Analrhagaden

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Anale Rhagaden sind Wunden oder Läsionen, die am Anus auftreten und sich nach oben in den Analkanal ausdehnen.
Analrhagaden können je nach Dauer der Symptome klassifiziert werden.

Zum Beispiel:

  • Akute Analrhagaden – wenn die Symptome nicht länger als eine Woche dauern.
  • Chronische Analrhagaden – wenn die Symptome über eineinhalb Monate andauern.

Der äußere Afterschließmuskel (Musculus sphincter ani externus) wird bei jedem Menschen bewusst kontrolliert. Doch der innere Schließmuskel (M. sphincter ani internus) wird nicht durch das Bewusstsein gesteuert.
Dieser Muskel bleibt die ganze Zeit unter Druck oder Spannung.
Bei manchen Menschen kann eine übermäßige Muskelspannung in den beiden den Anus steuernden Ringmuskeln (Sphinktern) herrschen.
Es handelt sich um einen sehr schmerzhaften muskulären Krampf (oder Spasmus), die den Stuhlgang behindert. Die Folge ist ein starkes Reiben gegen die Schleimhaut des Analkanals, die dabei verletzt wird.


Eine anale Rhagade kann sich entwickeln, wenn der innere Schließmuskel im Ruhezustand einen zu starken Druck erfährt. Die Folge ist ein Muskelspasmus und eine verminderte Durchblutung des Anus.
Ein hoher Druck in Ruhe kann auch die Heilung von Rhagaden verhindern.

Lokalisation der Analrhagaden

Die Hautverletzungen treten gewöhnlich im hinteren Bereich auf, können aber auch an der vorderen Seite des Anus erscheinen, besonders wenn der Patient an Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn leidet.
In einigen Fällen können die Analrisse durch Morbus Crohn verursacht sein, eine entzündliche Darmerkrankung, die zu Durchfall und Blut im Stuhl, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust und Rhagaden oder Fisteln in Afternähe führt.

Was sind die Ursachen für Analrhagaden?

Analrhagaden werden durch Läsionen (Traumen) des Analkanals verursacht. Eine Verletzung kann wie folgt entstehen:

Ein sehr großer Kotballen dehnt den Analkanal.
Der Betreffende leidet unter Verstopfung und strengt sich an, den festen Stuhl auszuscheiden.
Bei häufigem Durchfall.
Auch eine Geburt kann ein Trauma des Analkanals verursachen. Manche Frauen entwickeln bei einer Geburt Analrhagaden.
Rhagaden können durch das Einführen eines Fingers (wie bei der Prostatauntersuchung), eingebrachte Fremdkörper oder Analverkehr verursacht sein.

Da viele Menschen unter Verstopfung oder Durchfall leiden, ohne Rhagaden zu entwickeln, gehen viele Experten davon aus, dass es auch andere Ursachen für Analrhagaden gibt.

Weniger häufige Ursachen für Analrhagaden sind:

  • Analkrebs
  • HIV
  • Tuberkulose
  • Syphilis
  • Herpes


Symptome von Analrhagaden

Anzeichen und Symptome von Analrhagaden sind:

  • Schmerzen beim Stuhlgang, die manchmal sehr stark sein können;
  • Schmerzen nach dem Stuhlgang, die mehrere Stunden anhalten können;
  • hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier;
  • Juckreiz und Irritationen um den After;
  • anales Brennen;
  • Schmerzen beim Radfahren, vor allem auf einem Rennrad mit schmalem Sattel;
  • ein sichtbarer Riss in der Analhaut.

Komplikationen bei Analrhagaden

Komplikationen bei Analrhagaden sind:

Fehlende Heilung. Eine Analrhagade, die innerhalb von sechs Wochen nicht abheilen kann, wird als chronisch bezeichnet und kann eine entsprechende Behandlung erforderlich machen.

Rezidiv. Nachdem eine Rhagade vorhanden war, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, erneut eine weitere zu bekommen.

