Nystagmus oder Augenzittern

Nystagmus ist eine medizinische Bezeichnung, um oszillierende, rhythmische und unkontrollierbare Augenbewegungen zu beschreiben.

Man sieht dabei die Pupille, die in eine Richtung und danach unwillkürlich und mit derselben Frequenz wieder zurückspringt, die Bewegung gleicht der eines Pendels.


Die Bewegung kann folgender Art sein:

  • induziert,
  • provoziert,
  • spontan.

Die mögliche Bewegungsrichtung der Augen ist:

  • seitlich (horizontaler Nystagmus),
  • nach oben und unten (vertikaler Nystagmus),
  • kreisend.

Der Nystagmus tritt oft dann auf, wenn ein Objekt peripher sichtbar wird oder wenn Gegenstände angesehen werden, die sich mit einer sehr großen Geschwindigkeit bewegen.

In den meisten Fällen tritt der Nystagmus während der Kindheit oder Jugendzeit auf, kann sich aber auch im Erwachsenenalter entwickeln.
Experten sagen, dass etwa ein Kind von Tausend diesen Nystagmus aufweist.

Der Rhythmus der Augenbewegungen kann weiterhin in schnell oder langsam eingeteilt werden.

  1. Die langsame Phase ist physiologisch oder pathologisch durch einen vestibulären Stimulus bedingt.
  2. Die schnelle Phase ist eine rasche Bewegung, induziert durch das okulomotorische System, das die Augenbewegungen steuert.

 

Arten des Nystagmus

Pathologischer Nystagmus
Ein pathologischer Nystagmus tritt während der Drehung des Rumpfes im Bezug zum Kopf auf, der stationär im Raum verbleibt. In diesem Fall entstammt die Störung der zervikalen Wirbelsäule.

Dieser zervikale Nystagmus kann hervorgerufen werden durch:

  • Gefäßkompression der Wirbelarterien,
  • Propriozeption (Wahrnehmungsfähigkeit der Position des Körpers im Raum) durch die Halsgelenke,
  • Funktionsstörungen der oberen Halswirbelsäule


Physiologischer Nystagmus: Der physiologische Nystagmus behält einen klaren Blick während der Autorotation.
In vielen Fällen, zum Beispiel während einer Fortbewegung, sind die Kopfbewegungen klein und der vestibulo-okulare Reflex ist in der Lage, Ausgleichsbewegungen der Augen zu erzeugen

Es gibt einige Arten von physiologischem Nystagmus:

  • Der optokinetische Nystagmus ist eine physiologische Reaktion der Augenmuskeln, die auftritt, wenn bewegte Gegenstände angesehen werden (zum Beispiel das Blicken aus einem Zugfenster).
    Das Auge führt eine langsame Bewegung durch, um dem Objekt zu folgen und springt dann zurück, um einen anderen Gegenstand zu erfassen.
    Es handelt sich um einen physiologischen Nystagmus, der in den ersten Lebensjahren auftritt, in manchen Fällen wenige Wochen nach der Geburt.
  • Der vestibuläre Nystagmus (mit dem Innenohr verbunden). Das vestibuläre System arbeitet mit dem Augenbewegungssystem zusammen. Empfängt das Ohr spezielle Stimuli (wie beispielsweise die passive Rotation des Kopfes), bewegen sich die Augen rhythmisch und folglich tritt der Nystagmus auf.
    Ist die Kommunikation zwischen den beiden Systemen nicht adäquat, kann ein Nystagmus beobachtet werden.
    Der vestibuläre Nystagmus besteht in unwillkürlichen Augenbewegungen, hervorgerufen durch Störungen des Innenohrs (zum Beispiel Tinnitus oder Taubheit).
    Dieser Nystagmus teilt sich in:

    1. Zentral-vestibulärer Nystagmus, in diesem Fall kann die Augenbewegung in eine oder in beide Richtungen erfolgen.
    2. Peripher-vestibulärer Nystagmus, die Augenbewegung erfolgt immer in dieselbe Richtung.

 

Einteilung des Nystagmus

Nystagmus kann kongenital (angeboren) oder aufgrund eines Unfalls oder einer Erkrankung erworben sein.

