Großes Blutbild in der Blutuntersuchung

Blutuntersuchungen beinhalten das komplette Blutbild mit Differentialblutbild (oder Hämogramm), das die Zellelemente im Blut zeigt: rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Thrombozyten (Blutplättchen).

Man muss vor einem kompletten Blutbild nicht nüchtern sein, doch ist es für die Blutanalysen erforderlich (besonders bei der Blutzuckeruntersuchung).

Ärztin,Untersuchung,Blut,BlutbildDie Labors unterscheiden sich etwas bei der Auslegung der Ergebnisse, so dass der absolute Wert dieser Zahlen nicht berücksichtigt werden darf.

Hier eine Liste der Positionen, die der Arzt mithilfe der Anhaltswerte interpretiert:

Anzahl der Leukozyten (weiße Blutkörperchen)
Normalwerte: von 4.300 bis 10.800 Zellen/µl

Die weißen Blutkörperchen helfen bei der Bekämpfung von Infektionen. Daher kann eine Erhöhung der Leukozytenzahl zum Nachweis einer Infektion nützlich sein. Sie kann aber auch auf eine Leukämie hinweisen, die eine Erhöhung der Anzahl der weißen Blutkörperchen verursachen kann.
Andererseits kann der Mangel weißer Blutkörperchen durch bestimmte Medikamente oder Krankheiten verursacht sein.

Was ist die Leukozytenzahl?
Die weißen Blutkörperchen schützen den Körper gegen Infektionen.
Normale Ergebnisse
4.300 – 10.800 Zellen/µl
Was führt zu einer niedrigen Leukozytenzahl?
Krankheiten des Knochenmarks, Chemotherapie, Autoimmunerkrankungen, Virusinfektionen.
Was führt zu einer erhöhten Leukozytenzahl?
Infektionen, Entzündungen, Krebs, Leukämie, intensives Training, Stress, Kortikosteroide.

Differentialblutbild
Normale Referenzwerte:

  • Neutrophile 40% bis 60% vom Gesamtwert
  • Lymphozyten 20% bis 40%
  • Monozyten 2% bis 8%
  • Eosinophile 1% bis 4%
  • Basophile 0,5% bis 1%


Diese Untersuchung misst Anzahl, Form und Größe der verschiedenen Arten der weißen Blutkörperchen. Die differenzierte Leukozytenzählung zeigt auch, ob die Anzahl der verschiedenen Zellen im richtigen Verhältnis zueinander stehen.
Eine Anomalie bei dieser Untersuchung könnte auf eine Infektion, Entzündung, Autoimmunerkrankung, Anämie oder andere Erkrankungen hinweisen.

Erniedrigte Neutrophilen-Werte
Die Neutrophile sind die zahlreichsten weißen Blutkörperchen im Blut.
Diese Zellen haben die Aufgabe, den Körper vor Infektionen zu schützen.
Ursachen für eine niedrige Anzahl an Neutrophilen:

  • Alkoholismus
  • Aplastische Anämie
  • Chemotherapie
  • Medikamente wie Antibiotika und Diuretika
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Hepatitis C
  • HIV/AIDS
  • Milzvergrößerung, eine vorzeitige Zerstörung von Blutzellen in der Milz
  • Hyperthyreoidismus
  • Leukämie
  • Lupus
  • Lyme-Krankheit
  • Malaria
  • Myelofibrose
  • Andere Autoimmunkrankheiten
  • Parasiten
  • Strahlentherapie
  • Rheumatoide Arthritis
  • Salmonellen-Infektion
  • Sepsis
  • Vitaminmangel


Die Symptome einer Neutropenie (Verminderung der Neutrophilen) können schwerwiegend oder leicht sein.
Typische Symptome sind:

  1. Fieber
  2. Lungenentzündung (Pneumonie)
  3. Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  4. Mittelohrinfektion (Otitis media)
  5. Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
  6. Bauchnabelentzündung (Omphalitis)
  7. Hautabszesse
  8. Die schwere kongenitale Neutropenie kann mit schweren Symptomen einhergehen. Symptome schließen meist bakterielle Infektionen ein.

Erhöhte Neutrophilen-Werte
Eine Erhöhung der Neutrophilenzahl kann durch Folgendes verursacht sein:

  1. Akute Infektion
  2. Akuten Stress
  3. Eklampsie
  4. Gicht
  5. Leukämie
  6. Rheumatisches Fieber
  7. Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis)
  8. Trauma

 

Anzahl der Erythrozyten (rote Blutkörperchen)
Normalwerte: von 4,2 bis 5,9 Mio./µl
Im Körper sind Millionen roter Blutkörperchen vorhanden. Diese Untersuchung misst die Anzahl der roten Blutkörperchen in einer bestimmten Blutmenge. Das dient dazu, die Gesamtzahl der roten Blutkörperchen zu bestimmen und gibt uns eine Vorstellung von ihrer Lebensdauer, sagt uns aber nicht, woher die Probleme kommen.
Wenn es Anomalien gibt, verordnet der Arzt andere Untersuchungen.


