Symtome bei Darmverschluss

Die Symptome bei Darmverschluss (Ileus) werden durch die teilweise oder vollständige Verstopfung der Darmpassage hervorgerufen, wodurch der Nahrungstransport behindert wird.

Ursachen für einen mechanischen Darmverschluss

Verwachsungen
Verwachsungen (sog. Briden oder Adhäsionen) sind die Ursache für 50-70 % aller Darmverschlüsse. Sie können angeboren sein, aber auch nach Bauchoperationen entstehen.

Adhäsionen bestehen aus harten Gebewesträngen, die den Darm mit den angrenzenden Organen verbinden können.
Zuweilen zieht dieses faserige, enge Gewebe den Darm aus seiner Position, was zu Blockaden oder Drehung des Darms führen kann.

Eingeweidebruch (Hernie)
Brüche treten ein, wenn die Muskelwand, die die inneren Organe an Ort und Stelle hält, nachgibt oder reißt und sich ein Teil des Darms durch diese Bruchpforte ausstülpt.
Wird die Hernie dabei eingeklemmt (inkarzeriert), verringert sich die Blutzufuhr zum Darm und verursacht eine Blutunterversorgung oder ein Absterben des Gewebes (Nekrose). Die Perforation der Eingeweide und die Gangrän (früher als Wundbrand bezeichnet) sind schwere Komplikationen, die zu Infektion und Tod führen können.

Darmdrehung (Volvulus)
Unter Volvulus versteht man die Drehung des Darms um die eigene Achse, wodurch Arterien abgeschnürt werden und die Blutversorgung unterbrochen wird, was Nekrose (Gangrän) und Minderdurchblutung der Eingeweide zur Folge hat.
Dieser Prozess hat eine schnelle Entwicklung, innerhalb von 6-12 Stunden kann eine Gangrän entstehen.

Invagination (Strangulationsileus)
Die Einstülpung eines Darmabschnitts in einen anderen (Invagination oder Intussuszeption) kommt typischerweise bei Neugeborenen vor. Die Prognose für diese Erkrankung ist gut, vor allem wenn unmittelbar nach der Diagnose operiert wird.
Wenn die Intussuszeption nicht innerhalb von 24 Stunden behandelt wird, ist ein tödlicher Ausgang wahrscheinlich.

Morbus Crohn
Der Morbus Crohn ist eine entzündliche Darmerkrankung. Medikamente sind in manchen Fällen bei der Remission des Morbus Crohn wirkungsvoll, die Mehrheit der Patienten muss schließlich operiert werden.
Als Reaktion auf die Entzündung verdickt die Darmwand und das Darminnere (Lumen) verengt sich, was zu einem Verschluss des Darms führen kann.

Mechanische Verstopfung durch Fremdkörper
Wenn ein Fremdkörper unbeabsichtigt verschluckt wird, kann er in den Verdauungstrakt gelangen (intraluminale Darmobturation).
Dieser Fremdkörper muss entfernt werden, bevor er den Darm durchbohrt und den normalen Verdauungsfluss anhält.

Gutartige oder bösartige Tumoren
Dickdarmtumoren können den Darm blockieren. Tumoren, die anderen Bereichen entspringen, wie Leber, Bauchspeicheldrüse oder Beckenorgane, können einen Teil des Darms von außen zusammendrücken und eine Blutunterversorgung (Ischämie) bewirken (extraintestinaler Verschluss).

 

Funktioneller Darmverschluss

Hat der Darmverschluss keine mechanischen Ursachen, wird er als funktioneller oder paralytischer Ileus bezeichnet. Hier liegt eine Störung der Darmmuskeltätigkeit (Peristaltik) vor, denn das Innere des Darms ist für die verdaute Nahrung eigentlich durchgängig.
Peristaltik bezeichnet die rhythmische Kontraktion der Magen-Darm-Muskulatur, die für den Transport des Darminhalts verantwortlich ist.
Ein Stillstand der halbverdauten Nahrung oder eine mangelnde Fortbewegung kann zu Entzündung und Infektion bis hin zum Bruch führen.
Bauchfellentzündung, Blutvergiftung und Tod können eine unmittelbare Folge sein.

 

Zu den Ursachen für einen funktionellen Darmverschluss gehören:

Medikamente: Opioide, Antipsychotika, Antidepressiva und Antihistaminika verlangsamen die Muskeltätigkeit. Wer sich einer chemotherapeutischen Behandlung unterzieht, sollte viel trinken und viele Ballaststoffe zu sich nehmen, denn Chemotherapie kann zu Verstopfung führen.
Heroin kann die Bildung von recht großen Kotsteinen (Fekalome) bewirken.

Ein Darmverschluss kann auch als Komplikation infolge von Bauchoperationen entstehen.

