Netzhautablösung

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Netzhautablösung bedeutet, dass sich das lichtempfindliche Gewebe im hinteren Bereich des Auges vom darunterliegenden Stützgewebe, der sog. Aderhaut, gelöst hat.

Die Netzhaut ist die fotosensible Gewebeschicht, die das Innere des Auges auskleidet und über den Sehnerv die visuellen Signale an das Gehirn sendet.

Löst sich die Netzhaut ab, wird sie aus ihrer normalen Position abgehoben oder weggezogen.

 

Netzhautablösung
Netzhautablösung

Ursachen der Netzhautablösung und Risikofaktoren

Eine Netzhautablösung kann in jedem Alter auftreten, doch ist sie bei Menschen über 40 Jahre am häufigsten.
Sie betrifft mehr Männer als Frauen und Weißhäutige mehr als Afroamerikaner.
Eine Netzhautablösung ist wahrscheinlicher bei Menschen, die:

  1. stark kurzsichtig (myop) sind;
  2. am anderen Auge bereits eine Netzhautablösung hatten;
  3. eine familiäre Häufung von Netzhautseparationen haben;
  4. eine Kataraktoperation durchführen ließen;
  5. unter anderen Augenerkrankungen leiden, wie Netzhautspaltung (Retinoschisis), Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis) oder degenerative Kurzsichtigkeit;
  6. eine Augenverletzung hatten.

Es handelt sich nicht um eine angeborene Erkrankung.


Formen der Netzhautablösung

  1. Rissbedingte (rhegmatogene) Netzhautablösung besteht als Folge einer Ruptur (in der Regel ein Riss oder ein Loch) in der Netzhaut, die das Eindringen von Flüssigkeit in den Bereich unter der Netzhaut erlaubt.
    Die Risse oder Löcher in der Netzhaut treten auf, ohne irgendwelche Symptome zu verursachen.
    Es ist deshalb wichtig, routinemäßige Untersuchungen des Auges durchzuführen, vor allem wenn der Patient kurzsichtig ist oder Kontaktsport betreibt, der zu einem Trauma am Auge führen könnte.
    Außerdem ist bei einem kurzsichtigen Menschen die Gefahr für periphere Netzhautdegenerationen größer, die das Risiko einer Netzhautablösung erhöhen können.
    Die rhegmatogene Netzhautablösung ist die häufigste Form.
    Entzündungen und Läsionen können zur Schrumpfung des Glaskörpers führen, die Folge ist eine Verletzung im Auge.
    Am Auge operierte Patienten sind gefährdet, vor allem wenn ihnen eine Katarakt (grauer Star) entfernt wurde.
    Der chirurgische Eingriff bei einer Katarakt ist die häufigste am Auge ausgeführte Operation und der häufigste chirrgische Risikofaktor für eine Netzhautablösung.
    Etwa 20-40 % der rissbedingten Netzhautablösungen treten bei Patienten auf, die eine Kataraktoperation hatten.
  1. Die exsudative Netzhautablösung kann aufgrund einer Entzündung, Verletzung oder Gefäßerkrankung auftreten, die ohne ein vorhandenes Netzhautloch oder einen Einriss zu Flüssigkeitsansammlungen unter der Netzhaut führen.
  2. Die zugbedingte Netzhautablösung kann auftreten, wenn sich auf der Netzhaut fibröses oder fibrovaskuläres Gewebe als Folge einer Verletzung oder entzündlichen Erkrankung oder aufgrund einer Gefäßneubildung (Neovaskularisation) bildet, wie bei einer diabetogenen Retinopathie.
    Das Narbengewebe zieht die Netzhaut von der darunterliegenden Pigmentschicht ab, auf der sie normalerweise befestigt ist und verursacht somit eine zugbedingte Netzhautablösung.
    Die Netzhautablösung hat oftmals die Form eines „Hufeisens“.

