Morbus Crohn

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Der Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung, die Entzündungen, Schwellungen und Schmerzen in mindestens einem Teil des Verdauungstraktes verursacht. Der am meisten betroffene Teil ist das Ende des Dünndarms, das sog. Ileum (Krummdarm).

Manche Menschen, die unter Morbus Crohn leiden, erfahren lange Perioden einer Remission, manchmal über Jahre hinweg, in denen sie frei von Symptomen sind.

Es ist nicht möglich vorherzusagen, wann eine Remission eintritt oder wann die Symptome zurückkehren.
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Wie beeinflusst Morbus Crohn den Darm?

In den Anfangsphasen verursacht Morbus Crohn kleine Geschwüre (Erosionen), die sich in geringer Tiefe in der inneren Oberfläche des Darmes bilden.
Diese Erosionen werden aphthöse Ulzera genannt. Mit der Zeit werden die Erosionen tiefer und größer, werden dann wahre Geschwüre oder Ulzera (die tiefer liegen als die Erosionen) und verursachen Narben und Versteifungen des Darmes. Mit Fortschreiten der Erkrankung wird der Darm immer enger, bis es zu einem Verschluss kommt.

Ursachen des Morbus Crohn

Die genaue Ursache des Morbus Crohn ist nicht bekannt. Früher nahm man an, dass die Ursachen Ernährung und Stress sein könnten, doch heute wissen die Ärzte, dass diese Faktoren das Krankheitsgeschehen zwar verschlimmern, jedoch nicht verursachen können.

Faktoren, die Morbus Crohn provozieren

Immunsystem
Es ist möglich, dass ein Virus oder Bakterium Morbus Crohn auslösen kann. Wenn das Immunsystem eingedrungene Mikroorganismen zu bekämpfen sucht, bewirkt eine abnorme Immunantwort, dass das Immunsystem die Zellen des eigenen Verdauungstraktes angreift.

Vererbung
Morbus Crohn kommt häufiger bei Menschen vor, bei denen mindestens ein Familienmitglied diese Erkrankung hat.
Dieser Umstand lässt vermuten, dass ein oder mehrere Gene Menschen für Morbus Crohn anfälliger machen können. Allerdings weisen die meisten Menschen, die an Morbus Crohn erkranken, keine genetische Veranlagung für diese Krankheit auf.

Was sind die Symptome bei Morbus Crohn?

Wenn die Erkrankung ausbricht, kann die Entzündung eines oder mehrere der folgenden Symptome verursachen:

Durchfall
Durchfall ist das häufigste Symptom und kann von leicht- bis schwergradig variieren. Der Stuhl kann auch Schleim, Eiter oder Blut enthalten.

Heftiger Stuhldrang
Oft hat man das Gefühl, die Toilette nicht rechtzeitig erreichen zu können. Auch kommt häufig das Gefühl vor, zur Toilette zu müssen, auch wenn kein Stuhlgang vorhanden ist.


Darmschmerzen
Schmerzen treten in etwa 7 von 10 Fällen auf.
Der Schmerzbereich hängt davon ab, welcher Darmabschnitt befallen ist.
Der letzte Dünndarmabschnitt (Ileum) ist der am häufigsten betroffene Bereich.
Die häufigste Schmerzzone ist der rechte untere Bauch.
Wenn sich der Morbus Crohn entwickelt, wird er oftmals mit einer Appendizitis (Blinddarmentzündung) verwechselt.
Die Schmerzstärke kann von Person zu Person variieren.
Zudem kann eine plötzliche Veränderung oder Verschlimmerung des Schmerzes auf eine Komplikation hinweisen.

Ungeklärter Gewichtsverlust ist ein weiteres häufiges Symptom.

Geschwüre (Ulzera)
Ein Ulkus ist ein Bereich der Darmschleimhaut, der bluten kann.
Dann kann man Blut im Stuhl bemerken.
Geschwüre im Mund und in der Mundhöhle sind häufig.

Allgemeines Gefühl von Unwohlsein, das Appetitverlust, Fieber und Müdigkeit mit einschließt.

Wenn viel Blut verloren geht, kann eine Anämie auftreten.

Es können sich Analrhagaden bilden.
Das sind Hautverletzungen am Anus. Es können Hautveränderungen in Form von kleinen Gebilden, die Warzen ähneln, um den Anus auftreten.

