Operation bei Bauchwandbruch

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Ein Bauchwandbruch (abdominale Hernie) liegt vor, wenn ein abdominales Organ aus der Bauchhöhle austritt.

Inhalt ist in der Regel ein Anteil des Darmes oder des Bauchfettgewebes, die in der dünnen Membran, die das Innere der Bauchhöhle auskleidet, enthalten sind.

Die Hernie an sich kann asymptomatisch (ohne Symptome) sein oder Schmerzen verursachen, die gering bis stark sein können.

Fast alle Hernien können sich strangulieren, wodurch die Blutversorgung unterbrochen wird.
Wenn der Inhalt der Hernie herausragt, kann sich die Öffnung, durch die der Bruch ausgetreten ist, verengen und damit erheblichen Druck auf die eingeklemmten Blutgefäße des Darmes ausüben.
Die Folge ist eine Verminderung der Durchblutung.
Gelingt es nicht, den Bruchsack an seinen Ort zurückzuschieben, wird die Hernie als inkarzeriert bezeichnet.
Diese Form der Hernie kann zur Strangulierung des Organs führen und ist ein medizinischer Notfall.

Etwa 10 % der Bevölkerung hat im Laufe des Lebens eine Hernie.
Hernien können bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftreten. Jedoch treten Abdominalhernien vermehrt bei Männern auf.

Typen der Abdominalhernien

Leistenhernie: Sie repräsentiert 75 % aller Bauchwandbrüche.
Sie tritt bis zu 25-mal häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Diese Art Hernie unterteilt sich in zwei verschiedene Gruppen: direkte und indirekte Hernien.
Beide treten inguinal auf, also an der Stelle, wo sich die Haut des Oberschenkels mit der des Abdomens vereint (Leistenring), doch beide haben einen etwas unterschiedlichen Ursprung.
Die Leistenhernie kann als eine Schwellung in der Leistengegend erscheinen.
Der Unterschied zwischen direkter und indirekter Hernie ist für die Diagnose wichtig.

  • Indirekte Leistenhernie: eine indirekte Hernie folgt dem Verlauf, den die Hoden während ihrer fetalen Entwicklung nehmen, wenn sie aus dem Bauch in den Hodensack absteigen.
    Dieser Weg wird Leistenkanal genannt und schließt sich in der Regel vor der Geburt. Er kann jedoch eine Zone bleiben, die die spätere Bildung einer Hernie begünstigt.
    Manchmal dringt der Bruchsack bis in den Hodensack vor.
    Eine indirekte Leistenhernie kann in jedem Lebensalter auftreten.
  • Direkte Leistenhernie: Die direkte Leistenhernie tritt im Innern des Leistenkanals auf wie die indirekte Hernie, aber in einer Zone, in der die Bauchwand etwas schwächer und dünner ist.
    Selten tritt sie in den Hodensack ein.
    Im Gegensatz zu indirekten Hernien, die in jedem Lebensalter auftreten können, treten die direkten Hernien fast nur bei Erwachsenen und älteren Menschen auf, weil mit zunehmendem Alter die Bauchwand geschwächt wird.

Schenkelhernie: Der Femurkanal ist der Weg, durch den die Femoralarterie, die Vene und der Nerv die Bauchhöhle verlassen, um in den Oberschenkel einzutreten.
Auch wenn der Raum eng ist, ist er manchmal groß genug, um dem Bauchinhalt (in der Regel dem Darm) einen Austritt zu ermöglichen.
Eine Schenkelhernie verursacht eine Ausbuchtung unmittelbar unter dem Leistenband, etwa in der Mitte des Oberschenkels.
Diese Störung tritt in der Regel bei Frauen auf. Schenkelbrüche können manchmal nicht mehr reponiert werden (sie lassen sich nicht mehr manuell zurück an ihren Platz schieben) und einklemmen.
Nicht alle nicht reponierbaren Hernien werden stranguliert (haben eine verminderte Blutversorgung), doch alle nicht reponierbaren Hernien müssen von einem Mediziner begutachtet werden.


Nabelhernie: diese Hernie (10-30 % aller Hernien) beobachtet man oft bei der Geburt als einen vorstehenden Nabel.
Der Nabelbruch wird durch eine Öffnung in der Bauchwand verursacht, die sich normalerweise vor der Geburt schließt, was jedoch in manchen Fällen nicht vollkommen geschieht.
Ist sie klein (weniger als ein Zentimeter), schließt sich diese Art Hernie meist schrittweise innerhalb von 2 Jahren.
Große Hernien und solche, die sich nicht von allein schließen, benötigen einen chirurgischen Eingriff im Alter von 2 bis 4 Jahren.
Auch wenn sich dieser Bereich bei der Geburt schließt, kann die Nabelhernie Jahre später auftreten, weil dieser Bereich eine Schwachstelle der Bauchwand bleiben kann.
Nabelbrüche können auch später im Leben bei schwangeren Frauen oder Frauen, die bereits geboren haben, auftreten (aufgrund zusätzlicher Belastungen in diesem Bereich).