Kongenitaler Nystagmus

Infantiles Nystagmus-Syndrom
Auftreten: 0-6 Lebensmonate

In diesem Alter sind folgende Formen des Nystagmus möglich:

  1. Kongenitaler idiopathischer oder motorischer Nystagmus nach Cogan (CIN)
    Das Neugeborene hat einen Nystagmus in alle Blickrichtungen, doch die Augen und die motorische Entwicklung sind klinisch normal.
    Diese Diagnose wird nur erstellt, wenn alle neurologischen und okulären Anomalien ausgeschlossen wurden.
  2. Sensorischer Nystagmus nach Cogan
    Begleiterscheinung einer angeborenen beidseitigen Sehbehinderung mit verringerter Sehschärfe.

Ein Kind mit sensorischen oder okulomotorischen Defiziten der Augen muss nicht zwangsläufig an Nystagmus leiden.

 

Erworbener Nystagmus

Der erworbene Nystagmus kann verursacht werden durch:

  • Krankheit (Multiple Sklerose, Hirntumor, diabetogene Neuropathie),
  • Unfall (Schädelhirntrauma),
  • neurologisches Problem (Nebenwirkung auf Medikamente).

Hyperventilation, flackerndes Licht vor den Augen, Nikotin und Vibrationen können in seltenen Fällen einen Nystagmus verursachen.
Einige Fälle eines erworbenen Nystagmus können durch Medikamente oder einen chirurgischen Eingriff behandelt werden.

Spasmus Nutans: Dieses Syndrom charakterisiert sich durch das Auftreten von Nystagmus, Kopfschwankungen und anormale Positionen des Kopfes (steifer Hals).


Blickevozierter Nystagmus: Dieser Nystagmus tritt auf, wenn die Augen weg von der Mittellinie des Körpers gehalten werden.
Diese Form entsteht durch eine Störung des Hirnstamms oder durch Sedativa.
Die Richtung der Augenbewegungen kann schlimmer werden, wenn die Person ermüdet oder gestresst ist, oder wenn er oder sie den Blick zur Seite richtet (auch Rebound-Nystagmus genannt).

Konvergenz- und Retraktionsnystagmus: Es handelt sich um einen provozierten Nystagmus, der bei einer Verletzung des Mittelhirns auftritt (zum Beispiel beim Parinaud-Syndrom oder beim Pinealom).

Die Augäpfel

  • konvergieren gleichzeitig zum Zentrum
  • und kehren dann in ihre Ausgangsposition zurück.

Der Konvergenz- und Retraktionsnystagmus tritt auf, wenn der Patient versucht, eine Bewegung der Augäpfel nach oben auszuführen, die behindert oder gelähmt ist.

Opsoklonus: Der Opsoklonus ist kein echter Nystagmus, sondern eher ein hochfrequentes Zittern mit niedriger Amplitude und unwillkürlich. Er wird oftmals als „tanzende Augen und tanzende Füße“ bezeichnet, aufgrund der Verbindung zur akuten zerebellären Ataxie der Kindheit.
Der Opsoklonus kann das Zeichen für ein Neuroblastom sein.

 

Einteilung des Nystagmus aufgrund der Situation

  • Monokularer (unilateraler) oder bilateraler Nystagmus. Kann ein oder beide Augen betreffen.
  • Willentlicher Nystagmus: Manche Menschen können einen willentlichen Nystagmus auslösen. Feine, schnelle und horizontale Bewegungen können für kurze Zeit erzeugt und aufrechterhalten werden.
  • Bergmannsnystagmus: Diese Form des Nystagmus tritt bei Menschen auf, die längere Zeit im Dunkeln arbeiten.
  • Schaukelnystagmus: In diesem Fall führen die Augen entgegengesetzte Bewegungen durch, während das eine nach oben geht, geht das andere nach unten.
  • Spontaner oder induzierter Nystagmus: Diese Form des Nystagmus tritt zufällig unabhängig von der der Kopfhaltung auf.
  • Manifester Nystagmus: Er ist stets vorhanden, während sich der latente Nystagmus auftritt, wenn das Auge abgedeckt ist.
  • Manifester latenter Nystagmus: Ist immer vorhanden, kann sich jedoch bei abgedecktem Auge verstärken.
  • Fixationsnystagmus: Tritt nur auf, wenn die Augen einen Gegenstand fixieren.
  • Dissoziierter Nystagmus: Die Manifestation in einem Auge ist nicht mit dem anderen Auge synchronisiert.