Die Symptome können variieren und sind davon abhängig, von welchem Abschnitt bzw. Abschnitten des Darmes sie beeinflusst werden, zum Beispiel:

  • Es besteht kein Durchfall, wenn die Erkrankung auf den Dünndarm begrenzt ist.
  • Ein anhaltender Bauchschmerz ohne weitere Symptome kann durch ein kleines Geschwür bei Morbus Crohn im Dünndarm entstehen.
  • Im Allgemeinen kann eine Exazerbation starke Beschwerden verursachen.
  • Ist ein großer Teil des Darmes betroffen, kann die Nahrung nicht gut absorbiert werden und es kann zu Vitamin- und Nährstoffmangel kommen.

Andere Symptome
Bei manchen Menschen können neben dem Darm auch andere Körperteile betroffen sein. Dies sind: Entzündungen und Schmerzen in manchen Gelenken (Arthritis), Hautausschläge; Augenentzündung (Uveitis) und Leberentzündung.
Diese Störungen können verschiedene Symptome verursachen.
Es ist nicht geklärt, warum solche Probleme auftreten. Das Immunsystem kann bei einer bestehenden Darmentzündung auch Entzündungen in anderen Körperbereichen auslösen.
Diese Störungen neigen dazu, wieder zu vergehen, wenn die Symptome des Darmes behoben sind, doch das ist nicht immer der Fall.
Morbus Crohn macht weder mager noch dick.

 

Was sind mögliche Komplikationen des Morbus Crohn?

Man kann Komplikationen feststellen, besonders wenn Exazerbationen häufig oder schwerwiegend sind.
Hier sind die Komplikationen aufgelistet, die oft eine chirurgische Behandlung erforderlich machen:

Stenose
Eine intestinale Stenose ist die Verengung eines Darmabschnitts.
Sie entsteht aus vernarbtem Gewebe, das sich in den entzündeten Darmteilen bildet.
Eine Verengung kann zu Schwierigkeiten bei der Passage von verdauter Nahrung führen.
Das verursacht Schmerzen und Erbrechen.

Perforation
Eine Darmperforation ist ein kleines Loch, das sich in der Darmwand bildet. Der Darminhalt kann austreten und eine Infektion oder einen Abszess im Innern der Bauchhöhle verursachen.
Die Perforation kann schwerwiegend und gefährlich sein.

Morbus Crohn
Morbus Crohn

Fistel
Eine Fistel ist ein Phänomen, bei dem die Entzündung zur Bildung eines Kanals führt, der zwei voneinander unabhängige Teile des Körpers verbindet.
Zum Beispiel kann sich eine Fistel zwischen einem Teil des Dünndarms und einem Teil des Dickdarms bilden.
Fisteln können sich auch zwischen einem Darmabschnitt und anderen Organen bilden, wie der Harnblase oder der Gebärmutter.
Der Darminhalt kann dann in diese anderen Organe gelangen.
Manchmal entwickelt sich eine Perianalfistel, die vom Anus oder Rektum zur Haut um den Anus verläuft.
In gleicher Höhe können sich Analrhagaden oder perianale Abszesse entwickeln.

Krebs
Menschen mit Morbus Crohn haben ein geringgradig höheres Risiko als die allgemeine Population, Dickdarmkrebs zu entwickeln.

Weitere Komplikationen des Morbus Crohn
Etwa 4 % der Patienten hat Beschwerden, die nicht den Darm betreffen, wie:

  • Erythema nodosum
  • Geschwüre oder Aphthen im Mund
  • Akute Arthropathie, die die großen Gelenke betrifft (zum Beispiel Handgelenk, Hüfte und Knie)
  • Sakroiliitis
  • Spondylitis ankylosans
  • Episkleritis
  • Pyoderma gangraenosum
  • Uveitis anterior
  • Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
  • Iritis
  • Fettleber
  • Primär sklerosierende Cholangitis
  • Nierensteine
  • Osteoporose. Das erhöhte Risiko der Verringerung der Knochendichte besteht aufgrund der schlechten Absorption der Nahrung, die bei manchen Menschen mit schwerem Morbus Crohn auftritt.
  • Wachstumsverzögerung. Bei Kindern mit Morbus Crohn wurde aufgrund der Malabsorbtion der Nährstoffe eine Wachstumsverzögerung beobachtet.

Wie erfolgt die Diagnose des Morbus Crohn?

Darm,Zusammensetzung,Anatomie,Morbus Crohn,DarmzottenDer Arzt fragt nach den Symptomen und führt eine körperliche Untersuchung durch. Es können eine Röntgenaufnahme angefertigt und Labortests durchgeführt werden, um herauszufinden, ob man an Morbus Crohn erkrankt ist.

Die Untersuchungen für Morbus Crohn umfassen:

Bariumkontrast-Röntgen von Dünndarm und Dickdarm.

