Netzhautablösung

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Netzhautablösung bedeutet, dass sich das lichtempfindliche Gewebe im hinteren Bereich des Auges vom darunterliegenden Stützgewebe, der sog. Aderhaut, gelöst hat.

Die Netzhaut ist die fotosensible Gewebeschicht, die das Innere des Auges auskleidet und über den Sehnerv die visuellen Signale an das Gehirn sendet.

 

Was passiert bei einer Netzhautablösung?

  • Das Augeninnere wird zum Großteil durch den Glaskörper ausgefüllt eine gallertartige, durchsichtige Masse, die zwischen Netzhaut und Linse liegt.
  • Der Glaskörper ist fest an die Netzhaut angeheftet, eine Glaskörperabhebung kann somit die Netzhaut an ihren schwächsten Punkten abziehen und Risse hervorrufen.
  • Die im Augeninneren befindlichen Flüssigkeiten können durch diese Risse dringen und zu einer Netzhautablösung führen.

Selten ist eine Netzhautablösung bilateral, die Ursache sind vor allem systemische (den gesamten Organismus betreffend) und kongenitale (angeborene) Erkrankungen.

 

Netzhautablösung
Netzhautablösung

Formen der Netzhautablösung

1. Die rissbedingte (rhegmatogene) Netzhautablösung entsteht als Folge einer Ruptur (in der Regel ein Riss oder ein Loch) in der Netzhaut, die das Eindringen von Flüssigkeit in den Bereich unter der Netzhaut erlaubt.
Die Läsionen in der Netzhaut müssen nicht unbedingt Symptome verursachen, in der Tat sind 78 % der Fälle asymptomatisch.
Es ist deshalb wichtig, routinemäßige Untersuchungen des Auges durchzuführen, vor allem wenn der Patient kurzsichtig ist oder Kontaktsport betreibt, der zu einem Trauma am Auge führen könnte.
Außerdem ist bei einem kurzsichtigen Menschen die Gefahr für periphere Netzhautdegenerationen größer, die das Risiko einer Netzhautablösung erhöhen können.
Die rhegmatogene Netzhautablösung ist die häufigste Form.
Am Auge operierte Patienten sind gefährdet, vor allem wenn ihnen eine Katarakt (grauer Star) entfernt wurde.

2. Die exsudative Netzhautablösung kann aufgrund einer Entzündung, Verletzung oder Gefäßerkrankung auftreten, die ohne ein vorhandenes Netzhautloch oder einen Einriss zu Flüssigkeitsansammlungen unter der Netzhaut führen.

3. Die zugbedingte Netzhautablösung kann auftreten, wenn sich auf der Netzhaut fibröses oder fibrovaskuläres Gewebe als Folge einer Verletzung oder entzündlichen Erkrankung oder aufgrund einer Gefäßneubildung (Neovaskularisation) bildet, wie bei einer diabetogenen Retinopathie.
Das Narbengewebe zieht die Netzhaut von der darunterliegenden Pigmentschicht ab, auf der sie normalerweise befestigt ist und verursacht somit eine zugbedingte Netzhautablösung.
Die Netzhautablösung hat oftmals die Form eines „Hufeisens“.

 

Ursachen der Netzhautablösung und Risikofaktoren

Eine Netzhautablösung kann in jedem Alter auftreten, doch ist sie bei Menschen über 40 Jahre am häufigsten.
Männer sind häufiger als Frauen betroffen.
Eine Netzhautablösung ist wahrscheinlicher bei Menschen, die:

  1. eine mäßige bis erhöhte Kurzsichtigkeit aufweisen (mehr als 3 Dioptrien);
  2. am anderen Auge bereits eine Netzhautablösung hatten;
  3. eine familiäre Häufung von Netzhautseparationen haben;
  4. eine Kataraktoperation durchführen ließen;
  5. unter anderen Augenerkrankungen leiden, wie Netzhautspaltung (Retinoschisis), Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis) oder degenerative Kurzsichtigkeit;
  6. eine Augenverletzung hatten;
  7. Diabetes haben;
  8. an genetischen Erkrankungen leiden, wie das Marfan-Syndrom und das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS).

Bei Kindern sind die häufigsten Ursachen für eine Ablösung der Netzhaut:

  • angeborene Krankheiten, wie das Marfan- und das Wagner- Syndrom;
  • Traumen;
  • eine zuvor durchgeführte Augenoperation.

Einigen Studien zufolge können hohe Temperaturen das Risiko für eine Netzhautablösung erhöhen:
Die Hitze führt zu einer Dehydratation der Gewebe und kann Veränderungen des Glaskörpers hervorrufen.
Als Folge entstehen Zugkräfte, die zu einer Ablösung der Netzhaut führen können.

 

Symptome der Netzhautablösung

Es gibt Anzeichen und Symptome, die auf eine mögliche Ablösung der Netzhaut hinweisen können, darunter:

  • Schwimmende Körper im Auge (Mouches volantes oder fliegende Mücken),
  • Lichtblitze oder Flashs,
  • Minderung der Sehfähigkeit,
  • Schatten und blinde Punkte im Gesichtsfeld.

