Verstopfung oder Obstipation

Als Verstopfung oder Obstipation wird eine zu seltene, weniger als dreimal wöchentliche Darmentleerung definiert, eine schwere oder hartnäckige Verstopfung bedeutet, dass der Darm weniger als einmal pro Woche entleert wird.
Verstopfung ist für viele Menschen ein heikles Thema: Nur wenige sprechen offen über ihre Verdauung.

Wer schon einmal darunter gelitten hat weiß jedoch, dass es ein schmerzhafter und frustrierender Zustand sein kann.
Fast jeder leidet im Laufe seines Lebens einmal unter Verstopfung.

Frauen und ältere Menschen sind häufiger betroffen als Männer.

Wie häufig die Darmentleerung normalerweise stattfindet, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Personen gehen dreimal täglich zur Toilette, andere dagegen nur ein- bis zweimal pro Woche.

 

Formen

Die Verstopfung lässt sich in zwei Kategorien unterteilen:

  • Die akute Verstopfung tritt über einen begrenzten Zeitraum auf, normalerweise ist der Patient nicht verstopft; die Obstipation kann beispielsweise durch eine Reise verursacht werden, eine Auswirkung des langen Stillliegens nach einer Operation sein oder nach einer Geburt (normaler Geburt oder Kaiserschnitt) auftreten.
  • Die chronische Verstopfung spricht man, wenn die Symptome über lange Zeit anhalten.

 

Ursachen für Verstopfung

Um die Obstipation besser verstehen zu können, muss man die Funktionsweise des Dickdarms kennen: im Dickdarm wird den Verdauungsprodukten Flüssigkeit entzogen und es entstehen die festen Abfallstoffe, der Stuhl.
Durch die Muskeltätigkeit des Dickdarms wird der Stuhl in Richtung Enddarm gedrückt.
Eine Verstopfung entsteht, wenn der Dickdarm zu viel Flüssigkeit aufnimmt oder wenn der Darm träge und die Muskeltätigkeit stark verlangsamt ist. Dann wandert der Stuhl sehr langsam durch den Dickdarm.
Der Stuhl wird dadurch hart und trocken.

Ballaststoffarme Ernährung
Wer reichlich Ballaststoffe zu sich nimmt, hat eine geringere Wahrscheinlichkeit, an Verstopfung zu leiden.
Zu den häufigsten Ursachen von Verstopfung gehört eine ballaststoffarme oder sehr fetthaltige Ernährung, bestehend aus Wurst, Eiern und Käse.

Wasserlösliche und wasserunlösliche Ballaststoffe sich die Teile von Obst, Gemüse und Getreide, die der Körper nicht verdauen kann.
Wasserlösliche Ballaststoffe lösen sich leicht in Wasser auf und nehmen im Darm eine weiche, gelartige Konsistenz an. Die wasserunlöslichen Ballaststoffe bleiben während ihrer Passage durch den Darm praktisch unverändert. Das Volumen und die weiche Konsistenz der Ballaststoffe helfen, hartem und trockenem Stuhl vorzubeugen, der eine Darmentleerung erschwert.
Die American Dietetic Association empfiehlt eine Tagesration an Ballaststoffen von 20-35 g.
Kinder und Erwachsene essen oft zu viel raffinierte und umgewandelte Nahrungsmittel, denen die Ballaststoffe entzogen wurden.
Wer viele Fertigprodukte und Fertigspeisen zu sich nimmt, beispielsweise im Fastfood-Restaurant, ernährt sich ballaststoffarm.

Flüssigkeitsmangel
Die Forschung zeigt, dass sich die Verstopfung bei einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr nicht unbedingt bessert, viele Personen verspüren jedoch ein wenig Erleichterung, wenn sie Wasser oder Zitronensaft trinken (vorzugsweise morgens).
Die Flüssigkeit gelangt in den Darm und vergrößert das Volumen des Stuhls, was die Ausscheidung flüssiger macht.
Wer an Verstopfung leidet, sollte täglich viel Flüssigkeit zu sich nehmen; koffeinhaltige Getränke, wie Kaffee und Cola, verschlechtern jedoch die Symptome und verursachen Dehydration.
Auch Alkohol führt zu Dehydration. Es ist wichtig, Flüssigkeiten zu trinken, die den Körper mit Wasser anreichern, besonders wenn Koffein konsumiert wird.

Antidepressiva
Verstopfung steht in Zusammenhang mit Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), wie Fluctin oder Prozac (Fluoxetin).