Verletzung, die sich bis in die umgebenden Muskeln ausdehnt. Eine Analrhagade kann sich in den Afterschließmuskel (innerer Schließmuskel) ausdehnen und dadurch die Heilung erschweren.
Eine nicht geheilte Rhagade kann einen Teufelskreis auslösen, der Medikamente oder eine Operation erfordert, um die Verletzungen zu beheben.

Diagnose von Analrhagaden

 Analrhagaden
Analrhagaden

Eine Rhagade wird gewöhnlich durch eine rektale Untersuchung diagnostiziert, die manuell oder visuell durchgeführt wird.
Man benutzt dazu ein spezielles Instrument, ein sog. Anoskop, oder ein Sigmoidoskop.
Einer dieser beiden Tests kann klären, ob eine anale Blutung oder ein anderes Problem vorliegt.

In der Differentialdiagnose sind vom Arzt auszuschließen:

  • perianaler Abszess,
  • Hämorrhoiden,
  • perianale Fistel.

Anfängliche Behandlung von Analrhagaden

Bei den meisten Menschen heilen die Risse innerhalb einer Woche spontan ab, ebenso wie jeder andere kleine Hautschnitt auch.
Die Therapie hat das Ziel, den Druck auf den Analkanal zu verringern und Schmerzen zu lindern, indem der Stuhl weich gehalten wird, während die Rhagade abheilt.

Schmerzen und Beschwerden lindern
Heiße Bäder haben einen beruhigenden Effekt und helfen, den Anus zu entspannen. Dadurch sollte auch der Schmerz gelindert werden.

Eine Creme oder Salbe, die ein Lokalanästhetikum enthält, kann zur Schmerzlinderung beitragen.
Man sollte diese Mittel nur für kurze Zeit anwenden (5-7 Tage).
Wird ein Anästhetikum längere Zeit angewendet, kann es die Haut um den Anus reizen und sensibilisieren.
Man kann sie nur auf ärztliches Rezept erhalten. Es gibt auch einige rezeptfreie Produkte in der Apotheke.


Eine kortisonhaltige Creme oder Salbe kann von einem Arzt verschrieben werden, wenn er eine starke Entzündung im Umkreis der Verletzung feststellt.
Kortikosteroide verringern die Entzündung und können Schwellungen um die Läsion mindern.
Das kann zur Linderung von Juckreiz und Schmerz beitragen. Man sollte sie nicht länger als eine Woche lang anwenden.
Nach dem Stuhlgang den Anus sorgfältig waschen. Vorsichtig abtrocknen. Bei Schmerzen sollte man keine Seife verwenden, da diese zusätzlich reizen kann.
Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen können zur Schmerzlinderung beitragen (Kodein vermeiden).

Die anorektale Zone sanft reinigen und zu langes Sitzen auf der Toilette vermeiden.
Vaseline anwenden, um den anorektalen Bereich geschmeidig zu halten.
Mit den oben erwähnten konservativen Praktiken heilen die meisten Rhagaden (80 bis 90 Prozent) in einem Zeitraum von wenigen Wochen bis einigen Monaten.

Richtige Ernährung, vermeiden von Verstopfung und Weichhalten des Stuhls
Um Rhagaden auf natürliche Weise zu behandeln, sollten reichliche Ballaststoffe gegessen werden, die in Obst, Gemüse, Zerealien, Vollkornbrot usw. enthalten sind.
Viel trinken. Erwachsene sollten mindestens zwei Liter (10 bis 12 Tassen) Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen. Der meiste Teil der Flüssigkeit wird als Harn ausgeschieden, doch ein Teil tritt in den Darm ein und hält den Stuhl weich.
Dazu eignen sich die meisten Getränke, allerdings kann Alkohol zu Dehydratation führen und sollte daher vermieden werden.
Auch koffeinhaltige Produkte sollte man meiden (da sie zu Dehydratation führen).