Patienten mit Netzhautablösung empfinden keine Schmerzen.

 

Diagnose der Netzhautablösung

Der Augenarzt kann eine Netzhautablösung durch eine Reihe von Untersuchungen der Netzhaut und Pupille beurteilen, wie:

  • Untersuchung des Augengrundes mit Ophthalmoskop,
  • Untersuchung mit Spaltlampe,
  • Ultraschall des Auges.

Therapie der Netzhautablösung

Wenn der Patient Lichtblitze im Gesichtsfeld wahrnimmt, sollte er die Notaufnahme aufsuchen, da es sich um eine Ablösung der Netzhaut handeln könnte.
Erfolgt die Ablösung auf Höhe der Makula (Mittelteil der Netzhaut), empfiehlt der Augenarzt eine sofortige operative Behandlung, um zu verhindern, dass es zu einer irreparablen Verminderung des Sehvermögens kommt.

Ruptur in der Netzhaut
Wenn die Läsion nicht bis zur Netzhautablösung fortgeschritten ist, kann der Augenchirurg eine ambulante Behandlung empfehlen, um die Netzhautablösung zu verhindern und das Sehvermögen beinah vollständig zu erhalten.

  • Laser-Chirurgie (Photokoagulation).
    Der Chirurg richtet den Strahl des Lasers auf den Netzhauteinriss. Zuvor wird eine Kontaktlinse auf der Hornhaut des Patienten positioniert, damit der Augenarzt die Läsion sehen kann.
    Danach erzeugt der Laser Verbrennungen (Spot) um den Bereich der Teilablösung, um Narben zu erzeugen, die die Netzhaut an das Gewebe „schweißen“.
  • Kältebehandlung oder Kryopexie
    Der Chirurg bringt eine Kältesonde auf die äußere Augenschicht direkt über dem Netzhautriss auf und friert den Bereich um die Läsion ein. Die Folge ist eine Narbe, die die Netzhaut an die Wände des Auges schweißt.
    Der Augenarzt zieht diese Laser-Behandlung vor, wenn Trübungen vorliegen (z.B. Katarakt), die die Läsion nicht deutlich erkennen lassen.
    Der Arzt ordnet für die folgenden zwei Wochen eine Zurückhaltung von intensiven Aktivitäten an, um dem durch Kältebehandlung erzeugten Fasergewebe zu ermöglichen, sich zu festigen.

 

Eingriff bei vollständiger Netzhautablösung

Netzhautablösung,NeovaskularisationWenn sich die Netzhaut vollständig abgelöst hat, ist das ein ernstes Problem. Der Arzt führt dann eine Operation durch, um sie zu reparieren.
Wenn die Behandlung nicht innerhalb von 2 Wochen erfolgt, schrumpft die Netzhaut und die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Eingriff wird deutlich vermindert.

Die Eingriffe können zusammen mit Photokoagulation und Kryopexie erfolgen.
Manchmal ist ein zweiter chirurgischer Eingriff erforderlich, um das Problem zu lösen, auch wenn in 80 % der Fälle eine einzige Operation ausreichend ist.
Der Eingriff erfolgt in Lokalanästhesie und in der Regel ist keine stationäre Aufnahme erforderlich.

  • Pneumatische Retinopexie
    Bei diesem Verfahren injiziert der Arzt eine Luft- oder Gasblase in den Glaskörper.
    Die Blase wird so eingebracht, dass sie gegen den Netzhautriss und den umgebenden Bereich drückt und somit den Riss schließt.
    Das Gas stoppt den Flüssigkeitsfluss in den Bereich, wo die Ablösung aufgetreten ist (zwischen Netzhaut und Aderhaut).
    Die Flüssigkeit, die sich im Bereich der Läsion angesammelt hat, absorbiert selbständig und die Netzhaut kann sich erneut an der Hinterwand des Auges (Aderhaut) anlegen.
    Am Ende wird die Blase automatisch absorbiert.
  • Episklerale Cerclage (chirurgischer Eingriff ab externo)
    Bei dieser Operation, auch sklerale Eindellung genannt, näht der Arzt ein Silikonpolster an die Außenseite der Sklera (weißer Teil des Auges).
    Bei mehreren Läsionen oder einer großen Ablösung, kann der Chirurg eine sklerale Cerclage legen, die das ganze Auge wie einen Gürtel umgibt, oder Areale mittels Band oder Polster aus Silikon (Plomben) abdecken.
    Die äußere Augenschicht wird nach innen gedrückt, um die Außenwand des Auges der abgelösten Netzhaut und dem Glaskörper anzunähern; auf diese Weise wird der vom Glaskörper auf die Netzhaut ausgeübte Zug verringert.
    In der Regel verschlechtert sich nach einem solchen Eingriff die Kurzsichtigkeit, was sich jedoch durch eine Brille oder Kontaktlinsen korrigieren lässt.
  • Vitrektomie (chirurgischer Eingriff ab interno)
    Bei diesem Verfahren, entfernt der Chirurg den Glaskörper zusammen mit etwaigem anderem Gewebe, das an der Retina zieht.
    Danach wird Luft, Gas oder Flüssigkeit (Silikonöl) in den Glaskörperraum injiziert, um die Netzhaut wieder zu befestigen.
    Schließlich werden Luft oder Gas absorbiert und der Raum des Glaskörpers wird wieder zu einem flüssigen Körper.
    Zur Entfernung des Silikonöls ist eine weitere Operation nach etwa 2-3 Monaten notwendig.
    Die Vitrektomie wird oftmals zusammen mit einer skleralen Eindellung durchgeführt.