Symptome der Netzhautablösung

Der Augenarzt kann eine Netzhautablösung durch eine Reihe von Untersuchungen der Netzhaut und Pupille beurteilen, die von einem einfachen Sehschärfetest bis zum Ultraschall des Auges reichen.
Für den Patienten tritt der graue Vorhang nach Beginn der Netzhautablösung auf.
Ehe dies geschieht, treten Anzeichen und Symptome auf, die auf eine mögliche Ablösung der Netzhaut hinweisen können, darunter:

  • Schwimmende Körper im Auge zusammen mit Lichtblitzen oder Flashs
  • Plötzlich auftretendes Verschwommensehen
  • Schatten und blinde Punkte im Gesichtsfeld


Therapie der Netzhautablösung

Riss in der Netzhaut
Wenn die Läsion nicht bis zur Netzhautablösung fortgeschritten ist, kann der Augenchirurg eine ambulante Behandlung empfehlen, um die Netzhautablösung zu verhindern und das Sehvermögen beinah vollständig zu erhalten.

Laser-Chirurgie (Photokoagulation).
Der Chirurg richtet den Strahl des Lasers auf den Netzhauteinriss. Zuvor wird eine Kontaktlinse auf der Hornhaut des Patienten positioniert, damit der Augenarzt die Läsion sehen kann.
Danach erzeugt der Laser Verbrennungen um die Läsion, um Narben zu erzeugen, die die Netzhaut an das Gewebe „schweißen“.

Kältebehandlung
Bei diesem Verfahren, der sogenannten Kryopexie, bringt der Chirurg eine Kältesonde auf die äußere Augenschicht direkt über dem Netzhautriss auf und friert den Bereich um die Läsion ein. Die Folge ist eine Narbe, die die Netzhaut an die Wände des Auges schweißt.
Der Arzt ordnet für die folgenden zwei Wochen eine Zurückhaltung von intensiven Aktivitäten an, um dem durch Kältebehandlung erzeugten Fasergewebe zu ermöglichen, sich zu festigen.

 

Eingriff bei vollständiger Netzhautablösung

Netzhautablösung,NeovaskularisationWenn sich die Netzhaut vollständig abgelöst hat, ist das ein ernstes Problem. Der Arzt führt dann eine Operation durch, um sie zu reparieren.
Die Eingriffe können zusammen mit Photokoagulation und Kryopexie erfolgen.
Manchmal ist ein zweiter chirurgischer Eingriff erforderlich, um das Problem zu lösen.
Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, um den Patienten bewegungsunfähig zu halten, denn die Strukturen des Auges sind sehr klein und der Chirurg riskiert somit Fehler.

Pneumatische Retinopexie
Bei diesem Verfahren injiziert der Arzt eine Luft- oder Gasblase in den Glaskörper.
Die Blase wird so eingebracht, dass sie gegen den Netzhautriss und den umgebenden Bereich drückt und somit den Riss schließt.
Das Gas verhindert die weitere Flüssigkeitsausbreitung im Bereich hinter der Netzhaut.
Die Flüssigkeit, die sich unter der Netzhaut angesammelt hat, absorbiert selbständig und die Netzhaut kann sich erneut an der Hinterwand des Auges anlegen.
Es könnte erforderlich sein, den Kopf über ein paar Tage in einer bestimmten Position zu halten, um die Blase an ihrer Position zu halten.
Am Ende wird die Blase automatisch absorbiert.


Operative Behandlung mittels Plombe oder Cerclage
Bei dieser Operation, auch sklerale Eindellung genannt, näht der Arzt über dem betroffenen Bereich ein Silikonpolster auf die Lederhaut (Sklera) des Auges.
Bei mehreren Läsionen oder einer großen Ablösung, kann der Chirurg eine sklerale Cerclage legen, die das ganze Auge wie einen Gürtel umgibt, oder Areale mittels Band oder Polster aus Silikon (Plomben) abdecken.
Die Plombierung oder Cerclage bewirkt eine Introflexion der Netzhaut im beschädigten Bereich, wodurch das Loch geschlossen wird.

Drainage und Flüssigkeitsersatz im Auge
Bei diesem, Vitrektomie genannten Verfahren, entfernt der Chirurg den Glaskörper zusammen mit etwaigem anderem Gewebe, das an der Retina zieht.
Danach wird Luft, Gas oder Flüssigkeit in den Glaskörperraum injiziert, um die Netzhaut wieder zu befestigen.
Am Ende werden Luft, Gas oder Flüssigkeit absorbiert und der Raum des Glaskörpers wird wieder zu einem flüssigen Körper.
Die Vitrektomie wird oftmals zusammen mit einer skleralen Eindellung durchgeführt.