Kaltes Wasser
Wenn die Bauchtemperatur während der Verdauung absinkt, kann die Verdauung blockieren.
Eine durch Kälte hervorgerufene Verdauungsblockade tritt vor allem in zwei Fällen ein:
Trinken von sehr kalten Flüssigkeiten (Wasser oder andere Getränke),
Schwimmen im kalten Wasser (Schwimmbad oder Meer).

Die Symptome sind Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Fieber und Müdigkeit.
Nach ein oder zwei Tagen Ruhe sollte sich das Problem von allein lösen.

 

Erste Symptome eines Darmverschlusses

Folgende Symptome treten typischerweise bei Darmverschluss auf. Sie können aber auch harmlosere Ursachen haben, wie eine vorübergehende Verdauungsstörung. Dauern sie jedoch längere Zeit an, ist dies ein Hinweis auf einen verstopften Darm.
Wenn 3 Tage ohne Stuhlgang verstreichen, besteht Verdacht auf Darmverschluss, zu den begleitenden Symptomen gehören:

Bauchschmerzen
Der Verschluss des Dünndarms erzeugt in der Regel Bauchkrämpfe und Schmerzen rund um den Bauchnabel.
Ist der Dickdarm verstopft, treten die Schmerzen unterhalb des Bauchnabels auf.

Blähbauch
Die Ansammlung von Darmgasen und festen Bestandteilen führt zu Völlegefühl und Bauchblähung.

Durchfall und Verstopfung
Häufige Durchfallattacken können durch einen unvollständigen Darmverschluss hervorgerufen werden.
Wiederkehrender Durchfall kann zu Austrocknung (Dehydratation) führen.
Verstopfung oder Darmträgheit und die Unfähigkeit, Gas austreten zu lassen, weisen auf eine vollständige Verstopfung der Darmpassage hin. Manche Patienten haben abwechselnd Durchfall- und Verstopfungsepisoden.

Dehydratation und Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt
Der Darmverschluss bewirkt eine erhöhte Sekretbildung im Darm, was zu einer Dehnung des vor dem Verschluss liegenden Darmabschnitts führt.
Der durch Erbrechen und die verminderte Flüssigkeitsaufnahme im Darm hervorgerufene Flüssigkeitsverlust führt zu Austrocknung (Dehydratation).
Das Erbrechen verursacht einen Verlust von Kalium-, Chlor- und Wasserstoff-Ionen im Magen, außerdem bewirkt die Dehydratation die Reabsorption von Bikarbonat, die Folge ist eine Alkalose, (ein Übermaß an basischen Substanzen, das bedeutet ein erhöhter pH-Wert im Blut).

Ermüdung
Der Verschluss und die daraus folgende Verdauungsunfähigkeit behindern die Aufnahme von Vitaminen und anderen Nährstoffen. Das führt zu Schwäche.

Sonstige Symptome

  • Bauchblähung (Distension)
  • Mundgeruch
  • Unfähigkeit Gas abzugeben
  • Erbrechen
  • Niedriger Blutdruck

 

Diagnose eines Darmverschlusses

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Zunächst analysiert der Arzt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine körperliche Untersuchung durch.
Der Verschluss kann durch Abhorchen des Bauches mit dem Stethoskop diagnostiziert werden. Der Arzt kann sehen, ob eine starke Blähung des Bauches vorliegt.

Zu den bildgebenden Diagnoseverfahren gehören: CT und Röntgenuntersuchung des Bauches, um Ort und Ursache des Darmverschlusses bestimmen zu können.
Ist der Dickdarm verschlossen, kann der Arzt eine Darmspiegelung (Koloskopie) vornehmen, um den Darm zu inspizieren. Ein klares Bild vom Kolon erhält man durch einen Kolonkonstrasteinlauf, das ist eine Röntgendurchleuchtung mit Kontrastmittel (Barium).

 

Differentialdiagnose

Bauchschmerzen und Erbrechen können durch eine Magen-Darm-Grippe verursacht werden, aber wenn der Bauch aufgebläht ist und kein Drang zur Darmentleerung besteht, sollte ein Darmverschluss in Erwägung gezogen werden.

Durchfall und Erbrechen verursachen zahlreiche Darmgeräusche und können mit den typischen Geräuschen eines Darmverschlusses verwechselt werden.

Eine Minderdurchblutung (Ischämie) des Darms kann Schmerzen und Dehnung verursachen, aber normalerweise führt sie zu hämorrhagischem Durchfall.

Die Schmerzen einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung strahlen häufig in den Rücken aus.
Ein hoher Amylasespiegel ist typisch bei Darmverschluss, aber ebenso bei einer  Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Ein Darmdurchbruch kann zu einem akuten Abdomen führen, mit Fieber und Erbrechen.
Magengeschwür, akute perforierte Divertikulitis und perforiertes Karzinom sind weitere mögliche Ursachen.