Was ist die Erythrozytenzahl?
Die roten Blutkörperchen binden den Sauerstoff aus dem Blut und transportieren ihn zu den Geweben des gesamten Körpers.
Normale Ergebnisse
Männer: 4,7-6,1 Mio./µl
Frauen: 4,2-5,4 Mio./µl

Warum ist die Zahl der roten Blutkörperchen erniedrigt?
Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure, Knochenmarkstörungen.
Warum ist die Zahl der roten Blutkörperchen erhöht?
Dehydratation, Nierenprobleme, angeborene Herz- oder Lungenerkrankung.

Hämatokrit (Hkt)
Normalwerte: von 45% bis 52% für Männer; von 37 bis 48% für Frauen.
Diese Untersuchung dient der Anämiediagnose und bestimmt, welcher Anteil des Gesamtvolumens des Blutes im Körper von roten Blutkörperchen gebildet wird.

Was ist der Hämatokrit?
Die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut.
Referenzwerte
Männer: 40,7 – 50,3%
Frauen: 36,1 – 44,3%

Ursachen von erniedrigtem Hämatokrit
Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure oder auch Erkrankungen des Knochenmarks.
Ursachen von erhöhtem Hämatokrit
Dehydratation, Nierenstörungen, angeborene Herz- und Lungenerkrankungen.

 

Hämoglobin (Hb)
Normalwerte: 13-18 g/dl für Männer; 12-16 g/dl für Frauen.
Die roten Blutkörperchen enthalten Hämoglobin, das dem Blut die kräftige rote Farbe gibt. Noch wichtiger ist, dass das Hämoglobin den Sauerstoff von den Lungen in den ganzen Körper und anschließend das Kohlendioxid zu den Lungen transportiert, wo es abgeatmet wird.
Die Hämoglobinspiegel variieren bei gesunden Menschen je nach Geschlecht. Niedrige Hämoglobinspiegel können auf eine Anämie hinweisen.

Was ist Hämoglobin?
Es ist eine farbige Substanz, die den Sauerstoff in den roten Blutkörperchen transportiert.
Normale Ergebnisse
Männer: 13,8 – 17,2 g/dl
Frauen: 12,1 – 15,1 g/dl
Was bedeutet erniedrigtes Hämoglobin?
Mangel an Vitamin B12, Eisen oder Folsäure, Störungen des Knochenmarks.
Was bedeutet erhöhtes Hämoglobin?
Dehydratation, Nierenprobleme, Herz- oder Lungenerkrankungen.

Mittleres Erythrozyteneinzelvolumen (MCV)
Normalwerte: von 80 bis 100 Femtoliter
Diese Untersuchung misst das mittlere Volumen der roten Blutkörperchen oder die mittlere Menge des Raumes, den jedes rote Blutkörperchen einnimmt.
Eine Anomalie könnte auf eine Anämie und/oder auf ein chronisches Erschöpfungssyndrom hinweisen.

Was bedeutet das MCV?
Dieser Wert zeigt die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen an.
Normale Ergebnisse
Von 80 bis 95 fl

Was bedeutet ein erniedrigtes MCV?
Eisenmangel.
Was bedeutet ein erhöhtes MCV?
Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure.

Mittlerer korpuskulärer Hämoglobingehalt (MCH)
Normalwerte: 27-32 Picogramm
Diese Untersuchung misst die mittlere Hämoglobinmenge im roten Blutkörperchen. Sehr hohe Ergebnisse könnten auf eine Anämie hinweisen, während zu niedrige Werte auf einen Ernährungsmangel verweisen können.


Was bedeutet der MCH?
Die Menge an Hämoglobin in roten Blutkörperchen.
Normale Ergebnisse
27 – 31 pg
Was bedeutet ein erniedrigtes MCH?
Eisenmangel.
Was bedeutet ein erhöhtes MCH?
Wie für das mittlere Zellvolumen der roten Blutkörperchen kann auch hier ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure vorliegen.

Mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration (MCHC)
Normalwerte: 28-36%
Die Untersuchung der MCHC bezeichnet die mittlere Konzentration des Hämoglobins in einer bestimmten Anzahl roter Blutkörperchen.
Es weist auf eine Anämie hin, wenn die Zahl gering ist, oder eine mögliche Mangelernährung, wenn die Zahl hoch ist.