Ballaststoffergänzungsmittel
Wenn eine ballaststoffreiche Ernährung nicht hilft, kann man Ballaststoffergänzungsmittel wie Flohsamenschalen, Methylzellulose, Kleie oder Sterculia-Gummi einnehmen.
Man kann diese Produkte in der Apotheke oder auf ärztliche Verordnung erhalten. Methylzellulose hilft auch zur direkten Weichhaltung des Stuhls, um den Stuhlgang zu erleichtern.

Toilettengang
Den Drang, zur Toilette zu müssen, sollte man nicht ignorieren.
Manche Menschen unterdrücken dieses Gefühl und warten darauf, erst später zur Toilette zu gehen.
Das kann zu großen Kotballen und damit zu erschwertem Stuhlgang führen.
Schmerzmittel wie Co-Codamol, die Kodein enthalten, sollten vermieden werden, da sie häufig Verstopfung verursachen. Paracetamol ist zur Linderung von Beschwerden bei Rhagaden vorzuziehen.

Analrhagaden bei Kindern

Die oben genannten Maßnahmen gelten auch für Kinder, die ebenso wie Erwachsene Rhagaden haben können. Kinder meiden den Gang zur Toilette, wenn sie unter Analschmerzen leiden.
Das kann einen Teufelskreis auslösen, bei dem sich noch größere Kotballen bilden, die beim nächsten Stuhlgang noch schwieriger auszuscheiden sind.
Deshalb sollte der Arzt bei Kindern mit Analrhagaden zu den oben genannten Maßnahmen noch ein Abführmittel verschreiben.
Damit soll sichergestellt werden, dass der Stuhl weich ist, damit die Rhagade von selbst heilt.

Was geschieht, wenn die Analrhagade trotz Therapie nicht heilt?
Eine Analrhagade heilt meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen, doch bei manchen Menschen ist dazu mehr Zeit erforderlich.
Auch wenn es sechs Wochen dauert und die Rhagade bereits chronisch wird, besteht die Möglichkeit der spontanen Heilung auch ohne Behandlung. Jedoch kann eine Therapie zur schnelleren Heilung beitragen.

Die Behandlung hat folgende Ziele:

  • Entspannung des Muskeltonus im Anusbereich. Das bessert die Durchblutung und ermöglicht der Rhagade, so schnell wie möglich zu heilen.
  • Weichhaltung des Stuhls.

Glyceroltrinitrat-Salbe
Wird Glyceroltrinitrat-Salbe am After aufgetragen, entspannen sich die Muskeln am Anus (analer Sphinkter). Das kann die Heilung von Läsionen erleichtern. Die Salbe kann auch den Schmerz sehr schnell lindern. Der Arzt kann anordnen, die Glyceroltrinitrat-Salbe länger als eine Woche anzuwenden, besonders wenn die Rhagade chronisch ist.

Hat diese Therapie jedoch keinen Erfolg und bleibt die Analrhagade weiterhin bestehen, sollte man andere Behandlungen vornehmen, darunter:

  1. Zäpfchen oder Salben verwenden, die Hydrokortison enthalten, um die Entzündung zu reduzieren.
  2. Andere Cremes und Salben auftragen:
  • eine medizinische Creme zur Heilung der Verletzung,
  • ein lokales Muskelrelaxans, um die Analmuskulatur zu entspannen,
  • eine lokalanästhetische Creme zur Schmerzlinderung, wenn diese beim Stuhlgang auftreten,
  • Nitroglyzerin oder Kalziumkanalblocker (Kalziumantagonisten), um die Analmuskulatur zu entspannen und die Durchblutung in dieser Region zu fördern.
  1. Injektionen von Botulinumtoxin Typ A (Botox) in den Schließmuskel. Die Injektion lähmt vorübergehend den Schließmuskel und lindert die Schmerzen, um die Heilung zu fördern.
  2. Chirurgischer Eingriff.

 

Worin besteht die Operation?