Eine Intussuszeption sollte bei Kindern berücksichtigt werden.

Tuberkulose kann sich mit Magen-Darm-Symptomen äußern.

Bei nicht gastrointestinalen Erkrankungen sollte an Herzinfarkt und Eierstockkrebs gedacht werden.

 

Behandlung eines Darmverschlusses

Bei einem Darmverschluss (Ileus) richtet sich die Therapie nach der Ursache für die Unterbrechung der normalen Darmpassage und erfolgt in der Regel in einem Krankenhaus.

Behandlung eines inkompletten mechanischen Darmverschlusses
Bei einem mechanischen Teilverschluss des Darms, bei dem noch ein Teil des Nahrungsbreis und der Flüssigkeiten den Darm passieren, kann es bereits ausreichend sein, mit einer Nasenmagensonde den Mageninhalt abzusaugen und somit die Blähung des Bauches zu mindern.
Ein Verschluss des Dickdarms lässt sich durch einen Einlauf mit warmem Wasser, Glyzerin und Abführmitteln behandeln.

Der Arzt kann eine ballaststoffarme Diät verschreiben, die für den Darm leichter zu verdauen ist. Löst sich der Darmverschluss nicht, muss wohlmöglich operiert werden.

Behandlung eines kompletten mechanischen Darmverschlusses
Ist der Darm komplett blockiert, muss in der Regel operiert werden, um den Verschluss zu lösen. Das Verfahren hängt von der Ursache der Verstopfung ab und an welcher Stelle im Darm der Verschluss besteht.
Der chirurgische Eingriff sieht normalerweise die Entfernung des Verschlusses und der abgestorbenen bzw. stark beschädigten Darmabschnitte vor.

Alternativ dazu kann die Verstopfung mit einem metallischen Autoextensions-Stent behandelt werden. Ein Stent ist eine zylindrische Metallmaschenstruktur, die mit Hilfe eines Endoskops durch Mund oder Anus in den Dickdarm eingesetzt wird.

Bei einer durch Tumor hervorgerufenen Stenose (Darmverengung) ermöglicht der Stent die Ausdehnung des Darmlumen und somit die Stuhlpassage.
Vor der Positionierung dieser Vorrichtung nimmt der Arzt einen Einlauf vor, um den unterhalb des Verschlusses befindlichen Darmabschnitt zu befreien.
Normalerweise werden Stents bei Dickdarmtumor eingesetzt oder um den Patienten mit hohem Notfallchirurgie-Risiko zeitweilige Erleichterung zu verschaffen. Die Operation kann immer noch notwendig sein, wenn der Patient stabil ist.

Behandlung eines funktionellen Ileus
Ist der Arzt der Ansicht, dass die Zeichen und Symptome durch einen paralytischen Darmverschluss verursacht werden, kann der Patienten für einen oder zwei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben. Häufig ist ein paralytischer Ileus eine vorübergehende Störung, die sich von allein bessert.

Ist nach einigen Tagen keine Besserung eingetreten, kann der Arzt ein Medikament verschreiben, das Muskelkontraktionen auslöst, um den Transport von Nahrung und Flüssigkeit im Darm zu begünstigen. Wird der paralytische Darmverschluss durch eine Erkrankung oder ein Medikament verursacht, muss der Arzt die Grunderkrankung kurieren bzw. die Einnahme des Medikamentes unterbinden.

 

Komplikationen

Alle Karzinome, die einen Darmverschluss bewirken, befinden sich in fortgeschrittenem Stadium und können Metastasen bilden.
Perforation und Ischämie des Darms können zu Bauchfellentzündung und Blutvergiftung führen.
Blutvergiftung, Vitaminmangel (Hypovitaminose) und Elektrolytungleichgewicht können einen Kreislaufkollaps und akutes Nierenversagen hervorrufen.
Bei einer akuten Pseudobstruktion des Kolon liegt die Sterblichkeitsrate bei 40 %, wenn eine Perforation oder Ischämie auftritt.

 

Prognose

Bei Patienten mit Verschluss des Dünndarms liegt die Sterblichkeit bei 25 %, wenn frühestens 36 Stunden nach Auftreten operiert wird; erfolgt die OP innerhalb von 36 Stunden, sinkt die Sterblichkeit auf  8 %.
Die Prognose bei fortgeschrittenem Kolonkarzinom ist dürftig.
Die Mehrzahl der Patienten mit Verschluss hat Fernmetastasen.
In 50 % der Fälle von Volvulus des Kolon sigmoideum kommt es innerhalb von 2 Jahren zu einem erneuten Auftreten.
60 % der künstlichen Darmausgänge haben keine Rückfälle.
Ältere Patienten, Patienten mit Hypalbuminämie und solche mit einem Primärtumor, der nicht gastrointestinaler Natur ist, haben eine schlechtere Prognose.