Einteilung des Nystagmus aufgrund der Bewegungen

  • Jerk- oder ruckartiger Nystagmus: Die Augen bewegen sich langsam in eine Richtung und kehren dann schnell zur Ausgangsposition zurück.
  • Pendelnystagmus: Die Schnelligkeit der Augenbewegungen ist in beide Richtungen gleich.
  • Sakkadischer oder zweiphasiger Nystagmus: Je nach Richtung ist die Geschwindigkeit unterschiedlich. Die schnelle Komponente (schnelle Phase) definiert die Bezeichnung der Richtung des Nystagmus (ein sakkadischer Nystagmus nach rechts hat eine langsame Phase nach links und die schnelle nach rechts).
  • Seitlicher Nystagmus: Die Augen bewegen sich in horizontaler Ruckbewegung (von Seite zu Seite).
  • Rotatorischer oder torsionaler Nystagmus: Die Augen bewegen sich um die Sehachse.
  • Postrotatorischer Nystagmus: Dies ist eine Form des vestibulären Nystagmus, die auftritt, wenn der ganze Körper gedreht wird und dann anhält.
    Zum Beispiel kann man ihn bei einem Patienten auf einem rotierenden Drehstuhl beobachten, der dann plötzlich anhält.
  • Geotroper Nystagmus verschlechtert sich bei Rotation zur kranken Seite.
  • Apogeotroper Nystagmus verschlechtert sich, wenn der Kopf zur gesunden Seite gedreht ist.

 

Symmetrischer vertikaler Nystagmus

  • Vertikal nach oben schwingender Nystagmus:
    Beschreibung – Es handelt sich um einen Nystagmus in Sakkaden, bei dem die schnelle Phase nach oben gerichtet ist.
    Er erscheint in der vorrangigen Position des Auges und nimmt zu, wenn nach unten geblickt wird.
    Damit verbundene Erkrankung – man sieht ihn häufig als Nebenwirkung bei antikonvulsiven Medikamenten, man kann ihn aber auch bei Kleinhirnerkrankungen und Kleinhirn-Brückenwinkel-Anomalien beobachten.
  • Vertikal nach unten schwingender Nystagmus:
    Beschreibung – Dieser sakkadenartige Nystagmus hat eine schnelle Phase nach unten, die in der vorrangigen Position vorhanden ist und sich verschlimmert, wenn nach unten gesehen wird.
    Damit verbundene Erkrankungen – es gibt mehrere Ursachen, darunter:
  • Anomalie am kraniozervikalen Übergang (zum Beispiel das Arnold-Chiari-Syndrom),
  • Kleinhirndegeneration
  • Medikamentenintoxikation (vor allem mit Lithium, Phenytoin, Carbamazepin und Barbituraten),
  • Wernicke-Enzephalopathie,
  • Demyelinisierung,
  • Enzephalitis des Hirnstamms und Hydrozephalus.

Hydrocephalus-Druck-Schädel-Hirn

 

Ursache des Nystagmus

Bekannte Ursachen des Nystagmus sind:

  • Vererbung. Der Nystagmus kann angeboren sein. Wenn mindestens ein Familienmitglied diese Störung hat, erhöht sich das Risiko, sie ebenfalls zu entwickeln.
  • Albinismus (Pigmentmangel der Haut).
  • Verschiedene Augenerkrankungen, Katarakt, Strabismus und schwere Refraktionsstörungen.
  • Krankheiten wie Morbus Meniere, Labyrinthitis, Multiple Sklerose oder Schlaganfall. Der Schlaganfall ist eine häufige Ursache für einen erworbenen Nystagmus bei älteren Menschen.
  • Läsionen des Nervensystems (Kleinhirn und Hirnstamm). Das ist eine häufige Ursache eines erworbenen Nystagmus bei jüngeren Menschen.
  • Einnahme von einigen Medikamenten wie Lithium oder antiepileptische Medikamente.
  • Genuss von Alkohol oder Drogen.
  • Probleme mit dem Innenohr (Gleichgewichtsorgan).

 

Okulärer NystagmusSymptome des Nystagmus

Hauptsymptome des Nystagmus sind unwillkürliche Augenbewegungen.

Die Bewegung ist meist seitlich (horizontaler Nystagmus), kann aber auch von oben nach unten gehen (vertikaler Nystagmus) oder kreisen (Rotationsnystagmus).

Die Bewegung kann zwischen langsam und schnell wechseln, in der Regel sind beide Augen davon betroffen.

Außer Augenbewegungen verursacht Nystagmus:

  • Lichtempfindlichkeit (Photophobie),
  • Kopfschmerzen,
  • Verlust des Gleichgewichts,
  • Reizbarkeit,
  • Schwindel,
  • Sehstörungen,
  • Geneigthalten des Kopfes,
  • Erdbebengefühl.