 

Rekonvaleszenz nach der Operation wegen Netzhautablösung

Nach dem Eingriff legt der Arzt einen Verband an, der abhängig von der Art des Eingriffs eine bestimmte Zeit zu tragen ist.
Bei einer pneumatischen Retinopexie muss der Patient nach der Operation je nach Lokalisation der Ablösung eine bestimmte Position des Kopfes, entweder seitlich geneigt, nach vorne gebeugt oder auf der operierten Seite liegend, einnehmen.
Diese Position ist äußerst wichtig, bis die ins Auge gepumpte Luftblase reabsorbiert wurde.

Die Wahrscheinlichkeit des Operationserfolges bei Netzhautablösung ist abhängig von:

  • Anzahl der Läsionen,
  • Ausmaß.

Meist kann die Netzhaut in einer einzigen Operation wieder angelegt werden, auch wenn manche Menschen verschiedene Eingriffe benötigen.
Weniger als 10 % der Ablösungen sind inoperabel.
Das Unvermögen einer Netzhautwiederherstellung führt zu Sehverlust bis hin zur Blindheit.

Nach dem Eingriff hängt die Qualität des Sehens davon ab, wo sich die Netzhaut abgelöst hatte und was die Ursache war:

  • Ist der zentrale Sehbereich (Makula) nicht betroffen, kann die Sehkraft wieder sehr gut werden.
  • Ist die Makula geschädigt, bessert sich die Sehfähigkeit wieder, kann aber verzerrt und wellig erscheinen.
    Viele Menschen können sich mit der Zeit an diese verzerrten Bilder gewöhnen.
  • War die Makula für längere Zeit abgetrennt (Macula-off), ist eine teilweise Wiederherstellung der Sehkraft möglich, sie wird jedoch sehr beeinträchtigt sein.


Operationsergebnisse
In der Regel kann eine Operation die Netzhaut wieder reparieren. Der Grad der Wiederherstellung des feinen und peripheren Sehens hängt davon ab:

  • wie groß der abgelöste Netzhautteil war,
  • ob die Makula abgelöst wurde,
  • ob eine andere Augenerkrankung wie diabetogene Retinopathie vorliegt,
  • wie prompt die Operation durchgeführt wurde.

Tritt im peripheren Sehfeld ein Schatten auf, kann dieser nach der Operation wieder verschwinden, aber es kann eine periphere Sichteinschränkung bestehen bleiben.
Auch wenn die Netzhaut wieder befestigt wurde, kann die detaillierte zentrale Sicht oder das periphere Sehen leider nicht immer wiederhergestellt werden.
Dies kann in jedem Fall geschehen, das Risiko ist jedoch ohne Behandlung höher.

Was geschieht, wenn die Netzhautablösung nicht beseitigt werden kann oder ein Rezidiv auftritt?
Die meisten Menschen verlieren ihre Sehkraft vollständig, wenn keine Operation erfolgt oder eine Behandlung nicht gelingt.
Wenn die erste Operation nicht erfolgreich ist, kann jedoch ein erneuter Versuch zur Wiederbefestigung der Netzhaut durchgeführt werden.

Was geschieht, wenn die Sehkraft nicht wird wie zuvor?
Geht aufgrund einer Ablösung die Sehkraft auf einem Auge verloren, kann man mit dem anderen Auge immer noch sehen.
Manchmal braucht man einige Monate, um sich an das Sehen mit nur einem Auge zu gewöhnen, wenn das andere interferiert.
Mit der Zeit lernt das Gehirn, die verringerte Sehkraft in den meisten Situationen zu ignorieren.

 

Genesungszeit (Prognose) nach einer Operation wegen Netzhautablösung

  • Der Eingriff erfordert in der Regel keinen stationären Krankenhausaufenthalt.
  • Die Wiederherstellung der Sehfähigkeit erfolgt, wenn sich die in das Augeninnere gepumpte Luftblase aufgelöst hat; das dauert einige Wochen.
  • Möglicherweise muss man die körperlichen Aktivitäten so lange einschränken, wie der Chirurg festlegt, etwa 4 Wochen.
  • Patienten mit einer Gasblase im Auge dürfen keine Flugreisen unternehmen oder sich in großen Höhen aufhalten, bis sich die Gasblase aufgelöst hat.
    Das ist gewöhnlich in wenigen Wochen der Fall.
  • Der Augenarzt empfiehlt, eine natürliche Geburt und Stillen an der Brust zu vermeiden, weil diese für die Mutter zu anstrengend sind und den Zustand der Augen verschlechtern können..