Eiweiß im Urin oder Proteinurie

Was bedeutet es, wenn sich Proteine im Urin befinden?
Der Ausscheidungsapparat (der aus Nieren, Harnleitern und Harnröhre besteht) ist eines der wichtigsten Systeme im Körper.

Die Nieren (Hauptorgane des Ausscheidungsapparates) filtern die Abfallprodukte aus dem Blut, die dann über den Urin aus dem Körper ausgeschieden werden.

Da Eiweißmoleküle groß sind, können sie normalerweise die Gefäßknäuel der Niere (Glomeruli) oder Nierenfilter nicht passieren.
In der Regel sollten keine Proteine im Urin vorzufinden sein, doch sind einige Spuren davon normal.
Trotzdem können manchmal zu viele Proteine im Urin vorhanden sein.

Die Referenzwerte für Proteine im Urin liegen zwischen 0,8 und 2 g/l, also ist eine Menge von 50/100 mg völlig normal.
Manche Substanzen wie Zucker und Eiweiß verursachen ein hohes spezifisches Gewicht des Urins, dessen Wert zwischen 1002 und 1028 g/l liegen sollte.
Bei Frauen ist wichtig, nach Ende des Zyklus 4-5 Tage abzuwarten, ehe eine Urinuntersuchung vorgenommen wird, um eine Kontamination des Harns mit Menstruationsblut zu vermeiden.

 

Ursachen und Arten der Proteinurie

Transiente Proteinurie
Es gibt einige Krankheiten, die vorübergehend zu einer Erhöhung der Eiweißspiegel führen können.
Eine transiente Proteinurie ist kein Grund zur Sorge, da sie an keine ernsten Erkrankungen gebunden ist.
Im Übrigen bildet sie sich meist selbst wieder zurück.
Dieses Krankheitsbild kann auftreten durch:

► Extreme Kälteexposition
► Hitzeexposition
► Hohes Fieber
► Intensive körperliche Aktivität
► Stress

Oftmals verursacht eine geringe Erhöhung des Proteinspiegels im Urin keine Symptome. Außerdem sinken die Eiweißspiegel nach Genesung von der Krankheit wieder.

Orthostatische Proteinurie
Die orthostatische Proteinurie (lageabhängige Proteinurie) ist eine andere Art von Proteinurie, bei der die Menge der Proteine im Urin höher ist, wenn die Person tagsüber steht.
Man weiß nicht, wovon diese Art der Proteinurie abhängt.
Man beobachtet diese Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen, die groß und schlank sind.
Die Sekretion der Proteine geschieht vor allem tagsüber, wenn die Aktivitätslevel hoch sind.
Deshalb enthalten morgendliche Urinproben kein Protein.

Persistierende Proteinurie
Stark erhöhte Proteinspiegel im Urin weisen meist auf einige Krankheiten hin.
Abnorme Proteinmengen können auf folgende systemische Erkrankungen hinweisen:


► Die polyzystische Niere ist eine Krankheit, die durch die Entwicklung vieler Zysten in den Nieren zur Vergrößerung dieser Organe führt. Oftmals verursacht das Bluthochdruck (Hypertonie). Von dieser Nierenkrankheit betroffene Menschen können erhöhte Proteinwerte im Urin haben.
► Proteinurie kann durch eine Infektion der Nieren, eine Glomerulonephritis (Entzündung der Glomeruli), das Goodpasture-Syndrom (eine Autoimmunerkrankung, die die Nieren betrifft) und durch chronische renale Krisen verursacht sein.
Im Falle einer Niereninfektion werden auch erhöhte Leukozyten im Urin gefunden, der häufig einen üblen Geruch hat.
► Diabetes (eine Krankheit, die durch hohe Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist) kann die Nieren schädigen, indem die Fähigkeit dieses Organs betroffen ist, das Blut zu filtrieren oder die Proteine in den Kreislauf zu resorbieren.
► Hoher Blutdruck ist eine der Hauptursachen bei Nierenkrankheiten. Die Hypertonie schädigt die Arterien innerhalb und im Umfeld der Nieren und beeinflusst somit auf negative Weise die Funktionsfähigkeit dieser Organe.
► Die langzeitige Einnahme einiger nichtsteroidaler Entzündungshemmer kann zur Proteinurie führen.
► Die Amyloidose (eine Krankheit, die durch das Wachstum von Proteinen in Geweben und Organen gekennzeichnet ist) kann ein auslösender Faktor sein.
► Die Präeklampsie ist eine Komplikation in der Schwangerschaft, die nach der zwanzigsten Schwangerschaftswoche auftreten kann. Charakteristisch sind Proteinurie und Hypertension.
► Verantwortlich für eine Proteinurie können auch die rheumatoide Arthritis, Herzerkrankungen, Hodgkin-Lymphom, multiples Myelom, Lupus, Sarkoidose usw. sein.