Bewegungsmangel
Zu wenig Bewegung kann Verstopfung hervorrufen, besonders bei älteren Menschen, auch wenn den Ärzten die Gründe dafür unbekannt sind.
Verstopfung tritt beispielsweise häufig infolge eines Unfalls und einer Erkrankung auf, wenn man das Bett hüten muss und nicht zur Arbeit gehen kann.

Milch
Bei manchen Personen tritt eine Verstopfung auf, wenn sie Molkereiprodukte und Milch zu sich nehmen.

Reizdarmsyndrom (RDS)
Wer unter dem Reizdarmsyndrom leidet, hat auch häufig Verstopfungen, die sich zuweilen mit Durchfall abwechseln, auch Rückenschmerzen können auftreten.

Ungewohnter Alltagsablauf, beispielsweise auf Reisen
Auf Reisen verändert sich der gewohnte Alltagsablauf.
Das kann sich auf die Verdauung auswirken und zu plötzlicher Verstopfung führen. Die Mahlzeiten werden zu anderen Zeiten eingenommen, die Schlafenszeiten verändern sich etc.

Umzug oder Übernachtung im Haus des Freundes
Frauen haben häufig ein oder zwei Wochen lang Schwierigkeiten mit dem Stuhlgang, nachdem sie umgezogen sind.
Dasselbe geschieht, wenn sie bei ihrem Freund übernachten; sie fühlen sich nicht heimisch und haben Probleme, ihren Darm zu entleeren.
Das ist mir bei verschiedenen jungen Frauen aufgefallen, und die waren nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, 20, sondern 25 bis 35 Jahre alt.
Diese psychosomatische Wirkung kommt durchaus häufig vor und nach ein paar Tagen brauchen die Frauen ein Abführmittel.
Mit der Zeit gewöhnen sie sich an die neue Umgebung und das neue Bad und ihre Verdauung geht wieder ihren gewohnten Gang.

Krankheiten, die Verstopfung verursachen können

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Folgende Krankheiten können den Transport des Stuhls durch den Dickdarm verlangsamen:

Neurologische Störungen
MS (multiple Sklerose), Parkinson-Krankheit, Schlaganfall, Rückenmarksverletzungen, chronische, idiopathische Pseudo-Obstipation.

Hormon- und Stoffwechselerkrankungen
Urämie, Diabetes, Hyperkalzämie (erhöhter Kalziumspiegel im Blut), hoher Blutzuckerspiegel, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

 

Systemische Erkrankungen (Krankheiten die verschiedene Organe und Gewebe betreffen)
Lupus, Sklerodermie und Amyloidose.

Krebs
Schuld sind vor allem die Medikamente, die gegen Schmerzen und im Rahmen der Chemotherapie verabreicht werden; oder ein Tumor im Dickdarm komprimiert oder blockiert den Verdauungsapparat.

Weitere Ursachen für Verstopfung:

  • Schwangerschaft und Wechseljahre
  • vor dem Eintreten der Monatsblutung (vor allem bei verspäteter Menstruation)
  • Missbrauch von Abführmitteln
  • willkürlich unterdrückter Stuhldrang
  • Dehydration
  • Blinddarmentzündung
  • Psychologische Ursachen, beispielsweise können Stress und ein Leben voller Verpflichtungen Verstopfung hervorrufen
  • bestimmte Erkrankungen wie Gehirnschlag
  • Darmentzündungen wie der Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
  • Würmer und Darmparasiten

 

Verstopfung während Schwangerschaft

Verstopfung tritt gehäuft in der Schwangerschaft auf; mehr als die Hälfte der schwangeren Frauen leidet daran.
Die Ursache dafür ist ein erhöhter Progesteronspiegel, der die glatte Muskulatur des gesamten Körpers entspannt, einschließlich der des Darmtraktes.
Das bedeutet, dass die Nahrung den Darm langsamer durchläuft.
Das Problem kann in der Schwangerschaft zusätzlich erschwert werden, wenn die wachsende Gebärmutter Druck auf den Dickdarm ausübt.
Eisenpräparate können die Verstopfung verschlimmern, besonders bei hohen Dosierungen.

 

Verstopfung bei Kindern

Bei Kindern können außer unregelmäßigem Stuhlgang folgende Zeichen und Symptome auftreten:

  • Appetitlosigkeit
  • wenig Energie
  • leicht reizbar, wütend oder unglücklich
  • Blähungen und übel riechender Stuhl
  • Bauchschmerzen
  • allgemeines Unwohlsein

 

Symptome bei Verstopfung

Neben der Veränderung der üblichen Stuhlgewohnheiten kann Verstopfung auch folgende Symptome hervorrufen:

 

Wann ist die Verstopfung Grund zur Sorge?