Narbenhernie: Eine Bauchoperation führt zu einem Defekt der Bauchdecke.
Dieser Defekt kann zu einer Schwachstelle führen, an der sich eine Hernie entwickeln kann. Dies trifft in 5-10 % aller Bauchoperationen ein, allerdings sind manche Menschen stärker gefährdet.
Auch nach einer chirurgischen Korrektur kann eine Narbenhernie rezidivieren (wiederkehren).

Spieghel-Hernie: Diese seltene Hernie tritt längs des Randes des Musculus rectus abdominis entlang der Spieghel-Faszie auf, die sich ein paar Zentimeter seitlich des Bauches befindet.

Obturatorhernie: Diese äußerst seltene Art einer Abdominalhernie entwickelt sich hauptsächlich bei Frauen.
Die Obturatorhernie tritt aus der Beckenhöhle durch eine Öffnung im Beckenknochen (Hüftbeinloch) aus.
In diesem Fall sieht man keine Ausstülpung, hingegen kann es zu Darmverschluss, Übelkeit und Erbrechen kommen.
Da keine Schwellung sichtbar ist, ist die Obturatorhernie sehr schwierig zu diagnostizieren.


Epigastrische Hernie: Sie tritt zwischen Nabel und dem unteren Thoraxbereich entlang der Mittellinie des Bauches auf.
Die epigastrische Hernie enthält meist nur Fettgewebe und nur selten Darm.
Sie bildet sich in einem relativ schwachen Bauchwandbereich aus. Die Hernien sind oftmals schmerzlos und lassen sich nicht an ihren Ort im Bauch reponieren.

Anale Hernie – Das Gewebe tritt durch eine Membran an der Analregion aus.

Zwerchfellhernie – Die Hernie stammt von einem Durchtritt von Eingeweideteilen durch das Zwerchfell. Besteht sie bereits bei der Geburt, wird sie als angeborene Zwerchfellhernie bezeichnet.

Was sind die Ursachen einer Abdominalhernie?

In den meisten Fällen tritt eine Hernie auf, wenn in dem Raum, in dem sich ein Organ befindet, der Druck steigt, weil dadurch die Bauchwand geschwächt wird.
Die Abdominalhernie kann aus verschiedenen Gründen auftreten, darunter:

  • Vererbung – wenn ein oder beide Elternteile an einer Hernie leiden, besteht eine größere Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken.
  • Alter – mit dem Älterwerden erhöht sich das Risiko, eine Hernie zu entwickeln.
  • Das Ehlers-Danlos-Syndrom ist eine Gruppe seltener genetischer Erkrankungen, die bei Menschen und Haustieren aufgrund eines Defektes in der Kollegensynthese auftritt.
  • Das Marfan-Syndrom ist eine genetische Erkrankung des Bindegewebes.
  • Schwangerschaft – die mütterlichen Muskeln dehnen sich und erleichtern ein Austreten durch das Gewebe.
  • Drastischer Gewichtsverlust – wenn übergewichtige Menschen Gewicht verlieren, neigen sie dazu, eine Hernie zu entwickeln.
  • COPD, Keuchhusten – der Patient muss aufgrund einer Lungenerkrankung viel husten. Der Husten verursacht starken Druck im Bauch. Jede Krankheit, die mit starkem Husten verbunden ist, kann zu einer Hernie führen.
  • Eine schwere Grippeerkrankung kann manchmal eine Hernie verursachen.
  • Aszites – Flüssigkeitsansammlung im Bauch (Bauchhöhle).
  • Gutartige Prostatahypertrophie – die Prostata ist vergrößert, das erhöht den Druck in ihrer Umgebung.
  • Pubalgie – tritt häufiger bei Menschen mit einer mechanischen Hüftschädigung auf, wie Forscher des Center for Hip Pain and Preservation des Hospital for Special Surgery, New York, USA bestätigen.
    Das Problem kann durch Physiotherapie, Osteopathie oder eine Operation zur Korrektur der Hüftbeschwerden gelöst werden.
  • Durch Anstrengung – übermäßiges Gewichtheben oder Trainingsübungen (Bodybuilding) erhöhen den Druck auf den Bauch und andere Körperteile.
  • Chirurgischer Eingriff – die Hernie kann als postoperative abdominelle Komplikation auftreten, zum Beispiel nach einem Kaiserschnitt, da die Operation zu Schwachstellen in den Bauchwandschichten führt.
  • Übergewicht – wenn eine Person übergewichtig ist, ist die Gefahr der Entwicklung einer Hernie wesentlich höher als bei Menschen ohne Übergewicht.