 

Diagnose des Nystagmus

Der Nystagmus kann bei Neugeborenen oder Kleinkindern (jünger als 3 Jahre) bei einer umfassenden augenärztlichen Untersuchung diagnostiziert werden.
Kinder, die ein Nystagmusphänomen aufweisen, sollten einem Facharzt vorgestellt werden, um die Ursache festzustellen, beispielsweise Schielen oder Katarakt.

Folgende Tests können zur Nystagmusdiagnose durchgeführt werden:

  • Anamnese des Patienten, um eventuelle Symptome zu bestimmen, die der Patient hat, und das Vorliegen von Erkrankungen, Medikamenteneinnahmen oder Umweltfaktoren festzustellen, die die Symptome hervorrufen können.
  • Videonystagmographie – bei dieser Untersuchungsmethode wird eine dunkle Maske aufgesetzt, die an einen Computer angeschlossen ist. Auf diese Weise können Qualität und Quantität beurteilt werden, man kann feststellen, um welche Art von Nystagmus es sich handelt und welche Frequenz (Gravität) er aufweist.
  • Positionsmanöver – zur Ermittlung des Nystagmus bittet der Arzt den Patienten, gewisse Bewegungen durchzuführen oder bestimmte Positionen einzunehmen.

Indem die Informationen aus den Untersuchungen genutzt werden, kann der Optiker ein bestehendes Problem ermitteln und eine wirksame Behandlung empfehlen.

 

Therapie des Nystagmus

Nystagmus kann nicht geheilt werden.
Manche Erkrankungen, die einen Nystagmus verursachen, können zur Verbesserung der Symptome behandelt werden.
Wissenschaftler in aller Welt erforschen dieses Phänomen, um eine wirksame Behandlung zu finden.
Viele dieser Forscher konzentrieren sich auf die Steuerung der Augenbewegungen, ein noch immer wenig erforschtes Gebiet.
Nicht alle entwickelten Behandlungsformen sind durch gute wissenschaftliche Ergebnisse gestützt.

Brillen und Kontaktlinsen
Brillen und Kontaktlinsen gewährleisten, dass die Sehkraft korrigiert wird. Sie korrigieren das Problem nicht, können aber dazu beitragen, es zu reduzieren: verbessertes Sehen kann die Augenbewegungen verlangsamen. Spezielle Vergrößerungslinsen können beim Lesen helfen.

 

Operation bei Nystagmus

Selten wird eine Operation durchgeführt, um die Position der Muskeln, die die Augen bewegen, zu verändern.
Beim Sakkaden-Nystagmus verringert sich der Nystagmus deutlich oder verschwindet ganz, wenn sich die Pupille in einem Augenbereich, dem sogenannten „Nullpunkt“, befindet.

Ziel des Eingriffs ist:

  • den Nullpunkt aus einer peripheren Position in eine vorrangige Position zu verlegen;
  • die Zeit zu verlängern, in der das Lichtsignal in der Sehgrube der Netzhaut verbleibt;
  • die Nackenhaltung zu verbessern;
  • die Verbesserung der Sehkraft.

Die Operation kann jedoch nicht den Nystagmus korrigieren oder heilen.
Die Augenoperation wird durchgeführt, damit die Augenmuskeln den Nystagmus korrigieren.
Auf diesem Gebiet befindet sich die Wissenschaft noch in einem frühen Stadium.

Augenmuskeln-Musculus-rectus-Augenhöhle

Medikamente
Manchmal werden zur Behandlung des erworbenen Nystagmus Medikamente angewendet (zum Beispiel bei einer Person mit Multipler Sklerose, die einen Nystagmus entwickelt).
Die Medikamente helfen bei der Steuerung der Augenbewegungen und verringern das Bewusstsein der konstanten Augenbewegung.
Dies ist eine sehr spezifische und noch immer nicht sehr häufig angewendete Behandlung bei kongenitalem Nystagmus.

Biofeedback
Biofeedback besteht in dem Versuch, die Bewegungen der Augenmuskeln zu verringern, indem sich der Patient der Augenbewegungen so bewusst wird, dass er sie kontrollieren kann.
Diese Technik basiert auf Audio- und Videosignalen, die als Biofeedback bekannt sind.
Ein Ansatz mit intermittierender photopischer Stimulation (IPS) hat keine deutliche Verbesserung gezeigt.
Es gibt keinen deutlichen Beweis, dass Biofeedback zu guten Ergebnissen führt, doch manche Menschen mit Nystagmus haben eine Verbesserung beobachtet.