Wenn 6-7 Tage hintereinander keine Darmentleerung stattfindet, kann die Situation gefährlich werden; dann ist eine gründliche ärztliche Untersuchung notwendig, besonders wenn andere Krankheiten vorliegen, die die Muskeltätigkeit des Darms (Peristaltik) beeinflussen.
Wer normalerweise jeden Tag seinen Darm entleert, sollte sich bereits nach 3 Tagen Sorgen machen, denn die Verstopfung ist nicht zwangsläufig durch die Ernährung bedingt.

 

Kann Verstopfung chronische Komplikationen verursachen?

Es kann vorkommen, dass die Haut im Analbereich verletzt wird (Analfissuren), wenn der Stuhl an Volumen zunimmt und hart wird.
Das verursacht starke Schmerzen und auf dem Toilettenpapier ist hellrotes Blut sichtbar.
Die Behandlung von Analfissuren sieht für einen weicheren Stuhlgang eine Veränderungen des Lebensstils und Abführmittel vor.
Der Arzt kann zur Schmerzlinderung Cremes oder Öle mit anästhetischer Wirkung verschreiben, wie Glycerintrinitrat.

Chronische Verstopfung und die längere Einnahme von Abführmitteln können einen trägen Darm zur Folge haben, der ohne Medikamente nicht mehr korrekt funktioniert.
Verstopfung kann zu einem Teufelskreis werden.

Eine ernsthafte chronische Verstopfung kann einen Darmverschluss verursachen.
Das ist vor allem bei älteren und kranken Menschen wahrscheinlich. Eine große Masse an hartem Stuhl (Fekalom) wird zu einem Stopfen und kann den Darm versperren. Die Masse ist so groß, dass die Darmmuskulatur den Stuhl nicht ausstoßen kann.

 

Muss ein Kind Untersuchungen durchführen?

Für die Diagnose einer idiopathischen Obstipation (Verstopfung ohne augenscheinliche Ursache) müssen in der Regel keine Untersuchungen durchgeführt werden.
Der Arzt kontrolliert die Krankengeschichte des Kindes und stellt bei einer körperlichen Untersuchung fest, ob sich Stuhl im Darm befindet; das kann auf einen Darmverschluss hinweisen.
Wenn Verdacht auf Darmverschluss besteht, werden beim Kinderarzt oder im Krankenhaus die notwendigen Untersuchungen durchgeführt.

 

Natürliche Heil- und Hausmittel gegen Verstopfung für Erwachsenen

Erwachsene sollten viel trinken und regelmäßig (täglich oder mindestens dreimal die Woche) Sport treiben, um die Darmtätigkeit zu begünstigen.
Empfohlene Lebensmittel bei Verstopfung:

  • Pflaumen
  • Leinsamen
  • Kiwi
  • Mandeln
  • Kürbis
  • Zucchini
  • Ingwer
  • Walnüsse
  • Brombeeren

Rezeptfreie Abführmittel bei hartnäckiger Verstopfung
Wenn die anderen Maßnahmen keine Wirkung zeigen, sollten Abführmittel eingesetzt werden.
Dabei gibt es verschiedene Wirkungsmechanismen:

  • Darmanregende Mittel – bewirken rhythmische Kontraktionen der Darmmuskulatur, z.B. Dulcolax.
  • Schmiermittel – Erleichterung des Kot-Gleitvermögens, beispielsweise Mineralöl.
  • Stuhlerweichende Mittel zur Erhöhung des Wassergehalts und damit Erweichung des Stuhls, wie Docusat-Natrium.
  • Füllmittel und Quellmittel – das sind möglicherweise die sichersten Abführmittel,  z.B. FiberCon. Wichtig ist es, dabei viel Wasser zu trinken.
  • Osmotische Mittel – begünstigen die Flüssigkeitsbewegung im Dickdarm, beispielsweise Sorbitol.
  • Salinische Abführmittel – Steigerung der Wasserabgabe in den Darm, z.B. Magnesiumhydroxit.

Milchfermente
Milchfermente und Probiotika können zur Regulierung der bakteriellen Darmflora und Verdauungsförderung eingesetzt werden, vor allem nach der Einnahme von Antibiotika. Besonders empfehlenswert sind Produkte, die sowohl Lactobacillus acidophilus als auch Bifidobacterium lactis enthalten.

Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangere Frauen sollten sich balaststoffreicher ernähren und mehr trinken.
Wenn die Hausmittel keine Wirkung zeigen, kann ein Abführmittel verschrieben werden, um eine regelmäßige Darmentleerung zu bewirken.
Es gibt verschiedene sichere Abführmittel für Schwangere, die nicht vom Verdauungsapparat aufgenommen werden und die Schwangerschaft somit nicht beeinträchtigen.
Abführmittel, die in der Schwangerschaft eingenommen werden können, sind die osmotischen Mittel: Lactulose, Magnesiumhydroxit, Sorbitol.

 

Natürliche Heilmittel gegen Verstopfung für Neugeborene und Kinder

Oft ist eine einfache Ernährungsumstellung und Änderung des Lebensstils ausreichend, um die Verstopfung bei Kindern zu lösen:

Ballaststoffreiche Ernährung
Eine ballaststoffreiche Ernährung kann dem kindlichen Körper helfen, eine weichere Stuhlkonsistenz zu bilden. Das empfohlene Verhältnis liegt bei 14 g Ballaststoffe pro 1000 Kalorien.
Bei Babys bedeutet das einen Tagesbedarf von etwa 20 g. Bei heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen liegt die Tagesration bei 30 g, bei Jungen bei etwa 40 g.
Ballaststoffreiche Nahrungsmittel sind Bohnen, Vollkorngetreide, Obst und Gemüse.
Ein Löffel Olivenöl ist eines der wirkungsvollsten Hausmittel gegen Verstopfung.

Welche Lebensmittel sollten gemieden werden?
Zu den Nahrungsmitteln, die eine Verstopfung fördern, gehören Milch, Milchprodukte, Fleisch, Zwieback und Süßspeisen.

Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
Wasser und andere Flüssigkeiten machen den kindlichen Stuhl weicher. Das Kind sollte nicht zu viel Milch trinken, denn sie begünstigt die Verstopfung.
Man sollte das Kind ermutigen, nach jeder Mahlzeit 5-10 Minuten auf der Toilette zu verbringen. Diese Angewohnheit sollte auch im Sommerurlaub beibehalten werden.

Den guten Willen des Kindes belohnen, nicht das Ergebnis
Der Gang zur Toilette kann mit kleinen Geschenken belohnt werden, wie ein Aufkleber, ein besonderes Buch oder Spiel.
Bestrafen Sie das Kind nicht, wenn es seine Unterwäsche beschmutzt.

Kinder, die noch keine feste Nahrung zu sich nehmen (Säugling)

Leidet das Baby an Verstopfungen, hat aber noch nicht begonnen, feste Kost zu essen, sollte es neben der normalen Menge an Muttermilch viel Wasser trinken.
Wenn künstliche Milch gefüttert wird, ist diese nach Herstellerangaben zuzubereiten und darf nicht verdünnt werden.
Zur Anregung der Bauchorgane die Beine des Kindes abwechselnd biegen, so dass die Knie die Brust berühren (Fahrrad-Übung), und das Bäuchlein massieren.

Kinder, die feste Nahrung zu sich nehmen (nach dem Abstillen)
Wenn das Kind 1-2 Jahr alt ist (oder schon vorher abgestillt wurde), sollte es viel Wasser oder verdünnten Fruchtsaft trinken.
Viel Obst füttern, auch in pürierter oder geriebener Form – je nachdem wie gut das Kind bereits kauen kann; zu den empfohlenen Obstsorten gehören:

  • Äpfel
  • Aprikosen
  • Trauben
  • Pfirsiche
  • Birnen
  • Pflaumen
  • Trockenpflaumen
  • Himbeeren
  • Erdbeeren

Das Kind sollte nie zum Essen gezwungen werden. Wenn beim Essen regelrechte Kämpfe ausgetragen werden, wird das Kind das Essen als eine negative und stressige Erfahrung empfinden.

Wichtig ist für das Kind eine ausgewogene Ernährung, dazu gehört neben Obst auch frisches Gemüse und Vollkornprodukte, wie Nudeln und Brot.

Leidet das Kind auch nach der Nahrungsumstellung noch an Verstopfung, kann der Arzt ein Abführmittel verschreiben. Füllmittel sind für Kinder nicht geeignet, hier empfiehlt sich ein osmotisches Mittel. Wenn damit nicht die gewünschte Wirkung erzielt wird, kann der Arzt ein darmanregendes Mittel verordnen.