 

Operation bei Bauchwandbruch
Operation bei Bauchwandbruch

Was sind die Symptome eines Bauchwandbruchs?

Leisten-, Schenkel-, Nabel- und Narbenbrüche können einige der folgenden Symptome verursachen:

  • Eine deutliche Schwellung des Bauches oder der Leiste unter der Haut; die Schwellung kann im Liegen vergehen und schmerzhaft sein.
  • Ein Gefühl von Schwere im Bauch, das manchmal von Verstopfung oder Blut im Stuhl begleitet wird.
  • Schmerzen im Unterleib oder in der Leiste, wenn der Betreffende sich erhebt oder nach vorn beugt.

Die Symptome eines Zwerchfellbruchs (Hiatushernie) können Schmerzen im Oberbauch und Sodbrennen sein.

Diagnose, wie ist eine Abdominalhernie zu erkennen?

Eine Nabelhernie wird bei der ärztlichen Untersuchung diagnostiziert.
Manchmal sind apparative Untersuchungen wie Ultraschall oder Röntgenaufnahme hilfreich zur Darstellung von Komplikationen.

Therapie der Abdominalhernie

Die Nabelhernie bei kleinen Kindern bessert sich normalerweise von selbst, wenn die Muskeln kräftiger werden.
Jedoch vergrößert sich der größte Teil der Abdominalhernien mit der Zeit und vergeht nicht ohne Behandlung.
Die meisten Nabelbrüche bei Säuglingen schließen sich selbst innerhalb von 18 Monaten.
Der Arzt kann die Ausbuchtung mitunter bei der körperlichen Untersuchung in die Bauchhöhle zurückschieben.
Der Patient sollte das nicht selbst versuchen.
Mancher meint, ein natürliches Heilmittel bestehe darin, eine Münze mit Klebeband auf die Bruchpforte zu kleben.
Diese „Korrektur“ hilft jedoch nicht und kann dazu führen, dass sich Keime unter dem Verband sammeln, die dann zu einer Infektion führen.


Bei Kindern wird eine Nabelhernie in der Regel operiert, wenn:

  • sie Schmerzen im Unterleib hervorruft,
  • sie größer ist als 1,5 Zentimeter im Durchmesser (etwas größer als eineinhalb Daumen),
  • sie sich nach 6-12 Monaten nicht verkleinert hat,
  • sie bis zum Alter von 3 Jahren weiterbesteht,
  • Darmanteile eingeklemmt oder verschlossen sind.

 

Chirurgischer Eingriff bei Bauchdeckenbruch

Eine Wiederherstellungsoperation der Abdominalhernie besteht in der Rückverlagerung des Bruches in den Bauchraum und der Reparatur des geschwächten Muskels.
Dies kann durch eine Laparoskopie (ein minimalinvasives Verfahren, bei dem der Chirurg über ein paar kleine Einschnitte in der Bauchdecke arbeitet) oder eine offene Operation (bei der ein einziger großer Bauchschnitt gesetzt wird) erfolgen.
Der Eingriff erfolgt ambulant und der Patient kann am selben Tag nach Hause zurückkehren.
Praktisch schiebt der Chirurg das Bruchgewebe an seinen anatomischen Sitz und fixiert es dann mit einem abdominellen Netz.
Das Netz wird mit einem Kollagenkleber befestigt, es muss also keine Naht gesetzt werden.
Für das Netz können verschiedene Materialarten verwendet werden: synthetisch, resorbierbar, biologisch usw.

Anästhesie
Im Allgemeinen versucht man heutzutage, die Anästhesie nur auf den kleinstmöglichen Körperbereich zu begrenzen, um Komplikationen zu vermeiden.
Je nach Begleiterkrankungen des Patienten kann man sich für eine lokale, spinale oder Vollnarkose entscheiden
In der Regel wird eine Laparoskopie in Vollnarkose durchgeführt.

 

Vorbeugungsmaßnahmen bei Bauchdeckenbruch

Um die Verschlimmerung einer Abdominalhernie zu verhindern, sollte man keine Gymnastik und Hebeübungen betreiben, die einen starken Druck auf den Bauch ausüben.
Überdies ist eine Ernährung gegen Verstopfung wichtig, weil das Pressen beim Stuhlgang den Bruch verschlimmern kann.