 

Abnorme Werte im 24-Stunden-Sammelurin

Protein im 24-Stunden-Urin mehr als 150 mg Proteinurie
Verhältnis Albumin Kreatinin etwa 35 – 300 mg pro Gramm Kreatinin Albuminurie
Verhältnis Albumin Kreatinin mehr als 30 pro Gramm Kreatinin Mikroalbuminurie
Verhältnis Protein im Urin Kreatinin mehr als 3,5 Gramm Protein pro Gramm Kreatinin Niereninsuffizienz

 

Mögliche Ursachen für Protein im Urin bei Kindern

Training, Stress und Krankheit
Obwohl Krankheiten der Nieren und der Glomeruli mit einer Proteinurie vergesellschaftet sein können, tritt die transiente Proteinurie meist bei gutartigen Erkrankungen auf.


Anstrengungen und schweres sportliches Training sind die häufigsten Faktoren, die eine vorübergehende Erhöhung des Proteinspiegels im Urin verursachen können. Weitere Faktoren, die bei Kindern eine transiente Proteinurie verursachen können, sind:

  • emotionaler Stress,
  • Infektionen,
  • Fieber,
  • extreme Kälte- oder Hitzeexposition,
  • Verabreichung von Adrenalin,
  • Apoplexie (plötzliche Durchblutungsstörung).

Orthostatische Proteinurie
Eine andere häufige Ursache für Protein im Urin ist die orthostatische Proteinurie.
Dies ist eine gutartige Krankheit, die gekennzeichnet ist durch eine vermehrte Sekretion von Protein in den Urin während des Tages, wenn sich das Kind in einer aufrechten Position befindet.
Während der Nacht, wenn das Kind schläft, ist die Proteinausscheidung in den Urin normal.
Die orthostatische Proteinurie ist an kein Krankheitsbild oder an eine Nierenstörung gebunden.

Nephrotisches Syndrom im Kindesalter
Die persistierende Proteinurie kann durch glomeruläre Erkrankungen oder Störungen verursacht sein, die die glomeruläre Filtration beeinträchtigt.
Eine der häufigsten Ursachen der Proteinurie bei Kindern ist das nephrotische Syndrom, das meist Kinder in der Altersgruppe von 2 bis 5 Jahren betrifft.
Jedoch ist das nephrotische Syndrom keine eigenständige Krankheit.
Vielmehr ist es eine Sammelbezeichnung für eine Reihe von Anzeichen und Symptomen, die in der Regel gleichzeitig auftreten.
Zwei andere Erkrankungen, die ein nephrotisches Syndrom im Kindesalter und eine Proteinurie verursachen können, sind die fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS) und die membranoproliferative Glomerulonephritis (MPGN).

 

Symptome der Proteinurie

Die Proteinurie kann vor allem in der Anfangsphase völlig symptomlos verlaufen. Wenn jedoch Proteine im Urin erhöht sind, können folgende Symptome und Folgen auftreten:

✦ Schäumender Urin mit Blasenbildung
✦ Schwellung von Armen, Händen, Gesicht, Bauch, Knöcheln und Füßen
✦ Gewichtszunahme (aufgrund der Retention von Flüssigkeiten)
✦ Appetitverlust
✦ Rückenschmerzen
✦ Schmerzen oder brennendes Gefühl beim Wasserlassen
✦ Übelkeit und Müdigkeit
✦ Verminderte Konzentration

Wenn die Proteine mit dem Urin ausgeschieden werden, reagieren sie mit der Luft und der Urin erscheint schäumend.
Das Ödem (oder die Flüssigkeitsretention) verursacht Symptome wie Gewichtszunahme und Schwellung an Händen, Gesicht und anderen Körperbereichen.
Das ist eine Erkrankung, bei der sich Flüssigkeiten im Körpergewebe ansammeln.
Wenn eine große Menge von Proteinen (vor allem Albumine) aus dem Körper entfernt wird, tritt die Flüssigkeit aus dem Kreislaufsystem aus und sammelt sich in den Geweben an.

 

Wann muss man sich Sorgen machen?

Proteine im Urin können durch eine vorübergehende Situation oder aber durch eine ernste Krankheit verursacht sein. In jedem Falle muss man mit dem Arzt sprechen, um die Ursache des Problems zu ergründen.

 

Proteinuntersuchung im Urin

Normalerweise ist das Vorhandensein von Protein im Urin anhand eines „Teststreifens“ festzustellen, mit dem eine Urinstichprobe untersucht wird, indem ein Papierstreifen mit chemischen Reagenzien eingetaucht wird.
Enthält die Urinprobe zu viel Protein, ändert der Teststreifen seine Farbe.
In einer Urinstichprobe gilt ein Gehalt von 0-8 mg/dl Protein als normal.

Diese Untersuchung weist jedoch hauptsächlich auf das Vorkommen von Albumin hin und kann manchmal zu falsch positiven Ergebnissen führen.
Es muss daher eine andere Urinuntersuchung folgen, zu der die Probe aus einem 24-Stunden-Urin erforderlich ist.
Diese Proteinuntersuchung im 24-Stunden-Urin ist verlässlicher als die reaktive Teststreifenuntersuchung und kann auch Proteine messen, die sich von Albumin unterscheiden.
Ein Urinproteinspiegel von weniger als 80 mg am Tag oder weniger als 10 mg pro Deziliter Urin wird bei diesem Test als normal angesehen.