Vor der Empfehlung zu einer Operation, sollte der Arzt den Patienten erneut untersuchen und weitere Tests vornehmen, um festzustellen, ob andere therapeutische Möglichkeiten bestehen.
Mögliche Gründe, warum die Rhagaden nicht heilen, sind: Narben oder Muskelkrämpfe des inneren Schließmuskels.

Chirurgischer Eingriff bei Analrhagaden

Wann sollte operiert werden?
Das hängt von der persönlichen Belastungsgrenze ab. Rhagaden können spontan abheilen, aber auch chronisch werden, was eine Operation nahelegt.
Die Entscheidung hängt vor allem von der Schwere der Symptome ab.

Es gibt verschiedene chirurgische Techniken zur Behandlung von Analrhagaden.

Laterale Sphinkterotomie oder Spaltung des inneren Schließmuskels
Dieses Verfahren hat den größten Heilungserfolg und ist das am meisten angewandte Verfahren bei Analrhagaden. Bei dieser Operation führt der Chirurg einen kleinen Schnitt in den inneren Schließmuskel in Länge der Analfissur durch.
Der Eingriff erfolgt in Lokalanästhesie, die Dauer beträgt eine Viertelstunde und nach ein paar Stunden der Beobachtung kann der Patient nach Hause zurückkehren.
In seltenen Fällen verursacht der Schnitt eine Stuhlinkontinenz.
Die Operation erfolgt gewöhnlich ambulant.
Die Schmerzen vergehen innerhalb weniger Tage und die vollständige Heilung erfolgt in wenigen Wochen.
Der Arzt kann Antibiotika verschreiben, um eine Infektion der Operationswunde zu vermeiden.

Fissurektomie
Bei diesem Verfahren wird die Rhagade komplett entfernt. Es hinterlässt eine offene Wunde, die auf natürlichem Wege heilt. Diese Operation kann für sich, in Kombination mit der lateralen Sphinkterotomie oder mit der Injektion von Glyceroltrinitrat oder Botulinumtoxin A durchgeführt werden.
Die Fissurektomie erfolgt bei einer Analfistel (einer tunnelähnlichen Struktur, die die Haut um den Anus und das Rektum verbindet) und bei Analrhagaden.

Weitung mit Dilatatoren
Das ist eine Technik, die den Analkanal mittels analdilatierender Instrumente mit zunehmendem Durchmesser passiv weitet, zum Beispiel mit dem Dilatator Dilatan.
Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die die Effektivität dieses medizinischen Verfahrens demonstrieren, doch in einigen Fällen ist es erfolgreich.


Ballondilatation
Die anale Dilatation mittels Ballon ist eine sehr wirksame Behandlungsweise bei analen Rhagaden, mit niedrigeren Raten der Stuhlinkontinenz als bei der lateralen Sphinkterotomie.
Die pneumatische anale Dilatation vermeidet einige Komplikationen der Sphinkterotomie: Blutung, Abszess, Fistel und chronische Schmerzen.
Die Dilatatoren dienen auch der sanften Dehnung während allen anorektalen Operationen.
Das Verfahren besteht im Einführen eines Ballons in den Analkanal.
Gewöhnlich erfolgt dies in lokaler Anästhesie.
Sobald der Ballon im Innern positioniert ist, wird er mit einem bestimmten Druck aufgeblasen.
Der Ballon drückt für einige Minuten auf den Heber des Afters (Musculus levator ani) und kann den kontrahierten Muskel entspannen, indem der natürliche neurologische Reflex des menschlichen Körpers genutzt wird.
Der Eingriff erfolgt ambulant und der Patient kehrt noch am gleichen Tag nach Hause zurück.
Diese neue Methode ist sehr effektiv.

Analplastik
Die Analplastik ist eine Technik, bei der das geschädigte Gewebe in der Rhagade durch die gesunde Schleimhaut des Patienten ersetzt wird. Diese Form der chirurgischen Intervention ist komplexer und wird gewöhnlich nur empfohlen, wenn andere chirurgische Eingriffe fruchtlos gewesen sind.