Nach der Operation wegen Netzhautablösung

Nach dem Eingriff muss man einen Tag im Krankenhaus bleiben, der Arzt legt einen Verband an, der abhängig von der Art des Eingriffs eine bestimmte Zeit zu tragen ist.
Bei einer pneumatischen Retinopexie muss der Patient nach der Operation für einige Tage oder Wochen je nach Lokalisation der Ablösung eine bestimmte Position des Kopfes, entweder seitlich geneigt, nach vorne gebeugt oder auf der operierten Seite liegend, einnehmen.
Die Wahrscheinlichkeit des Operationserfolges bei Netzhautablösung hängt von der Anzahl der Löcher, der Größe und dem Vorhandensein von Narbengewebe in dem Bereich ab.
Meist kann die Netzhaut in einer einzigen Operation wieder angelegt werden, auch wenn manche Menschen verschiedene Eingriffe benötigen.
Weniger als 10 % der Ablösungen können nicht repariert werden.
Das Unvermögen einer Netzhautwiederherstellung führt stets zu einem Sehverlust bis hin zur Blindheit.

Nach dem Eingriff hängt die Qualität des Sehens davon ab, wo sich die Netzhaut abgelöst hatte und was die Ursache war:

  • Ist der zentrale Sehbereich (Makula) nicht betroffen, kann die Sehkraft wieder sehr gut werden.
  • Ist die Makula weniger als eine Woche lang geschädigt, bessert sich die Sehfähigkeit wieder, kann aber verzerrt und wellig erscheinen.
    Viele Menschen können sich mit der Zeit an diese verzerrten Bilder gewöhnen.
  • War die Makula für längere Zeit abgetrennt, ist eine teilweise Wiederherstellung der Sehkraft möglich, sie wird jedoch sehr beeinträchtigt sein.


Operationsergebnisse
In der Regel kann eine Operation die Netzhaut wieder reparieren. Der Grad der Wiederherstellung des feinen und peripheren Sehens hängt davon ab:

  • wie groß der abgelöste Netzhautteil war,
  • ob die Makula geschädigt wurde,
  • ob eine andere Augenerkrankung wie diabetogene Retinopathie vorliegt,
  • wie prompt die Operation durchgeführt wurde.

Tritt im peripheren Sehfeld ein Schatten auf, kann dieser nach der Operation wieder verschwinden, aber es kann eine periphere Sichteinschränkung bestehen bleiben.
Auch wenn die Netzhaut wieder befestigt wurde, kann die detaillierte zentrale Sicht oder das periphere Sehen leider nicht immer wiederhergestellt werden.
Dies kann in jedem Fall geschehen, das Risiko ist jedoch höher, wenn die Netzhaut ohne Behandlung abgelöst bleibt.

Was geschieht, wenn die Netzhautablösung nicht beseitigt werden kann oder ein Rezidiv auftritt?
Die meisten Menschen verlieren ihre Sehkraft vollständig, wenn keine Operation erfolgt oder eine Behandlung nicht gelingt.
Wenn die erste Operation nicht erfolgreich ist, kann jedoch ein erneuter Versuch zur Wiederbefestigung der Netzhaut durchgeführt werden.

Was geschieht, wenn die Sehkraft nicht wird wie zuvor?
Geht aufgrund einer Ablösung die Sehkraft auf einem Auge verloren, kann man mit dem anderen Auge immer noch sehen.
Manchmal braucht man einige Monate, um sich an das Sehen mit nur einem Auge zu gewöhnen, wenn das andere interferiert.
Mit der Zeit lernt das Gehirn, die verringerte Sehkraft in den meisten Situationen zu ignorieren.
Hatte das geschädigte Auge das bessere Sehvermögen, dann kann man eine Beeinträchtigung der Sehkraft erfahren.

 

Genesungszeit (Prognose) nach einer Operation wegen Netzhautablösung

Der Eingriff erfordert in der Regel keinen stationären Krankenhausaufenthalt.
Möglicherweise muss man die körperlichen Aktivitäten so lange einschränken, wie der Chirurg festlegt.

Wichtig ist, die vorgegebene Position zu halten, so dass die Gasblase die Netzhaut in ihre anatomische Lage drückt.
Patienten mit einer Gasblase im Auge dürfen nicht fliegen oder sich in großen Höhen aufhalten, bis sich die Gasblase aufgelöst hat.
Das tritt gewöhnlich in wenigen Wochen ein.