Erythrozytenverteilungsbreite (EVB)
Normale Ergebnisse: 11-15%
Ist der Prozentsatz hoch, bedeutet dies, dass die Mehrzahl der roten Blutkörperchen eine unterschiedliche Größe haben.
Ist der Wert niedrig, bedeutet es, dass die meisten roten Blutkörperchen die gleiche Größe haben.
Ein hoher EVB-Wert ist ein möglicher Hinweis auf:

  • Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure
  • Autoimmune hämolytische Anämie oder Sichelzellanämie
  • Chemotherapie
  • Chronische Lebererkrankung
Großes Blutbild in der Blutuntersuchung
Großes Blutbild in der Blutuntersuchung

Anzahl der Thrombozyten
Normale Werte: von 150.000 bis 400.000 ml
Thrombozyten sind kleine Blutbestandteile, die der Gerinnung des Blutes dienen.
Zu viele oder zu wenige Thrombozyten können die Gerinnung auf verschiedene Weise beeinflussen.
Die Anzahl der Blutplättchen kann auch auf eine Krankheit hinweisen.

Was ist die Thrombozytenzahl?
Blutblättchen sind Zellen, die dem Verschluss von Hautverletzungen dienen und Blutverlust verhindern.

Normale Ergebnisse
150.000 – 400.000 µl

Was bedeuten erniedrigte Thrombozytenzahlen?
Virusinfektion, Leukämie, Chemotherapie, Lupus oder perniziöse Anämie (Defizit an Vitamin B12)
Was bedeuten hohe Thrombozytenzahlen?
Leukämie, myeloproliferative Erkrankungen (was zu einem abnormen Wachstum der Blutzellen im Knochenmark führt), Entzündungskrankheiten.

Mittleres Thrombozytenvolumen (MTV)
Normalwerte: von 7,5 bis 11,5 Femtoliter
Diese Untersuchung misst die mittlere Größe der Blutplättchen.

Ein höherer Wert bedeutet, dass die Thrombozyten größer sind, was einen Risikofaktor für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall darstellt.
Ein niedrigerer Wert weist auf kleinere Blutplättchen hin und bedeutet, dass der Patient dem Risiko einer Blutung ausgesetzt ist.

 

BKS

Die BKS oder Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit ist eine Untersuchung des Blutes, die eine Entzündung im Körper aufdecken kann.
Eine BKS-Untersuchung allein bringt nicht viel, kann dem Arzt jedoch dazu dienen, eine Entzündungskrankheit zu diagnostizieren oder ihren Verlauf zu verfolgen.

Wenn das Blut entnommen wird, wird es in eine hohe und schmale Pipette gefüllt, die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sinken nach und nach zum Boden ab.
Eine Entzündung kann eine Anhäufung roter Blutkörperchen verursachen, die dadurch sehr schnell absinken.
Bei der BKS misst man die Zeit, die die Erythrozyten pro Stunde benötigen, um sich in einer Pipette abzusetzen.

Normale Werte (Westergren-Methode):

  • Männer unter 50 Jahre: weniger als 15 mm/h
  • Männer über 50 Jahre: weniger als 20 mm/h
  • Frauen unter 50 Jahre: weniger als 20 mm/h
  • Frauen über 50 Jahre: weniger als 30 mm/h

Kinder:

  • Neugeborene: 0 bis 2 mm/h
  • Säuglinge bis zur Pubertät: 3 bis 13 mm/h

Eine erhöhte BKS kann vorliegen bei:

  • Anämie
  • Tumoren wie Lymphom oder multiples Myelom
  • Nierenkrankheiten
  • Schwangerschaft
  • Schilddrüsenerkrankungen

Zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen gehören:

  1. Lupus
  2. Rheumatoide Arthritis bei Erwachsenen und Kindern

Eine stark erhöhte BKS kann bei Autoimmunerkrankungen auftreten, wie:

  1. Allergische Vaskulitis
  2. Riesenzellarteriitis
  3. Hyperfibrinogenämie (erhöhtes Fibrinogen im Blut)
  4. Primäre Makroglobulinämie
  5. Nekrotisierende Vaskulitis
  6. Polymyalgia rheumatica

Eine hohe BKS kann bei einigen Infektionen auftreten, darunter:

  1. Systemische Infektionen
  2. Knocheninfektionen
  3. Infektion des Herzens oder der Herzklappen
  4. Rheumatisches Fieber
  5. Tuberkulose


Bei den Blutanalysen können auch periphere Abstriche durchgeführt werden, eine Untersuchung, die Informationen über Anzahl und Form der Blutzellen gibt.
Sie erfolgen zum Ausschluss möglicher Anomalien von Größe, Form und Struktur der roten Blutkörperchen und Blutplättchen.