24-Stunden-Urin-Untersuchung auf Proteine und die Kreatinin-Clearance
Zur Messung der Proteine und der Kreatinin-Clearance ist die Untersuchung des 24-Stunden-Urins erforderlich.
Die Beziehung zwischen Protein und Kreatinin im Urin hilft bei der Bewertung und Kontrolle der Nierenfunktion.

Bei der Urinroutineuntersuchung erfolgt die Untersuchung von Proteinen im Urin in der Regel mittels Teststreifen.
Wird eine größere Menge Protein bei einer Untersuchung mit Teststreifen oder bei einer spontanen Urinprobe vorgefunden, erfolgt die Untersuchung aus dem 24-Stunden-Sammelurin.
Eine zu einem beliebigen Zeitpunkt entnommene Urinprobe wird als Spontanurin bezeichnet.
Hauptsächlich findet man in den Urinproben das Protein „Albumin“, das in größeren Mengen bei Nierenfunktionsstörungen vorliegt, weil Albumin in größeren Mengen im Blut vorhanden ist. Mit dieser Untersuchung lassen sich nicht nur Albumin, sondern auch andere Proteine messen.

 

Eiweiß im Urin oder Proteinurie
Eiweiß im Urin oder Proteinurie

Protein im Urin während der Schwangerschaft

Das Vorhandensein von zu viel Protein im Urin kann bei schwangeren Frauen ein Zeichen für gewisse Krankheiten sein.

Ist hingegen nur eine geringe Menge von Protein im Urin vorhanden, muss deshalb kein größeres gesundheitliches Problem bestehen.

Ursachen der Proteinurie in der Schwangerschaft
Das Vorhandensein einer erhöhten Proteinmenge im Urin während der Schwangerschaft kann bedeuten, dass ein Problem mit den Nieren und den Glomeruli besteht.
Nierenkrankheiten (wie Glomerulonephritis oder nephrotisches Syndrom) können mit einer Proteinurie zusammenhängen, denn sie beeinträchtigen die Filterkapazität der Nieren.
Manche Tumoren können eine Glomerulonephritis verursachen, zum Beispiel das Lymphom, Tumoren an Dickdarm, Magen, Lunge, Brust, Niere usw.

Bei schwangeren Frauen kann eine erhebliche Menge von Proteinen im Urin mit Infektionen des Urogenitaltraktes oder einer Blasenentzündung (Zystitis) zusammenhängen.
Außerdem kann eine Verbindung zwischen hohem Blutdruck und hohen Proteinspiegeln im Urin vorliegen, vor allem in einem fortgeschrittenen Schwangerschaftsstatus.
In dieser Phase der Schwangerschaft kann eine Proteinurie mit einer Präeklampsie verbunden sein.
Präeklampsie ist eine Erkrankung, bei der während der Schwangerschaft der arterielle Blutdruck auf abnorme Weise erhöht ist.

 

Diagnose von Eiweiß im Urin

Vor allem sollte der Arzt aufgesucht werden, wenn die Vermutung auf eine vermehrte Proteinausscheidung im Urin besteht.
Wenn häufig schäumender Urin mit Blasenbildung auf der Oberfläche erscheint, sollte der Arzt so bald wie möglich aufgesucht werden.

Weitere mögliche Symptome einer Proteinurie:

  • Schwellung des ganzen Körpers oder von Körperteilen
  • Geschwollene Augen
  • Chronische Müdigkeit
  • Gewichtserhöhung usw.

Die Ärzte analysieren und untersuchen die Urinproben und bestimmen die im Urin ausgeschiedene Proteinmenge.
Auch eine Nierenbiopsie kann erfolgen, um genaue Probleme und Störungen der Niere herauszufinden.
Bei Niereninfektionen werden Antibiotika verordnet; bei Diabetes und hohem Blutdruck werden die Patienten gebeten, die Blutzuckerspiegel und Blutdruckwerte zu kontrollieren.

 

Was ist zu tun? Naturheilmittel zur Verringerung des Proteins im Urin

Die Behandlung von Protein im Urin hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Diät und Ernährung
Außer Medikamenten empfehlen Ärzte den Patienten auch eine proteinarme Diät, damit die Nieren nicht zu sehr belastet werden, wenn sie die Proteine filtrieren. Sie bitten die Patienten, die unter Proteinurie leiden, einige Nahrungsmittel zu vermeiden, die einen hohen Eiweißanteil haben, wie:

  • Soja
  • Käse
  • Milch
  • Geflügel
  • Fleisch
  • Trockenobst usw.

Stattdessen sollten in die Ernährung verschiedene Obst- und Gemüsesorten aufgenommen werden. Die Patienten sollen mehr trinken, da die Nieren mehr Wasser zur Filtration der Proteine benötigen. Das Trinken von reichlich Wasser und frischen Fruchtsäften hilft den Patienten, sich schneller zu erholen.