Nach dem Essen ist ein Glas Rotwein oder Bier erlaubt
Nachmittag – 1 Stück hausgemachter Kuchen ohne Zucker oder mit Süßstoff
Abendessen – 80 g Reis mit Gemüse und 100 g Tomaten