Koloskopie. Bei dieser Untersuchung benutzt der Arzt einen dünnen und beleuchteten Schlauch, um ins Innere des Dickdarms zu schauen.

Biopsie. Der Arzt entnimmt eine Gewebeprobe und sendet sie zur Untersuchung an ein Labor.
Die Biopsie dient der Klärung, ob jemand an einem Morbus Crohn oder an einer anderen Erkrankung wie Krebs leidet.

Stuhluntersuchung. Das ist eine Untersuchung, die in einer Stuhlprobe nach Infektionszeichen sucht.

Mit Blutuntersuchungen kann man nicht zur Diagnose eines Morbus Crohn gelangen.

 

Was ist die Therapie bei Morbus Crohn?

Morbus Crohn ist eine Erkrankung, die schwerwiegend werden kann und möglicherweise die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Es ist daher wichtig zu lernen, wie damit umzugehen ist.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen: Medikamente, Operation und/oder Nahrungsergänzungsmittel. Ziel des Arztes ist, die Entzündung unter Kontrolle zu halten, Ernährungsprobleme zu korrigieren und die Symptome zu lindern.

 

Medikamente bei Morbus Crohn

Entzündungshemmende Medikamente – der Arzt beginnt vermutlich mit Mesalazin und Sulfasalazin, die dazu beitragen, die Entzündung zu kontrollieren. Manche Ärzte verschreiben 5-ASA (5-Amminosalicylsäure) wie Pentasa, wenn Sulfasalazin nicht toleriert oder damit keine Besserung erzielt wird.

Kortison oder Steroide – Kortikosteroide sind Medikamente, die Kortison enthalten. In den Anfangsphasen des Morbus Crohn verschreiben Ärzte oft Prednison. Zu den Nebenwirkungen von Kortikosteroiden zählt auch ein erhöhtes Infektionsrisiko.

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Darm mit Morbus Crohn

Immunsuppressive Medikamente
Diese Medikamente verringern die Immunantwort des Patienten. Der Arzt kann Mercaptopurin (Purinethol) oder Azathioprin verschreiben. Immunsuppressiva blockieren die Immunreaktion, die eine Entzündung verursachen würde. Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und eine Resistenzschwäche gegenüber Infektionen.

Biologische Medikamente (Infliximab und Adalimumab, monoklonale Antikörper und TNF-alpha-Blocker)
Infliximab (Remicade). Remicade blockiert die Entzündungsreaktion des Organismus. Dieses Medikament ist bei Patienten mit moderaten oder schweren Symptomen angezeigt, die auf die vorherigen Therapien nicht angesprochen haben. Es ist auch bei der Behandlung offener Fisteln indiziert.

Antibiotika
Eine Fistel, eine Stenose oder eine vorsorgende Operation können zur bakteriellen Proliferation führen. Ärzte behandeln diese Störung gewöhnlich, indem sie die nachfolgenden Antibiotika verschreiben: Ampicillin, Sulfonamide, Cephalosporin, Tetrazyklin oder Metronidazol.

Antidiarrhoika (Medikamente gegen Durchfall)
Wenn die Entzündung abklingt, wird Durchfall in der Regel zu einem geringeren Problem.
Dennoch kann der Patient manchmal ein Medikament gegen Bauchschmerzen und Durchfall benötigen.
Die am häufigsten verschriebenen Medikamente sind: Loperamid und Codein.

Chirurgie bei Morbus Crohn

Wenn weder die Umstellung der Ernährung und des Lebensstils, noch die medikamentöse Behandlung die Symptome lindern, kann der Arzt einen chirurgischen Eingriff anordnen.
Bei dem Eingriff entfernt der Chirurg Teile des geschädigten Verdauungstraktes und verbindet dann die gesunden Abschnitte miteinander. Außerdem können das Verschließen einer Fistel und die Drainage eines Abszesses erfolgen. Ein häufiges Verfahren bei Morbus Crohn ist die plastische Erweiterung der Darmwände, indem ein Segment des Darmes erweitert wird, das zu eng geworden ist.
In der Regel sind die Vorteile der Chirurgie beim Morbus Crohn vorübergehend.
Die Krankheit rezidiviert oft, häufig nahe an dem wiederhergestellten Gewebe oder an einer anderen Stelle des Verdauungstraktes.

Verschlimmert das Rauchen Morbus Crohn?
Studien haben gezeigt, dass Raucher mit Morbus Crohn schwerere Symptome und Komplikationen haben können.
Ein chirurgischer Eingriff erfolgt häufiger bei den Patienten, die rauchen.

Ist die Schwangerschaft bei einer Frau mit Morbus Crohn sicher?
Frauen mit Morbus Crohn können schwanger werden und ein Kind zur Welt bringen. Die meisten Kinder, die von Frauen mit Morbus Crohn geboren werden, erkranken ihrerseits nicht.

 

Naturheilmittel bei Morbus Crohn

Essen, Diät und Ernährung
Bisher konnte keine spezielle Diät als Vorsorge oder Behandlung von Morbus Crohn ermittelt werden, doch sollte man auf alle Fälle Speisen meiden, die die Symptome verschlimmern können, was zum Beispiel oft bei Milch der Fall ist.
Wer an Morbus Crohn leidet, verspürt oft ein gewisse Appetitlosigkeit, was sich auf die Ernährung auswirken kann.
Zudem ist Morbus Crohn mit Durchfall und einer Malabsorption der erforderlichen Nährstoffe verbunden. Lebensmittel verursachen keinen Morbus Crohn, doch Speisen wie Vollkornprodukte, Gewürze, Alkohol und Milchprodukte können Durchfall und Bauchkrämpfe verschlimmern.

Zitrone kann helfen, da sie für den gesamten Verdauungstrakt und die Gelenke gut ist. Man sollte daher jeden Morgen ein Glas mit gepresstem Zitronensaft trinken.

Die Absorption von Vitamin B12 erfolgt im Ileum. Ist also dieser Abschnitt entzündet, braucht es ein Vitamin-B12-Ergänzungsmittel.
Manche Patienten berichten, dass die Einnahme von Vitamin B12 die Bauschmerzen beseitigt.


Probiotika
Es gibt verschiedene Arten von Probiotika (lebende Mikroorganismen) mit unterschiedlichen Eigenschaften.
Nicht alle Probiotika sind wirksam, ganz im Gegenteil, einige könnten in gewissen Fällen schädlich sein.
Je nach Beschwerden des Patienten muss der Gastroenterologe Mikroorganismen wählen, die für den speziellen Fall geeignet sind

Kann Stress Morbus Crohn verschlimmern?
Es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Einfluss von Stress auf Morbus Crohn.
Jedoch leiden Personen mit Morbus Crohn unter vermehrtem Stress, weil sie mit einer chronischen Erkrankung leben.
Manche Menschen mit Morbus Crohn berichten über einen Schub, wenn sie eine stressige Situation durchleben oder ein belastendes Erlebnis haben.
Für Menschen, die einen Zusammenhang zwischen Stress und einer Verschlimmerung der Symptome sehen, stehen Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, Reiki oder Shiatsu zur Verfügung, die helfen, sich besser zu fühlen.

Morbus Crohn und Dickdarmkrebs
Wenn Morbus Crohn mehr als die Hälfte der Oberfläche des Dickdarms (Kolon) betrifft, besteht eine geringe Erhöhung des Risikos, Krebs zu entwickeln.

Wie lange dauert Morbus Crohn (Lebenserwartung)?

Die Prognose variiert, doch eine endgültige Heilung ist sehr schwierig. Es hängt von den betroffenen Bereichen des Darmes und der Häufigkeit und Schwere der Exazerbationen ab.

Die Aussichten, wenn Morbus Crohn nicht behandelt wird, sind:

  • Etwa 3 von 20 Personen mit Morbus Crohn erleiden schwere und/oder häufige Exazerbationen.
  • Manche Menschen erleiden nur ein oder zwei Entzündungsschübe in ihrem Leben und haben für den Rest des Lebens keine Symptome.
  • Viele Patienten erleiden hin und wieder ein Rezidiv, können aber über längere Zeit symptomfrei sein.

Manchmal ist eine Exazerbation schwerwiegend und gefährlich und eine kleine Anzahl der Betroffenen sterben aufgrund einer Komplikation, wie einer Darmperforation.

Bis zu 8 von 10 Personen mit Morbus Crohn benötigen aufgrund von Komplikationen zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben einen chirurgischen Eingriff.
Etwa die Hälfte der Patienten mit Morbus Crohn unterzieht sich innerhalb der ersten 10 Jahre nach Auftreten der Erkrankung einer Operation.
Der häufigste Grund ist die Beseitigung einer Stenose, die sich gebildet hat.

Einige Menschen benötigen im Verlaufe ihres Lebens mehrere Operationen.
Wer unter Morbus Crohn leidet, sollte mit 2 bis 4 Operationen im Leben rechnen.
Mittlerweile ist die Anzahl der Operationen gesunken, möglicherweise weil modernere Behandlungsmethoden und neue Medikamente zur Verfügung stehen.